Authentisches Software-Piano zum kleinen Preis
Bisher konzentrierte sich der italienische Hersteller Dexibell auf Stage-/Digitalpianos und Orgeln. Vor allem aufgrund der Kombination aus Physical-Modeling und Samples sind die Pianos des Herstellers klanglich sehr breit aufgestellt. Mit dem Dexibell T2L Piano ist seit Kurzem das erste Plug-in des Herstellers erhältlich. Die für Mac, PC und Linux erhältliche Software haben wir uns einmal näher angeschaut.
- Klangerzeugung: Kombination aus langen Samples und Physical-Modeling für Resonanzen, Saiten- und Pedalgeräusche.
- Sounds: Fünf Flügel und drei Klaviere mit insgesamt 38 Presets für Klassik bis Pop/Rock.
- Bedienung: Übersichtlich gestaltetes GUI mit direktem Zugriff auf Stimmung, Modeling-Parameter und Effekte.
- Preis-Leistung: Solides Software-Piano mit vielseitiger Effektsektion zum attraktiven Preis von 99,- Euro.
Inhaltsverzeichnis
Übersicht: Dexibell T2L Piano
Hinter dem Kürzel T2L steckt Dexibells Technologie „True to Life“. Bei dieser Klangerzeugung, die auch in den Stage- und Digitalpianos des Herstellers zum Einsatz kommt, setzt man auf eine Kombination aus Samples und Physical-Modeling, wobei der Hersteller betont, dass die Samples eine Länge von bis zu 30 s (24 Bit/48 kHz) aufweisen dürfen. Instrumentenspezifische Klangbestandteile wie Resonanzen, Saiten oder Pedalgeräusche werden dann mit Physical-Modeling erzeugt und herauskommen sollen authentisch klingende Pianos.
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Mit entsprechend wenig Speicherplatz kommt das Dexibell T2L Piano auch aus. Im Gegensatz zu rein auf Samples basierten Software-Instrumenten, die oft einen zweistelligen Gigabyte-Platz auf der Festplatte benötigen, gibt sich das T2L Piano mit 5 GB zufrieden.
Gleichzeitig sind die Anforderungen an den Computer nicht allzu hoch. Dexibell gibt als Mindestvoraussetzung keine spezifische CPU an, lediglich Windows 10/11, macOS 10.13 (oder neuer) bzw. Linux Debian/Ubuntu 20.04 (oder neuer), jeweils mit 8 GB RAM, werden unter den Systemvoraussetzungen aufgeführt.
Die Piano-Software Dexibell T2L Piano kann sowohl Standalone als auch in den Plug-in-Formaten VST2, VST3, AAX, CLAP, LV2 und AU zum Einsatz kommen.
Die Installation des T2L Pianos ist schnell erledigt. Für macOS, Windows und Linux stehen unterschiedliche Download-Dateien zur Verfügung. Ist alles heruntergeladen und installiert, lässt sich das Piano wie gesagt Standalone oder in der DAW nutzen. Getestet habe ich das Dexibell T2L Piano unter macOS.
Bedienoberfläche
Das GUI des Dexibell T2L Pianos ist übersichtlich gestaltet, wirkt für meinen Geschmack aber etwas altmodisch. Vergleicht man das Design mit aktuellen Software-Instrumenten von Native Instruments oder Universal Audio, setzt Dexibell auf einfachere Grafiken ohne Effekte, große Regler mit klaren Beschriftungen, was für den alltäglichen Workflow aber zielführender ist. Das ist aber letztlich Geschmacksache.
Im Mittelpunkt des GUI steht eine Abbildung eines Flügels/Klaviers samt entsprechendem Namen und der Möglichkeit, durch die Presets des Plug-ins zu klicken.
Die linke Seite des GUIs ist zum einen den drei Reglern zur Stimmung des virtuellen Pianos vorbehalten. Neben der Grundstimmung lässt sich mit Coarse- und Fine-Tune auch detailliert einstellen, wie das Piano klingen soll. Über das darunterliegende Menü lassen sich auf Wunsch vorgefertigte Presets aufrufen.
Die zwei darunter befindlichen Sektionen Resonance und Noise bieten insgesamt fünf Parameter, die auf dem oben erwähnten Physical-Modeling beruhen und die instrumentenspezifischen Klangeinstellungen justieren.
Auf der rechten Seite des GUIs befinden sich der Lautstärke- und Panorama-Regler, dazu lassen sich hier die Effekte und die virtuelle Position des Klavier-/Flügeldeckels einstellen.
Insgesamt ist die Bedienung des Dexibell T2L Piano selbsterklärend. Wie bereits beschrieben, ist alles klar ersichtlich und alle Regler entsprechend leicht verständlich. Hier gibt es keine tiefgehenden Menüs, sondern eine gute Bedienführung, so dass man alle wichtigen Elemente stets im direkten Zugriff hat.
Welche Sounds bietet das Dexibell T2L Piano?
Insgesamt hat Dexibell sein T2L Piano mit fünf unterschiedlichen Flügeln ausgestattet. Hinzu gesellen sich drei Klaviere. Die Flügel tragen die Namen ihrer Herkunft. USA, Japan, Italian, German und French lassen entsprechend erahnen, dass es im Original hierbei um Flügel von Steinway, Yamaha, Fazioli und Bechstein geht.
Das French-Modell geht laut Dexibell auf einen Flügel eines privaten Besitzers zurück, der einen aus dem 19. Jahrhundert stammenden Flügel sein Eigen nennt, der ungefähr einem Modell entsprechen soll, das beispielsweise Frédéric Chopin besaß. Klanglich unterscheidet sich dieser Sound sehr stark von den anderen vier Modellen und sorgt dafür, dass man eine zusätzliche Klangfarbe heranziehen kann, beispielsweise für romantischere Stücke.
Bei den Klavieren hat sich Dexibell für die Bezeichnungen Upright, Ragtime und Honky Tonk entschieden. Hier bekommt man also eine sehr große Auswahl geboten, so dass man stilistisch (hoffentlich) viel abdecken kann.
Für das T2L Piano hat Dexibell insgesamt 38 Presets zusammengestellt, die die klangliche Bandbreite des Software-Instruments aufzeigen. Unabhängig von den acht Modellen kann man sich hiermit einen guten Überblick verschaffen, was klanglich möglich ist. Neben den hier gezeigten Klangbeispielen gibt es auf der Dexibell Website und auf YouTube zahlreiche Demos zum T2L Piano. Diese sollten sich Interessenten vorab ausgiebig anhören, denn Dexibell bietet für das T2L Piano leider keine Demo-Version an.
Mir persönlich gefällt der Grundcharakter des Piano-Instruments sehr gut und dank der vielfältigen Parameter lässt sich beim T2L Piano auch vieles individuell und detailliert einstellen. Allerdings hätte ich in Anbetracht des großen Flügel- und Klavier-Repertoires mehr klangliche Abwechslung erwartet. Irgendwie klingen mir Pianos zu ähnlich und die Herkunft, d. h. Steinway, Yamaha & Co. ist oft nur schwer zuzuordnen.
Die drei Klavier-Modelle heben sich von den Flügeln logischerweise gut ab und zeigen an vielen Stellen ihre klanglichen Qualitäten. Die Namen Ragtime und Honky Tonk sind hier klares Programm, d. h. wer öfter mal solche Sounds benötigt, sollte sich die folgenden Demos in Ruhe einmal anhören.
Wie ist Dexibells T2L Piano also einzuordnen? Meiner Meinung nach bekommt man mit diesem Software-Piano eine gute Kollektion von Pianos geboten, die sowohl für den Klassik- als auch den moderneren Pop/Rock-Bereich geeignet ist. Bei Stagepianos und Workstations spricht man hier öfter mal von „Brot-und-Butter“-Sounds – das trifft es beim T2L Piano auch ziemlich gut. Preislich liegt das Software-Instrument von Dexibell auf einem niedrigen Niveau.
Wer dagegen eher cineastische Klänge sucht, möglicherweise auch noch mit internen Arpeggiatoren garniert, wird bei den aktuellen Pianos von Native Instruments sicherlich eher fündig. Als Alternative, wenn auch deutlich teurer, sollten sich Interessenten Pianoteq 9 oder die Ivory 3 Pianos anschauen.
Diese Effekte bietet das Dexibell T2L Piano
Um die vielen Sound des T2L Piano passend in Szene zu setzen, hat Dexibell sein erstes Software-Instrument mit allerhand Effekten ausgestattet. Zum einen gibt es 24 Reverb-Typen, vom kleinen Room- über klassische Hall- und diverse Spezial-Presets wie Cave, Arena oder Venue bietet das T2L Plug-in eine große Auswahl, um das Piano in die passenden virtuellen Räume zu stellen.
Darüber hinaus bietet das Dexibell T2L Piano drei individuelle FX-Blöcke. Hier lassen sich unterschiedliche Effekte wie Delay, Chorus, Flanger, Rotary, WahWah und Overdrive, aber auch Dynamik-Tools wie Kompressor etc. dem Signal hinzumischen. Über die Hauptseite des GUI hat man jeweils zwei Parameter im Direktzugriff, über einen Klick auf den Edit-Button öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem weitere Parameter zur Verfügung stehen. Die Effekte lassen sich also allesamt sehr detailliert einstellen – toll. Schade ist nur, dass man die Effekte nicht zum Host-Tempo der DAW synchronisieren kann.







































Es gibt inzwischen schon wirklich viele Pianos als Softwaresampler. Der Markt ist megavoll! Haufenweise Bundles, DAW Stock-Sampler, Give-Aways und das hauseigene Entertainment-Keyboard usw. Ein Wahnsinn! Zum T2L: Die Bedienoberfläche schaut echt gut und vor allem übersichtlich aus. Gefällt mir fast besser als die von Native Instruments. Diese haben zwar immer sehr schöne 3D-Bilder, aber die Bedienelemente sind wenig kontrastreich und teilweise derart klein und grob (Hüllkurven, Flügeldeckel), dass diese unmöglich zu bedienen sind. Vor allem ist der T2L eines: Ein simples Piano und nicht irgendwelche metallisch-klingenden, LoFi-klingenden, blechern-klingenden Pianos etc.pp. Das sind alles nette/kreative Ideen, aber macht es die Songs wirklich einzigartiger? Votum? Nein! Im Mix haben mich diese Sonderpianos immer derart genervt, dass ich über kurz oder lang auf ein normales Piano bzw. Flügel zurückgegangen bin. Ein wenig Hallsülze darauf und jedes Piano wird zum Lang Lang – Konzertflügel. Die 99€ sind jetzt meiner Ansicht nach kein Schnäppchen, denn selbst kostenlose gibt es inzwischen genauso viele wie Sand am Meer als auch teure aka ein Börsendorfer Grand-Plugin. Aber für ein vernünftiges, das einfach dezente Differenzen zwischen den klängen bietet und einem schönen GUI, geht das in Ordnung. Hätte ich nicht schon zehntausende, die kein Mensch braucht, wäre dieses in der engeren Auswahl und vermutlich hätte ich es sogar gekauft. Es gibt aktuell einen spürbaren Rückgang der Loudness-War, dafür kommt jetzt dank mir der erste Piano-War! Wer überbietet sich zuerst?
Samplebasierte Pianos gibt‘s wirklich zum Schweine füttern. Ist für mich eine dead end street. Die Bibs werden immer größer. Physical Modelling ist mMn. einen zweiten Blick wert. Hier teils teils.
Ich benutze ein SX7 T2L Hardware-Modul und finde, dass das wesentlich plastischer und nuancenreicher klingt als dieses Plugin. Wenn ich mir die entsprechenden Snippets aus den Testberichten der Dexibell Stage Pianos hier anhöre, komme ich zum gleichen Ergebnis: die Hardware klingt viel besser.
Wer es noch realistischer haben will (und den Speicherplatz für die Unmengen an Samplematerial hat), sollte sich die Vienna Symphonic Pianos kaufen. Da sitzt man dann scheinbar vor dem echten Bösendorfer & Co.
@meilstone Ich habe mir gerade des Test zur Hardware durchgelesen und ja, sehr interessant das diese Firma ein Hardware-Pianomodul hat. Robust und schön ist es ebenfalls. Es ist jetzt wirklich schwierig zu beurteilen, aber ich hatte in der Tat den Eindruck, dass Grand-P. der Hardware klingt etwas voller. Es stellt sich vielleicht die Frage, in welchem Songkontext man dieses verwendet. Bestes Beispiel ist das eigentlich fürchterlich klingende Housepiano. Dennoch gibt es zwischen 1988 und Anfang der Nuller Jahre nahezu keinen Housetrack, ohne diesem Sound. Für Solis und Spielarten wie Modern-Classic oder Smooth Jazz kann ich mir die Hardware tatsächlich besser vorstellen in Sachen authentischer Sound als die hauseigene Software. Anders sieht es vielleicht bei hochwertigen Piano-Plugins aus, wie du schon erwähnt hast: Bösendorfer oder Vienna Grand-P. Ich persönlich habe jetzt nicht übermäßig viel. Aber was zuviel ist sind Pianos,- bzw. Flügelsampler: DAW Stocksampler und natürlich Drittanbieter. Daher werde ich mir definitiv keines extra zulegen. Viele vergessen auch das ein Pianoklang aus Studio-Monitoren oder Kopfhörer nie klingen kann wie die voluminöse, natürliche Raum-Klang-Verteilung eines Flügels. Selbst bei einem E-Piano sind die Boxen so angebracht, dass es einem Flügel oder Wandpiano ähnlich kommt. Ich habe inzwischen gute Monitore, aber ein Piano daraus klingt immer irgendwie unvollkommen wegen der Stereo-Klangverteilung.
Also so ganz haut mich der Sound nicht wirklich um, auch das Pianotec was ja auch auf Physical-Modeling basiert hat mich Piano nie wirklich überzeugt. Es fehlt immer so das „Fundament“…so eine schwere im Klang die man eigentlich nur am richtigen Piano fühlt und damit meine ich nicht die schwere der Tasten.
Ich hab mir damals das Meldway Grand Piano für sage und schreibe 9 Euro gekauft als es mal wieder im Angebot war und das ist es öfters, das hat bei mir das Galaxy Vintage D abgelöst.
Für interessierte hier kann man das sehr gut hören und mit den Dexibell Soundbeispielen mal vergleichen da kann man vielleicht ein bischen verstehen was ich meine.
https://www.youtube.com/watch?v=x1Uk_Fd2SW4
@Dimension D Ich denke ich verstehe. „Schwere im Klang“ ist ganz gut ausgedrückt. Denke das hat was mit dem Volumen, unter anderem auch im Tieftonbereich, sprich alles links von C1, zu tun. Aber ist nur eine Annahme von mir weil ich bin ja kein Tonwissenschaftler. 😄 Auf der anderen Seite muss man bei basslastigen Songs (so wie ich sie meistens mache) immer einen harten Lo-Cut setzen, damit sich überhaupt der P-Sound im Mix durchsetzt. Sonst klingt es muddy.