Kostenlose DJ-Software für Einsteiger
DJUCED – die DJ-Software des Herstellers Hercules ist auf dessen Equipment maßgeschneidert und da uns der zuletzt getestete Hercules DJControl Inpulse 200 MK3 noch zur Verfügung steht, möchten wir uns einmal die Alternative zur sonst geläufigen, unterstützten Software Serato DJ Lite anschauen und testen, wie gut es sich mit dem hauseigenen Programm auflegen lässt.
Was ist es? Hercules DJUCED ist eine kostenlose DJ-Software für Hercules-Controller mit Streaming-Anbindung, Stems und Einsteigerfunktionen.
- Einsteigerfreundlich: Übersichtlich aufgebaute DJ-Software mit flexibel anpassbarer Oberfläche und integriertem Tutorial-Angebot.
- Streaming: Unterstützung für Tidal, SoundCloud und Beatport ermöglicht direkten Zugriff auf Millionen Songs.
- Performance: Solide Mixing-Performance mit gutem Timestretching und stabiler Arbeitsweise ohne Aussetzer.
- Schwächen: Die Stem-Trennung und die kleine Effektpalette reichen nicht an stärkere Konkurrenz heran.
- Fazit: Gute kostenlose Alternative für Einsteiger mit Hercules-Controller, ambitionierte DJs greifen eher zu Serato DJ Lite.
Inhaltsverzeichnis
DJUCED – die DJ-Software im Überblick
Natürlich ist die DJ-Software klar strukturiert, um ein übersichtliches Arbeiten zu garantieren. So haben wir auf der unteren Bildschirmhälfte klassisch den Browser, mit dem wir durch unsere eigene Musikbibliothek stöbern können, aber auch auf Streaming-Anbieter wie Tidal, Soundcloud und auf Beatport zugreifen können. Dies ist gerade für Einsteiger, die noch keine eigene Musikbibliothek aufgebaut haben, ein klarer Vorteil. So haben wir als Anwender die Möglichkeit, Millionen von Songs zum Auflegen zu nutzen und können jeden Freitag auch auf die allerneuesten Titel zugreifen. Auch erfahrene DJs profitieren von der Streaming-Anbindung. Übergänge lassen sich dadurch schnell mit Tracks testen, die sich noch nicht in der eigenen Bibliothek befinden.
Was wir uns für die Zukunft wünschen würden, wäre auch in DJUCED die Integration von den beiden Streaming-Giganten Apple Music und Spotify.
Standardmäßig verfügt DJUCED über ein klassisches Layout mit zwei Track-Decks, bei denen wir wie bei Serato zwischen den verschiedenen Pad-Modi wechseln können. Neben Hot-Cues stehen uns so noch Slicer, Loop-Roll, Beat Jumps und auch Stems zur Verfügung.
Zusätzlich wird oberhalb der Track-Decks die Waveform des Songs in zwei Ausführungen angezeigt. Einmal erhalten wir eine Gesamtübersicht über den jeweiligen Song, um so im Vorfeld Breaks und Drops zu identifizieren. Direkt oberhalb gibt es die detaillierte Ansicht, in der wir auch rein- oder rauszoomen können, um so zielgenau Hot-Cues oder Loops zu setzen.
Beim ersten Öffnen von DJUCED war es das eigentlich auch schon mit den eingeblendeten Elementen. Aber keine Sorge, wie auch bei Serato können wir anhand der oberen Leiste Effekte und auch eine Mixer-Sektion anwählen und diese bei Bedarf ein- und ausblenden. Wer also mit einem DJ-Controller mixt, benötigt eventuell nicht durchgehend die Mixer-Sektion und kann diese abwählen, um so mehr Platz für die Anzeige der Track-Decks zu erhalten.
Bei der Mixer-Sektion haben wir, neben Volume- und Crossfader sowie Gain-Poti, einen klassischen 3-Band-Equalizer pro Kanal. Positiv fällt auf, dass wir in den Einstellungen zwischen einem klassischen Equalizer mit -24 dB/+12 dB oder einem Isolator mit -96 dB/+12 dB wählen können. Für unseren Mixing-Stil eignet sich der Isolator deutlich besser.
Unterhalb des Equalizers gibt es ein bipolares Filter pro Kanal. Beim Drehen in die eine Richtung agiert das Poti also als High-Pass- und in der anderen Richtung als Low-Pass-Filter.
Über ein Dropdown-Menü haben wir jedoch die Möglichkeit, statt des standardmäßig ausgewählten Filters auch die Effekte Key, Flanger, Timedgate oder Reverb als Performance-Effekt nutzen zu können.
Wenn wir nun als nächstes die Effekt-Sektion einblenden, haben wir hier pro Track-Deck drei verschiedene Slots für unterschiedliche Effekte zur Verfügung, die in Reihe geschaltet sind. Zusätzlich gibt es den sogenannten Macro-FX, mit dem wir alle drei Effekte gleichzeitig aktivieren können. Die Auswahl an Effekten in der kostenlosen Version von DJUCED umfasst Gate, Echo, Flanger und Phonovox.
An dieser Stelle können wir auch erwähnen, dass es neben der Gratis-Software DJUCED jetzt auch DJUCED Pro und DJUCED Pro+ gibt. Die jeweiligen Unterschiede führen wir später noch aus.
In Verbindung mit einem angeschlossenen DJ-Controller können wir auch in einen 4-Deck-Modus wechseln. Dabei bietet euch die DJ-Software mehrere Ansichtsmodi. So können wir statt der horizontalen Darstellung von Waveforms auch eine vertikale auswählen. Zusätzlich stehen spezielle Ansichten fürs Browsen oder die Track-Vorbereitung bereit.
Im Übrigen lassen sich eure DJ-Mixe auch innerhalb von DJUCED über den Record-Button in der oberen Leiste problemlos aufzeichnen. Der Vollständigkeit halber sei jedoch erwähnt, dass dies nicht funktioniert, wenn die gespielten Titel durch einen der verfügbaren Streaming-Dienste wiedergegeben werden. Die Aufnahmequalität kann in den Einstellungen wahlweise als MP3- oder auch als WAV-Datei eingestellt werden.
Die DJ-Software in der Praxis
Beim Anschließen des Hercules DJControl 200 MK3 erkennt die Software sofort den DJ-Controller und wir können starten.
Laut Website des Herstellers ist das bloße Benutzen der Software mit Maus und Tastatur lediglich in der Pro-Version möglich. Wir hatten zwischenzeitlich DJUCED gestartet, ohne dass der DJ-Controller verbunden war und konnten auch so mit der Software auflegen, jedoch nur im 2-Kanal-Modus. Zu den Unterschieden hinsichtlich der Pro- und Pro+-Version aber später mehr.
Beim Auflegen merken wir starke Parallelen zu Serato DJ Lite, was grundsätzlich etwas Positives ist. Unsere Empfehlung lautet stets, eure Bibliothek soweit es geht vor dem Auflegen zu analysieren, aber bei DJUCED möchten wir das umso mehr betonen. In unserem Test hatten wir spontan ein paar Songs ins Track-Deck geladen und waren überrascht, dass das Beatgrid überwiegend falsch war. Gerade im Zusammenspiel mit dem Beatmatch Guide am DJ-Controller, der als visuelle Hilfestellung zum Synchronisieren von Songs dienen soll, hat das nicht funktioniert.
Nachdem wir unsere Bibliothek aber analysiert hatten, waren die Beatgrids fast alle korrekt angelegt.
Was den Algorithmus der Stems angeht, so ist dieser solide, jedoch in unseren Augen nicht auf dem Niveau der Konkurrenz. Zwar hören sich einzelne Stems nicht zu „phasig“ an, jedoch hören wir vereinzelt Bestandteile von stummgeschalteten Stems im übrigen Mix. Das ist uns öfter bei Vocals aufgefallen. Wenn ihr einzelne Stems stummschaltet, wird dies visuell in der Waveform dargestellt.
Auch bei drastischen Tempoveränderungen, die weit über das hinausgehen, was bei einem DJ-Set benötigt wird, war der Klang mehr als zufriedenstellend. Dahingehend können wir den Timestretch-Algorithmus positiv bewerten. Das Gleiche gilt auch für den Klang beim gezielten Pitch-Shiften.
Die Effektpalette von DJUCED ist überschaubar, aber effektiv. Gerade Einsteiger lernen so die Standardeffekte kennen und können sich an diesen ausprobieren. Lediglich beim Echo hätten wir gerne noch die Kontrolle über das Feedback, um so noch etwas intensiver mit dem Effekt umgehen zu können.
Gate und Flanger erledigen ihre Aufgabe zuverlässig. Der Phonovox-Effekt erzeugt einen Telefon- oder Megafon-Effekt, wobei der Regler den Frequenzbereich von mittlerer zu hoher Frequenz steuert. Der einzige Effekt, den wir uns in dem Kontext des FX-Racks noch für Einsteiger gewünscht hätten, wäre ein Reverb. So bleibt lediglich der Hall am Kanal-FX. Dieser muss dann jedoch statt des Filters ausgewählt werden.
Die Effekte klingen recht digital, wobei wir es positiv erwähnen möchten, dass das Filter nicht so resonant wie bei einigen anderen DJ-Softwares klingt und sich zumindest in unseren Ohren so deutlich besser in einen Mix einfügen lässt.
Das Auflegen mit der Software ist jedoch problemlos möglich und im laufenden Betrieb arbeitet das Programm auch ohne etwaige Ruckler oder Audioaussetzer. Auf unserem MacBook Pro mit M-Chip war die Analyse von über 500 Songs in wenigen Minuten abgeschlossen.
Die Zielgruppe von DJUCED
Als hauseigene Software eignet sich DJUCED für alle Nutzer eines Hercules-Controllers. Mit Ausnahme des Hercules DJControl T7 richten sich die Modelle an Anfänger und auch die Software DJUCED bietet sich gut für Einsteiger an.
Neben den Standardfunktionen, die eine DJ-Software benötigt, bekommen wir durch die Pad-Modi auch die Möglichkeit, Stems zu manipulieren.
Darüber hinaus steht über das Dropdown-Menü oben rechts ein Schnellzugriff auf die DJ-Academy, eine Reihe an Video-Tutorials, die euch das Auflegen beibringen soll, organisiert nach den verschiedenen DJ-Controllern des Herstellers.
Preis der DJ-Software
DJUCED, wie wir es euch vorgestellt haben, ist kostenlos. Darüber hinaus gibt es noch DJUCED Pro. Diese Version kostet einen einmaligen Preis von 90,- Euro und gibt euch neben den zusätzlichen Effekten die Möglichkeit, eigene Mappings zu erstellen, die Software auch ohne DJ-Controller vollständig benutzen zu können, die Option, Videos zu mixen und Kleinigkeiten wie einen Daymode. Laut Website enthält der Preis Updates bis zum nächsten Major-Update.
Abseits von DJUCED Pro gibt es dann auch noch die Pro+ Variante. Diese kostet 6,- Euro pro Monat und neben allen Vorzügen der Pro-Version gibt es in der Pro+ Variante noch Songtexte via Lyric-Finder.
Durch die bereitstehende Alternative in Form von Serato DJ Lite, mit der sämtliche Hercules DJ-Controller verwendet werden können, ist ein Kauf oder ein Abonnement von DJUCED in unseren Augen überflüssig. Die Standard-Version kann man aber durchaus als eine vernünftige Alternative für Einsteiger verwenden.




































