Dumble-Feel aus der Dose?
Mit dem DSM & Humboldt Dumblifier Overdrive Special will der chilenische Hersteller das legendäre Spielgefühl und den begehrten Sound eines Dumble Overdrive Special in ein kompaktes Pedalformat bringen. Der analoge Zero-Watt-Verstärker kombiniert Amp-, Cab-Sim- und Overdrive-Pedal in einem Gerät und verspricht dabei maximale Dynamik und Flexibilität – ganz ohne Röhren.
Worum geht es? Der DSM & Humboldt Dumblifier Overdrive Special bringt das legendäre Dumble-Feeling als analoges Zero-Watt-Amp- und Overdrive-Pedal aufs Pedalboard.
- Sound: Sehr dynamische und organische Sounds mit überzeugendem Dumble-Charakter und exzellentem Spielgefühl.
- Flexibilität: Amp-Sim, Cab-Sim und Overdrive-Pedal in einem – vielseitig in nahezu jedem Setup einsetzbar.
- Cab-Sims: Analoge Speaker-Simulationen mit zahlreichen Kombinationen und Stereo-Betrieb.
- Features: Integrierter Stereo-Reverb, FX-Loop, Kopfhörerausgang und Aux-In für praxisnahe Anwendungen.
- Preis: Mit knapp 600,- Euro teuer, klanglich und technisch jedoch eine echte Ansage.
Inhaltsverzeichnis
DSM & Humboldt Dumblifier – die ersten 5 Minuten
Der DSM & Humboldt Dumblifier Overdrive Special will nicht nur den Sound, sondern auch das legendäre Feel eines Dumble ODS, dem wohl legendärsten Verstärker der Welt, in Stompbox-Form auf das Pedalboard übertragen – und das mit komplett analoger Modeling-Technologie zu einem bezahlbaren Preis. Der Dumblifier fungiert dabei entweder als Amp- und Cab-Sim am Ende der Signalkette oder auch als Overdrive-Pedal vor einem Amp. Mit knapp 600,- Euro muss man dennoch ziemlich tief in die Tasche greifen, was das Pedal für Einsteiger eher weniger interessant machen dürfte.
Lieferumfang & erster Eindruck
Der in Chile handgefertigte DSM & Humboldt Dumblifier kommt in einer edlen, mit Gold verzierten Verpackung. Mit dabei ist ein Quick-Start-Guide und klar: ein Sticker! Schält man das Pedal aus seinem Transportgewand, merkt man erst mal, dass es viel kleiner und vor allem leichter ist, als man anhand der Bilder vermuten könnte. An die damit verbundene Haptik muss ich mich ehrlich gesagt erst einmal gewöhnen. Allerdings sind kompakte Größe und geringes Gewicht eigentlich Pluspunkte, denkt man etwa an ein vollgepacktes Pedalboard. Optisch macht es mit den Holzverkleidungen im Moog-Stil einiges her, die Regler fühlen sich ebenfalls top an. Man kauft dem Dumblifier direkt ab, dass er sehr gut klingen könnte. Probieren wir es doch direkt mal aus.
Line Check
Für den Line-Check kommt meine Fender American Ultra Strat zum Einsatz. Ich gehe aus dem DSM & Humboldt Dumblifier per DI-Out in ein RME Fireface 802 und schaue erst einmal, ohne mich näher mit dem Pedal auseinanderzusetzen, was da so rauskommt. Hier lässt sich direkt feststellen, dass das Pedal auf jeden Fall Spaß machen wird, denn die ersten Sounds klingen bereits sehr edel. Der Reverb auf den Aufnahmen stammt übrigens ebenfalls aus dem Dumblifier. Aber hört selbst:
Die Specs
Das Gerät ist ein zweikanaliger Zero-Watt-Verstärker. Das Besondere am DSM & Humboldt Dumblifier Overdrive Special ist dabei das analoge Schaltungsdesign. Durch den Verzicht auf digitale Komponenten verspricht DSM & Humboldt, sowohl dem Feel, der organischen Dynamik als auch dem punchigen Kompressionsverhalten eines echten Dumble-Amps besonders nahezukommen. Für die Entwicklung des Dumblifiers stand ein originaler Dumble ODS mit der Nummer #102 Pate.
Der Dumblifier verfügt über einen Clean- und einen Overdrive-Kanal, wobei Letzterer mit „Drive“ und „Ratio“ zwei Parameter bietet. Ratio funktioniert im Kern wie ein Volume-Regler. Die Klangformung läuft über den geteilten 3-Band-EQ, der wie der Clean-Gain vor der Overdrive-Sektion sitzt. Daneben verfügt das Pedal zusätzlich über einen Bright-Switch, einen Rock-/Jazz-Switch zur Beeinflussung des allgemeinen Voicings sowie einen Mid-Boost.
Die Power-Amp-Sektion ist mit Master-Volume und Presence ausgestattet. Das Master-Volume ist intern auf 70 % fixiert, was laut DSM & Humboldt den Sweet-Spot für maximale Klarheit darstellen soll. Außerdem verfügt das Pedal über einen schaltbaren Preamp-Boost (PAB), der ca. 9 dB Gain-Boost liefert.
Das einzig Digitale am Dumblifier ist der integrierte Stereo-Reverb. Er bietet mit Room, Ether und Plate drei Hall-Algorithmen, die über den Mix-Regler dem trockenen Signal hinzugemischt werden können. Die analoge Cab-Sim liefert mit G12M, G12H und EV12L drei Speaker-Varianten in jeweils drei Cabinet-Größen (1 × 12, 2 × 12, 4 × 12), die für den rechten und linken Kanal separat anwählbar sind.
Die drei Fußschalter ermöglichen neben der Kanalumschaltung und dem Bypass-Status zusätzlich das Schalten von Reverb oder PAB.
Anschlussseitig geht es ebenfalls großzügig zu. Der Input verfügt über einen schaltbaren zweistufigen Input-Boost für unterschiedlich heiße Pickups. Der FX-Loop erlaubt mit Mono-Send und Stereo-Return das Einbinden externer Pedale. Raus geht es dann entweder per symmetrischem XLR-Signal inklusive Cab-Sim mit schaltbarem Ground-Lift oder via unsymmetrischen 6,3-mm-Klinkenausgängen, bei denen die Cab-Sim links und rechts einzeln an- und abschaltbar ist.
Außerdem gibt es einen Aux-In und einen Kopfhörerausgang, jeweils mit 3,5-mm-Klinkenbuchsen. Das Aux-In-Signal kann dabei auf den Kopfhörerausgang oder zusätzlich dem Main-Out zugewiesen werden. Die Stromversorgung erfolgt mittels eines 9 V DC Netzadapters mit mindestens 250 mA, der nicht im Lieferumfang enthalten ist.
Der Praxistest
Ok, das sind eine Menge Features, aber wie sieht es jetzt in der Praxis aus? Nun, dazu lässt sich erst einmal sagen, dass allein der kleine Formfaktor und das geringe Gewicht den DSM & Humboldt Dumblifier Overdrive Special schon sehr praxistauglich machen. Die Übersicht auf dem Gerät ist trotz der vielen Parameter und Switches sehr gut, die Inputs und Outputs sind ebenfalls sinnvoll platziert. So lässt sich der Dumblifier ganz einfach in ein bestehendes Setup integrieren.
DSM & Humboldt Dumblifier als Zero-Watt Verstärker
Für den Test als Amp-in-a-Box hängt der Dumblifier über den DI-Out in Stereo direkt am Audiointerface (RME Fireface 802). Zum Einsatz kommt wie beim Line-Check eine Fender American Ultra Strat. Verwendet man unterschiedliche Gitarren, ist der Input-Boost mit seinen drei Stufen ein brauchbares Feature, um die Gitarren aneinander anzugleichen – das gefällt schon mal sehr gut. Da ich eine Strat mit moderatem Output spiele, steht der Input-Boost auf „High“.
Spielt man ein paar Töne, macht sich auch bemerkbar, dass Feel und Ansprache in der Tat sehr gut sind. Ob das an der analogen Schaltung oder ganz allgemein an guter Konzeption und hochwertigen Bauteilen liegt, lässt sich nicht eindeutig ermitteln, ist aber letztlich auch egal. Das analoge Teil fühlt sich auf jeden Fall extrem gut und spritzig unter den Fingern an.
Clean Check
Fangen wir mit dem Clean-Kanal an. Für den Test der Clean- und Break-up-Sounds habe ich mich bei den analogen Cab-Sims für das EV12L-4×12-Setting entschieden. Die Simulation orientiert sich an den legendären Electro-Voice-Speakern mit ihrem weiten Frequenzspektrum und gläsernen Höhen. Hier liefert der Dumblifier feine Sounds, vor allem der Mid-Boost klingt sehr schön warm.
Drive Check
Der Overdrive-Kanal des DSM & Humboldt Dumblifier Overdrive Special liefert seine Sounds wie bei den Originalen im Zusammenspiel mit dem Clean-Regler. Das Zusammenspiel der Parameter eröffnet hierbei unzählige klangliche Facetten. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass ein Aufreißen des Clean-Reglers im Overdrive-Kanal auch die Lautstärke im Clean-Kanal deutlich erhöht. Gerade im Overdrive-Kanal spielt der Dumblifier Overdrive Special, wie der Name schon vermuten lässt, seine Stärken aus. Wir befinden uns immer noch in der EV12L-4×12-Cab-Sim, außer beim Lead-Sound. Hier kommt eine G12M-4×12-Simulation zum Einsatz. Gerade hier merkt man das ausgezeichnete Feel, das die sahnigen Sounds auch direkt beim Spielen zu einer wahren Freude macht.
Cab Check
Dass die drei verschiedenen analogen Speaker-Simulationen jeweils in drei unterschiedlichen Bestückungen zur Verfügung stehen, macht die Cabinet-Sektion sehr flexibel. Dass man sogar für den linken und rechten Kanal unterschiedliche Settings auswählen kann, setzt dem Ganzen aber noch die Krone auf. Für den Cabinet-Check habe ich eine Passage geloopt, um die verschiedenen Flavors zu demonstrieren. Hierbei beschränke ich mich auf identische Settings für den linken und rechten Kanal.
Ich schalte wie folgt durch die verschiedenen Boxen: G12M 1×12 → 2×12 → 4×12 → 2×12, G12H 1×12 → 2×12 → 4×12 → 2×12, EV12L 1×12 → 2×12 → 4×12.
Reverb Check
Schauen wir uns jetzt noch die integrierten digitalen Reverbs an. Mit Plate, Ether und Room bekommt man hier drei nützliche Algorithmen, die einem dank der Schaltfunktion per Fuß ein zusätzliches Reverb-Pedal auf dem Board sparen können. Besonders gut gefällt mir persönlich, dass neben den beiden klassischen Hallräumen mit dem Ether-Algorithmus auch ein modulierter Reverb an Bord ist, den man bei einem Dumble eher weniger erwarten würde.
Dumblifier Overdrive Special als Drive-Pedal
Der Dumblifier ist aber nicht nur als Amp-Sim einsetzbar, sondern lässt sich dank der abschaltbaren Cab-Sim auch hervorragend als klassisches Overdrive-Pedal verwenden. Dafür nutzt man einen der beiden unsymmetrischen Ausgänge an der Seite und stellt den Cab-Sim-Switch auf „Off“. Danach geht es ins Frontend des eigenen Amps – in unserem Beispiel ein Morgan AC20. Auch hier macht der Dumblifier eine hervorragende Figur und liefert erstklassige Sounds. Übrigens könnte man einen oder zwei der anderen Ausgänge mit Cab-Sim an die DAW oder an den Mixer schicken und hätte so direkt ein Dual-Amp-Setup.


































Der Preis ist schon nicht ohne aber wenn man bedenkt, dass bei Reverb ein Original für 35.000 € über den Tisch gegangen ist, wirken 600 € schon viel weniger. Ist eben ein geiles Teil. Dennoch nichts für mich, ich war schon immer in jedem Bereich ein Fan von Multieffekten, das wird sich wohl auch nie ändern. Meine nächste Anschaffung wird wahrscheinlich das Nux MG-50Li, das sicherlich nicht ganz so toll klingt aber viel mehr in einem ähnlichen Format bietet.
@Mac Abre Es hängt immer davon ab, was man will. High Gain können alle Modeler bestens, selbst das günstige 89€ Teil von Harley Benton klingt fantastisch. Was die nicht so gut können, sind dynamische Clean-Sounds und eben diesen schmalen Bereich zwischen Clean und Crunch, der bei diesem Gerät hier extrem gut klingt.
Ich glaube, dass hier tatsächlich noch nicht einmal die Algorithmen die Schuldigen sind, sondern tatsächlich die Wandler, die eben diesen schmalen dynamischen Grat noch nicht ausreichend genug abbilden und letztendlich dann im Zusammenspiel mit dem Gain dafür sorgen, dass entweder ein Quäntchen zu viel Gain vorhanden ist oder zu wenig. Auch mit teuren Audio-Interfaces mit HiZ Eingang und hochwertigen Plug-ins habe ich das noch nicht hinbekommen. Das Spielgefühl leidet und es klingt nicht so wie es soll.
Genau dieser Bereich klingt hier genial und schon dafür lohnt sich der Kauf, wenn man hier musikalisch unterwegs ist. Vorausgesetzt, dass das Amp-Pedal auch mit dem weiteren Equipment harmoniert. Auch ein nicht zu unterschätzendes Problem. Die Beispiele vor dem Amp finde ich nämlich nicht mehr so überzeugend. Ist vielleicht auch nur der falsche Amp für das Pedal.
@Markus Galla Die Dynamik, die ein Wandler abbilden kann hängt von der Bit-Tiefe ab. Und daraus errechnet sich recht leicht der Dynamikumfang. Ein Single Coil Pickup liefert gar nicht so viel Dynamik, wie selbst mittelmäßige Wandler umsetzen können – 11 bit wäre für eine Strat schon overkill und reicht eigentlich auch schon für Humbucker. Heute stecken doch in den billigsten Digitalen Stompboxen schon 24 bit Wandler. Das ist so weit weg davon die Dynamik einer elektrischen Gitarre nicht einfangen zu können, dass es sich eigentlich verbietet daran irgendetwas festzumachen.
@susuexp Ja, das weiß ich. Ich rede hier aber nicht von der Dynamik des Wandlers (z. B. 24 Bit), sondern von der Dynamik der Gitarre und der Anpassung zwischen Gitarre und Audio-Interface, also analogem Gain und dem Wandler dahinter. Das ist ja eine Einheit. Und hier passiert irgendetwas, was dafür sorgt, dass gerade im Bereich zwischen Clean und Crunch die Dynamik der Gitarre, die über den Anschlag sehr fein gesteuert werden kann, nicht passend umgesetzt wird. Und das ist bei allen Modelern so, bei allen Plug-ins. Ich habe wirklich viele ausprobiert, aber es ist immer gleich, insbesondere mit Single Coils. Gerade im Breakup-Bereich ist das sehr deutlich.
Mit meinem Engl Röhrenamp spiele ich da nur durch den Anschlag wahlweise Clean, mit leichtem Schmutz oder im Crunch. Ich kann mit der richtigen Gitarre sogar noch den Overdrive-Bereich mit abdecken – mit einer Einstellung, einem Kanal, nur über den Anschlag. Das habe ich mit noch keinem Modeler oder Plug-in geschafft. Höre ich mir das pure gewandelte Signal ohne Plug-in in der DAW an, klingt es alles schon nicht mehr so dynamisch wie über den Amp. Das Signal ist immer leicht komprimiert. Das merkt man auch, wenn man mal das Volume-Poti an der Gitarre beim Spielen zurückdreht.
Ich glaube wie gesagt, dass es an dem Schritt zwischen Gain und A/D-Wandler liegt. Solche Breakup-Sounds wie mit diesem Pedal hier bekomme ich da jedenfalls nicht hin, nur mit meinem Röhrenamp.
@Markus Galla Splitte mal dein Sigal zwischen Amp und einem trockenen DI. Und nimm den Amp auf. Dann Re-Amping mit dem DI-Signal und gleichen Settings. Da wirst du schlicht keinen erkennbaren Unterschied haben, wenn bei der Wandlung das Signal wirklich komprimieren würde dann wäre der da. Ich glaube bei solchen Sachen ist eine gehörige Portion Placebo im Spiel und (vielleicht ironischerweise) gehe ich mitlerweile mit einem Kompressor in die DI, weil ich da eher das Gefühl habe, das meine Spielweise ankommt. Möglicherweise komprimiert also dein Röhren-Pre auch im cleanen Bereich schon eine gute Ecke (bauartbedingt ja nicht so unwahrscheinlich) und was dir digital fehlt ist nicht Dynamik, sondern die reduzierte Dynamik.
Frage an den Autor:
Man kann das Teil also auch über eine Fryette Power Station mit angeschlossenem echten Cabinet spielen oder?
Dies wäre meine favorisierte Variante.
Also die Klangbeispiele hören sich tatsächlich nach mehr als 600 Euro an – außer den letzten beiden („Als Drive-Pedal“), die klingen leider eher nach „unter 60 Euro“ :(
Ist da was schief gegangen?
Es gibt aber auch noch eine Kehrseite. Das Gerät hat insgesamt 24 Schalter und Potis. So viele verstellbare Bauteile im Signalweg in Verbindung mit einem nicht abgeschirmten Gehäuse führen leider zu deutlichen Nebengeräuschen. Mir war das einfach zu viel. Habe das Gerät deshalb zurückgeschickt. Der Klang war ganz in Ordnung, wenn auch nicht wirklich vergleichbar mit einem Dumble-Röhrenverstärker. Aber das kann man wohl auch von so einem kleinen Pedal nicht ernsthaft erwarten. Was mir tatsächlich nicht gefallen hat ist Folgendes: Hatte einige Wochen vorher ein Vemuram Spiritone gekauft (das sogar etwas preiswerter ist als der Dumblifier), und da muss ich sagen, das ist doch ein ganz anderes Kaliber. Nicht das der Dumblifier billig verarbeitet ist, aber wenn man ihn so in der Hand hält wirkt das nicht ansatzweise so hochwertig wie bei dem Vemuram-Pedal. Vom Klang her war es wie schon gesagt ganz gut, aber eben nicht so gut das ich es trotz der Nachteile behalten hätte.