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Test: Doepfer DIY Synthesizer


Doepfer DIY Synth

Die Firma Doepfer, bekannt für ihre Modularsysteme, hat auch für Bastler einiges im Programm. Am interessantesten ist wohl der DIY, ein monophoner analoger Synthesizer mit VCO, VCF, VCA, LFO und ADSR sowie ein paar Hilfsmodulen. Er wird als fertig bestückte Platine geliefert, die mit Bedienelementen ergänzt und in ein Gehäuse eingebaut einen Sägezahntiger der Einsteigerklasse ergibt.

Der DIY mit Anleitung

Der DIY mit Anleitung

Man kann den DIY als Nichtmodularen, Semimodularen oder Vollmodularen aufbauen, als kompakten Standalone-Monosynth oder als Einschub in ein vorhandenes Modularsystem. In der Anleitung ist ein Blockschaltbild mit einem semimodularen Schaltungsvorschlag.

Es gibt ihn in zwei Versionen, mit und ohne TempCo (Temperaturkompensation), einer kleinen Huckepackplatine, die den Chip darunter auf konstanter Temperatur hält. Laut Anleitung funktioniert das nicht im Death Valley, in der Sahara oder in der Sauna. Der DIY funktioniert nur in halbwegs gemäßigten Klimazonen einwandfrei (bis 40° Celsius).
Die Version mit TempCo ist geeignet für einen Synthesizer, da sie bei allen erlaubten Betriebstemperaturen die nötige Stimmstabilität hat, die Version ohne kann man z.B. für Drumsynthesizer verwenden, bei dem die exakte Stimmung nicht so wichtig ist. Beide arbeiten mit der üblichen 1V/Oktave-Charakteristik und 5V-Gate.

Die TempCo sorgt für konstante Stimmung

Die TempCo sorgt für konstante Stimmung

Dieser Artikel ist etwas mehr als ein Testbericht, er ist auch ein wenig Anleitung für den Selbstbau eines Synthesizers, dessen Features und Design man weitgehend selbst bestimmen kann, und beantwortet die Frage, inwieweit so ein Projekt in musikalischer und finanzieller Hinsicht sinnvoll ist. Daneben gibt es Tipps für Materialbeschaffung und Modifikation der Schaltung.

An dieser Stelle ein Hinweis: Es ist kein Anfängerprojekt, etwas Erfahrung mit dem Lötkolben sowie mechanische Fertigkeiten sind Voraussetzung, alle Sicherheitsvorschriften müssen beachtet werden. Bei der Variante mit einem selbstgebauten Netzteil arbeitet man mit Netzspannung, das heißt:

Leichtsinniges Hantieren und unsachgemäßer oder fehlerhafter Aufbau gefährden Menschenleben! Wer nicht die nötigen Kenntnisse hat oder unsicher ist, sollte den Einbau und Anschluss des Netzteils qualifiziertem Fachpersonal überlassen oder es von solchem überprüfen lassen!

Das von Doepfer dazu angebotene Netzteil erfordert aber keine Arbeiten mit Netzspannung, es handelt sich dabei um ein Steckernetzteil mit 9V-AC-Ausgang und eine Reglerplatine.

Spezielle Kenntnisse sind sonst nicht vonnöten, man sollte aber in der Lage sein, ein Blockschaltbild zu lesen und eventuelle Fehler im Aufbau zu finden. Ein Multimeter zur Überprüfung von Spannungen etc. ist dabei sehr anzuraten (gibt es für ein paar Euro im Baumarkt), ein Oszilloskop nicht zwingend erforderlich, aber immer nützlich. Die Arbeitszeit wird bei Doepfer etwas optimistisch mit mindestens einem Wochenende veranschlagt, man sollte eher zwei bis vier einplanen.
An der DIY-Platine sind keine weiteren Lötarbeiten nötig, nur die Bedienelemente müssen via Steckerleisten angeschlossen, und der Oszillator muss mit zwei Trimmpotis gestimmt werden.

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Klangbeispiele

  1. Avatar
    BroSco

    Toller Bericht mal wieder!
    So ein komplett eigener Synth ist schon was Tolles. Es sollte Jeder einen haben. Irgendwann traue ich mich vielleicht auch mal an Sowas ran.

    Nach dem Satz „Ich blinke, also bin ich“ bin ich übrigens eine halbe Stunde nicht mehr aus dem Lachen rausgekommen. Die beste „Ich denke, also bin ich“ Abstraktion die mir bis jetzt untergekommen ist :D

    Frohe Weihnachten!

    Cheers
    Dennis

    • Profilbild
      h.gerdes AHU

      Tja wenn abendländisch-humanistische Bildung und Technophilie zusammentreffen, kommt sowas bei raus ;-)

      Es ist zwar eine Menge Arbeit, aber Doepfer hat es wirklich so einfach wie möglich gemacht. Löcher bohren, zusammenschrauben, verkabeln, Bsiauum! Mit etwas Lötkolben-Erfahrung kann man so einen DIY locker hinkriegen. Knifflig ist nur Fehlersuche.
      Aber kein Vergleich zu Selbstbau-Projekten früherer Zeiten. Ich habe mal einen Elektor Formant angefangen, so richtig mit Platinen ätzen, Transistoren selektieren, bestücken, usw. Irgendwann habe ich den halbfertigen Kram völlig entnervt verkauft. Dagegen war der DIY-Bau jetzt ein Spaziergang.

      Happy Xmas!

  2. Profilbild
    Diodenfreak

    Schön, dass es noch Bausätze gibt. Platinen entwickeln, Ätzen, Bohren und Löten sind nicht jedermanns Sachen und kosten auch eine Menge Zeit. Wenn man dagegen nach Anleitung eine Platine zusammenlötet, hält sich der Aufwand in Grenzen.

    Ich habe Anfang der 80er Jahre versucht, einen Synthesizer nach Schaltungen aus dem Buch von Helmuth Tünker (Electronic Pianos und Synthesizer) zusammenzubauen. Ich gab nach kurzer Zeit auf.

    Zur Zeit baue ich an einem zweiten analogen Synthesizer mit selbst entwickelten Schaltungen.

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