Test: DiGiGrid IOX, Audiointerface für SoundGrid Systeme

6. Mai 2019

Audiointerface des 21. Jahrhunderts

digigrid iox

DiGiGrid IOX, Audiointerface für SoundGrid Systeme

Wenn Ihnen, verehrter Leser, die Begriffe SoundGrid oder DiGiGrid bisher noch nicht untergekommen sind, Sie aber offen für moderne Technologien in der Studiotechnik sind, dann fordere ich Sie auf, sich einen Kaffee oder einen Tee zu machen oder sich einen guten Single Malt einzuschenken und sich mit mir auf eine Reise durch die Welt der vernetzten Audiokomponenten zu begeben.

Ich versuche, Sie nicht mit technischen Buzz-Words zu überfrachten oder Sie in der Welt der TCP/IP-Protokolle zu verlieren. Ich verspreche: Es wird weniger verwirrend, als alle Königshäuser aus George R.R. Martins „Lied von Eis und Feuer“ (besser bekannt als Game of Thrones) zu kennen.

Kaffee, Tee, Whisky – alles bereit? Dann lassen Sie uns loslegen.

DiGiGrid IOX: Wie alles begann

Die Geschichte beginnt in einem Land, wo jedes Audiogerät üblicherweise zwei Verbindungen benötigt: einmal das Audiosignal und zum zweiten eine Synchronisierung (meist über MIDI oder USB). Die Bürger dieses Landes (auch Studiobetreiber oder Tontechniker genannt) sind es gewohnt, ein benötigtes (Effekt-) Gerät im Channelstrip zu patchen oder das entsprechende Plugin in der DAW einzubinden. Wenn ich mein Werk einem befreundeten Produzenten zur Weiterbearbeitung geben möchte, dann sollte dieser tunlich darauf achten, dass er dieselbe DAW, Effektgeräte und Plugins hat, damit er eine identische Arbeitsgrundlage vorfindet. Oft ist dies auch innerhalb eines Studios nur mit viel Aufwand zu realisieren.

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Da dies aber nicht immer der Fall ist und die Weitergabe von Plugin-Lizenzen auch meist kompliziert ist, haben sich Gilad Keren und Meir Shaashua, die Gründer von Waves Audio, zusammen getan, um dieser ziemlich unbequemen Situation Einhalt zu gebieten. Heraus kam zunächst die Firma Waves Audio, die sich im Markt einen Namen für Ihre hochwertigen Plugins und VSTs gemacht haben. Zusammen mit dem Hersteller von High-End-Konsolen, DiGiCo, wurde ein Hersteller und somit eine Produktfamilie geboren, die die etwas angestaubte Studiotechnik mitten ins 21. Jahrhundert katapultieren soll – die Firma DiGiGrid entstand. Der Name ist eine Mischung aus dem Hersteller DiGiCo und SoundGrid, dem zugrundeliegenden Protokoll, das die Geräte untereinander verbindet.

Da die Bewohner unseres fiktiven Landes aber sehr in alten Traditionen verwurzelt und technisch komplexen Technologien gegenüber wenig aufgeschlossen sind, muss eine Lösung her, die zum einen leicht verständlich ist und zum anderen so viel Mehrwert bietet, dass es zumindest einen Blick wert ist, sich das Thema einmal genauer anzusehen.

 DiGiGrid IOX Volle Ansicht

DiGiGrid IOX: Was ist das eigentlich?

Simplifiziert: Ein extrem hochwertiges Audiointerface, das über ein Netzwerkkabel mit dem PC oder Mac verbunden wird. Das Kabel liegt dem Gerät bei, es handelt sich dabei um ein handelsübliches CAT5e Ethernetkabel mit RJ45 Stecker – so wie man ihn schon häufig am PC oder Notebook gesehen hat.

Das IOX ist aber noch mehr: Nämlich ein Grundstein einer beliebig komplexen Umgebung aus Digital-Audio-Workstations, externer Audiogeräte (z. B. Synthesizer, Effekte, Mikrofone, Gitarren-Amps etc.) mit der Möglichkeit, von jeder DAW aus auf jedes Gerät zugreifen zu können und dies in der jeweiligen DAW zu nutzen. Und das gilt ausdrücklich auch für Software-Plugins. Denn bei Verwendung von SoundGrid kompatiblen Plugins und einem speziellen DiGiGrid DSP-Server können die Plugins zentral gehostet und verwendet werden. Dabei übernimmt der DSP-Server die Prozessorarbeit für die Verarbeitung der Plugins und entlastet somit die CPU (den Hauptprozessor) der DAW massiv.

DigiGrid_IOX_Network2

Komplexes SoundGrid Netzwerk

Bei Einsatz eines solchen DiGiGrid DSP-Servers können über 500 Plugins verwaltet und gleichzeitig an einer im SoundGrid befindlichen DAW eingesetzt werden und man erhält Latenzen, die nicht über 0,8 Millisekunden liegen. Das ist wirklich sehr eindrucksvoll. Jeder, der schon mal vor seinem Ableton, Logic & Co. saß und in einem Channelstrip mehrere Reverbs, Delays und andere Effekte im Einsatz hatte, kennt das Problem: Der Rechner geht irgendwann in die Knie – nicht so mit den Komponenten von DiGiGrid und den Waves Plugins.

Das DiGiGrid IOX ist vollgepackt mit High-End-Technologie aus den großen DiGiCo Konsolen: extrem hochwertige Preamps und Mikrofonverstärker mit insgesamt 12 Inputs (XLS/TRS-Kombibuchsen) und 6 Outputs (TRS). Die verwendeten D/A-Wandler sind von höchster Güte und klingen ebenso – dazu später mehr.

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Und was ist SoundGrid?

SoundGrid ist einfach gesagt die Sprache („Protokoll“), mit der die Geräte untereinander sprechen. So wie Ihr Audiointerface über USB mit ihrer Digital-Audio-Workstation „spricht“, so nutzt DiGiGrid für seine Geräte das SoundGrid Protokoll. Dieses Protokoll benutzt dazu als Verbindungsmedium ein Netzwerkkabel. Das SoundGrid Protokoll ist sehr an TCP/IP angelehnt (das ist das Standard-Netzwerkprotokoll) und somit sind die verwendeten Kabel, Stecker und Schalter identisch.

Theoretisch ist es sogar möglich, einen herkömmlichen Gigabit Ethernet Netzwerkswitch für ein SoundGrid Netzwerk zu verwenden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, bekommt aber von DiGiGrid Empfehlungen für die passenden Netzwerkkomponenten.

DiGiGrid IOX: Einfach Netzwerkkabel einstecken und los geht es?

Um es vorweg klar zu machen: Wenn alles installiert ist, dann ist das Einrichten eines SoundGrid Netzwerks ein Kinderspiel. Sie müssen sich nicht mit IP-Adressen oder MAC-Adressen befassen. Das Einbinden von neuen Geräten oder Plugins ist vergleichsweise einfach. Die dunklen Wolken lauern eher bei der Software-Installation, der Registrierung und Aktivierung der Komponenten.

DigiGrid IOX Netzwerk

Einfachste DiGiGrid IOX Konfiguration

Was Sie, verehrter Leser, wissen sollten – und das sage ich in aller Bescheidenheit: Ich bin sehr Computer-affin. Ich habe als Netzwerk-Administrator gearbeitet und kann auch komplexe Netzwerke und Server-Umgebungen einrichten. Der Umgang auch mit umfangreichen Soft- und Hardware-Umgebungen ist mir bekannt und ich sehe diese auch gerne als Herausforderung.

DiGiGrid SoundGrid Studio01

Warum ich aber ein Hardware-Produkt von DiGiGrid zuerst auf deren Homepage registrieren muss, damit die dafür notwendigen Treiber und Applikationen bei der Software-Firma Waves in deren Tool sichtbar werden, das alles ist nicht nachvollziehbar und auch nicht sehr intuitiv gelöst. Nein, hier liegt meines Erachtens nach eine Hürde für die Bewohner unseres fiktiven Landes, also unsere lieben Tontechniker. Ich habe im Folgenden mal den Prozess der Registrierung in einer Liste dargestellt. Ich mache es kurz und so schmerzlos wie möglich:

  1. Bei Waves auf der Website einen Account erstellen
    1. Download und Installation der Applikation „Waves Central“
  2. Bei DiGiGrid (nicht DiGiCo) auf der Website registrieren
    1. Das Gerät, hier den IOX, registrieren
  3. Dann in Waves Central einloggen und erst dann kann man sich dort herunterladen:
    1. den Treiber für den PC/Mac
    2. den Treiber für die DAW
    3. das Programm SoundGrid Studio
  4. All diese Treiber müssen dann installiert werden
    1. … und im Waves Central aktiviert werden
  5. Dann noch das Verwaltungsprogramm SoundGrid Studio installieren
  6. Hardware und Software-I/Os im Studio einbinden
  7. Die I/Os entsprechend patchen

Wenn man das alles in der richtigen Reihenfolge gemacht hat, dann wird man „belohnt“ mit einem Audio-Treiber namens „Waves SoundGrid“, bei dem man dann (über ein Tool) auswählen kann, ob man das IOX als Audiointerface nutzen möchte und ob zusätzlich die Inputs des bestehenden Audiointerfaces (bei mir ein Allen&Heath QU-16 DigitalMixer) verwendet werden sollen.

DigiGrid_IOX Treiber

Treiber Konfiguration

Durch diesen Prozess müssen alle zukünftigen Nutzer der absoluten „Audiofreiheit“ hindurch. Wer schon Waves Plugin Nutzer ist, für den mag das keine Hürde darstellen. Für Neulinge ist das eher ein Krampf. Mein Appell an das Hersteller-Konglomerat: Das muss auch einfacher gehen. Nach dieser „Installations-Orgie“ habe ich gefühlte 10 Programme mehr auf meinem Mac und muss jedes Mal nachdenken, welches Tool jetzt wofür genutzt wird.

Leider wird man diesem Prozess auch ziemlich alleine gelassen. Einen übergreifenden Quickstart-Guide habe ich leider nicht gefunden. Die jeweiligen Handbücher der Applikationen und Geräte beschreiben die einzelnen Funktionen – einen gesamten Blick auf den Prozess bekomme ich nicht. Auf den Websites des Herstellers gibt es zwar immer wieder „Anleitungen“, was wann und wie zu installieren ist – trotzdem fehlt der Blick aufs Ganze und vor allem eine Erläuterung, warum ich was machen soll.

Nachdem mir aber vom Product Specialist von DiGiGrid, Michael Mäurer, alles gut am Telefon erklärt wurde, stand die Installation endlich. Übrigens sind auch deutschsprachige Tutorials in Arbeit. Ich bin also guter Dinge, dass man die armen Bewohner unseres Landes nicht immer ohne Waffen und Verpflegung durch den Dschungel schickt, sondern ein schöner neuer Pfad gebaut wird, damit man schnell und ohne Ärger zum Ziel kommt.

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DiGiGrid IOX: Value for Money

Das reine Produkterlebnis ist formidabel. Das geht los beim Auspacken: In einem elegantem schwarzen Karton mit hochwertiger Bedruckung findet man sicher und gut verpackt ein pechschwarzes Gerät in feinster Verarbeitung. Nur fünf Bedienelemente auf der Vorderseite (On/Off-Schalter und vier Potis für die vier Kopfhörereingänge) und die 12 Line/Mic-Inputs und 6 Line-Outputs. Dazu noch zwei Gigabit Ethernet Netzwerk-Ports und BNC-Konnektoren für eine externe Word-Clock. Das Power-Supply ist intern, wie es sich für ein Profigerät gehört.

DigiGrid_IOX_open01

Die Hauptplatine ist eindrucksvoll

Der DiGiGrid IOX fühlt sich sehr schwer und stabil an. Ein bisschen hat mich das Auspackprozedere an das Gefühl, wie bei bestimmten Geräten mit dem Apfel Logo erinnert.

Kurzum: Ein Audiointerface mit höchster Bau- und Klangqualität und ultimativer Flexibilität für aktuell 1.700,- Euro? Für so ein Powerpack zahlt man bei den Mitbewerbern deutlich mehr. Und eigentlich gibt es gar keine Mitbewerber, denn diese Mischung ist so am Markt ziemlich einzigartig. Allenfalls Universal Audio kann mit seiner UAD ähnliches bieten. Nur findet hier der Informationsaustausch über das deutlich weniger flexible Thunderbolt-Protokoll statt und eine vergleichbare Port-Anzahl ist dann wesentlich teurer.

Im Inneren des IOX wird nur Feinstes geboten: Die berühmten „D-Preamps“ aus dem Hause DiGiCo sind baugleich mit denen, die in den großen Konsolen des Herstellers verbaut sind. Dazu ein leistungsstarkes Netzteil und weitere hochwertige Elemente wie D/A Wandler, Potentiometer, Buchsen und Schalter.

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In Reih und Glied: Die Preamps im DiGiGrid IOX

DigiGrid IOX: Die Klangqualität

OK, hier muss man schon mal durchatmen. Was einem hier an Klangqualität offeriert wird, das sucht nicht nur in höheren Preisklassen seinesgleichen – selbst in der kommerziellen High-End-Welt wäre der IOX absolute Referenzklasse (wie man dort so gerne sagt). Doch was bedeutet das konkret?

Das Klangbild liefert eine Leichtigkeit und eine Natürlichkeit, dass meine KS Digital C88 Ref. Monitore wahrlich zur Höchstform auflaufen. Hier geht es nicht um saubere Höhen oder durchsetzungsfähige Bässe. Nein, darüber ist der DiGiGrid IOX schon längst hinaus und solche Selbstverständlichkeiten dürfen als „gegeben“ abgehakt werden. Es geht um den Raum, den die Preamps aufbauen, um die Exaktheit der Transienten und um die Plastizität der Wiedergabe. Ein im Vergleich gehörtes RME Fireface oder mein Allen & Heath Qu-16 Mixer mit integriertem Audiointerface haben hier das Nachsehen.

Wenn man ein solches „Tool“ wie den DiGiGrid IOX angeschlossen hat, dann fallen einem Klangvergleiche, z. B. mit dem von mir getesteten Empirical Labs FATSO wirklich leicht. Die Veränderungen beim Drehen eines Reglers werden klar und äußerst deutlich wiedergegeben. Einstellungen am Kompressor oder am Transientendesigner – wie durch eine „Audiolupe“ wird eine Bewertung der klanglichen Veränderung einfach. Die Wiedergabe-Dimensionen im Raum und die Tonalität bleiben auch bei extremen Dynamiksprüngen erhalten. Auch meine Versuche mit einem Gitarrenverstärker, der über SM 58 abgenommenen wird, ergeben nur ein zufriedenes Grinsen. Jede Änderung der Mikrofonposition wird klar reproduzierbar. Zu weit weg, zu weit innen, ja – jetzt passt es. Mit dem DiGiGrid IOX werden Sie dabei keine Probleme haben.

DiGiGrid IOX: Klangbeispiele

Ein schwieriges Thema. Erstens: Wie soll ich aufnehmen, um Ihnen zu demonstrieren, dass der DiGiGrid IOX toll klingt? Zweitens: Selbst wenn ich das könnte, kann man das in einer 256 kb MP3-Datei hören? Ich habe diverse Versuche gemacht und zwei Beispiele gefunden, bei denen Sie (annähernd) erahnen können, was das DiGiGrid IOX klanglich drauf hat. Auch hier mein Hinweis: Über den iPhone Lautsprecher können Sie da gar keine Unterschiede hören. Hier brauchen Sie gute Kopfhörer oder hochwertige Monitore.

  1. Ein Klangbeispiel aus meinem Korg Kronos. Einmal über das DiGiGrid IOX aufgenommen und einmal über mein Allen&Heath QU-16 (was sich wirklich gut geschlagen hat).

Hörhilfe: Achten Sie auf die Gitarre mit dem Wah-Effekt. Beim IOX wirkt diese natürlicher und mit mehr Luft. Das ganze Klangbeispiel klingt mit dem A&H mehr zusammengerückt.

2. Ich habe einfach eine Triangel über mein Shure SM58 in ca. 5 Meter Entfernung aufgenommen und bestmöglich eingepegelt.

Hörhilfe: Das Ausklingen der Triangel ist mit dem IOX sehr natürlich und obertonreich. Hier beginnt der Mic-Input des A&H, früher die Obertöne zu verschlucken. Auch der Anschlag klingt beim A&H tendenziell härter.

Über ein paar Tricks habe ich auch hochwertige Audioaufnahmen über den IOX wiedergegeben und das Ergebnis war auch hier überragend: Die Aufnahmesituation wird klar wiedergegeben, Tiefe, Breite und auch die vertikale Bühne – alles da. Wenn Sie ein wirklich gut klingendes Audiointerface suchen – Sie haben es gefunden, …

DiGiGrid IOX: Flexibilität

… wenn Sie mit ein paar Einschränkungen leben können. Das DiGiGrid IOX ist ein reines Studiointerface für die Einbindung in die DAW. Wenn Sie ein Gerät suchen, mit dem Sie einfach und schnell über die beigefügte Software die Inputs auf die Outputs patchen möchten – nein das geht nicht. Das Gerät lebt davon, entweder nur mit der DAW verbunden zu sein oder in einem SoundGrid Netzwerk zu arbeiten. Schnell über USB das Audiosignal des Computers (z. B. iTunes) an die Output-Kanäle senden? Geht schon, nur muss man hierfür in den Audioeinstellungen des Macs auf den Waves SoundGrid Treiber umschalten.

DiGiGrid SoundGrid StudioRack

Beim Thema Flexibilität stehen bei solch einem Produkt also andere Aspekte im Vordergrund. Und hier punktet das DiGiGrid IOX auf ganzer Linie: Durch den Anschluss an das SoundGrid Netzwerk steht das Gerät auch entfernten Digital-Audio-Workstations zur Verfügung. Durch die umfangreiche DiGiGrid Produktfamilie kann das System nahezu beliebig ausgebaut werden. Die zentrale Verwendung von kompatiblen Plugins, im kleinen Kellerstudio, beim Liveeinsatz oder im großen Profistudio – das DiGiGrid IOX ist ein sehr flexibler Baustein bei der Produktion von Audioinhalten. Aktuell werden Sample-Raten von 44,1 bis 96 kHz unterstützt – in späteren Upgrades werden auch schon 176,4 und auch schon 192 kHz in Aussicht gestellt. Der IOX ist äußerst rauscharm und bietet eine Menge Headroom für dynamische Aufnahmen. Dazu können in einem SoundGrid Netzwerk unterschiedliche DAWs kollaborieren: In Logic X abmischen und dann an ein Ableton Live Setup übergeben und weiterarbeiten? Mit SoundGrid ist das kein Problem. Der entsprechende Treiber hilft bei der „Übergabe“ der Daten.

DiGiGrid IOX: Das Spiel mit den Plugins

Ich habe mir für den Test ein paar hochwertige Waves Plugins besorgt, die auch SoundGrid-kompatibel sind. Leider hatte ich keinen DiGiGrid DSP-Server zur Verfügung (was den Umfang des Berichts auch gesprengt hätte) und konnte so die Reduzierung der Prozessorlast nicht verifizieren (es besteht daran aber auch kein Zweifel!). Was ich testen konnte, war die tolle Integration in die DAW (bei mir Logic X). Als Plugin habe ich das Waves StudioRack ausgewählt (das mir auch als kostenloser Download angeboten wurde) und dort kann man – wie in einem Rack – die Plugins einbinden und konfigurieren. Das hat wirklich toll funktioniert. Optional ist es natürlich auch möglich, die Plugins „klassisch“ ohne StudioRack zu verwenden. Die Kompatibilität ist hier wirklich sehr gut. Zu den Qualitäten der Plugins wird noch in anderen Tests zu lesen sein.

DiGiGrid IOX: Conclusio

Verehrte Bewohner unseres Audio-Landes, liebe Tontechniker und Studiobetreiber, konnte ich Sie überzeugen? Ja, ich weiß, viel Neues prasselt auf Sie ein und es stellt sich auch die Frage, ob es sich lohnt, auf eine (vermeintlich) proprietäre Technologie zu setzen. In dem Punkt kann ich Sie auch beruhigen: Waves ist sehr erfolgreich dabei, weitere Dritthersteller an Land zu ziehen, die auch auf SoundGrid setzen: Apogee, Burl Audio, Hear Technologies, Crest, iCon und Peavey. Es gibt I/O-Plugins und Erweiterungen für Allen & Heath Mixer und weitere Hersteller haben schon entsprechende Ankündigungen gemacht. Einmal eingerichtet werden Sie von den extrem schnellen Workflows, geringsten Latenzen und dem tollen Klang begeistert sein.

Fazit

Leider ist das SoundGrid System in Deutschland noch nicht so populär – zu Unrecht! Es ist das derzeit best entwickelte System für den vernetzten Einsatz von Audiokomponenten. Ich könnte diesen Test noch seitenweise mit Facts & Features füllen und würde auch dann den Möglichkeiten einer SoundGrid Umgebung nicht gerecht werden.

Das DiGiGrid IOX spielt in so einer Umgebung eine wichtige Rolle und doch leidet es ein bisschen unter dem Hersteller Marketing. Es ist einfach viel zu gut, als dass man es nur als „Expansion Audio Interface for SoundGrid Systems“ bezeichnet. Es ist ein überragend klingendes Audiointerface für höchste Ansprüche, toller Verarbeitung und großer Flexibilität. Viele potenzielle RME oder UAD Kunden hatten das IOX vielleicht bisher gar nicht auf dem Schirm und ich kann nur hoffen, dass sich das bald ändert, denn was DiGiGrid hier einem für 1.700 Euro offeriert, ist wirklich toll und lässt einen auch die wenigen Schwächen bei der komplexen Produktregistrierung übersehen.

Plus

  • tolle Klangqualität
  • hervorragende Verarbeitung
  • hohe Flexibilität und Ausbaufähigkeit
  • innovative Technologie

Minus

  • komplizierter Software-Aktivierungsprozess

Preis

  • Ladenpreis: 1.699,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Fast schon im Jahreswechsel erscheinen und vergehen Audioanschlussformate.
    Aus diesem Grund ist es sinnvoll und aus finanzieller Sicht wichtig freie Schnittstellen und Formate zu benutzen. »Thunderbird« kaum etabliert ist schon Schnee von gestern.
    Ich sehe zur Zeit nur zwei wirklich längerfristige Formate: »USB-C« und »Dante«.
    Für die Industrie mag der ständige Formatwechsel wünschenswert sein, für Studioinhaber ist es ein Alptraum. Leider verschwinden auch langsam die von mir bevorzugten »stand alone«- Geräte. Hoffentlich wird sich das unkomplizierteste System durchsetzen. »Soundgrid« ist es nicht.

    • Profilbild
      Marco Korda  

      Bin da ganz deiner Meinung. Überdies ist meine Meinung zu Waves Plugins (obwohl ich einen ganzen Batzen davon habe) ambivalent: einige sind sehr nützlich, andere klingen okay, wiederum andere überhaupt nicht und manch eines ist derart altbacken, dass ich mich in den 90ern wähne. Das Registrierungsprozedere wurde ja schon beschrieben: eine Katastrophe. Die Update-Politik: fragwürdig. Die Preise (Aktionen!) sind moderat bis sehr günstig.

      Für bestimmte Studio-Setups, v. a. wenn man auf Waves setzt, mag das Interface das tollste überhaupt sein. Mich reizt das in dieser Form nicht, als Home-User sowieso. Die Format-Uneinigkeit wird hier nur um einen Komponente „bereichert“. Das braucht man nun wirklich nicht.

    • Profilbild
      BÄM  

      Was ist mit AVB/TSN als Open Source-Alternative? Anders als bei Dante muss das nicht lizenziert werden (z.B. Motu verwendet AVB/TSN).

  2. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Ich denke es ist wichtig, bei der Beurteilung dieser Geräte den Zielmarkt aus Sicht des Entwicklers zu berücksichtigen. Der Home User wird natürlich von einem DigiGrid IOX nicht angesprochen. Für jemanden, der gerade ein größeres Studio plant ist das IOX wirklich interessant. Zumal Ethernet nun mal die Schnittstelle ist, die die beste Kompatibilität bietet und viele Vorteile gegenüber USB und Thunderbold bietet. Und im Verbund mit Soundgrid ist das schon eine tolle Sache.

  3. Profilbild
    gaffer  AHU

    Der Umgang mit Waves benötigt Energie, schon vor vielen Jahren ging gefühlt die Hälfte davon in die Lösung der Probleme mit dem Kopierschutz. (gilt wahrscheinlich auch für die benötigte Zeit bei der Implementierung und im Endeffekt für den Endpreis) Stundenlanger Telefonsupport mit der Hotline nach einem Update war keine Seltenheit. Wohlgemerkt, für die Musiker, die das legal erworben haben. Wobei man auf vielen Seiten mi seltsamen Namensendungen alle geschätzten 763 PlugIns immer schon problemlos ziehen konnte. Das zieht sich hier weiter durch, siehe Registrierung. Und wird wieder nicht klappen. Aber bringt „Unterhaltung“ für die ehrlichen Käufer. Schade, die Idee ist prima, wenn nur die Umsetzung nicht so lausig wäre.

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