Test: Dreadbox Murmux Semi-Modular & Initiate, Analogsynthesizer

4 Stage Mod ist ein Stepmodulator mit vier Schritten, die sich auch auf zwei oder drei verkürzen lassen. Diese Einheit scheint man sich beim MFB Megazwerg abgeschaut zu haben, denn sie funktioniert genau so. Die Geschwindigkeit ist frei regelbar oder kann von einer externen Clock vorgegeben werden. Das Testgerät akzeptierte am Clock-In nur hohe Triggersignale, aber keinen Rechteck-LFO, das soll auch gefixt worden sein. Ich vermisse aber einen Reset-In. Die Übergänge der Steps können mit Smooth geglättet werden, dann verhält sich 4 Stage eher wie ein LFO. Für tonale Minisequenzen muss man etwas Geduld beim Einstellen haben, aber es ist möglich.

 

Patchbuchsen und Zusatzfunktionen

Bis auf die AR-Hüllkurve haben alle Modulatoren eigene Ausgänge, der LFO stellt hier sogar ein zusätzliches Rechteck zur Verfügung. Da die CV-Eingänge nicht regelbar sind, gibt es einen Attenuator, der sich speziell bei Nutzung des 4 Stage Mod oder bei der Hüllkurvensteuerung von VCO 2 für Sync-Sounds anbietet. Zur Modifikation ist ein Inverter vorhanden und es gibt eine Sample&Hold-Einheit. Das S&H besitzt eine eigene Clock (eine externe kann nicht eingespeist werden), man muss nur Noise hinzupatchen, kann aber auch ein langsames Dreieck nehmen und erhält dann eine Treppenmodulation.

Semi Modular angle 1

Semi Modular wird wahlweise über CV/Gate oder MIDI angesteuert, wobei sich MIDI nur auf Note-On/Off beschränkt. Ein Update ist dafür geplant (siehe unten). Semi Modular deckt eine weitere Soundpalette ab, als man zunächst vermutet. Analoge Standardklänge gelingen problemlos, aber auch Experimentelles ist ihm nicht fremd. Zwar fehlen Ring- oder echte Frequenzmodulation, doch kann man einerseits über die Patchbuchsen einige Sachen tricksen und andererseits mit dem weiten Frequenzbereich der VCOs und dem markanten Filter sehr variabel arbeiten. Der für einen Analogsynth wirklich saubere Ausgang unterstreicht die Qualitäten der gesamten Schaltung.

Murmux Initiate

Das Murmux-Modell Initiate ist eine auf das Nötigste reduzierte Variante. Es fehlen hier fast alle CV/Gate-Buchsen und die damit verbundenen Zusatzfunktionen des Semi Modular und es wurden ein Suboszillator, Noise-Generator, 4 Stage Modulator und das Hochpassfilter eingespart. Obwohl Initiate grundsätzlich auf den gleichen Schaltungen wie Semi Modular basiert, gibt es auf Grund anderer Signalpegel und Mischung der Oszillatoren gewisse klangliche Unterschiede.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Trotz der genannten Schwächen/Fehler muss ich feststellen, dass die Dinger nicht nur ungeheuer sexy aussehen, sondern auch sehr eigen (und das meine ic durch und durch positiv) klingen.
    Insbesondere das Soundbeispiel „Initiate Sync“ finde ich richtig groß. Talking Synth!

  2. Profilbild
    NEK-X

    Hi :)

    Schöner ausführlicher Bericht ! Danke dafür !
    Da ich „grundsätzlich“ die einfachen, direkten und effektiven Dinge liebe, war mir der Initate gleich ins Auge (und ins Herz) gefallen. Bei einem Kollegen konnte ich das Gerät auch schon eine Weile austesten, und bin von der einfachen Struktur, dem netten rustikalen Äusseren sowie von dem fetten warmen Sound begeistert.
    Irgendwie hat die Kiste Charakter und ist kein Vergleich mit den Fliesband-Reisschüsseln aus Fernost …
    Lediglich eine vollwertige ADSR-Hüllkurve für den Amp und eins zwei kleine Modulationsfeatures stünden auf meiner Wunschliste…

    Wens interessiert, es gibt mittlerweile eine kleine „Emulation“ , aus meiner Feder, die ein wenig über den Funktionsumfang des Initate hinaus geht,ohne allerdings die ansonsten strenge Struktur allzuweit „auszudehnen“

    Ist nebenbei bemerkt mein diesjähriger Beitrag zum kvr-DC 2014:

    http://www.....-easytoolz

    Weiterhin frohes Schrauben
    NEK-X aka easytoolz.de

  3. Profilbild
    Jauly

    Sehr gut geschriebener Test!

    2 Fragen:

    Warum ist eine loopbare Hüllkurve unpraktikabel? Ich widerspreche: Man bekommt somit eine Key-Trigger Modulation, was für Bässe oft wichtiger ist als freilaufende LFOs.

    Warum ist es praktisch für alle aktuellen Hersteller analoger Synthesizer so schwer, schnelle, knackige Hüllkurven zu bauen, wo doch genau das ein Plus eines analogen Synthesizers zum digitalen Modell wäre?

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