Test: Dynacord CMS 1000-3, Kompaktmischpult

2. Dezember 2011

Analoger Beschallungsmischer mit USB

Die Marke Dynacord lässt vielleicht bei dem einen oder anderen Musiker Erinnerungen an die Jugend wach werden. So zumindest bei mir, denn mein erster Kofferamp für die Gitarre trug genau dieses Logo. Gerne werden die Produkte des deutschen Traditionsherstellers von Musikprofis rund um den Globus verwendet, weil sie natürlich Gerätschaften brauchen, die nicht nur gute Leistungen bringen, sondern auch absolut zuverlässig sein müssen. Mit der CMS-Serie (Compact Mixing System) hat Dynacord Livemischpulte herausgebracht, die sich durch den Einsatz hochwertiger Komponenten, studiotauglicher Effektprozessoren und USB-Audio-Interface auszeichnen.

Die Dynacord CMS-Familie

Die kleine Familie besteht aus drei Modellen. Sie unterscheiden sich in der Anzahl ihrer Mic/Line-Inputs, sind ansonsten aber identisch ausgestattet: CMS 2200-3 (22 Kanäle), CMS 1600-3 (16 Kanäle) und CMS 1000-3 (10 Kanäle). Der kleinste und kompakteste Vertreter der Serie ist also das CMS 1000-3, ein 10-Kanal Mischpult (6x Mic/Line und 4x Mic/Stereo-Line) mit zwei unabhängigen Effektsektionen, sechs Aux-Bussen für Effekte und bis zu vier Monitormischungen (Aux 1/2, Pre/Post schaltbar), Equalizer-Routing, MIDI-Schnittstelle und USB 2.0 Anschluss.

Das Ganze wiegt 9,5 Kilo und ist verpackt in ein stabiles Gehäuse mit den Maßen 510,5 x 155 x 498,5 (B x H x T).

Die seitlich angebrachten Wangen lassen das Mischpult nicht nur optisch elegant wirken. Sie dienen gleichzeitig noch als praktische Tragegriffe, können aber auch leicht entfernt werden, wenn das CMS 1000-3 ins Rack eingebaut werden soll (Montagekit optional erhältlich). Auch an der vorderen Front und am hinteren Überhang finden die Hände Eingriff. Sie bieten aber vor allem dem optional erhältlichen Deckelarretierung, der einmal die Oberfläche prima schützt und mit seinem großen Tragegriff das CMS 1000-3 bestens hantieren lässt.

Optik, Verarbeitung und Haptik machen nicht nur auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Die Struktur der Bedienelemente erklärt sich durch unterschiedliche Farbgebung der Knöpfe und Fader praktisch von selbst.

Zum Einsatz kommen hochwertige Alps Komponenten wie zum Beispiel 18 weich laufende 60 mm Fader, denn die beiden Effekt-, Aux- und Monitorwege haben jeweils eigene Schieberegler. Dazu kommen zwei (!) Summenfader – was auch nicht bei jedem Mischpult zur Ausstattung gehört.

Zehn Mikrofoneingänge können gleichzeitig genutzt werden. Sechs in den Mono-Kanalzügen und vier in den Stereo-Kanalzügen. Die Monokanäle bieten eine Dreiband-Klangregelung mit zwei Shelving-Filtern (60 Hz +/-15 dB und 12 kHz +/-15 dB) und semi-parametrischen Mitten (100 Hz bis 8 kHz +/-15 dB). Der Regelbereich der Eingangsverstärker reicht bis 60 dB und liefert auch bei Output-schwachen Mikros genügend Headroom. Der Low Cut greift bei 80 Hz.

Spezielle Voice-Filter sollen den Stimmen mehr Druck verleihen und sind sogar für Blas- und Akustikinstrumente einsetzbar. Phantomspeisung für Kondensatormikros ist in zwei Gruppierungen verfügbar: für die Mikroeingänge 1 bis 6 und für die Mikros in den Kanälen 7 bis 10. Letztere vier Kanalzüge haben Duo-Funktion, sind gleichzeitig Stereoeingänge und tragen in diesem Fall die Bezeichnungen Stereo 7-8 bis Stereo 13-14. Deshalb gibt es hier auch jeweils zwei Gain-Regler, einmal für Mikrofone und einmal für die Stereo-Nutzung. Low Cut und Voice-Filter fallen weg, und die Klangregelung hat statt der semi-parametrischen Regelung einen festen Mittenbereich. Der liegt bei 2,4 kHz und kann um 12 dB angehoben oder abgesenkt werden. An den Stereokanälen 7-8 und 9-10 kommt auch das Signal der beiden Cinch-Eingänge (CD 1-2 / CD 3-4) an. Die Stereokanäle 11-12 und 13-14 empfangen zusätzlich die USB-Signale (USB 1-2 / USB 3-4).

Ausgestattet mit USB 2.0

Die USB 2.0-Buchse ist die digitale Audio-Schnittstelle des CMS 1000-3. Hier werden PC oder Mac angeschlossen. Es können in jede Richtung vier Kanäle gleichzeitig (4 IN/4 OUT) übertragen werden. Die AD/DA Wandler arbeiten mit 24-Bit bei Sampling Raten von 44,1 / 48 / 88,2 / 96 kHz. Über die USB-Schnittstelle mit eigenen LED-Kontrollen (Peak/Active) können Audiosignale eingespielt werden (Playback, Pausenmusik usw.). Digitale Aufnahmen sind darüber ebenfalls möglich. Die Konfiguration erfolgt in einem Menüpunkt über das OLED-Display. Eine kostenlose Version von Cubase LE wird übrigens mitgeliefert, sodass man direkt loslegen kann.

PC-MIDI-Interface

Über das vollwertige MIDI-Interface (MIDI In / MIDI Out) können nicht nur die Effekte bedient werden. Auch Daten von einem Masterkeyboard werden über diese Schnittstelle zum PC oder Mac geschickt, um dort beispielsweise in einem Sequencer-Programm aufgezeichnet zu werden. Über diesen Weg ist auch die Klangerzeugung in Cubase LE via Masterkeyboard möglich.

Grafischer Equalizer des CMS 1000-3

Der 11-Band-EQ mit Regelbereichen von jeweils +/-10 dB kann wahlweise auf den Master, auf einen der beiden Monitorwege oder sogar auf beide gelegt werden. Die EQ-Fader von 63 Hz bis 12 kHz bieten eine variable Q-Charakteristik. Bedeutet, bei geringer Anhebung oder Absenkung wird ein breiteres Frequenzspektrum bearbeitet als bei höheren Einstellungen. Wenn das allgemeine Klangbild verändert werden soll, bieten sich also geringe Einstellungen an, soll jedoch zum Beispiel Feedback effektiv bekämpft werden, kann man die Regler durchaus bis zum Maximum ausfahren. Der EQ kann komplett aus dem Signalweg genommen werden, was zugleich einen guten A/B-Vergleich ermöglicht.

Anti-Feedback im Dynacord CMS

Oberhalb der blauen Monitor-Fader sitzen zuschaltbare Feedback-Filter für die Monitorwege 1 und 2. Die recht schmalbandig arbeitenden Filter – sogenannte Notch-Filter – helfen dabei, mögliches Koppeln der Monitore zu eliminieren und die größtmögliche Lautstärke herauszukitzeln. Mit diesen Drehreglern werden stufenlos die Bereiche von 70 Hz bis 7 kHz durchfahren, bis die störenden Frequenzen gefunden sind.

Effekte

Zwei unabhängig voneinander arbeitende Effektprozessoren bieten jeweils 100 Presets in Studioqualität. Die Bandbreite reicht von verschiedenen Hallräumen über Echo, Delay (mit Tap-Funktion), Chorus, Flanger oder Kombinationen daraus. Je nach Effekt können einzelne Parameter individuell editiert und auf zweimal 20 Speicherplätzen abgelegt werden. Zum Andicken von Stimmen hat mir das Doubling gut gefallen. Welche beiden „Lieblingseffekte“ beim Einschalten des CMS 1000-3 als Standard im Display erscheinen sollen, kann vorgewählt werden.

Schaltzentrale

Über das große, hell beleuchtete OLED-Display mit seinem Drehregler und den vier Tasten kommt man in alle Menüpunkte. Von dort werden die beiden Effektprozessoren ebenso bedient wie das USB Record-Routing, die Zuordnung des Grafik-EQs, FX-Einstellungen sowie die Auswahl der MIDI-Kanäle. Systemeinstellungen sind dort ebenfalls möglich. Die Bedienung ist intuitiv, und die Struktur der einzelnen Menüpunkte ist schnell zu verstehen. Was ist ein OLED-Display? Im Vergleich zu üblichen LC-Displays sind OLED-Displays wesentlich heller, kontrastreicher und sind unabhängig vom Blickwinkel gut abzulesen.

Sonst noch was?

Vierpolige XLR-Buchse zum Anschluss einer Schwanenhals-Lampe; zwei Stereo Cinch Pärchen Rec Send und 2Track In für Aufnahmen und zur Beschallung in Spielpausen; Monitor- und Masterausgänge als XLR-Buchsen mit Einschleifpunkten; Master B Stereo-Ausgänge mit separatem Regler sowie Pre/Post und Mono/Stereo-Umschaltung (Subwooferbetrieb/Nebenraumbeschallung/Monitoring); Klinkenbuchse für Effektfernbedienung; regelbarer Kopfhörerausgang und natürlich FX 1/2 sowie Aux 1/2 Sends.

Im Master-Bereich gibt es einen Standby-Schalter. Durch Drücken werden die meisten Ausgänge stummgeschaltet. Nur noch FX 1/2 und Rec Send L/R bleiben in Betrieb. Über die Cinch-Buchsen 2Track In oder die Play USB to 2Track-Funktion (in der Systemsteuerung einstellbar) kann im Standby-Betrieb Pausenmusik eingespielt werden. Das ist ein sehr praxisorientiertes Feature. Damit spart man sich beim Auftritt während der Pause das lästige Stummschalten aller Eingänge.

Wie schon mein Amazona-Kollege Siegfried Schöbel beim Test des Dynacord PowerMate 1000-3 (mit Endstufen) anmerkt, wechselt die doppelte LED-Kette erst bei Überschreitung der +6 dB-Marke die Farbe von grün auf orange.

Dazu erreichte uns folgende Erklärung von Dynacord: Die Pegelanzeigen geben den Ausgangswert in dBu an. (Im Gegensatz zu einigen Mitbewerben, die sich auf einen willkürlich festgelegten „Nennpegel“ beziehen). Typischerweise liegt die Eingangsempfindlichkeit von Endstufen (also der Pegel, bei dem Vollaussteuerung erreicht wird) in der Größenordnung 6..9dBu. Ganz konkret liegt sie beim PowerMate bei 8dBu. Das heißt, der „grüne“ Bereich liegt voll im Arbeitsbereich der Endstufe. Wenn die gelbe LED beim PowerMate kommt (+9dBu) heißt das, der Amp fährt jetzt im Grenzbereich. Das bedeutet aber noch nicht, dass jetzt hörbare Verzerrungen auftreten würden, denn die werden vom Limiter der Endstufe zuverlässig abgefangen. Beim CMS ist zwar keine Endstufe eingebaut, da aber diese Verhältnisse auch auf andere Endstufen und Aktivboxen übertragbar sind, haben wir die Farbgestaltung beim CMS so wie beim PowerMate ausgelegt. Übrigens: Der XLR-Ausgang des CMS und des PowerMates kann bis 22dBu ausgefahren werden. Da bei den Geräten alle Peak-Anzeigen 6dB unter der Clipgrenze kommen (der Anwender hat also noch 6dB Headroom), ist die rote LED in der Masteraussteuerungsanzeige bei +16 angeordnet.

der Dynacord CMS in der Praxis

Mit einigen CDs und zwei Mikros geht’s an den Praxistest. Der weite Spielraum der gut klingenden Vorverstärker schafft gute Aussteuerungsreserven. Wird das Mikro mit größerem Abstand besprochen, freut man sich ebenfalls über den großen Verstärkungsfaktor im Eingangsbereich. Beherzt greift die Klangregelung zu, damit lässt sich der Sound ordentlich bearbeiten. In Mittelposition rasten die Potis spürbar ein. Die Voice-Filter in den Monokanälen geben der Stimme eine gehörige Portion Wärme und Fülle, nehmen aber auch gleichzeitig etwas von den unteren Mitten im Bereich von 500 Hz bis 600 Hz heraus. Das schafft mehr Definition im Gesang. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Bei zu basslastigen Stimmen und/oder einem Mikro mit ausgeprägtem Nahbesprechungseffekt könnte es im unteren Frequenzbereich auch schnell zu viel des Guten werden.

Richtig prima lässt sich mit dem 11-Band-EQ arbeiten. Allein die Tatsache, dass es hier elf Bänder gibt, rechtfertigt schon ein großes Lob. Mit elf Bändern lässt sich der Grundsound wesentlich effizienter bearbeiten, als bei so manchem Konkurrenten. Und dass der EQ auch in den oder die Monitorweg(e) gelegt werden kann, ist ein weiteres Lob wert. Damit ist der Grundbedarf an Entzerrung gedeckt. Ganz abgesehen von den beim Monitoring zusätzlich einsetzbaren Feedback-Filtern.

Begeistert bin ich vom Klang der Effekte. Ob man wirklich so viele braucht, darüber lässt sich streiten. Zum Glück gibt es keine unnützen Exoten, alle Klangveredeler sind praxisnah ausgewählt. Auf jeden Fall ist das Angebot so groß, dass bestimmt das Passende dabei ist. Zudem können einige Parameter ja auch noch individuell verändert werden und das Ganze dann unter eigenem Namen abgespeichert werden.

Wie mein Amazona-Kollege Siegfried schon bei seinem Test bemerkte, sind die Potiachsen des CMS 1000-3 leider nicht von oben gekontert. Das führt zu ganz leicht wackeligen Drehreglern. Es ist nicht unbedingt störend, stellt aber besonders bei der ansonsten erstklassig verarbeiteten Konsole einen kleinen Schönheitsfehler dar.

Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass das Netzkabel einen verriegelnden Netzstecker hat.

Fazit

„Qualität made in Germany“ lautet die Quintessenz zum Dynacord CMS-100-3. Dieser Satz trifft einmal mehr auf das Dynacord CMS 1000-3 Kompaktmischpult zu. Tolle Verarbeitung, edle Komponenten, sehr guter Klang, exklusive Soundprozessoren, übersichtliche Struktur und gutes Design haben einen stattlichen Preis, der aber gerechtfertigt ist. Damit gehört das Mischpult zur Luxusklasse der Kandidaten mit bis zu 10 Mikrofoneingängen. Durch seine 19-Zoll-Fähigkeit ist das CMS 1000-3 absolut roadtauglich. Einsatzbereiche sehe ich aber ebenso bei hochwertigen Festinstallationen. Das CMS 1000-3 ist ein Profigerät, das via USB-Schnittstelle auch Mitschnitte oder Studioarbeit ermöglicht. Eine absolute Kaufempfehlung.

Plus

  • Verarbeitung und Klang
  • grafischer 11-Band EQ mit variablem Routing
  • umfangreiche Effektsektionen (programmierbar)
  • durchstimmbare Feedback-Filter (Monitor)
  • Voice-Filter (Mono-Kanäle)
  • USB-Audio- und MIDI-Interface
  • Standby-Schalter
  • Cubase LE Software
  • Seitenwangen mit Tragemöglichkeit

Minus

  • Potiachsen nicht gekontert

Preis

  • 1.250,-€
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Leider findet man auch in diesem Review (wie in bisher allen die ich über dieses Gerät gelesen habe) keine Kritik des USB-Interfaces. Wie steht es um Treiberstabilität, Einstellmöglichkeiten, Wandlerqualität und Latenz? Gerade auch im Vergleich zu den RME-USB-Interfaces, die anscheinend zur Zeit die Referenz darstellen (oder gibt es noch bessere?)

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      p.ludl  RED

      Ja stimmt. In der Komplexität des Powermixers ist das natürlich auch ein wichtiger Punkt. Danke für den Hinweis. Werde ich bei zukünftigen Tests berücksichtigen.
      Peter

  2. Profilbild
    jeradachs

    Hallo Amazona.

    Frage: Habt Ihr den Vergleichstest des Dynacord Interfaces mit anderen durchgeführt?

    Ich verwende die PM 1000-3 derzeit mit Cubase Artist 7.5. Mir fiel auf, daß ich einiges an Detailreichtum in den Aufnahmen verliere. Da ich aber noch kein anderes Interface verwendet habe, frage ich mich ob das an meinen Ohren liegt, oder eben an der Technik.

    Also, wo kann ich das mal nachlesen?

    Vielen Dank

    Olaf Thurau

    • Profilbild
      p.ludl  RED

      Hallo Olaf.
      Danke für Dein Interesse. Der Test liegt mittlerweile drei Jahre zurück! Ich würde dir empfehlen, zunächst einmal zu überprüfen, ob Du aktuelle Treiber für die Schnittstelle verwendest. Die USB-Schnittstelle ist seinerzeit nicht ausführlich getestet worden, was ja auch bereits in einem anderen Kommentar angeregt wurde.

      • Profilbild
        p.ludl  RED

        …aber noch etwas. Detailreichtum bei der Aufnahme solltest Du eigentlich nicht verlieren. Stimmen denn in Deiner DAW die Basiseinstellungen? Und ist das Ergebnis eine WAV-Datei oder ein bereits komprimiertes MP3-File?

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