Test: Doepfer DIY Synthesizer

Hat man alles zusammen, ist der nächste Schritt die Vorbereitung des Gehäuses, es heißt also zum Bohrer greifen und Schweizer Käse machen aus der Frontplatte. Ein paar Löcher müssen auch in die Rückwand und den Gehäuseboden. An einer Stelle muss das Gehäuse mit leitend mit Masse verbunden werden, ggf. ist die Beschichtung wegzukratzen und eine kleine Zahnscheibe einzusetzen. Die Netzteilplatine sollte möglichst weit entfernt von der DIY-Platine sitzen und diese so, dass man noch mit dem Schraubendreher an die Trimmer für den Abgleich kommt:

Die Trimmer an der Stirnseite der Platine müssen zugänglich bleiben

Die Trimmer an der Stirnseite der Platine müssen zugänglich bleiben

Wer noch nie Metall gebohrt hat, sollte zuerst ein wenig üben. Mit der Handbohrmaschine einfach drauflosgebohrt wandern die Löcher aus der Markierung und sitzen nicht richtig. Da ist sehr sorgfältiges Arbeiten gefragt, also gut mit einem Dorn markieren, größere Löcher dünn vorbohren, dann aufbohren. Metall ist am besten mit geringer Drehzahl und Bohrfett zu bohren (Schlagbohrmodus bitte deaktivieren). Anschließend sorgfältig entgraten und die Metallspäne entfernen, damit sie nicht im Gehäuse umherwandern und womöglich Kurzschlüsse verursachen. Mit einer Standbohrmaschine geht es viel besser. Wer keine hat, kann eventuell eine ausborgen, zur Not gegen Entgelt beim Baumarkt.

Gehäuselochung in meiner Hightech-Klüterkammer

Gehäuselochung in meiner Hightech-Klüterkammer

Das fertig vorbereitete Gehäuse

Das fertig vorbereitete Gehäuse

Dann folgt die Beschriftung der Frontplatte mit dem Mittel der Wahl. Ich habe das Glück, jemanden mit einer CNC-Fräse zu kennen, der mir das neben den ganzen Bohrungen gleich mit erledigt hat. Auch mit High-Tech ist das allerdings nicht ganz simpel, so eine Aluplatte ist nicht freiwillig plan und der Gravierstichel brach mittendrin ab, was die Schrift teilweise ein wenig verhunzt hat. Und beim Finish der Platte fehlte eindeutig das Tageslicht, das ist im Winter nun mal Mangelware. Das Ergebnis ist trotzdem brauchbar geworden. Die Gravur habe ich bunt eingelegt, die verschiedenen Farben kennzeichnen die Module und ihre Buchsen.

Die Beschriftung ist nicht perfekt geworden, aber die Bohrungen sitzen exakt

Die Beschriftung ist nicht perfekt geworden, aber die Bohrungen sitzen exakt

Ausgerechnet der repräsentative Schriftzug ist ein wenig misslungen. Nun ja, so erkennt man wenigstens, dass es DIY ist …

Ausgerechnet da war die Gravierspitze schon hinüber

Ausgerechnet da war die Gravierspitze schon hinüber

Dann kommt auch schon der Zusammenbau, nun müssen die Platinen ins Gehäuse geschraubt werden. Achtung: Wenn man Distanzstücke aus Metall verwendet, muss man noch eine Isolierscheibe zwischenlegen. Die Lötpunkte auf der Platine werden sonst eventuell kurzgeschlossen, da sie sehr nahe bei den Löchern liegen. Ich habe dafür Transistor-Isoliernippel genommen und ihnen kurzerhand den Hals abgeschnitten.

Bei Metalldistanzstücken sollte man Isolierscheiben unterlegen

Bei Metalldistanzstücken sollte man Isolierscheiben unterlegen

Weitere Distanzstücke erleichtern die Montage. Nicht mit M3-Muttern herumärgern!

Weitere Distanzstücke erleichtern die Montage. Nicht mit M3-Muttern herumärgern!

Anschließend die Potis, Schalter und Buchsen an die Frontplatte schrauben.

Frontplatte bestücken und dann heißt es: verkabeln

Frontplatte bestücken und dann heißt es: verkabeln

Als nächstes wird verkabelt, das sollte natürlich korrekt durchgeführt werden und ist ein langwieriges Stück Lötarbeit. Die Massekontakte der Buchsen und Potis kann man mit abisoliertem Kabel einfach in Reihen verbinden.

Stunden später sieht das dann so aus

Stunden später sieht das dann so aus

Ist man soweit, kann man Frontplatte und Gehäuse verhochzeiten, indem man die Stecker des Kabelsatzes auf die Platine stöpselt, die restlichen Verbindungen verlötet und alles zusammenschraubt.

Spaghetti a la carte: Das fertige Innenleben

Spaghetti a la carte: Das fertige Innenleben

Wieder Achtung: Da gibt es eine kleine Falle. Nimmt man die rot markierte Ader immer als Anschluss 1, müssen die Stecker der Flachbandkabel zwei bis vier damit auf den Punkt auf der Platine weisen, fünf bis sieben gehören aber andersherum auf die Stiftleisten, also mit der roten Ader vom Punkt wegweisend. Nummer Eins ist der Netzteilanschluss und muss mit dem markierten Kabel auf den -5V Anschluss zeigen, korrekte Ausrichtung des Steckers beim Netzteil vorausgesetzt.

Und nun der große Moment, bei den großen astronomischen Teleskopen nennt man ihn „First Light“ …

Ich blinke, also bin ich

Ich blinke, also bin ich

… und siehe da, es blinkt und leuchtet. So und nicht anders soll es sein. Falls nicht: Sofort ausschalten, Stecker ziehen und Fehler suchen! Auch hatte ich ein paar Verbindungen schlicht vergessen, so eine Verdrahtung ist halt ziemlich unübersichtlich. Das war schnell behoben.

Die LEDs auf der Netzteilplatine müssen leuchten. Wenn nicht: sofort ausschalten und Kurzschluss suchen

Die LEDs auf der Netzteilplatine müssen leuchten. Wenn nicht: sofort ausschalten und Kurzschluss suchen

Ein anderes Problem hat mich aber einige Tage Kopfzerbrechen gekostet: Das Ausgangssignal des VCAs wies kleine Störspitzen auf, die vor allem bei zugedrehtem Filter störten, und auch bei Audio Input auf Null hörte man leise das Filtersignal.

Rätselhafte Störspitzen bei zugedrehtem Filter

Rätselhafte Störspitzen bei zugedrehtem Filter

Nach viel Herumprobieren und sogar Platinentausch stellte es sich heraus, dass die Flachbandkabel des Kabelsatzes die Quelle allen Übels waren: Die VCA-Eingänge sind recht empfindlich, und teilweise liegen die entsprechenden Adern dicht neben denen der Filterausgänge, es kam zu Übersprechen zwischen den Leitungen. Die kleinen Spitzen stammen von den Ecken des Sägezahns.
Man sollte zumindest folgende Adern also völlig aus dem Flachbandkabel heraustrennen :

Nr.5 bei Anschlussleiste 3 (VCA CV-Input in der Nähe der Tiefpass-Ader) und
Nr.5 bei Anschlussleiste 7 (VCF Hochpass neben VCA Audio- und CV-Input Adern)

Oder man trennt die Kabel gleich völlig auf, das wird dann zwar fürchterlich unordentlich und unübersichtlich, ist aber elektrisch gesehen besser.
Unbenutzte Eingänge sollte man auf Masse legen, die SUM-Eingänge über einen 47KOhm Widerstand. Wenn man das beachtet, arbeiten die Module sauber und stören sich nicht gegenseitig.  Diesen Hinweis will Doepfer aber auch in die Anleitung übernehmen.

Nun sollte man alle Potis und Buchsen auf korrekte Funktion checken. Dann kommt noch der Abgleich des VCOs, es gilt ein möglichst exaktes Tracking mit den zwei Trimmern auf der Platine einzustellen. Vorher die 20-Minuten-Aufwärmphase abwarten. Das ist etwas fummelig, am einfachsten geht es mit einem anderen Synth als Referenz. Als erstes alle Regler für Tonhöhe auf Null stellen (Fine Tune mittig), dann kurbelt man Trimmer P2 auf die tiefste gewünschte Note (üblicherweise ein tiefes C), spielt eine oder zwei Oktaven höher und justiert mit P1 das Tracking. Drehen im Uhrzeigersinn vergrößert die Spreizung der Töne, stimmt aber gleichzeitig abwärts (!) und andersherum, d.h. man muss anschließend auf der tiefen Note mit P2 die Tonhöhe regulieren, dann wieder weiter oben mit P1 das Tracking und sich so an das korrekte Tuning herantasten, bis es über 6-7 Oktaven so gut wie möglich rein ist. Damit ist auch das erledigt, der selbstgebaute Synth bekommt seinen Deckel und ist fertig.

Der fertige DIY

Der fertige DIY

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Toller Bericht mal wieder!
    So ein komplett eigener Synth ist schon was Tolles. Es sollte Jeder einen haben. Irgendwann traue ich mich vielleicht auch mal an Sowas ran.

    Nach dem Satz „Ich blinke, also bin ich“ bin ich übrigens eine halbe Stunde nicht mehr aus dem Lachen rausgekommen. Die beste „Ich denke, also bin ich“ Abstraktion die mir bis jetzt untergekommen ist :D

    Frohe Weihnachten!

    Cheers
    Dennis

    • Profilbild
      h.gerdes  AHU

      Tja wenn abendländisch-humanistische Bildung und Technophilie zusammentreffen, kommt sowas bei raus ;-)

      Es ist zwar eine Menge Arbeit, aber Doepfer hat es wirklich so einfach wie möglich gemacht. Löcher bohren, zusammenschrauben, verkabeln, Bsiauum! Mit etwas Lötkolben-Erfahrung kann man so einen DIY locker hinkriegen. Knifflig ist nur Fehlersuche.
      Aber kein Vergleich zu Selbstbau-Projekten früherer Zeiten. Ich habe mal einen Elektor Formant angefangen, so richtig mit Platinen ätzen, Transistoren selektieren, bestücken, usw. Irgendwann habe ich den halbfertigen Kram völlig entnervt verkauft. Dagegen war der DIY-Bau jetzt ein Spaziergang.

      Happy Xmas!

  2. Profilbild
    Diodenfreak

    Schön, dass es noch Bausätze gibt. Platinen entwickeln, Ätzen, Bohren und Löten sind nicht jedermanns Sachen und kosten auch eine Menge Zeit. Wenn man dagegen nach Anleitung eine Platine zusammenlötet, hält sich der Aufwand in Grenzen.

    Ich habe Anfang der 80er Jahre versucht, einen Synthesizer nach Schaltungen aus dem Buch von Helmuth Tünker (Electronic Pianos und Synthesizer) zusammenzubauen. Ich gab nach kurzer Zeit auf.

    Zur Zeit baue ich an einem zweiten analogen Synthesizer mit selbst entwickelten Schaltungen.

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