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Test: EAE GigMix 4-1 Mini-Digitalmixer

12. August 2021

Einen kleineren Digitalmixer gibt es nicht

Test:Test: EAE GigMix 4-1 Mini-Digitalmixer

EAE GigMix 4-1 Mini-Digitalmixer: ultra kompakt und leistungsfähig, mit vielen praxisorientierten Funktionen für überschaubare Setups

Kleine analoge Mischpulte werden ab 35 Euro angeboten, aber vergleichsweise kompakte Digital-Mischpulte wie der EAE GigMix 4-1 sind bisher Mangelware. Dass der kalifornische Hersteller Elite Acoustics Engineering jetzt den GigMix 4-1 auf den Markt bringt,, ist ein kluger Schachzug, wenngleich keine echte Überraschung. Schließlich basiert das Konzept auf den in den Jahren 2019 und 2020 vorgestellten StompMix-Modellen X6 und X4, die allerdings preislich deutlich über dem EAE GigMix 4-1 liegen. Letzterer kostet derzeit 249,- Euro und bietet trotz sehr überschaubarer Abmessungen eine Menge nützlicher Features, nicht nur für den Gig mit „kleinem Besteck“.

StompMix X4 oder EAE GigMix 4-1?

Elite Acoustics Engineering entwickelt in Los Angeles seit über zehn Jahren Audio-Equipment für den Live-Sektor. Im Portfolio befinden sich aktive Lautsprecher samt Mixer- und Effekteinheit, die sich als Mini-PA, Bühnenmonitor oder Akustik-Amp eignen. Da der EAE GigMix 4-1 technisch aus dem StompMix Gen-Reservoir schöpft, soll zunächst ein Blick auf die Unterschiede zum X4 gerichtet werden. Interessant ist die Frage, inwieweit sich der Preisunterschied als Einschränkung in der Ausstattung bemerkbar macht.

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Neben dem Preisunterschied von derzeit gut 100,- Euro ist der X4 ist als „Bodentreter“ robuster ausgeführt, der GigMix 4-1 wird von einem Aluminiumgehäuse geschützt, ist deswegen auch etwas leichter. Es gibt einen Montageadapter für Mikrofonstative, im Test nutzte ich eine Halterung von König & Meyer. Jetzt wird es interessant: Der EAE GigMix 4-1 verfügt lediglich über einen Mikrofoneingang für dynamische Mikrofone – dazu im Vergleich bietet der X4 zwei Mic-Eingänge mit schaltbarer Phantomspeisung. Kondensatormikrofone müssen beim GigMix 4-1 also draußen bleiben, denn deren Speisung fiel wohl dem Rotstift zum Opfer. Wer auf sein gewohntes Kondensatormikrofon (oder entsprechend ausgestattete Gitarren) nicht verzichten will oder kann, braucht entweder eine externe Speisung oder landet beim X4. Wer vorzugsweise dynamische Gesangsmikrofone einsetzt und mit dem einzigen zur Verfügung stehenden Mic-Input prima klarkommt, der passt zur Zielgruppe des EAE GigMix 4-1.

Test: EAE GigMix 4-1 Mini-Digitalmixer

Der EAE GigMix 4-1 kann auch als DSP-Upgrade für Aktivboxen genutzt werden, die in der Eingangssektion spärlich ausgestattet sind

Etwas weitergedacht: Gehören potenzielle Nutzer ausschließlich zur Gruppe der Singer/Songwriter? Nicht unbedingt. Ich kann mir den GigMix 4-1 auch als Submixer für Sängerinnen und Sänger in „normalen Bands“ vorstellen. Denn so lassen sich Monitor, Effekte und Dynamics individuell kontrollieren. Auch Keyboarder, soweit sie nicht mit einer „Tastenburg“ unterwegs sind, könnten am EAE GigMix 4-1 Gefallen finden (Gesang, Stereo-Keys, Soloinstrument). Eine feine Sache, speziell wenn kein FoH-Platz zur Verfügung steht und stattdessen mit Bühnenmix gearbeitet wird. Erfahrungsgemäß bleibt in der Auftrittssituation beim Bühnenmix nur wenig Zeit, individuell Effekte, EQ oder auch den Monitor nachzuregeln. Das könnte durch den Zugriff auf die Speicherplätze beim EAE GigMix 4-1 wesentlich zufriedenstellender funktionieren und dem gesamten Bandsound zugutekommen. Einfach mal ausprobieren. Und: Spärlich ausgestattete Aktivboxen, beispielsweise wie die Alto TX3-Modellreihe, die lediglich über einen Eingang ohne Klangregelung oder Dynamics verfügt, erfahren zusammen mit dem GigMix ein leistungsfähiges DSP-Upgrade.

Ausstattung des EAE GigMix 4-1

Das Herzstück des digitalen Kompaktmixers basiert bilden die 32 Bit/100 MHz DSP-Engine in Kombination mit dem 1,5 Zoll LC-Farbdisplay, mit dessen Hilfe sich die Parametereinstellungen steuern lassen. Geboten werden Effekte wie Reverb und Delay, ebenso Dynamik- und EQ-Effekte wie Kompressor, Limiter, Noise Gate, 3-Band-EQ mit durchstimmbaren Mitten als auch Notch- und Hochpassfilter. Viele der Funktionen sind selbsterklärend, trotzdem habe ich eine „vernünftige Bedienungsanleitung“ vermisst. Die EAE-Interpretation zu diesem Thema findet sich auf der Hersteller-Website , allerdings mit Passagen, die ursprünglich zum StompMix gehören und so beim EAE GigMix 4-1 gar nicht verfügbar sind (Stichwort: Input Meters). Auch zwei bis drei Sätze mit Erklärungen zur Wirkungsweise und Funktion von Notch-Filtern gehören meines Erachtens dorthin, speziell, da der EAE GigMix 4-1 durch den erschwinglichen Preis auch technisch weniger versierte Musiker und Musikerinnen anlocken wird. Ergänzenden Überblick vermitteln einige YouTube-Videos, hervorzuheben ist dabei das Feature von Aaron Short Music. Zu dem Thema Bedienungsanleitung sprach ich mit Thomas Guzy vom deutschen Vertrieb hyperactive. Zum Zeitpunkt dieses Tests wird nach seiner Auskunft bereits an einer deutschen Bedienungsanleitung gearbeitet.

Der Unterschied zu einem analogen Kleinmischer liegt beim EAE GigMix 4-1 an erster Stelle in den zehn speicherbaren Szenen. So lassen sich für einzelne Songs oder auch Kategorien (Ballade mit sattem Hall auf dem Gesang oder Delay auf der Gitarre) individuelle Voreinstellungen speichern und während des Gigs abrufen. Hinzukommen der 3-Band-Equalizer mit Mitten-Parametrik, was bei analogen Kleinformat-Mischpulten nur selten zu finden ist, sowie interne Effekte (Delay und Hall), auf deren Parameter ebenfalls Zugriff besteht.

Test: EAE GigMix 4-1 Mini-Digitalmixer

Delay und Reverb sind mit praxisgerechten Parametern individuell anzupassen

Die Qualität der Effekte ist ordentlich und für den Live-Betrieb gut anzupassen, allerdings steht das Delay lediglich für Kanal 1 zur Verfügung und die Hall-Parameter wirken auf alle Eingangssignale, sie können nicht separat für jeden Kanal eingestellt werden, nur die Intensität lässt sich via Effekt-Send pro Kanal regeln. Hinzu kommen Dynamics wie Gate und Kompressor, ohne justierbare Funktionsparameter, Letzterer vergleichbar mit den einfachen Ein-Knopf-Kompressoren in einigen analogen Pulten. Und Phasenumkehr? Geht, jeweils pro Kanal einstellbar. Interessant sind die konfigurierbaren Filter im Menüpunkt „Channel Utility“ – hier müssen analoge Pulte passen. Eines der Filter ist fest als Notch definiert, das andere wahlweise als HiPass (beispielsweise, um den Bassbereich unterhalb 80 Hz auszublenden) oder Notch nutzbar. Zur Wirkungsweise (Stichwort: Flankensteilheit) gibt es keine Informationen. Notch-Filter sind gute Werkzeuge im Kampf gegen das auf Bühnen allgegenwärtige Feedback. Sei es bei Gesangsmikrofonen oder auch mikrofonierten (akustischen) Gitarren. Der frei wählbare Regelbereich reicht bis 500 Hz – hier wäre ein etwas breiteres Spektrum beispielsweise bis 5 kHz schön gewesen, da sich mit den Notch-Filtern auch sehr gut Einstreuungen und Störsignale jeglicher Art unterdrücken lassen. Aber, dass überhaupt zwei Notch-Filter zur Verfügung stehen, ist klasse – schließlich handelt es sich beim EAE GigMix 4-1 um ein Digital-Mischpult zum Bodentreterpreis, was im Hinterkopf behalten werden sollte.

Test: EAE GigMix 4-1 Mini-Digitalmixer

Lupe raus! Beim genauen Hinsehen sind die beiden Kerben der zwei Notch-Filter bei 400 und 500 Hz sichtbar.

Interessant sind auch die Routing-Möglichkeiten. Sowohl der Stereo-Main-Out mit zwei 6,3-mm-Klinkenbuchsen (symmetrisch), als auch der Kopfhörerausgang (3,5-mm-Stereobuchse) stehen für die Weitergabe der Audiosignale bereit. Über den Auxweg im EAE GigMix 4-1 ist die Zusammenstellung eines separaten Monitormixes möglich, der lässt sich über den Hauptausgang (-10 dBu) oder wahlweise den Kopfhörerausgang ausgeben. Auch eine Mono-Summierung von Main-Mix und Aux-Mix ist möglich (beispielsweise Main Mix mono links, Aux-Mix mono rechts).

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Bedienung des EAE GigMix 4-1

Wie und wo wird das kleine Mischpult aufgestellt? Im Test hatte ich den GigMix auf einer Ablageplatte von König & Meyer stehen, die direkt an das Mikrofonstativ geschraubt werden kann (Modell 12227). Auf der Rückseite des EAE GigMix 4-1 ist zudem ein Schraubgewinde eingelassen – eine passende Halterung ist auf der EAE-Seite bereits zu sehen, allerdings gibt es noch keine Info zur Lieferbarkeit.

Da das EAE Mischpult nicht über einen Netzschalter verfügt, ist es nach Einstecken des Netzteils sofort betriebsbereit, ohne spürbare Bootzeit. Sehr gut, denn wenn auf der Bühne mal die Stromversorgung unterbrochen ist, kann der EAE GigMix 4-1 ohne Verzögerung schnell neu starten. Grundsätzlich ist die Bedienung für Musiker und Musikerinnen, die bereits an einem analogen Mischpult „Knöpfe und Fader“ bewegt haben, schnell zu verinnerlichen – dank der Kombination des LC-Displays mit vier entsprechend angeordneten Eingabe-Encodern (einer der Encoder hakelte im Testverlauf etwas, was aber der Funktion keinen Abbruch tat). Neben den Encodern sind links auf der Oberfläche drei Menü-Buttons „Page“, „Parameter“ und „System“ angeordnet, die der grundsätzlichen Navigation durch die Bedienstruktur dienen. Zudem können sich zwei Taster „A“ und „B“ mit unterschiedlichen Funktionen belegen lassen, beispielsweise „Preset up/down“, „Reverb aus“, „Tap Delay“ oder „Channel Mute“. Äußerst hilfreich in Live-Situationen, wenn beispielsweise bei den Ansagen für das Publikum schnell der Hall stummgeschaltet werden soll. Die anliegenden Eingangspegel sind über den Menüpunkt „Input-Meters“ gut zu kontrollieren, rückseitig angebrachte Pegelsteller erlauben die Anpassung. Das ist manchmal etwas „fummelig“ und der kompakten Bauform geschuldet.

Die Stromversorgung regelt ein im Lieferumfang befindliches 9-Volt-Netzteil – ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. Bleibt eigentlich nur noch die Mini-USB-Buchse. Sie dient nicht zur digitalen Weitergabe der Signale – das wäre noch der Clou, denn so würde der EAE GigMix 4-1 zum einfachen Audiointerface mutieren. Der USB-Port ist lediglich für Firmware-Updates nutzbar. Da ich dazu weder bei EAE noch dem deutschen Vertrieb eine Info fand, „klingelte“ ich erneut bei Thomas Guzy an. Des Rätsels Lösung: Es gibt noch keine Firmware-Updates für den EAE GigMix 4-1. Wenn es soweit ist, wäre es wünschenswert, dass Updates nicht nur über Windows-Rechner, sondern auch in der iOS-Welt möglich wären. Beim EAE StompMix ist die Aktualisierung der Firmware nämlich lediglich Nutzern von Windows-Rechnern vorbehalten. Dass dies nicht der „Weisheit letzter Schluss“ ist, muss hier nicht diskutiert werden. Dem stimmte auch der deutsche Vertrieb zu – mal schauen, die Amerikaner aus dem sonnigen Kalifornien sich der Einsicht anschließen.

Test: EAE GigMix 4-1 Mini-Digitalmixer

Keine Besonderheiten beim Frequenzgang des EAE GigMix 4-1

Wie klingt der EAE GigMix 4-1?

Das wird ein kurzer Absatz, denn der GigMix 4-1 klingt nicht – im positiven Sinne. So soll es ein. Trotzdem habe ich ein wenig genauer hingeschaut und den Frequenzgang überprüft, mir die Wirkungsweise des Notchfilters angeschaut und Klangbeispiele mit dem the t.bone MB 85 Beta sowie einige Loops aufgenommen, um die Wirkung von Hall und Delay zu demonstrieren. Hilfreich dabei waren – wie so oft an dieser Stelle – der NTi Audio XL 2 Audio-Analyser, der MR-PRO Signalgenerator, der Phonic PAA 6 sowie die PreSonus StudioOne4 DAW (für die Loops). Zum Frequenzgang – der wird von EAE im Bereich zwischen 40 Hz und 19 kHz angegeben, was sich im Test bestätigte. Auch die Wirkungsweise des Notch-Filters war nachzuvollziehen. Und laut meiner Messung liegt der THD+N bei 0,0109 % @ 1 kHz, dazu finden sich keinerlei Informationen in den technischen Daten.

Test: EAE GigMix 4-1 Mini-Digitalmixer

THD&N beim GigMix 4-1 (Testsignal: Sinus & 1 kHz)

Unter dem Strich: keine Auffälligkeiten. Bis auf eine Sache: Der nominale Ausgangspegel wird von EAE mit -10 dBu angegeben. Falls es sich nicht um einen Schreibfehler handelt und dBV gemeint ist, entspricht der angegebene Wert -12,22 dBV (dazu im Vergleich: +4 dBV Studiopegel), der EAE GigMix 4-1 ist also kein „Pegelmonster“.

Test: EAE GigMix 4-1 Mini-Digitalmixer

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Fazit

EAE GigMix 4-1? Finde ich gut! Der aufgerufene Preis ist in Anbetracht der dargebotenen Leistung ein „Schnapper“. Digitale Bonsai-Alternativen? Mangelware, außer  EAE Produkte wie der StompMix X4 (359,- Euro) und X6 (599,- Euro). Schön wären XLR-Ausgänge, Phantomspeisung und eine vernünftige Bedienungsanleitung, aber auch in der derzeitigen Version wird der EAE GigMix 4-1 seine Fangemeinde finden. Zudem arbeitet der deutsche Vertrieb nach eigener Aussage bereits am Update des Handbuchs. Wenn jetzt noch die Firmware-Aktualisierung, die beim StompMix bereits zu einiger Updates geführt hat, beim GigMix 4-1 ganz ohne iOS-Diskriminierung funktioniert, dann könnte dieses kleine große Mischpult besonders bei überschaubarem Events mit entsprechenden Setups Freude bereiten.

Plus

  • attraktiver Verkaufspreis
  • äußerst kompakte Bauweise
  • Befestigung direkt am Mikrofonstativ möglich
  • EQ mit durchstimmbaren Mitten pro Eingangskanal
  • Notchfilter und HiPass/Notch (wählbar)
  • Effekte (Delay und Reverb) mit anpassbaren Parametern
  • Dynamics (Komp./Gate)
  • Routing für die Ausgänge
  • Display
  • Speicherplätze

Minus

  • Bedienungsanleitung
  • Delay nur in Kanal 1 verfügbar
  • kein Ein-/Ausschalter
  • keine Phantomspeisung

Preis

  • 249,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Kleine analoge Mischpulte werden ab 35 Euro angeboten, aber vergleichsweise kompakte Digital-Mischpulte wie der EAE GigMix 4-1 sind bisher Mangelware – wundert mich nun wirklich nicht, denn ich wüsste nicht was ich mit dem Winzling anfangen sollte! Und 249 € ist ja auch nicht so wenig. Sicher bleibt das ein Nischenprodukt das seine Käufer verzweifelt suchen muss.

    • Profilbild
      Christoph Rocholl  RED

      Ob der GigMix 4-1 sicher ein Nischenprodukt ist und verzweifelt seine Käufer sucht? Schwer zu sagen – um dies zu beantworten bedarf es „hellseherischer Fähigkeiten“. Und da muss ich leider passen. Als Techniker ist die Antwort bezüglich des GigMix 4-1 einfach, denn technisch gesehen funktioniert der Bonsai-Mischer ohne Tadel und geht deutlich über die genannten 35-Euro-Analog-Pulte hinaus. Zu möglichen Anwendungen gibt es genügend Beispiele im Test.

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