Test: Dreadbox Drips V2, Drummodul

17. August 2018

Alles auf einen Schlag

dreadbox drips v2

Mit Dreadbox Drips V2 ist die zweite Version dieses vielseitigen Eurorack-Moduls herausgekommen. Denn Dreadbox Drips ist eigentlich ein alter Bekannter und Kollege der Jim hatte ihn auch hier schon getestet.  Die aktuellen Neuerungen sind Grund genug für einen weiteren Test.

Die Funktionsweise von Dreadbox Drips V2

Dreadbox Drips V2 ist ein Eurorack-Modul, das sich auf Percussion- und Drum-Sounds spezialisiert hat. Die Sounds werden aus zwei VCOs und Noise, einem ENV-Generator und einem Multimode-Filter (LP/HP/BP) erzeugt. Die Hüllkurve beeinflusst entweder die Tonhöhe von VCO1 oder das Filter, das hinter dem Mixer sitzt, der VCO1, VCO2 und Noise zusammenmischt. Die Hüllkurve wird jeweils durch einen Clock-Impuls getriggert, was den Clock-Eingang im Endeffekt zu einem Trigger-Eingang macht – mit einem Unterschied: Die Länge des Gates ist egal, Hauptsache es kommt eine saubere positive Flanke. Das bedeutet, dass man die Hüllkurven nicht von außen beeinflussen kann. Es wäre ja hier auch ein Gate denkbar gewesen, der die Hüllkurven auf Sustain-Level hält, solang er eine positive Spannung anzeigt. Nun handelt es ja aber um ein Percussion-Modul und Percussion sind eben weniger bekannt dafür, einen Ton über Sekunden halten zu können – trotzdem würde ein Mehrnutzen für den Benutzer daraus entstehen.

Signalfluss des Dreadbox Drips V2

Signalfluss des Dreadbox Drips V2

Am Modul kann die Decay-Zeit für die Lautstärke eingestellt werden. Das Gleiche gilt für die Decay-Zeit für wahlweise VCO1 und das VCF. Hier kann aber noch durch einen Amount-Regler die Stärke der Hüllkurve bestimmt werden und das im positiven wie auch im negativen Sinne; und nebenbei überhaupt nicht metaphorisch.

Alles Filterei bei Dreadbox Drips V2

Das VCF ist ein Multimode-Filter und geht deutlich bis in die Eigenresonanz. Deswegen kann es auch als zusätzlicher Oszillator mit einbezogen werden. Dabei gibt es allerdings ein Problem bei ganz hohen Resonanzeinstellungen. Ab ca. der 3-Uhr-Position der Resonanz beginnt das Filter zu zerren, es ist keine heftige Verzerrung, aber hörbar genug, um an manchen FM-Klängen den Spaß zu verlieren. Sicher kann das auch als Feature gewertet werden – man muss es nur vorher wissen. Hier wäre eventuell ein Hinweis in der Anleitung angebracht gewesen.

VCO2 folgt immer VCO1 und kann über einen Detune-Regler gegenüber VCO1 verstimmt werden. VCO1 kann Rechteck und Sinus, VCO2 beherrscht lediglich Sinus. Das Besondere – und die Quelle der interessantesten Klänge des Dreadbox Drips V2 – ist die Möglichkeit, VCO1 durch VCO2 frequenzmodulieren zu lassen. Interessanterweise stehen VCO2 für diese Aufgabe zwei Schwingungsformen zur Verfügung: Rechteck und Sinus. Man kann die FM aber auch abschalten. Der Dreifachkippschalter steht dabei in der Mitte und damit etwas unglücklich genau über der Beschriftung „FM“. Man könnte zunächst also die Einstellung leicht fehlinterpretieren, indem man annimmt: VCO2 hat zwei Schwingungsformen und eine FM-Einstellung. Natürlich hört man das schnell, aber unklar finde ich es doch.

Links sieht man die etwas verwirrende Beschriftung, in der Mitte den kleinen Mixer

Links sieht man die etwas verwirrende Beschriftung, in der Mitte den kleinen Mixer

Wer vorher einen Blick in die Bedienungsanleitung geworfen hat (engl., PDF), wird das auch am aussagekräftigen Signalflussdiagramm erkannt haben. Die Anleitung erklärt knapp die wichtigsten Funktionen und bietet vor allem Presets in Form von Abbildungen: Bassdrums, Snares und Hi-Hats können so ganz schnell eingestellt werden und als Ausgangspunkt genommen werden. Selbstverständlich gibt es auch leere Preset-Blätter, um die eigenen Kreationen festhalten zu können.

Leichter Abzug in der B-Note

Der Anteil der drei Komponenten VCO1, VCO2 und Noise wird über einen Mini-Mixer mit Potiachsen eingestellt. Der Abstand der kleinen Achsen zueinander und zu den anderen Bedienelementen ist aber ausreichend, wenn man keine allzu argen Wurstfinger sein Eigen nennt. Der Mixer hat allerdings ein anderes Problem: Wenn man beide Oszillatoren voll drauf gibt, fängt er an zu übersteuern. Kommt noch Noise dazu, kann es ein wenig unangenehm werden, denn es handelt sich nicht um eine angenehme, sondern um eine kratzige Übersteuerung. Wenn man vorsichtig damit spielt, kriegt man bei Hi-Hats jedoch den gewissen Crash hin. Da ich Version 1 nicht selber kenne, bin ich mir unsicher ob das nun ein Bug oder ein Feature ist – ein Hinweis in der Anleitung hätte aber auch hier vielleicht Not getan.

Der Regler für VCO1 und das VCF sind als 2,4 cm große Moog-ähnliche Versionen ausgelegt. Die restlichen Regler sind etwa halb so groß und haben ebenfalls einen Moog-Stil. Die Regler haben einen angenehmen Widerstand, der aber nicht zu fest ist. Sie laufen ölig und haben nur geringe Toleranzen in der Laufleichtigkeit. Das ist auch von Nöten, denn gerade durch die FM-Komponente kommt es manchmal auf Bruchteile eines Millimeters an, die zwischen Nay und Yay eines Klanges entscheiden.

dreadbox drips v2

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Marco Korda  

    Danke für den sehr guten Bericht und die vielen Klangbeispiele! Das Modul ist günstig und der Sound scheint auch in Ordnung zu sein.

    Ich bin gespannt, ob der Hersteller dem Trend folgen wird und auch eine Desktop-Drum-Maschine konstruieren wird… Es bleibt spannend, freuen wir uns auf die Vielseitigkeit!

  2. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Dreadbox gehört zu meinen Favoriten; neben einigen Utility-Modulen habe ich auch den Drive aus der White Line. Drips ist relativ preiswert und hat einen guten Grund-Sound, allerdings habe ich kaum Bedarf an spezialisierten Drum-Modulen. Die FM-Möglichkeiten würden mich jedoch schon reizen…

  3. Profilbild
    Wellenstrom  AHU

    Immer eine Augenweide designtechnisch. Sehr ansprechend. Fühle mich da immer in die 60er, 70er Jahre Marvelcomicwelt zurückversetzt, Technische Sci Fi Apparaturen, die damals von Kirby, Simonson und Co. gezeichneten wurden, hatten so ’ne ähnliche Optik. Würde ich mir schon allein deswegen kaufen – wenn ich denn mehr hardwareorientiert mukken würde.

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