Test: Dreadbox Lethargy, Phaser-Pedal für E-Gitarre & Keys

1. Juni 2021

The late stages of Phaseism - das Dreadbox Lethargy

Test: Dreadbox Lethargy, Phaser-Pedal für E-Gitarre & Keys

Dreadbox gehören zu jenen Synthesizer-Firmen, die sich durchaus einen Namen innerhalb der Pedalgemeinde gemacht haben. Nicht durch ausgefallene Konzepte per se, sondern durch eine Mischung von Design und Praktikabilität. Mit dem Komorebi hat die Firma quasi bisschen Pedal-Luft geschnuppert – nichts Weltbewegendes, aber ein grundsolider, warm-analoger Klang mit einem Hauch Unberechenbarkeit und Patch-Punkten, was das Gerät nicht nur für Gitarristen, sondern auch Keyboarder und Synthesizer-Nutzer interessant macht.

Interessant und vielleicht wider die Erwartungen bauen Dreadbox analoge Effektpedale und das schlägt sich bisweilen gut auf den Klangcharakter nieder. Ein bisweilen verwunderlich ist es dennoch, dass Dreadbox ihr Konzept so fahren, dass auch MIDI-Anbindung für eventuelle Presets nicht infrage kommt. Das ist nicht schlimm, denn die Pedale sind vergleichsweise simpel aufgebaut und ersparen einem Sperenzchen wie zweite Bedienebenen. Simple, stabile Angelegenheit – oder?

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Dreadbox Lethargy Phaser Pedal – Anschlüsse & Features

Wie eingangs erwähnt – Bedienpanel und Features sind beim Lethargy überschaubar, dafür sind die Pedale in einem stabilen Metallgehäuse untergebracht, das einfach – nun ja, lässt sich nicht anders sagen – schweinecool aussieht. Retro-Farben, Tokyo-Ästhetik, unaufgeregt, aber stylish und vor allem in Pedalreihe stimmig. Das Dreadbox Lethargy ist ein OTA (operational transconductance amplifier)-basierter Phaser mit 8 Stages. Für eine kurze Übersicht der Arten von Stage-Phases:

  • 2 Stages: nicht besonders ausdrucksstark, die meisten zurückhaltenden Uni-Vibes arbeiten mit 2 Stages Phasing und sind weniger resonant
  • 4 Stages: EHX Small Tone ist hierfür ein gutes Beispiel – der „klassische“ Phaser-Sound, den man mit den 70s assoziiert, läuft meistens über 4 Stages-Modi
  • 6 Stages & mehr: Sirupartige, kehlige Phaser Sounds mit ordentlich Low-End und heftiger Oszillation ggf – alles über 6 Stages kann potentiell ordentlich fräsen

Das Dreadbox Lethargy ist ein 8-Stages Phaser, will heißen, wenn gewünscht, kann sich das Pedal richtig schön in den Vordergrund drängen. Schauen wir uns mal das Panel an.

Test: Dreadbox Lethargy, Effektpedal

Es besitzt einen Fußschalter für den Bypass, mehr nicht. Auch keinen Expression-Anschluss für die Rate des Phasers ist dabei – auch hier ein bisschen verwunderlich, da man eine CV-Anbindung für Euroracks und Synthesizer schon in dem Gehäuse unterbrachte. Das Gerät kennt nur Monobetrieb und läuft mit zwei 6,3 mm Klinken. Auf der Oberseite des Pedals befinden sich drei Patch-Punkte: zwei Accept-Punkte, einer für Rate sowie ein Send-Punkt für den LFO. Also: Anschluss für das 9 Volt Netzteil, das übrigens nicht im Lieferumfang dabei ist, zwei 6,3 mm Klinken – that’s it? Jap. Wie gesagt, das Pedal spart in Sachen Features ordentlich.

Test: Dreadbox Lethargy, Phaser-Pedal für E-Gitarre & Keys

Dreadbox Lethargy Phaser für Gitarre – die Bedienung

Im Grunde sind die Dreadbox-Pedale wie kleine Module zu denken, die am besten in schöner Manier aufgereiht jeweils ihrem Zweck nachkommen sollen – für knapp 200,- Euro das Stück. Ich bin kein Eurorack-Kenner und weiß nicht, inwiefern sich das rechnet, aber als Gitarrist wäre man mit dieser Wand vorerst (!) schon eigentlich bedient. Auch wenn die fehlende MIDI-Anbindung Stepptanz bedeuten würde. Es aber ist zumindest denkbar, seine Synthesizer über die Patch-Punkte zu synchronisieren, was ein interessantes Setup zur Folge hätte.

Test: Dreadbox Lethargy, Phaser-Pedal für E-Gitarre & Keys

Kommen wir zum Panel des Lethargy: Das Pedal besitzt vier Regler und einen Kippschalter. Dieser ist für die Auswahl der Schwingungsformen zuständig, aus denen man auswählen kann: Square Wave und Triangle. Vor allem ersteres kann speziell bei verzerrten Angelegenheiten drücken und klicken, aber das schauen wir uns im Praxisteil genauer an. Rate kümmert sich um die Frequenz des LFOs – wie wir sehen werden, beherrscht das Lethargy die langsamen, sphärischen Phasen sehr schön. Feedback füttert das Ausgangssignal wieder an den Eingang zurück und sorgt so für ein bisschen Oszillation und Verzerrung im Signal. Bei wenig Feedback haut der Lethargy einen sehr warmen, „harmlosen“ Vibe-Sound raus, der sich vor allem für Clean-Gitarre eignet.

Dreadbox Lethargy Gitarrenpedal

Mit Manual lässt sich der Frequenzpunkt des Phase-Shiftings verschieben – ähnlich wie beim Frequency-Cutoff eines Filters. Bei Amount lässt sich nun mit dem Frequenzpunkt, den ihr durch Manual aussucht, arbeiten. Hier könnt nämlich fließend zwischen einem „statischen“ Phaser-Effekt sowie einem LFO-induzierten Effekt wechseln. Da ärgert es einen fast schon, warum Dreadbox keinen EXP-Zugang für den Manual-Regler integriert haben. Das Pedal könnte dadurch eine zweite Funktion als Filterpedal auf dem Pedalboard erfüllen können. Dafür kann das Lethargy beim Rate-Regler in den höheren Bereichen selbstständig Frequenzmodulation betreiben (FM) – hier kommt dann eben doch die Synthesizer-Heimat von Dreadbox durch. Am Ende des Tages interessiert mich die Praxis des Ganzen – also habe ich das Pedal nun im Praxistest mit Gitarre und Synthesizer gleichermaßen bearbeitet.

Dreadbox Effektpedal – das Lethargy in der Praxis

Da hier kein Stereobetrieb greift, speisen wir das Lethargy direkt in den Revv G20 ein, ehe wir dann mit einem Synthesizer die Kompatibilität an den Patch-Punkten überprüfen. Ist das Dreadbox für E-Gitarre und Synthesizer gleichermaßen nützlich? Finden wir es raus.

Test: Dreadbox Lethargy, Phaser-Pedal für E-Gitarre & Keys

Den warmen, analogen Grundsound würde man aus dieser Box gar nicht erwarten – tatsächlich klingt das Lethargy in seinen Grundzügen zunächst sehr gitarrenfreundlich. Und – das lässt sich bei diesem überschaubarem Panel zunächst nicht erwarten – erstaunlich flexibel. Es gibt Gitarrenpedale mit mehr Reglern und „Bedienebenen“, die es nicht schaffen, so flexibel zu agieren.

Meine Erwartungen waren erst einmal ehrlich gesagt ein bisschen gedämpft. Doch speziell die Frequenzmodulation, die Möglichkeiten, die einem der Amount-Regler bietet sowie das warme Feedback-Verhalten lassen einen dann doch ein bisschen staunen – dem Lethargy ist eine ganze Menge an Sounds zu entlocken. Ob klassische Phaser-Effekte mit hoher Rate und Vibrato-Charakter oder weitläufige, langsame Rates mit angefärbtem Feedback – klingt sehr stimmig das Ganze und alles andere als kühl und leblos. Auch die Möglichkeit, den Lethargy als FM-Synthesizer zu nutzen und mit dem Manual-Regler die Frequenz einzustellen, hebt das Gerät hervor – alle Sounds, die hier entstehen, sind wohlgemerkt nur die Gitarre und der Lethargy. Viel Feedback und langsame Rate – rauskommt ein analog-warmer Sound, der runtergeht wie Butter, mein persönlicher Favorit. Auch dieses leicht perkussive Metronom-Klicken wie bei Beispiel 7 bei der Square-Schwingungsform hat seine Berechtigung und funktioniert gut.

Ab jetzt wünsche ich mir, dass jedes Modulationspedal eine Patch-CV-Anbindung für den Synthesizer hat, vor allem für den LFO. Ich habe den LFO-Patch-Punkt des Malekko Manther mit dem Lethargy Patch-Punkt verbunden und mich durch die -und Triangle-Waves, Rates und das Feedback-Verhalten gespielt.

Dreadbox Lethargy Phaserpedal für E-Gitarre

Ich lasse die Sequenz 1x kommen, dann schalte ich den Lethargy dazu. Was passiert, lässt sich nicht anders sagen: klar, über MIDI-Synchronisation lassen sich identische Ergebnisse erzielen, doch das ist manchmal aufwendig – zumindest, wenn man es mit einem Patch-Punkt vergleicht, wo einfach Kabelstecken sofort für die Synchronisation sorgt. Im letzten Beispiel halten wir den Amount-Regler zu Anfang ganz links und lassen den LFO außen vor, drehen langsam den Manual-Regler rein und erzeugen so feinste Filter-Sweeps ohne große Schwierigkeiten. Danach wird der Rate-Regler in FM-Territorium gedreht – und voilà, ein enorm vielseitiges Klangbild zeigt sich hier.

Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn manche Pedalfirmen ihr Selbstverständnis ein bisschen erweitern würden. Mit einer Handvoll Patch-Punkten wird die Attraktivität für Synthesizer-Nutzer enorm gesteigert. Wer beispielsweise ein Reverb-Pedal mit ordentlicher Modulations-Schlagseite baut – was spricht dagegen, mit Patch-Punkten die Praktikabilität zu erhöhen, für Mono-Synthesizer quasi eine Modulfunktion- oder Erweiterungsfunktion zu präsentieren? Ein Fuzz-Pedal mit Patch-Punkten – warum nicht? Irgendwie muss ich da an Jptr FX denken, aber es gibt sicher einige Firmen, die vom Dreadbox-Konzept der Patch-Punkte auf dem Pedal etwas mitnehmen könnten. Fest steht – bei Dreadbox, die für ihre Desktop-Synthesizer bekannt sind, liegt das natürlich nahe. Man kann nur hoffen, dass die eine oder andere Gitarrenpedal-Firma es schaffen könnte, hier mal über den Tellerrand zu blicken.

Fazit

Einfaches, stimmiges Design, wenige Regler, zwei Schwingungsformen, ein Fußschalter und Patch-Punkte – das Lethargy erfindet das Rad nur ein klein wenig neu, indem es mit dem Patch-Punkten auf dem Gitarrenpedal einen einfachen, aber attraktiven Kniff besitzt, der für Gitarristen, die gerne mit Synthesizern experimentieren, einiges wert sein könnte. Die Menge an Sounds, die in dem Lethargy stecken, sieht man der schönen Kiste zunächst nicht an. Einzig ein ausgewiesener (!) EXP-Anschluss, auch bei vorhandenem Patch-CV, hätte dem Ganzen die Krone aufgesetzt, ansonsten ist Dreadbox hier ein stylisches und vor allem klanglich analog-authentisches Modulationspedal gelungen. Das warme Klangbild funktioniert sowohl für E-Gitarre als auch Synthesizer und trifft hier den Sweet Spot – macht definitiv Lust auf mehr aus dem Hause Dreadbox!

Plus

  • einfache, übersichtliche Bedienung
  • vorhandene Patch-Punkte
  • warme, analoge Klangfarbe
  • FM möglich

Minus

  • kein ausgewiesener EXP-Anschluss

Preis

  • 199,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    OscSync  

    Oh, das kommt klanglich und optisch wirklich sehr lecker daher!
    Allerdings machen Dreadbox ja schon immer Pedale, ich glaube damit haben sie sogar angefangen. Die Pedale haben sich auch schon in der Vergangenheit recht anschlussfreudig gezeigt, siehe z.B. das Epsilon-Pedal. Ähnliches gibt es m.E. nur noch von Moog.

  2. Profilbild
    Organist007  AHU

    Eh nett – aber mono ?

    Für mich als Keyboarder genügt der MXR Stereophaser – Mono in- stereo out.
    Der knarzt auch ganz schön und hat einen Vintage-Modus.

    • Profilbild
      SID6581

      Als Tastendrücker ist CV ja schonmal sehr willkommen. Mit 8 Stages klingt er auch schön satt. Aber isch schließe mich meinem Vorredner an – Stereo hätte für die synthetischen Wellen dann doch nochmal einen besonderen Reiz. Das macht z.B. der – zugegeben highendige – Moogerfooger mit seinen 12 Stages der Konkurrenz vor.

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