FET-Kompression mit Extras
Der Drawmer FC1 FET Compressor bringt einen klassischen FET-Kompressor in das API500-Format und erweitert das Konzept um einige Funktionen, die man bei einem solchen Modul nicht unbedingt erwartet. Neben Threshold, Ratio, Attack und Release bietet das Modul einen Wet/Dry-Regler für Parallelkompression, die programmabhängige PGM-Funktion sowie die Funktionen BIG, AIR und CRUSH. Damit soll der FC1, der gleichzeitig mit dem OC1 vorgestellt wurde, nicht nur schnell und knackig komprimieren, sondern auch klanglich deutlich mehr Möglichkeiten bieten als ein klassischer FET-Kompressor.
Was ist es? Der Drawmer FC1 FET Compressor ist ein einkanaliger FET-Kompressor im API500-Format, der klassische FET-Kompression mit erweiterten Funktionen kombiniert.
- Kompression: Der FC1 bietet eine schnelle und knackige FET-Kompression, die sich für die Bearbeitung von Transienten eignet und sowohl subtile Dynamikkontrolle als auch aggressive Effekte ermöglicht.
- Zusatzfunktionen: Funktionen wie PGM (programmabhängiger Release), BIG (Sidechain-Filter für tiefe Frequenzen), AIR (Sidechain-Filter für hohe Frequenzen) und CRUSH (harmonische Sättigung) erweitern die klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten.
- Parallelkompression: Ein integrierter Wet/Dry-Regler ermöglicht Parallelkompression direkt im Modul, was den Workflow vereinfacht und externe Routing-Lösungen überflüssig macht.
- Verarbeitung: Die Regler für Input, Output, Threshold, Ratio, Attack und Release sind 21-fach gerastert, was die Reproduzierbarkeit von Einstellungen erleichtert.
Inhaltsverzeichnis
Drawmer FC1 FET Compressor
Drawmer greift beim FC1 auf die FET-Technik seiner 1970er-Serie zurück. Der Kompressor arbeitet als Soft-Knee-Feedback-Kompressor und soll besonders bei Drums, E-Gitarren und dynamischen Vocals seine Stärken ausspielen. Auf dem Papier klingt das nach einem ziemlich umfangreichen 500er-Modul. Und tatsächlich ist die Frontplatte für ein Gerät dieser Art erstaunlich gut gefüllt. Die Frage ist allerdings wie immer: Braucht man diese ganzen Funktionen wirklich und vor allem, wie klingt der FC1?
Ein vollgepackter FET-Kompressor
Der Drawmer FC1 benötigt einen Steckplatz im API500-Rack und ist damit zunächst einmal ein klassischer 1-Kanal-Kompressor. Die Regler für Input, Output, Threshold, Ratio, Attack und Release sind 21-fach gerastert. Das gefällt mir schon einmal gut, denn gerade bei analogem Outboard ist es angenehm, wenn sich einmal gefundene Einstellungen später einigermaßen zuverlässig wiederherstellen lassen.
Die Bedienung ist dabei nicht kompliziert. Input bestimmt den Arbeitspegel, Threshold den Einsatzpunkt der Kompression und mit Ratio, Attack und Release lässt sich das Verhalten des Kompressors anpassen.
Der FET-Charakter zeigt sich vor allem bei kurzen Attack-Zeiten. Der FC1 kann sehr zügig reagieren und damit Transienten ordentlich einfangen. Gleichzeitig ist er aufgrund der unterschiedlichen Ratio-Einstellungen nicht darauf beschränkt, Signale möglichst brutal zu bearbeiten. Interessant wird es bei den zusätzlichen Funktionen.
PGM – wenn der Kompressor nicht pumpen soll
Die PGM-Funktion ist für mich eine der sinnvolleren Erweiterungen. PGM steht für einen programmabhängigen Release. Dabei kommt eine zweite, langsamere Release-Zeit ins Spiel, die sich am Programmmaterial orientiert. Drawmer möchte damit verhindern, dass der Kompressor bei stärkerer Kompression unangenehm pumpt oder hörbar „atmet“.
Das ist besonders bei Signalen interessant, die nicht nur aus einzelnen kurzen Transienten bestehen. Bei einer Snare oder einem kurzen Percussion-Signal kann ein fester Release durchaus genau das gewünschte Ergebnis liefern. Bei einer Gesangsspur oder einem komplexeren Instrumentensignal kann eine zu schnelle Rückkehr zur ursprünglichen Verstärkung dagegen schnell hörbar werden.
Mir gefällt dabei vor allem, dass man nicht gleich mit komplizierten Automatikfunktionen konfrontiert wird. Der normale Release-Regler bleibt vorhanden, PGM kommt einfach als zusätzliche Option dazu.
BIG- und AIR-Funktionen
Zwei weitere Funktionen stammen aus Drawmers 1973-Kompressor und sind auch beim Drawmer FC1 FET zu finden: BIG und AIR. Sie greifen nicht einfach als gewöhnlicher EQ in das Audiosignal ein, sondern beeinflussen die Arbeitsweise der Kompressorregelung.
BIG reduziert die Empfindlichkeit des Sidechains gegenüber tiefen Frequenzen. Dadurch kann beispielsweise ein kräftiger Bassanteil weniger stark die Kompression auslösen. Das Signal selbst verliert dabei nicht einfach seinen Bass.
Das kann bei einer Kickdrum oder einem Bassinstrument interessant sein. Ein Kompressor, der stark auf den Tiefbass reagiert, kann schnell anfangen, bei jedem kräftigen Bassimpuls das gesamte Signal nach unten zu drücken. Mit BIG lässt sich dieser Effekt reduzieren.
AIR arbeitet in die andere Richtung. Hier wird die Empfindlichkeit des Sidechains gegenüber hohen Frequenzen angepasst, damit beim Komprimieren mehr Hochtonanteil und Detail erhalten bleiben. Drawmer beschreibt den Effekt als offenere und klarere Höhen.
Ich finde diese Lösung interessanter als einen einfachen EQ hinter dem Kompressor. Denn hier verändert sich nicht nur der Klang, sondern die Art und Weise, wie der Kompressor auf das Signal reagiert.
CRUSH – bringt Schmutz in den Sound
Eine weitere Besonderheit ist die CRUSH-Sektion. Damit lässt sich dem Signal eine zusätzliche harmonische Sättigung hinzufügen. Drawmer beschreibt den Effekt als abhängig vom Eingangspegel. Bei stärkerem Anfahren nimmt also auch die Sättigung zu.
Ein Kompressor kann ein Signal zwar dichter machen, manchmal fehlt danach aber genau das gewisse Etwas. Mit CRUSH lässt sich beim Drawmer FC1 FET zusätzlich etwas harmonischer „Schmutz“ bzw. Charakter hinzufügen. Natürlich sollte man hier vorsichtig dosieren. Der Reiz liegt gerade darin, dass man die Funktion nicht unbedingt als offensichtlichen Distortion-Effekt einsetzen muss.
Schon eine moderate Einstellung kann aus einem sehr sauberen Signal etwas mehr Dichte und Präsenz machen.
Parallelkompression direkt im Modul
Sehr praktisch ist auch der Wet/Dry-Regler. Damit lässt sich das komprimierte Signal direkt im Drawmer FC1 mit dem unbearbeiteten Signal mischen. Eine zusätzliche DAW-Spur oder ein paralleler Hardware-Weg ist dafür nicht erforderlich. Gerade bei Drums ist das natürlich interessant.
Man kann den Kompressor relativ stark arbeiten lassen und anschließend einen Teil des ursprünglichen Signals wieder dazumischen. Dadurch bekommt man die Dichte und den höheren Durchschnittspegel der Kompression, ohne die ursprünglichen Transienten komplett zu verlieren.
Das ist inzwischen zwar kein exotisches Feature mehr, bei einem einzelnen API500-Kompressor aber ausgesprochen praktisch.
Stereo-Link
Wer zwei Drawmer FC1 besitzt, kann die Module über den Link-Bus des API500-Racks verbinden und damit Stereo- oder Mehrkanalanwendungen realisieren. Die Verbindung erfolgt über Pin 6 des 500-Series-Systems.
Mit nur einem Modul bleibt der Drawmer FC1 natürlich ein Mono-Kompressor. Wer einen Stereo-Kompressor benötigt, muss entsprechend zwei Module einplanen.
Drawmer 1978: Der große Bruder im eigenen Studio
Da ich selbst einen Drawmer 1978 im Studio einsetze, war für mich natürlich interessant, wie sich der FC1 innerhalb der Drawmer-Familie einordnet. Einen direkten Klangvergleich habe ich für diesen Test bewusst nicht gemacht – dafür sind beide Geräte konzeptionell auch zu unterschiedlich.
Der 1978 ist ein ausgewachsener 2-Kanal-FET-Kompressor und bietet entsprechend deutlich mehr Platz für Bedienelemente und zusätzliche Möglichkeiten. Der FC1 konzentriert sich dagegen auf einen einzelnen Kanal im 500er-Format und muss deshalb mit wesentlich weniger Platz auskommen.
Trotzdem erkennt man beim FC1 durchaus die Drawmer-Handschrift wieder. Die schnelle und direkte Arbeitsweise des FET-Kompressors erinnert durchaus an das Konzept des 1978, ohne dass der FC1 einfach wie eine verkleinerte Version seines großen Bruders wirkt.
Für mich ist genau das interessant: Der Drawmer FC1 versucht nicht, den 1978 in ein 500er-Modul zu pressen. Stattdessen wurde das FET-Konzept auf die Anforderungen eines kompakten Einzelkanals zugeschnitten und um Funktionen wie PGM, BIG, AIR und CRUSH ergänzt.
Wer den 1978 kennt und schätzt, dürfte sich beim FC1 deshalb relativ schnell zurechtfinden. Gleichzeitig bietet der kleine 500er genug Eigenständigkeit, um nicht lediglich als „1978 im Kleinformat“ wahrgenommen zu werden.
Wie klingt der Kompressor?
Was mich am Drawmer FC1 zunächst interessiert hat, war die Frage, wie stark er sich tatsächlich in Richtung klassischer FET-Kompression bewegt.
Die Antwort lautet: durchaus. Der Kompressor reagiert schnell und kann einem Signal ordentlich Energie geben. Besonders bei kürzeren Attack-Zeiten wird deutlich, wie schnell der FC1 Transienten unter Kontrolle bringt. Dabei klingt er nicht automatisch aggressiv.
Mit moderater Ratio und etwas längerer Attack lässt sich durchaus eine eher unauffällige Dynamikkontrolle erreichen. Dreht man dagegen Ratio und Gain-Reduction deutlich auf und wählt kurze Attack- und Release-Zeiten, wird der Charakter wesentlich deutlicher. Das ist genau das, was ich von einem FET-Kompressor erwarte.
Interessant wird es dann durch die zusätzlichen Funktionen. BIG kann bei bassreichen Signalen verhindern, dass der Kompressor zu stark vom Tiefbass gesteuert wird. AIR sorgt bei entsprechendem Material dafür, dass die Höhen trotz stärkerer Kompression offen bleiben. Und mit CRUSH kommt schließlich noch eine zusätzliche klangliche Ebene dazu.
In der Praxis – Klangbeispiele
Ich sehe den Drawmer FC1 FET vor allem bei Quellen, bei denen Dynamik und Charakter gleichzeitig gefragt sind. Drums gehören sicher zu den naheliegendsten Anwendungen. Hier kann man mit kurzen Attack- und Release-Zeiten ordentlich zupacken und über den Mix-Regler anschließend bestimmen, wie stark der Effekt tatsächlich ausfallen soll.
Auch Vocals sind interessant. Hier würde ich allerdings zunächst etwas vorsichtiger vorgehen. Die schnelle FET-Kompression kann zwar sehr schön für Präsenz sorgen, kann bei zu aggressiven Einstellungen aber auch schnell hörbar werden. Genau hier kommt PGM ins Spiel.
Bei einer Stimme mit größeren Pegelsprüngen kann die programmabhängige Release-Zeit dafür sorgen, dass die Kompression weniger auffällig arbeitet:
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Beim Bass wird die Wirkweise des Drawmer FC1 FET ebenfalls gut wahrnehmbar:
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Und letztlich sind natürlich auch Drums ein wunderbarer Einsatzzweck für einen schnellen FET-Kompressor:
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Technische Daten
Drawmer gibt für den FC1 einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz mit ±0,4 dB an. Der maximale Eingangspegel liegt bei +18 dBu. Die Ausgangsimpedanz beträgt weniger als 100 Ohm. Beim Klirrfaktor nennt Drawmer 0,02 % THD+N bei 1 kHz und 0 dBu Referenzpegel beziehungsweise 0,4 % bei 10 dBu. Das Eigenrauschen bei Unity Gain wird mit -98 dBu angegeben.
Für einen analogen FET-Kompressor sind diese Werte durchaus interessant, weil sie zeigen, dass Drawmer den FC1 nicht einfach auf maximale Färbung ausgelegt hat.
Vergleich mit den Mitbewerbern
Der Markt für 500er-FET-Kompressoren ist inzwischen ziemlich groß.
Der Lindell Audio 7X-500 ist beispielsweise deutlich stärker am klassischen 1176-Konzept orientiert. Er bietet drei Ratios – 4:1, 12:1 und 100:1 beziehungsweise All-In – sowie drei Attack- und Release-Stufen, einen Sidechain-Highpass und einen Mix-Regler für Parallelkompression. Preislich liegt er deutlich unter dem Drawmer.
Eine interessante Alternative zum Drawmer ist der Elysia xpressor 500. Der in Deutschland entwickelte 500-Series-Kompressor verfolgt allerdings einen anderen Ansatz und setzt nicht auf FET-, sondern auf VCA-Technik. Dafür bietet er eine sehr umfangreiche Ausstattung mit stufenlos einstellbaren Attack- und Release-Zeiten, verschiedenen Ratio-Einstellungen, Sidechain-Filterung und einem Mix-Regler für Parallelkompression.
Dazu kommen Funktionen wie Gain-Reduction-Limiting und ein spezieller „Warm“-Modus zur klanglichen Färbung. Damit richtet sich der xpressor 500 eher an Anwender, die einen möglichst flexiblen und präzise einstellbaren Kompressor suchen. Der Drawmer FC1 setzt demgegenüber stärker auf den charakteristischen FET-Sound und seine zusätzlichen Klangfunktionen wie BIG, AIR und CRUSH.
Der Drawmer geht einen etwas anderen Weg. Er versucht nicht, möglichst nah an einem bestimmten historischen Kompressor zu bleiben, sondern erweitert den FET-Grundcharakter um Funktionen wie BIG, AIR, PGM, CRUSH und Wet/Dry-Mix.
Wer den typischen 1176-Workflow sucht, findet günstigere und stärker darauf spezialisierte Alternativen. Wer dagegen einen modernen, flexiblen FET-Kompressor für das 500er-Rack sucht, bekommt beim Drawmer FC1 FET deutlich mehr Möglichkeiten.














































ich bin ein wenig über den minus-punkt bzgl des preises verwundert. wenn ich bei thomann schaue, finde ich lediglich 2 günstigere 76/fet-compressoren im 500er format. den lindell und einen von fredenstein. alle anderen sind deutlich teurer.
@dflt Hallo, ich weiß was du meinst. Aber ich sehe im Vergleich auch den gleich teuren Golden Age, der wesentlich aufwendiger ist und vor allem den SSL SiX 500 für 329 Euro . Der Drawmer ist besonders bezogen auf den Listenpreis (472 €) schon recht teuer.
Aber günstig sind 500 Komponenten eigentlich nie…
@Jörg Hoffmann Hallo Jörg,
da muss ich dir leider widersprechen. Der Leser hat Recht. Der Preis vom Drawmer liegt bei 399,- Euro. Es gibt nur einen leicht günstigeren FET-Kompressor von Lindell-Audio. Die Vintage-Variante vom Lindell Audio 7X-500 kostet sogar ebenfalls 399,- Euro. Den SSL SiX 500 kann man nicht vergleichen. Es ist ein Channel-Strip mit 1-Knob-Kompressor (und m. W. kein FET-Kompressor). Darüber hinaus ist es ein China-Produkt, auf dem SSL steht, das hier mit einem in UK gefertigten Produkt verglichen wird, kaum teurer ist und darüber hinaus noch in eine ganz andere Produktsparte gehört.
Auch den Golden Age kann man nicht vergleichen, weil es ebenfalls kein FET-Kompressor ist. Es ist ein Dioden-Brücken-Kompressor – also wieder komplett anders. Auch er wird in China hergestellt im Gegensatz zum Drawmer. Insofern hinkt auch hier der Preisvergleich.