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Test: Dexibell Combo J7, Digital Organ

Dexibell Combo J7 Organ Section

Die Dexibell Combo J7 hat klanglich aber noch eine weitere Sektion zu bieten: Orchestral Tones. Über 100 Sounds der Kategorien Piano, E-Piano, Brass/Ensemble und Synth/Other sind, wie die Orgel-Presets, per Taster direkt abrufbar. Bei einer Stage-Orgel sind solche Zugaben nicht ungewöhnlich, man kennt das schon von anderen Herstellern, und weitere bzw. andere kann man auch selber ins Instrument laden. Neben dem proprietären Dexibell Format akzeptiert die Combo J7 das recht universelle Soundfont-Format, wofür zusätzliche User-Speicherplätze bereitstehen.

Die Klangqualität der mitgelieferten Orchestral Tones ist ein wenig unterschiedlich geraten. Während einige Highlights darunter zu finden sind, etwa Vibraphone, Soprano Sax, Cool Clav, Slow Strings, Rhodes EP und VIVO Grand, sind andere nicht besonders ansprechend. Ganz arg missraten ist die Overdrive Guitar und das FM-E-Piano.

Bei einigen Sounds der Dexibell Combo J7 lässt sich das Timbre ändern, so etwa beim Piano String Reso, Growl für Electric Piano, Blow bei Woodwinds. Die Eingriffsmöglichkeit in die Sounds ist drastischer möglich, als es auf den ersten Blick scheint. Aus einem sehr braven Rhodes E-Piano etwa lässt sich ein ruppiges Stagemodell machen, das eine Menge Barking im Bass, cool rappelige Tines und ordentlich Bell Attack hat. Die Werkspresets sind eher eine Art Ausgangsbasis und jeder neue Besitzer darf sich ohne Umschweife ermutigt fühlen, direkt Hand anzulegen, was übrigens auch ohne besondere Lernkurve zu schaffen ist. Eine nette Chord-Enhancer-Function (siehe unten) steht für einige Sounds zusätzlich zur Verfügung. Relativierend ist zu berücksichtigen, dass viele dieser Klänge erstens für den Bühneneinsatz, auch im Ensemble, vorgesehen sind und daher solo gespielt hier und dort auch mal weniger gut wegkommen als im Songkontext, zweitens für sekundären Einsatz als Layer und Split-Mode gedacht sind und drittens es sich auch um reine Geschmacksache handelt. Wie solche Layers/Splits ab Werk klingen, hören Sie in der Playlist. Die Auswahl selbst will eindeutig den großen Bogen spannen und liefert von Klavieren über Musette bis Jazz-Guitar und OB-Synth eine hübsche Menge, der Soundpool jedoch für die finale Selektion war offensichtlich nicht allzu umfangreich. Zwar kündigt Dexibell weitere Sounds via Website an, für den Sofortbedarf ist jedoch Selbsthilfe angesagt. Importiert werden die Soundfonts per USB-Stick.

Kommen wir zur Tastatur

Wir haben es mit einer 73er Typ Waterfall zu tun, die Bespielbarkeit ist tadellos. Der komfortable Tastenumfang lädt dazu ein, das Instrument fast wie eine zweimanualige Orgel plus Basspedal zu verwenden. Upper, Lower, Lefthand-Bass, Basspedal (optional via MIDI) sind möglich, Splitpunkte sind an beliebigen Positionen zu setzen. Dazu kommt eine praktische Koppelfunktion. Die Drawbars werden fürs Setting dann per Button jeweils den Sektionen zugeordnet.

Dexibell Combo J7 Sound Memory Section 2

Selbstredend stehen weitere typische und nützliche Parameter dafür bereit: Volume, Octave, Effects, Equalizer. Damit so was dauerhaft abrufbar bleibt, wird das in der Memory Section gespeichert. Intern gibt’s 36 solcher Presets, extern kann das auf USB-Stick und dort in unbegrenzter Menge archiviert werden. Anstelle der Buttons kann man sich die Memory-Presets-Liste auch im Display anzeigen lassen, durchscrollen und das Preset der Wahl per Recall aufrufen. Wir haben es also neben dem Bank/Preset-Button System zusätzlich mit dem Display-Setlist-System zu tun. Das geht ok, auch wenn ich eine LED mit zweistellig-numerischer Anzeige für wirklich guten Überblick ein bisschen vermisse. Der Factory-Memory-Content der Dexibell Combo J7 ist bereits mit recht guten Presets bestückt, die vor allem veranschaulichen, wie man sich das für die eigene Setlist gestalten kann.

Insgesamt gesehen ist die Tastatur für diese klangliche Bandbreite ein gangbarer Kompromiss. Schwerpunkt der Combo J7 ist eindeutig alles, was direkt mit Orgel zu tun hat. Die Tasten sind bei diesem Typ Waterfall regelmäßig recht kurz, etwa wie bei einem Synthesizer, was für nahezu alle anderen Sounds ebenfalls in Ordnung geht, nur nicht beim Klavier. Hier führt das zu einer gewissen Beeinträchtigung, was auch für dessen Dynamikumsetzung gilt. Allerdings gibt es immerhin mehrere Velocity-Settings, um sich das wenigstens an die eigene Spielweise anzupassen. Pluspunkt: Diese Art Tastatur ist verantwortlich für das geringe Transportgewicht von gerade mal 10 kg und wer ständig Gigs hat, weiß so etwas zu schätzen.

Und es geht noch mehr

… denn Dexibell war mit zahlreichen und sehr praktischen Extra-Functions ganz und gar nicht knauserig. Zunächst ist da der Song-Player, der griffgünstig ganz rechts auf dem Panel untergebracht ist. Man kann MP3-, WAV- und AIP-Files per USB-Stick sogar als Playlist einzeln ansteuern und etwa als Playback zur eigenen Performance abspielen. Volume- und Transportkontrolle inklusive, dazu eine Loop-Funktion. Wem das nicht genügt, der nutzt die Bluetooth-Verbindung und streamt Tracks vom Smartphone und Tablet. Und die eigene Performance samt Overdub-Option kann man auf einen USB-Stick direkt aufnehmen.

Unter den weiteren Optionen

… befindet sich der umfangreiche Master-EQ, der sowohl für die Feinabstimmung der Sounds als auch für Raumbedingungen dient. Dafür gibt es griffgünstig in der Panelmitte positionierte Regler, die Werte lassen sich stets im Display kontrollieren. Die Gain-Regelung von bis zu -12 und +12 dB eignet sich auch für recht deutliche Korrekturen. Eine kleine Liste stellt sofort nutzbare EQ-Presets bereit, darunter etwa Rock und Headphones und für eigene Einstellungen gibt’s drei User-Speicherplätze.

Wo es gerade um das Display der Dexibell Combo J7geht:

Obwohl nicht sonderlich groß, haben es die Entwickler geschafft, stets genau die Informationen damit zu übermitteln, die von Bedeutung sind. Ob Drawbar-Settings samt Keyboard-Split in ziemlich kleiner, dennoch gut erkennbarer Grafik, oder Equalizer-Parameterwerte in großen Ziffern – es tut einwandfrei seinen Dienst. Leuchtstärke und Kontrast stimmen auch.

Dexibell Combo J7 Display Drawbars

Ein netter Effekt ist der Chord-Enhancer, mit dem Brass/Ensemble- und Synth-Sounds automatisch harmonisiert werden können. Voraussetzung ist mindestens ein Dreiklang, hinzugefügt werden insbesondere Basstöne und Oktavierungen. Um Ihnen zu verdeutlichen, wie das klingt, habe ich der Sache einen Track in der Playlist gewidmet. Sie hören zuerst stets das Preset und anschließend folgt es mit aktivierter Chord-Enhancer-Funktion.

Und es gibt, neben Master-Tune, einige Microtonal-Tuning-Tables für die Pipe- und Orchestral-Sounds sowie mehrere Velocity-Settings fürs Keyboard, um diese den eigenen Ansprüchen anzupassen.

Ein weiteres Gimmick ist die XMure-App für iPhone und iPad. Audio-Backing-Tracks können während der eigenen Performance in Echtzeit kontrolliert werden, spezielle Algorithmen sollen das ermöglichen.

Vielleicht besteht irgendwann die Möglichkeit, so etwas innerhalb eines Workshops genauer zu untersuchen. Überhaupt ist die Liste aller Funktionen derart umfangreich, dass nichtmal alle im Rahmen eines Testberichtes ausführlich zur Sprache kommen können. Aber halt, eines noch: Ein hübscher Notenhalter wird mitgeliefert.

Anschlüsse

Hier geht’s überschaubar zu. Die Dexibell Combo J7 besitzt zwei Audioausgänge für beide Stereokanäle, wobei der linke für Monobetrieb verwendet werden kann, dazu zwei Eingänge für Pedale, Typ Controller und Expression, denen nahezu beliebige Funktionen zuzuordnen sind, sowie ein Damper-Pedal-Eingang, wobei ein solches Pedal leider nicht im Lieferumfang enthalten ist. Die beiden USB-Buchsen sind jeweils für Computerverbindung bzw. Stick vorgesehen. Dann sind da noch ein Audioeingang für Typ Miniklinke, etwa einen Player, sowie zwei Kopfhörereingänge, wobei einer davon ebenfalls Miniklinke ist. Supersache, ist also für zwei Leute gleichzeitig. Und es gibt die drei obligatorischen MIDI In, Out, Thru. Hier kommt auch das MIDI-Bass-Pedal dran.

Die Stromversorgung erfolgt mit dem mitgelieferten externen Netzteil, was mir nicht so recht gefallen will, denn es wird mit kleinem Stecker ans Instrument angeschlossen, das Stromkabel selbst wiederum am Netzteil. Kindersichere Bühnenversion ist was anderes.

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite und sind durch den Panelüberhang einerseits gut geschützt, es stehen also keine Stecker heraus. Andererseits ist die Beschriftung auf das helle Panel gedruckt, während die darunterliegenden Buchsen aber wegen des schwarzen Gehäuseunterbaus nicht besonders gut zu sehen sind.

Dexibell Combo J7 Anschlüsse Rückseite

Gut zu sehen: Beschriftung der Anschlussbuchsen. Nicht gut zu sehen: Anschlussbuchsen.

Nach dem Einschalten vergehen knapp 45 Sekunden, bis das Instrument spielbereit ist. Das liegt an den 75 Sounds-Factory-Content, die zunächst geladen werden müssen. Und auch beim Ausschalten gibt’s eine Besonderheit: Nachdem der Power-Schalter betätigt wurde, erscheint im Display die Abfrage Turn Off?, was mit Yes oder No bestätigt oder verworfen werden muss. Beim Ausschaltvorgang fahren die Drawbars in 0-Position zurück. So, und bevor Sie dann die Combo J7 nach dem Antesten im Laden ausschalten: Es sind nicht weniger als 33 Demosongs an Bord, die wichtigsten Sounds werden darin demonstriert, hören Sie sich das einfach gemütlich beim Kaffee an. Da sind nämlich tolle Sachen dabei!

Dexibell Combo J7

Fazit

Dexibell hat mit der Dexibell Combo J7 einen tollen Wurf gelandet. Die offensichtlich sehr erfahrenen Entwickler haben sich zunächst auf völlig bodenständige und praktische Features festgelegt. Da ist der 1A-Sound mit seinen Modifikationsoptionen der TW-Modelle, was man auch den weiteren Transistororgel- und Pipe-Modellen attestieren kann. Dazu kommt das einzigartig motorisierte Draw-Fader-System samt Morphing, was sicherlich sehr vielen Orgelspielern ziemlich gut gefällt. Auch ist es eine gute Idee, nicht nur bereits ab Werk mit zweckdienlichen Zusatzsounds anzurücken, sondern obendrein den völlig problemlosen Import des universellen SF-Sampleformats per USB zu ermöglichen. Das Handling ist super, die wichtigsten Funktionen sind direkt erreichbar, das weitere displaygesteuerte System leicht verständlich. Eine Hilfe ist die ausführliche und leicht lesbare Bedienungsanleitung, die allerdings in Englisch ist.  Abgerundet wird das mit einer ganzen Reihe feiner und auch vieler neuer Ideen, die den Alltag eines Organisten komfortabel gestalten. Für alles das ist der aufgerufene Preis von 2.390,- Euro im Vergleich zur Konkurrenz vielleicht kein Schnäppchen, für ein derart modern konzipiertes Instrument jedoch völlig angemessen.

Plus

  • Sound und Individualisierung
  • motorisierte Drawbars
  • Handling

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 2.390,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    Son of MooG  AHU

    Die motorisierten Draw-Fader mit Morphing-Funktion sind schon eine feine Sache. Wenn man diese dann noch für MIDI-CCs selbst konfigurieren kann, wäre das noch feiner.

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      costello  RED

      Leider stimmt das. Und ausgerechnet die Orgel gehört nicht zu den Stärken des Kurzweil. Aber die Farfisa kriegt Dexibell ganz überzeugend hin, finde ich.

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        k.rausch  RED

        Vielleicht noch ein paar andere Demos anhören für ein klares Bild. Die Combo J7 stand hier im Test neben der Hammond-Suzuki SK1 und Nord Stage 2 und liegt mit beiden klanglich mindestens gleich auf, in einigen Details ist sie besser. Übertroffen wird die J7 von der neuen Hammond-Suzuki XK5 und vielleicht auch der Uhl und die Mojo liegt ebenfalls einen Tick drüber. Meine eigenen Ideale sind Vintage B3 und M3, und innerhalb dieser Range macht die J7 klanglich vor Ort eine super Figur. Schwachpunkt Rotary Speaker spielt bei den Audio Tracks sicherlich eine Rolle. Und da ist vorstellbar, dass der Hersteller bei einem OS Update nachlegt.

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        Organist007  

        Sooo schlecht ist der KB 3 Modus des Kurzweil auch wieder nicht. ich spiele mit dem Kurzweil Artis ganz gerne. okay, nord electro ist mir bei orgeln auch deutlicher lieber oder voce micro b in Verbindung mit einem BURN pedal.
        was ich aber wirklich suche und bisher nicht fündig geworden bin ist eine gute Simulation einer farfisa compact (wenn möglich mit integriertem binson echo..;)
        nord electro bietet da zu wenig einstellungsmöglichkeiten, vielleicht sollte ich einmal ARTURIA als Softwarelösung probieren. Und die „neue“ Vox Continental von KORG finde ich grottenschlecht, obwohl sie geil aussieht.Wenn es eine gute Simulation einer Farfisa Compact (duo) als hardwarelösung gäbe, würde ich sie kaufen – auch ohne zusätzliche sounds wie e-pianoetc.
        also BEHRINGER: baut doch bitte einen clone der farfisa compact, bitte!!!

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          costello  RED

          Nun ist die Tastatur beim großen Kurzweil für’s Orgelspiel ohnehin nicht so gut geeignet. Ich habe aber vor allem immer das Gefühl, die Klänge würden nicht unmittelbar umgesetzt. Also als ob ich quasi mit Latenz spielen würde. Vielleicht ist es auch die Leslie-Simulation, die mir nicht gut gefällt. Jedenfalls bin ich mit den Resultaten des Creamware B3000, gespielt über eine leichte Yamaha Mox 6-Tastatur, sehr viel zufriedener.

  2. Profilbild
    Organist007  

    weshalb gibt es nur so wenige Videos auf YouTube etc. ??
    nur professionelle Werbevideos Ralf schink und der Italiener, aber keine private user ?

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