Düster wie die Nacht
Der Dreadbox Nyx Reissue ist ein kompakter, semi-modularer Analogsynthesizer. Neben einem komplett analog aufgebauten Signalweg und einem integrierten Hall punktet er auch mit seinem Dual-Filter und vielen Routing-Optionen. Nachdem es den Dreadbox Nyx Reissue zunächst nur als Bausatz gab, ist er nun auch als fertig montiertes Gerät erhältlich.
- Experimenteller Sound: Besonders für düstere, drone-lastige Klangwelten geeignet.
- Flexible Patch-Möglichkeiten: Dual-Filter, viele Routing-Optionen und Patchbay bieten große klangliche Vielfalt.
- Günstiger Preis: Deutlich preiswerter als Vorgängermodelle oder vergleichbare Modul-Setups.
- Kompromisse: USB-Stromversorgung ohne mitgeliefertes Kabel, keine rückseitigen Anschlüsse.
Inhaltsverzeichnis
Dreadbox Nyx Reissue
Versionen Nyx, Nyx V2 und Nyx Reissue
2016 stellte Dreadbox den Nyx vor, einen paraphonen Analog-Synthesizer im Desktop-Format. Drei Jahre später folgte der Nyx V2, der etwas größer ausfiel und einige Erweiterungen bot. Inzwischen ist man mit dem Nyx Reissue wieder zur ursprünglichen Version zurückgekehrt – mit ein paar kleinen, aber entscheidenden Änderungen.
Vergleicht man die Bedienoberflächen der ersten und aktuellen Version miteinander, fallen drei Kippschalter auf, die es zuvor nicht gab. Sie sind Teil des MIDI-Interfaces, das auch eingehende Signale konvertiert und zur Patchbay führt. Daher gibt es auch drei zusätzliche Patch-Buchsen im Vergleich zur ersten Version.
Dafür entfallen allerdings die rückseitigen Audio- und MIDI-Ein- und -Ausgänge sowie der Netzteilanschluss. Stattdessen ist seitlich ein USB-Anschluss angebracht, der zur Stromversorgung benötigt wird.
Nyx ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Nacht. Wer mit der Nacht die Stille verbindet, liegt hier natürlich falsch. Attribute wie dunkel, düster oder gespenstisch sind deutlich zutreffender.
Einbruch der Dämmerung
Unboxing
Im Lieferumfang befinden sich neben dem Gerät selbst, das bereits in ein Gehäuse verbaut ist, ein MIDI-TRS-Adapter Typ A und ein Flachbandkabel zum Einbau in ein größeres Rack.
Das 9-seitige Handbuch gibt es nur online im PDF-Format. Es ist sehr klar strukturiert und eher knapp formuliert, weshalb zumindest Basiskenntnisse im Bereich modularer Synthesizer vorhanden sein sollten. Doch auch erfahrene Nutzer sollten zuvor einen Blick wagen, denn die Bezeichnungen mancher Schalter und Regler sind definitiv nicht eindeutig.
Aufbau & Bedienung
Der Dreadbox Nyx Reissue lässt sich im mitgelieferten Case als Desktop-Gerät nutzen, kann aber auch in ein bestehendes Eurorack-System eingebaut werden. Etwas ungewohnt wirkten zunächst die unterschiedlichen Schrauben auf mich. Möchte man das Modul aus dem Case herausnehmen, müssen lediglich die vier Linsenkopfschrauben an den Ecken entfernt werden. Zusätzlich sind zwei weitere Schrauben zu lösen, um den USB-Adapter von der Platine zu trennen.
Die Verarbeitung macht insgesamt einen sehr stabilen Eindruck. Auffällig waren jedoch die drei Regler für das Routing: Alle ließen sich wie Push-Encoder drücken – allerdings ohne Funktion – im Gegensatz zu allen anderen Reglern. Ansonsten sitzen alle Bedienelemente fest und bieten einen angenehmen Widerstand.
Allerdings ist es platztechnisch etwas eng auf der Bedienoberfläche, sodass ich zu Beginn recht häufig ungewollt Werte veränderte.
Klangerzeugung
Der Dreadbox Nyx Reissue ist nicht nur ein einfaches Synth-Voice-Modul aus VCO, VCF und VCA. Mit seinem Dual-Filter, den vielen Routing-Optionen sowie separaten Audioeingängen für beide Filter lassen sich zahlreiche Patch-Ideen verwirklichen. Da sich die beiden Filter bei Selbstoszillation ebenfalls als VCOs nutzen lassen, sind sogar bis zu vier Klangquellen möglich.
Routing-Optionen
Routing VCO:
- NOR: VCO 1 & 2 in Filter 1
- SPLIT: VCO 1 in Filter 1, VCO 2 in Filter 2
- HALF: VCO 1 & 2 in Filter 2
- VCA: kein Filter
Routing VCF:
- LPF: Tiefpassfilter, seriell
- HPF: Hochpassfilter, seriell
- EVEN: Tiefpassfilter, parallel
- ODD: Filter 1 Tiefpassfilter, Filter 2 Hochpassfilter, parallel
Routing Modulatoren:
- SINGLE: Modulator 1 für beide Filter
- DUAL: Beide Modulatoren für beide Filter
- SPLIT: Modulator 1 für Filter 1, Modulator 2 für Filter 2
- ODD: Modulator 1 für beide Filter, Modulator 2 für Filter 2
Oszillatoren
Die beiden Oszillatoren unterscheiden sich in zwei wesentlichen Punkten: ihren Schwingungsformen und den möglichen Oktavbereichen. Oszillator 1 lässt sich zwischen Sägezahn und Rechteck umschalten, während Oszillator 2 Sägezahn und Dreieck zur Auswahl bietet. Die Oktavlagen des ersten Oszillators können auf 32, 16 oder 8 eingestellt werden, die des zweiten auf 16, 8 und 4.
Beide Oszillatoren verfügen jeweils über einen Level- und einen Glide-Regler. Für die Rechteckschwingung des ersten Oszillators gibt es einen Regler zur Pulsbreitensteuerung; der zweite Oszillator besitzt stattdessen einen Detune-Regler. Die mittlere Position des Detune-Reglers ist auf der Bedienoberfläche praktischerweise markiert – an dieser Stelle wird das Signal um genau eine Oktave verschoben.
Mittig in der Oszillator-Sektion sitzt der Tune-Regler zur Einstellung der Grundfrequenz. Darunter befinden sich ein Kippschalter für die Sync-Funktion sowie zwei Regler für Geschwindigkeit und Intensität eines Vibrato-Effekts.
Filter
Die beiden Filter bieten zwar jeweils nur 12 dB Flankensteilheit, lassen sich jedoch seriell geschaltet zu 24 dB/Okt. kombinieren. Neben den obligatorischen Reglern für Frequenz und Resonanz, die sich auf beide Filter auswirken, gibt es noch einen weiteren mit der Bezeichnung „Post“. Mit ihm wird die Filterfrequenz des zweiten Filters kontrolliert. Da das zweite Filter – außer im ODD-Modus – ebenfalls vom Frequenzregler gesteuert wird, wirkt der Post-Regler meist wie ein Offset für das zweite Filter.
VCA
Der VCA verfügt neben einem Level-Regler auch über einen eigenen Modulator. Rise und Fall verhalten sich – je nach Stellung des LFO-Schalters – wie bei den anderen Modulatoren. Der Hold-Schalter hingegen wandelt die AD-Hüllkurve in eine AR-Hüllkurve um.
Modulatoren
Zählt man den Vibrato-Effekt mit, stehen im Dreadbox Nyx Reissue insgesamt vier Modulatoren zur Verfügung. Zwei davon sind dem Dual-Filter zugeordnet, einer dem VCA, wobei das Routing nur die Modulatoren der Filter betrifft. Der Rise-Parameter reicht von einer Millisekunde bis zu fünf Sekunden, der Fall-Parameter von 10 Millisekunden bis zu 15 Sekunden.
Bis auf den Vibrato-Effekt verfügen alle Modulatoren – entsprechend als solche beschriftet – über je einen Kippschalter für einen Hold-Modus und einen für einen LFO-Modus. Ist der LFO nicht aktiviert, arbeiten die Modulatoren als AD-Hüllkurven. Der Hold-Modus wird nur bei einem eingehenden Gate-Signal und entsprechender Schalterstellung aktiv.
Reverb
Das digitale Reverb könnte einfacher kaum gestaltet sein: drei Drehregler für Time, Decay und Mix. Mit dem Time-Regler stellt man das Pre-Delay ein, wobei sich das Signal auch unterschiedlich färben lässt. Eine niedrige Pre-Delay-Zeit klingt eher verwaschen, während eine hohe Pre-Delay-Zeit einen deutlich klareren Klang ergibt.
Stellt man den Decay-Regler auf den Maximalwert, entsteht eine schöne, stehende Hallfahne. Über den Time-Regler lassen sich ebenfalls interessante Effekte erzeugen – sodass ich mir ziemlich schnell einen CV-Eingang gewünscht hätte.
Das Reverb
Patchbay
Rechts befindet sich die Patchbay, unterteilt in Ein- und Ausgänge. Die Ausgänge sind innerhalb einer weißen Umrandung schwarz beschriftet, die Eingänge dagegen weiß. Die Anordnung und Farbgebung empfand ich anfangs als etwas verwirrend.
Die Ausgänge für VCO 2 und einen internen Rauschgenerator verfügen jeweils über einen kleinen Drehregler, der als Attenuator dient. Gate- und CV-Ausgänge sind selbsterklärend, während der MOD-Ausgang das Steuersignal eines Modulationsrads weiterleitet – vorausgesetzt, man hat ein entsprechendes MIDI-Keyboard angeschlossen. Von den internen Modulatoren lässt sich lediglich der zweite über die Buchse mit der Bezeichnung „M2“ abgreifen.
Die Eingänge bestehen aus drei CV-Eingängen für die Oszillatoren, einem Gate-Eingang, je einem Eingang für die Cutoff- und Post-Regler des Filters, einem Eingang zur Modulation der Pulsbreite und einem zur Steuerung des VCAs. Außerdem gibt es zwei Audioeingänge, von denen sich einer außerhalb der weißen Umrandung zwischen zwei Ausgängen befindet. Audioeingang 1 führt zu Filter 2, Audioeingang 2 zu Filter 1.
Unterhalb der weißen Umrandung befinden sich die letzten beiden Patch-Buchsen: ein Master-Ausgang und ein MIDI-Ausgang. Am Master-Ausgang wird das Signal nach dem VCA abgegriffen; hier lassen sich auch Kopfhörer anschließen.
Gerade im Hinblick auf die Patchbay lohnt sich ein Blick ins Handbuch, um den Dreadbox Nyx Reissue zu verstehen und sinnvoll nutzen zu können.
MIDI-Interface
Über das MIDI-Interface lässt sich der Dreadbox Nyx Reissue mit einem MIDI-Keyboard über einen Bereich von sieben Oktaven spielen. Neben dem bereits erwähnten Ausgang für das Modulation-Wheel kann auch das Pitch-Wheel zur Steuerung genutzt werden.
Zusätzlich gibt es drei Kippschalter für Legato, Mono/Duo und Omni/Channel. Der Legato-Schalter beeinflusst das Trigger-Verhalten des VCA-Modulators, im Duo-Modus wird die Paraphonie aktiviert. Im Omni-Modus sind alle MIDI-Kanäle aktiv, während im Channel-Modus ein einzelner Kanal ausgewählt wird.
Wie klingt der Dreadbox Nyx Reissue?
Der Klang des Dreadbox Nyx Reissue trifft sicherlich nicht jeden Geschmack, ist jedoch durchweg als gut zu bezeichnen. Seine Stärken liegen ganz klar in experimentellen Klängen und vor allem in Drone-Sounds. Das integrierte Reverb trägt hierzu maßgeblich bei. Bei voll aufgedrehtem Mix-Regler klingt schnell alles nach Horror, Kampfszene oder Weltuntergang. Natürlich sind auch traditionelle Klänge möglich, doch dafür ist der Dreadbox Nyx Reissue eigentlich nicht gemacht.
Die verschiedenen Routing-Optionen lassen ein Patch im Handumdrehen deutlich anders klingen und stellen das Dual-Filter stets in ein neues Licht. Wer es gerne etwas harsch mag, wird mit dem Resonanzverhalten sicher zufrieden sein. Harte Kickdrums und tiefe Bässe sind somit ebenfalls kein Problem für den Dreadbox Nyx Reissue.
Seine wahre Klangvielfalt entfaltet sich im Zusammenspiel mit anderen Geräten – genauer gesagt im gegenseitigen Austausch von CV und Audio. Er lässt sich an jedem beliebigen Punkt eines Patches einsetzen und erwies sich dabei als zuverlässiger und flexibler Partner.
Für die folgenden Klangbeispiele habe ich externes Equipment nur dann eingesetzt, wenn ich es als notwendig empfand. In den Videobeispielen kommt etwas mehr zum Einsatz, inklusive Mixing-Bus mit Equalizer und Kompressor.
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Danke fü die Vorstellung des S ynths!
Die Geräte von Dreadbox hinterlassen bei mir ein gutes Gefühl. 😍
Dieser Synthesizer ist zwar pfhein, jedoch noch nicht mein…
So sollte es nicht sein, daher pack‘ ich es ein. Doch…
Nein, mir fehlt noch der ein und andere Schein…
Verflixt! Wann bekomme ich Nyx?
@CDRowell Aktuell bekommst du nyx 😀
@Markus Galla 😂
Ich versteh ehrlich nicht, warum Synths die USB Strom verwenden nie mit USB Kabel kommen.
Das kann doch nicht mehr als ein paar Cent zu produzieren kosten?
@PossumVla fand ich schon nervig, den USB Adapter wegzulassen. aber das Kabel auch noch? meine Bass Station 2 hatte noch Netzteil und USB Kabel (in schönem Bass Station Blau und sogar eine gedruckte Anleitung inklusive. 😃
@Numitron Meiner Ansicht nach ist es nur ein logische Konsequenz zur Verteillung zig Milliarden Kabel und Ladeadapter, die schlussendlich alle im Müll landen werden…
Persönlich habe ich 3 Geräte, die ich durch abwechselnd beginnende Ladezyklen alle mit einem Kabel und Ladegerät speise.
Seitdem meine Pubertiere sich im Selbstbedienungsladen Papa meiner Kabel und Ladegeräte bedient haben empfinde ich die Handhabe entspannter, da ich nun Adapter für unterschiedliche USB-Buchsen nutze.
Wer 20 Geräte kauft und alle stets statisch installiert hat, der wirklich Stress damit…😭
@CDRowell oder eine gute Ausrede der Firmen Geld zu sparen. 😜
@Numitron „…oder eine gute Ausrede der Firmen Geld zu sparen.“
Der Preis wird kalkuliert, und das USB-Kabel würde man so einfach mitbezahlen. Die Firma spart so kein Geld.
Diese Kabel habe ich kistenweise hier rumliegen…wie die meisten anderen Leute AUCH.
@mort76 also sind die iPhones ohne Adapter und stöpsel billiger geworden?
@Numitron USB Stromversorgung beim Typhon brummt. Ich weiß nicht wie es bei Nyx ist. Außerdem finde ich es blöd, dass die mal rückseitig und hier an der rechten Seite sind.
@Dayflight bei meinem typhon nicht…
@Dayflight vielleicht hilft so ein isolator wie beim Protein inkludiert? verschiedene Netzteile probiert?
@Numitron Tja, aber beim Protein gibt es den Isolator dabei, beim Typhon nicht
@Numitron nein, der typhon an sich brummt nicht. gib ihm ein vom audio getrenntes netzteil (nicht mit dem USB deines Rechners powern, in dem auch die Audioverbindung steckt) und dann wird es gehen. am cleansten ist immer die powerbank pro USB Gerät.
@martin stimming ausgezeichnet!
Toller Synth den ich sehr empfehlen kann. Ein vernünftiges USB Ladegerät ist natürlich Voraussetzung um keinen Mist im Sound zu haben, ist ja im Endeffekt zerhackter Strom den wir hören….
@Bave the Dutcher Ikea hat bis 65W, bin damit sehr zufrieden. Ladekabel sind ebenfalls schön, nur aufpassen daß die bis 65W gehen, falls damit auch der Laptop geladen werden soll.
@Kazimoto ja, die sind gut von Ikea.
hab einen 3er USB Adapter.
früher waren die AA Akkus von Ikea ein Geheimtipp (Made in Japan zumindest früher, manche denken die waren umgelabelte eneloops) jetzt die USB Adapter anscheinend!
@Numitron Habe ich erzählt daß ich mir den MOE Chorus in Pink geholt habe, der NYX in Schwarz mit pink/orangem Ikea Kabel harmoniert bestimmt gut. 😜
@Kazimoto wow! 😲
viel Spaß 😎🤘