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Test: Denon DJ X1800 Prime, DJ-Mixer

22. Juni 2017

Der neue Prime-Mixer?

Denon hat aufgetischt, es gibt Prime

Neue Media-Player, neuer DJ-Mixer, das Ganze als Prime-Serie. So ist zumindest der Anspruch, Oberliga. Dass ein Update kommen würde für die älteren Modelle wie einen Denon DJ SC2900 oder einen Denon DJ DNX 1600, war eigentlich klar, dass es ein Update kommt, was sich anfühlt wie ein Sprung in die Major-League und welches medial auch als solches verkauft wird, das war tatsächlich nicht zu erwarten. So folgen ganz frisch die Modelle Denon DJ X1800 Prime als neuer Club-Mixer und die Media-Player Denon DJ SC5000 Prime. Fast ein wenig abseits hängt der Denon DJ VL12 Prime als neuer DJ-Plattenspieler.

Die Denon DJ Prime-Serie

Zielsetzung von Denon mit den neuen Modellen? Pioneer den Rang ablaufen oder zumindest fleißig am Thron kratzen. Dazu setzt man natürlich auf besondere Features, Konnektivität zwischen Playern wie auch dem Mixer und das Ganze noch gekoppelt mit der neuen Musikmanagement-Software Denon DJ Engine Prime. Was Pioneer mit den CDJ-Modellen und Rekordbox in den letzten Jahren etabliert hat, macht Denon DJ hier in einem Schritt – wohlgemerkt, nicht aus der Hüfte geschossen, sondern nach jahrelanger Entwicklung, während Pioneer fleißig neue Produkte auf den Markt geworfen hat.

#changeyourrider – das war eine Ansage. Derweil hat man einige bekannte Künstler dazu bewegen können, genau dies zu tun und nun auf den Denon Prime-Modellen zu spielen, sei es Laidback Luke, Paul Oakenfold oder seit Neustem Tiësto. Gut, die Richtung ist aktuell ziemlich eintönig, aber schauen wir mal, wer denn bald seinen Rider ändert.

Der Denon DJ X1800 Prime ist auf jeden Fall ein ganz schöner Brocken, das merkt man schon, bevor man das Gerät ausgepackt hat, noch mehr, wenn man es den erst einmal in sein Setup gestellt hat. Mit 7 kg ist er nicht überdurchschnittlich schwer, die Maße aber fallen auf. 31,1 cm breit, damit ein Stück schmaler als der „überbreite“ Pioneer DJM-900NXS2 – dafür aber 3 cm tiefer. Das merkt man in der Tat, optisch wie haptisch.

Denon DJ X1800 Prime – ein erster Blick

Warum die Tiefe? Nun, vollbepackt an der Oberfläche wirkt der Mixer dennoch übersichtlich. Passender Einstieg, um mal einen Blick auf das neue Prime-Modell zu werfen.

Denon DJ X1800 Prime? Alles Oberflächlichkeiten!

Oberflächlichkeiten sind ein gutes Stichwort – nicht, weil der Mixer es ist, sondern eher, weil die Oberfläche tatsächlich schon so einiges über die Funktionen aussagt.

Der Denon DJ X1800 Prime im Überblick

Viel ist drauf auf dem Mixer, das ist auf den ersten Blick klar. Vier Kanalzüge finden sich mittig, die tatsächlich sehr übersichtlich gestaltet sind. Ein Poti mehr findet man, als man vielleicht erwarten würde, dazu gleich mehr. Auswahlschalter für die Eingangsquelle oben als Drehschalter, unter diesem Gain, 3-Band-EQ sowie Filter, getrennt von den Sweep-FX (die bei Pioneer Sound Color FX heißen und das Filter pro Kanal-Zug beinhalten), Cue-Button, Linefader (4,5 cm) und ein gleichlanger Crossfader der Marke Flex Fader.

Die Kanalzüge des X1800 Prime

Links findet sich eine Sektion für Mikrofone, zwei Stück können hier angeschlossen werden. Für beide finden sich separat On/Off-Schalter wie Level-Regler, ein 2-Band-EQ dient der Klangregelung. Talk-Over ist natürlich dabei.

Ebenso linksseitig findet sich eine kleine Sektion für den Kopfhörerausgang. Generell ohne große Überraschungen finden wir hier einen Split-Cue-Schalter, Cue-Mix-Regler und natürlich ein Level-Regler. Raus geht es auf zwei Wegen, 6,3 mm und 3,5 mm Klinke.

Nach der Mitte und der linken Seite kann man gern einmal auf die rechte Seite schauen. Hier finden sich zwei weitere Sektionen. Zum einen die Effektsektion samt allen Bedienelementen und Display – dazu später aber ausführlich – sowie die Sektion für den Master- wie Monitorausgang und ein paar Einstellungen. Ausführlich heißt das, dort finden sich die Regler für den Master- wie auch den Monitoringausgang, ein Pan wie auch das LED-Metering für den Masterkanal. 16 Glieder haben diese, von grün über weiß bis blau. Obwohl das nur eine LED mehr ist als bei einem DJM-900NXS2 und die Ketten beide rund 10 cm lang sind, wirkt das LED-Metering am X1800 Prime deutlich kräftiger. Grund: Die LED-Glieder sind größer und heller. Der Master-Out kann mono wie stereo genutzt werden, eine kleiner Schiebeschalter an der Oberseite gibt hier die Auswahlmöglichkeit. Ebenso kann Fader-Start oder Crossfader-Start ein- oder abgeschaltet werden.
Für beide Faderarten kann per Poti die Faderkurve eingestellt werden. Stufenlos wohlgemerkt.

Einstellungen für die Faderkurven finden sich in Form von Reglern

Soweit schon einmal einiges an Funktionen, dennoch ist der X1800 sehr übersichtlich gestaltet, zumindest, wenn man sich einmal einen Überblick verschafft hat. Ohne aufdringlich zu sein differenzieren Farbgebung von Oberfläche und Potikappen unterschiedliche Funktionen, ebenso wie durch Umrandungen markierte Flächen und Funktionen. Grüne Tasten, blaue und weiße Tasten, alles hat eine klare Linie – Blau = Cue, Grün = FХ und Mikrofon-Sektion und Weiß gewissermaßen Einstellungen.

Soweit zur Oberfläche, ein Blick nach hinten.

Ein Blick auf die Rückseite lohnt immer

Auch wenn die Rückseite übersichtlich gestaltet ist, bietet sich hier nahezu alles an, was zu wünschen wäre. Cinch-Inputs jeweils für Phono oder Line finden sich hier für jeden Kanalzug. In 2017 angekommen finden sich zusätzlich dazu natürlich auch digitale Eingänge, ebenso ein digitaler Ausgang, koaхial für das Master-Signal. Analog bietet der X1800 ansonsten zwei Ausgänge, XLR oder Cinch. Ebenso Cinch geht es übrigens parallel dazu raus für den Record-Out, Monitore lassen sich per 6,3 mm Klinkenkabel anschließen, ebenso Effekte auf dem Send- und Return-Weg. Es gibt einen MIDI-Out, ebenso den Eingang für das zweite Mikrofon als 6,3 mm Klinke. Letzter Punkt: Fünf Netzwerkbuchsen, eine davon für die Anbindung des Mixers zu einem PC, vier davon zum Anschluss der SC5000 Media-Player – es wird also kein externer Hub mehr benötigt. Soll ich jetzt sagen, dass ich da, von Pioneer bekannt, fünf absolute Schwachstellen in einer Reihe verbaut sehe? Ich hätte gehofft, Denon DJ löst das Problem, was Pioneer bisher (die Tour-Modelle mit EtherCON-Buchsen ausgenommen) nicht lösen konnte oder wollte.

Funktionen und Funktionalität oder: Versprechen und Praxistest

Denon DJ verspricht viel und möchte mit dem X1800 Prime das Niveau auf dem Mixermarkt anheben. State of the Art ist das Minimum. Tatsächlich tut Denon DJ viel dafür und hat dem X1800 Prime einiges an Funktionen spendiert, die auf Oberliganiveau sind.

Aber neben den sichtbaren Funktionen schlummert im Gehäuse des digitalen Mixers tatsächlich noch viel mehr, Stichwort: Einstellungen – und ja, da gibt es viele.

Das beginnt zum Beispiel bei den beiden Effektsektionen, BPM-FX und Sweep FX, die natürlich separat genutzt werden können. Neuerung für DJ-Mixer dabei allerdings: Das Filter, welches in jedem der vier Kanäle zu finden ist, kann noch einmal dazu separat genutzt werden. Dieses findet sich mit einem Regler pro Kanalzug als bipolares Filter samt Mittenrasterung und An/Aus-Schalter seitlich der Kanäle. Die Taste ist übrigens auch schön groß, größer als bei Konkurrenzmodellen, so dass man sie on point treffen kann. Was man bedauerlicherweise nicht spontan kann: die Resonanz des Filters einstellen. Um dies zu tun, muss man ins Menü des Mixers, dort kann man die Resonanz in einem Wertebereich von 0 (niedrige Resonanz) bis 15 (hohe Resonanz) einstellen.

Settings generell sind ein sehr gutes Stichwort, denn hier kann wirklich eine Menge eingestellt werden. So könnte man zum Beispiel auf der Oberfläche einen Schalter vermissen, der den EQ zwischen Classic-EQ und Isolator umstellen lässt. Ein, zwei Klicks in die Settings und los geht es.

Hier kann zwischen EQ und Isolator gewählt werden, mehr noch die Crossover-Frequenzen können frei gewählt werden in vorgegebenen Schritten von 100 bis 800 Hz und von 1000 bis 8000 Hz. Ziemlich geil! Der EQ bietet dann als klassischer EQ eine Range von -24 dB bis +6 dB oder als Isolator von Full Kill bis +6/+10 dB – jeweils wie auf der Mixer beschriftet (Mid und High bis +10 dB, Low bis +6 dB).

Weitere Einstellungen? Damit es nicht ausartet im Schnelldurchlauf. Mikrofon: Gain von -10 bis +10 dB, Talk-Over-Level mit -20 oder -40 dB, EQ High und EQ Low mit verschiedenen Crossover-Frequenzen, Kopfhörerausgang: Level einstellbar von -15 bis 0 dB. In den Advanced Settings kann die Sample-Rate des Mixers eingestellt werden (44,1 kHz, 48 kHz oder 96 kHz), Master-Out-Level von -15 bis 0 dB und selbiges für den Booth-Out. Auch kann hier das Routing der Soundkarte verändert werden wie auch die Einstellungen für die digitalen In- und Outputs. Damit haben wir noch lange nicht das Ende erreicht. Es gibt noch Einstellungen für den Crossfader und den Send- und Return-Weg bezüglich des Pegels.

Ach, und möchte jemand die Effekte einstellen? Kein Problem. Die Reihenfolge der Effekte in der Liste kann frei gewählt werden. Oder es gefällt die Farbe des FX-Buttons nicht? Kein Problem, statt Grün gäbe es auch noch Rot, Gelb, Blau oder zum Beispiel Orange.

Wenn es nicht genug wäre, es gibt dann auch noch die Sуstemeinstellungen. Hier kann man dann zum Beispiel die Farben der Cue-Button ändern oder den Modus. Cue Solo Mode an oder aus – heißt: Schaltet man einen Kanal Cue aktiv, schalten sich entweder alle anderen ab oder man kann mehrere gleichzeitig anwählen. Was gäbe es noch? Engine Connect, gar nicht so unwichtig. Hier kann gewählt werden, ob der X1800 Prime von im Netzwerk befindlichen SC5000 Prime Timing und BPM-Daten erhalten soll. Das kann automatisch geschehen oder manuell gewählt werden.
Da der X1800 Prime MIDI unterstützt natürlich hierzu auch noch etwas: Active und Clock-Send, über USB (Port 1 oder 2) oder über den MIDI-Out.

Last but not least, nachdem man alles fleißig verstellt hat, gibt es den Factorу-Reset. Jetzt mal ernsthaft: Gibt es hier eigentlich etwas, was man nicht einstellen kann? Denon DJ zieht hier in jedem Fall massiv durch, was die Vorteile von digitalen Mixern angeht, das ist klar.

Ein ganz interessantes Feature ergibt sich erst bei Vervollständigung des Prime-Setups und Verlinkung von Playern mit dem Mixer. Abgesehen davon, dass natürlich der Zugriff aller Player auf eine Quelle möglich wird, Master und Sуnc und so weiter (ein Thema für den Player-Test), konfiguriert auf der Mixer sich entsprechend des Anschlusses der Player. Im Einzelnen bedeutet das, dass er die beiden Decks der Player (Spoiler-Alarm, jeder Player kann parallel zwei Tracks spielen), auf die vier Kanäle verteilt und zwar so:

Regelwerk der Bedienungsanleitung: Wie man die Player richtig verlinkt

Das ist dahingehend wichtig, dass die Cue-Buttons sich der jeweiligen (frei wählbaren) Deck-Farbe anpassen. Weiterhin bekommt der Mixer die Tempoinformationen direkt von den Playern übermittelt – was natürlich mit den jeweiligen Kanälen dann harmonieren muss.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    borg029un03  

    Wie sieht es mit den gesendeten Clock Signalen aus? Wie tight sind die zu den gespielten Tracks? Die BPM Detection funktioniert auch gut über zB Vinyl?

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Tut sie. Die BPM-Erkennung funktioniert zumeist sehr gut inkl. der Stelle nach dem Komma. Bei Vinyl je nach Plattenspieler und Laufschwankungen natürlich davon abhängig.
      Nach ca. 8 Sekunden hat der BPM Counter das Tempo erkannt bei einer Platte.
      Das gesendete Clock-Signal richtet sich natürlich dann nach diesem. Nicht vergessen darf man, Midi-Clock oben am Knopf einzuschalten, sonst passiert es einem wir mir, der erstmal minutenlang am Empfangs-Gerät den Fehler sucht, dann eher durch Zufall nochmal die Erinnerung an den kleinen Knopf findet. Gedrückt, Problem in Sekunden gelöst.

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