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Test: Drawmer MQ-2, API500-Kompressor & Equalizer

Motown-Sound für die Lunchbox?

22. Juni 2026
drawmer mq-2 test

Test: Drawmer MQ-2, API500-Kompressor & Equalizer

Der Drawmer MQ-2 ist ein 7-Band-Equalizer mit integriertem One-Knob-Kompressor im API-500-Format. Als Stereomodul belegt er zwei Slots in einer Lunchbox. Wie man es von den Engländern kennt, ist das Gerät „Designed and Manufactured in the U.K.“ – ein heutzutage nicht zu unterschätzender Faktor.

Kurz & knapp

Was ist es? Drawmer MQ-2, Stereo-Equalizer und One-Knob-Kompressor im API-500-Format mit Motown-inspirierter Klangästhetik und integrierter CRUSH-Sättigung.

  • Klangcharakter: Musikalischer 7-Band-EQ mit eigenständigem, warmem und druckvollem Sound.
  • Kompressor: Einfach bedienbarer One-Knob-Kompressor mit programmabhängiger Regelung.
  • CRUSH: Analoge Sättigungsschaltung für zusätzliche Obertöne, Dichte und Präsenz.
  • Einsatzgebiet: Ideal zum Formen und Veredeln von Signalen, weniger für chirurgische Korrekturen.
  • Fazit: Charakterstarkes Klangwerkzeug mit inspirierendem Workflow und sehr gutem Testergebnis.
Bewertung

Drawmer MQ-2

Finger WegUngenügendBefriedigendGutSehr GutAusgezeichnetNicht bewertet
Bewertung des Autors

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Das Besondere am Drawmer MQ-2 ist sein bewusst reduziertes Bedienkonzept. Nach dem Vorbild der legendären Equalizer aus der Motown-Ära ist der Aufbau übersichtlich gehalten und die Bedienung denkbar einfach. Das bedeutet allerdings nicht, dass auch die klanglichen Ergebnisse simpel wären. Ganz im Gegenteil: Der Drawmer MQ-2 entwickelt schnell einen sehr eigenen Charakter und hebt sich deutlich von modernen, klinisch arbeitenden Equalizern ab. Doch was steckt eigentlich hinter dem Motown-Konzept, auf das sich Drawmer bei diesem Gerät bezieht?

Drawmer MQ-2_Opener

Die Geschichte der Motown-Equalizer

Der Motown EQ ist ein legendärer, speziell für die Motown-Studios in Detroit entwickelter Equalizer. Er wurde in den 1960er-Jahren von Motowns Chefingenieur Mike McLean entworfen und war ein wesentlicher Bestandteil des berühmten „Motown Sounds“, den man auf Aufnahmen von Künstlern wie Stevie Wonder, The Supremes oder The Jackson 5 hören kann.

 

heritage audio motorcity eq

Heritage Audio Nachbau des Motown EQ

Anders als moderne parametrische Equalizer war der Motown EQ ein passiver, induktorbasierter 7-Band-Grafik-EQ mit festen Frequenzen:

  • 50 Hz
  • 130 Hz
  • 320 Hz
  • 800 Hz
  • 2 kHz
  • 5 kHz
  • 12,5 kHz

Jedes Band konnte angehoben oder abgesenkt werden. Das Besondere war jedoch die Arbeitsweise der Filter. Kleine Eingriffe wirkten breitbandig und musikalisch, während stärkere Anhebungen oder Absenkungen zunehmend fokussierter ausfielen. Dadurch entstand ein sehr natürlicher und gleichzeitig charaktervoller Klang.

Der Motown EQ wurde nicht entwickelt, um Probleme chirurgisch zu beseitigen. Sein Ziel war es vielmehr, Aufnahmen größer, voller und präsenter wirken zu lassen. Typischerweise wurde er eingesetzt, um dem Bass mehr Gewicht zu verleihen, Stimmen wärmer und voller klingen zu lassen, Gitarren und Bläser hervorzuheben sowie dem Mix eine zusätzliche Brillanz zu verleihen.

Von den ursprünglichen Motown-EQs wurden nur sehr wenige Exemplare gebaut. Schätzungen gehen von rund 48 Geräten aus, die ausschließlich für die Motown-Studios gefertigt wurden. Damit zählt der Motown EQ zu den seltensten und gleichzeitig meistgehörten Studiowerkzeugen der Musikgeschichte.

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Die Ausstattung des Drawmer MQ-2

Der Drawmer MQ-2 ist ein vollanaloger Stereo-Equalizer und Kompressor im API500-Format. Das Modul wurde als moderne Interpretation des historischen Motown-Konzepts entwickelt und ist als MQ-1 in Mono (ohne Kompressor) und MQ-2 in der hier getesteten Stereoversion verfügbar. Es übernimmt dessen musikalische Klangästhetik, erweitert das Grundprinzip jedoch um einen integrierten Kompressor sowie die von Drawmer entwickelte CRUSH-Sättigungsschaltung. Im Gegensatz zu einer exakten Reproduktion historischer Motown-EQs handelt es sich beim MQ-2 um ein eigenständiges Design, das klassische Klangformung mit modernen Studiowerkzeugen kombiniert.

Equalizer-Sektion

Das Herzstück des Drawmer MQ-2 ist ein passiver, induktorbasierter Equalizer. Induktorspulen werden seit Jahrzehnten in hochwertigen Equalizern eingesetzt, da sie für ihren besonders musikalischen und natürlichen Klang bekannt sind.

Die Filter arbeiten mit fest definierten Frequenzbereichen und ermöglichen sowohl Anhebungen als auch Absenkungen. Durch die gewählte Schaltungstopologie entstehen breite, harmonische Eingriffe, die den Klang formen, ohne ihn künstlich oder überbearbeitet wirken zu lassen.

Die Bandbreite der Filter verändert sich abhängig von der Stärke der Anhebung oder Absenkung. Kleine Eingriffe wirken breitbandig und musikalisch, während stärkere Eingriffe zunehmend fokussierter ausfallen. Dadurch entsteht der typische Motown-Charakter: druckvoll, musikalisch und erstaunlich organisch.

Für die Einstellung der sieben Frequenzbänder steht jeweils ein Regler im Bereich von -10 dB bis +10 dB zur Verfügung. Die Frequenzen entsprechen exakt dem historischen Vorbild (50 Hz, 130 Hz, 320 Hz, 800 Hz, 2 kHz, 5 kHz und 12,5 kHz).

Der Kompressor des Drawmer MQ-2

Der integrierte analoge Kompressor könnte einfacher kaum aufgebaut sein. Er besteht lediglich aus einem einzigen Regler mit der Bezeichnung „COMPRESS“ und einer Skalierung von 0 bis 10.

Der Kompressor arbeitet programmabhängig und reagiert musikalisch auf das eingehende Audiomaterial. Ziel ist nicht eine maximale Pegelreduktion, sondern vielmehr eine kontrollierte Verdichtung des Signals. Attack- und Release-Zeiten werden intern gesteuert und passen sich automatisch dem Material an.

In der Praxis funktioniert das erstaunlich gut. Statt sich mit technischen Parametern aufzuhalten, konzentriert man sich unmittelbar auf das klangliche Ergebnis.

Drawmer MQ-2: CRUSH-Sättigung

Eine Besonderheit des MQ-2 ist die integrierte CRUSH-Schaltung. Dabei handelt es sich um eine analoge Sättigungsstufe, die dem Signal zusätzliche harmonische Obertöne hinzufügt.

Je nach Einstellung entstehen mehr Wärme, eine höhere wahrgenommene Lautheit, zusätzliche Dichte oder eine aggressivere Transientenbearbeitung.

Die Stärke der Sättigung ergibt sich dabei aus dem Zusammenspiel von Eingangspegel, EQ-Einstellungen und Kompression. CRUSH arbeitet daher nicht wie ein separater Effekt, sondern vielmehr als integraler Bestandteil der gesamten Klangbearbeitung.

Weitere Bedienelemente des Drawmer MQ-2

Auf der dicht bestückten Frontplatte des Drawmer MQ-2 befinden sich zusätzlich ein Bypass-Schalter sowie ein Taster mit der Aufschrift „ORDER“, mit dem sich die Reihenfolge von Equalizer und Kompressor vertauschen lässt.

Der klassische Ansatz besteht darin, den Equalizer vor den Kompressor zu schalten. Dadurch reagiert der Kompressor unmittelbar auf die zuvor geformte Frequenzverteilung. Je nach Anwendung kann jedoch auch die umgekehrte Reihenfolge interessante Ergebnisse liefern.

Zur optischen Kontrolle stehen LED-Ketten für Gain-Reduction und Ausgangspegel mit jeweils acht LEDs zur Verfügung.

Technische Daten des MQ-2

Die technischen Daten des Drawmer MQ-2 belegen, dass auch mit rein analoger Schaltungstechnik sehr anständige Werte erzielt werden können:

Input

  • Eingangsimpedanz: 20 kOhm
  • Maximaler Eingangspegel: +16 dBu

Output

  • Ausgangsimpedanz: <100 Ohm

Frequenzgang

  • 20 Hz – 20 kHz, ±0,5 dB

THD + Noise

  • 0,01 % bei 1 kHz / 0 dBu

Rauschabstand

  • -80 dB (20 Hz – 20 kHz)

Gewicht

  • 0,54 kg

Im Betrieb zeigt sich der MQ-2 als ausgesprochen gutmütig. Weder störendes Rauschen noch ungewollte Verzerrungen sind hörbar. Erst bei hohen Pegeln und aktivierter CRUSH-Schaltung erreicht das Gerät bewusst seine klanglichen Grenzen.

Verarbeitung des Drawmer MQ-2

Ich habe den MQ-2 in eine Fredenstein Bento 6S Lunchbox eingebaut und diese an die Ein- und Ausgänge meines Apollo X6 von Universal Audio angeschlossen.

Die Verarbeitung des Moduls ist insgesamt gut, wenn auch nicht ganz auf Boutique-Niveau. Alle Regler und Schalter sitzen stabil und weisen kein nennenswertes Spiel auf. Die LEDs sind hell und die Beschriftung bleibt trotz der hohen Reglerdichte gut ablesbar. Im Hinblick auf den Preis geht die Verarbeitungsqualität aber vollkommen in Ordnung.

Die Elektronik wird links und rechts durch Faserplatten geschützt. Hier wären Stahlbleche oder eine vollständige Abschirmung sicherlich die hochwertigere Lösung gewesen.

Dass die Bedienung eines 7-Band-EQs inklusive Kompressor auf zwei API500-Slots nicht ideal sein kann, versteht sich von selbst. Dennoch lassen sich sämtliche Bedienelemente gut erreichen.

Der Drawmer MQ-2 in der Praxis

Klanglich hat mich der Drawmer MQ-2 sehr überzeugt. Allerdings muss man sich zunächst von der Vorstellung lösen, hier einen klassischen Korrektur-EQ vor sich zu haben.

Der MQ-2 versteht sich vielmehr als Klangformer. So lässt sich der Grundcharakter einer Aufnahme wärmer, voller und druckvoller gestalten. Stimmen erhalten mehr Präsenz, die Höhen mehr Luft und der Bassbereich gewinnt an Fundament. Für chirurgische Eingriffe oder das gezielte Entfernen einzelner Problemfrequenzen ist der MQ-2 dagegen nicht gedacht.

Der Kompressor ergänzt den Equalizer hervorragend. Beide Sektionen wirken wie aus einem Guss und sollten eher als gemeinsames Werkzeug betrachtet werden. Schon kleine Änderungen am COMPRESS-Regler beeinflussen den Gesamteindruck deutlich.

Besonders interessant wird es, wenn man die Reihenfolge von Equalizer und Kompressor verändert. Dadurch entstehen überraschend unterschiedliche Klangcharaktere, die zum Experimentieren einladen.

Bei Aktivierung der CRUSH-Schaltung werden zusätzliche harmonische Obertöne erzeugt, deren Wahrnehmung durch die eingestellte EQ-Kurve beeinflusst wird. Dadurch lässt sich die Sättigung erstaunlich gezielt formen und in den Gesamtklang integrieren.

Klangbeispiele

Im ersten Beispiel habe ich einen Text in mein Shure SM58 Mikrofon mit Pop-Filter gesprochen. Das Ergebnis ist, wie man es vom Shure kennt, eher farblos und wenig dynamisch. Mit aktiviertem MQ-2 hört es sich dann lebendiger, besser verständlich und vor allem natürlicher an:

Nun ein paar Akkorde auf einer akustischen Gitarre, ebenfalls mit dem Shure SM58 etwa auf Höhe des 12. Bunds aufgenommen. Der Unterschied ist auch hier frappierend. Plötzlich fängt die Gitarre an zu singen und die Oberwellen werden hell und transparent wiedergegeben. Durch den moderaten Einsatz des Kompressors wird der Klang gefälliger und dichter:

Zuletzt noch eine Orgel ohne eigene Verzerrung. Der Groove der Aufnahme kommt bei ersten Beispiel nicht zur Geltung, während bei aktiviertem Drawmer der Spieler plötzlich den Rhythmus spürt. Im dritten Beispiel dann den Gain rauf und die CRUSH-Filter aktiviert und schon wird aus einer braven Orgel eine Distorted Draw Bar Organ:

Weitere Klangbeispiele findet ihr im folgenden Video:

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Mehr Informationen

Vergleich zum elysia xfilter

In meinem Studio arbeite ich regelmäßig mit einem elysia xfilter. Beide Geräte verfolgen jedoch völlig unterschiedliche Ansätze. Während der xfilter ein äußerst präziser, transparenter und vielseitiger Equalizer ist, verfolgt der Drawmer MQ-2 einen deutlich charakterorientierten Ansatz.

elysia xfilter

Mit dem xfilter lassen sich einzelne Frequenzbereiche gezielt bearbeiten und fein abstimmen. Der MQ-2 dagegen verändert den Charakter einer Aufnahme als Ganzes. Er arbeitet weniger wie ein chirurgisches Werkzeug und mehr wie ein Musikinstrument.

Der xfilter hilft mir dabei, einen Mix technisch zu optimieren. Der MQ-2 hilft mir dabei, einem Mix Persönlichkeit zu verleihen. Beide Geräte ergänzen sich daher hervorragend und stehen keineswegs in Konkurrenz zueinander.

Ein persönlicher Gedanke

Beim Arbeiten mit dem MQ-2 wurde ich fast ein wenig melancholisch. Im Zeitalter von KI-generierter Musik, algorithmischen Empfehlungen und Produktionen, die gleichermaßen für Streaming-Plattformen, Social Media und Smartphones optimiert werden müssen, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie viel Raum bleibt eigentlich noch für individuelle Klangästhetik?

Quincy Jones

Dabei geht es nicht um Nostalgie oder Technikverweigerung. Vielmehr erinnert ein Gerät wie der Drawmer MQ-2 daran, dass Musikproduktion auch immer eine kreative Auseinandersetzung mit Klang ist. Charakter entsteht nicht durch Presets oder Lautheitswerte, sondern durch bewusste Entscheidungen.

Genau dafür steht der MQ-2. Er ist kein Werkzeug für Perfektionisten, die jede Resonanz auf das Zehntel-Dezibel korrigieren möchten. Er ist ein Werkzeug für Klangtüftler, die Musik nicht nur mischen, sondern gestalten wollen.

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Klangbeispiele
Fazit

Der Drawmer MQ-2 ist ein außergewöhnlicher Stereo-Equalizer mit integriertem One-Knob-Kompressor und CRUSH-Sättigung. Wer einen präzisen Korrektur-EQ sucht, wird hier vermutlich nicht glücklich. Wer dagegen Klang formen, verdichten und veredeln möchte, findet im MQ-2 ein inspirierendes Werkzeug.

Die Kombination aus Motown-inspiriertem Equalizer, musikalischem Kompressor und harmonischer Sättigung sorgt für einen eigenständigen Klangcharakter, der in modernen Produktionen durchaus Seltenheitswert besitzt. Der MQ-2 ist kein Werkzeug für jeden Tag und jede Aufgabe. Genau das macht ihn aber so interessant: Sehr gut!

Plus

  • außergewöhnlich musikalischer Klangcharakter
  • sehr einfache Bedienung
  • gelungene Kombination aus EQ, Kompressor und Sättigung
  • hochwertige analoge Signalverarbeitung
  • Made in U.K.

Minus

  • keine Mittenrastung der EQ-Regler
  • begrenzte Möglichkeiten für chirurgische Korrekturen

Preis

  • 499,- Euro
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Über den Autor
Profilbild

Jörg Hoffmann RED

Ich bin eine ziemlich wilde Mischung aus Kopf und Herz: Studierter Naturwissenschaftler mit Know-How in der Elektroakustik, nebenbei in der HiFi/High End Branche tätig gewesen, bin ich jetzt im Product Marketing in der IT Security aktiv.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    masterBlasterFX AHU

    Dass Drawmer mit MQ-1 und MQ-2 ins API-500-Format einsteigt finde ich positiv.

    Übrigens wiedermal ein super „Test“ mit aussagekräftigen Klangbeispielen
    (Zum Test vom Universal Audio Manley VOXBOX gilt nat. das gleiche).

  2. Profilbild
    ollo AHU

    499€ für einen EQ, plus Comp und Sättigung und das auch noch in Stereo, da kann man echt nicht meckern, ja, das ist sogar verhältnissmäßig günstig.

  3. Profilbild
    ronv AHU

    Vielen Dank, klasse Test und gute, hilfreiche Klangbeispiele! Der Vergleich zum elysia xfilter ist auch sehr nützlich für die Einordnung.

    Konzept und Sound finde ich sehr ansprechend. Der Preis ist erstaunlich niedrig. Verflixt, jetzt habe ich GAS und brauche ein API-500-Rack 🙂.

  4. Mehr anzeigen
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