Octave Fuzz mit drei Gesichtern!
Der Earthquaker Devices Fuzz Master General ist ein auf 1.600 Exemplare limitiertes Octave-Fuzz-Pedal, das auf dem legendären Ace Tone FM-2 basiert. Mit drei umschaltbaren Clipping-Modi und variabler Klangregelung richtet sich das Pedal an Gitarristen, die einen vielseitigen, aber charakterstarken Vintage-Fuzz mit modernen Features suchen.
- Was ist es? EarthQuaker Devices Fuzz Master General – limitiertes Octave-Fuzz-Pedal auf Basis des Ace Tone FM-2, handgefertigt in Akron, Ohio.
- Sound & Modi: Drei Clipping-Modi (Germanium, Silizium, kein Clipping) liefern ein breites Spektrum von Vintage-Fuzz bis Ringmodulations-ähnlichen Sounds.
- Klangregelung: Variabler Tone-Regler ersetzt den Super-Fuzz-Schalter und ermöglicht präzise Klangformung von bassig bis schneidend.
- Spielpraxis: Ideal für Power-Trios; durch starke Kompression und fixen Octave-Effekt in großen Bands schwer durchsetzbar, aber dynamisch steuerbar.
- Fazit: Charakterstarkes, forderndes Fuzz mit modernem Komfort und begrenzter Vielseitigkeit – kein Schnäppchen (ca. 219,- Euro), aber ein kreatives Werkzeug für Klangtüftler.
Inhaltsverzeichnis
- Vorgezogenes Fazit: Ein General mit Launen
- Optik und Verarbeitung
- Technischer Hintergrund: Shin-Ei trifft auf moderne Elektronik
- Klangregelung: Mehr als ein simpler Schalter
- Praxistest: Drei Modi, drei Persönlichkeiten
- Spielpraxis: Single Notes sind König
- Kritikpunkte: Kein Schalter für die Oktave
- Alternativen
Vorgezogenes Fazit: Ein General mit Launen
Wer glaubt, dass ein Fuzz-Pedal einfach nur zu bedienen sein muss, wird beim Fuzz Master General eines Besseren belehrt. Das Ding ist eine Herausforderung, aber eine, die man durchaus annehmen kann, sofern man bereit ist, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Die drei Clipping-Modi (Germanium, Silizium, kein Clipping) eröffnen ein erstaunlich breites Spektrum an Octave-Fuzz-Sounds, von gezähmtem Vintage-Brummen bis hin zu geradezu destruktivem Krachen.
Für wen eignet sich das Pedal? Primär für Spieler, die sich in Power-Trios oder kleineren Besetzungen bewegen. In einer fünfköpfigen Rockband wird man trotz aufgedrehtem Fuzz- und Level-Regler kämpfen müssen, um sich durchzusetzen. Die durchgehende Kompression des Schaltkreises frisst einfach Headroom. Positiv: Die variable Klangregelung ist deutlich nützlicher als der simple Zwei-Positionen-Schalter des originalen Super-Fuzz. Negativ: Der Octave-Effekt lässt sich nicht abschalten, was die Einsatzmöglichkeiten einschränkt. Und ja, bei hohen Tone-Einstellungen kann das Pedal auch zum Feedback-Monster werden.
Preis-Leistung? Mit knapp 219,- Euro nicht gerade ein Schnäppchen, aber wer die Vielseitigkeit der Diodenschaltung zu schätzen weiß, bekommt mehr als ein typisches Ein-Trick-Pony.
Optik und Verarbeitung
EarthQuaker Devices ist einer jener Hersteller, die allein schon durch ihre Optik im großen Pedaldschungel auffallen. Die teils abgefahrenen Lackierungen, die zuweilen auch auf einem heftigen LSD‑Trip hätten entstanden sein können, haben sich zu einem echten Trademark der Company entwickelt. Die beiden aufgebrachten Ritterhelme erschließen sich mir ehrlich gesagt in Bezug auf das Pedal nicht wirklich, aber letztendlich ist es auch egal. Erlaubt ist, was gefällt.
Das robuste Metallgehäuse macht jedenfalls einen soliden Eindruck. Die Verarbeitung ist tadellos, handgefertigt in Akron, Ohio. Drei Potis (Fuzz, Tone, Level), ein dreistelliger Voice-Schalter und ein Bypass-Fußschalter – mehr braucht es nicht. True-Bypass ist an Bord, ebenso ein Standard 9V-DC-Anschluss mit Center-Negative-Belegung. Batteriebetrieb? Fehlanzeige. Der Stromverbrauch liegt bei moderaten 10 mA.
Technischer Hintergrund: Shin-Ei trifft auf moderne Elektronik
Das Herzstück des Fuzz Master General ist eine überarbeitete Schaltung, die auf dem japanischen Ace Tone FM-2 Fuzz Master basiert, einem wilden Octave-Fuzz-Pedal aus den späten 1960ern. Der FM-2 wiederum teilt sich viele Gemeinsamkeiten mit dem legendären Shin-Ei-entworfenen Univox Super-Fuzz, der auf Alben wie „Live at Leeds“ von The Who unsterblich wurde.
EarthQuaker Devices hat diesem Dinosaurier jedoch ein zeitgemäßes Update verpasst. Der Fuzz-Regler des Fuzz Master General bietet einen deutlich breiteren Regelbereich als das Original, von kaum wahrnehmbarer Anzerrung bis hin zu einem brutalen Sägesound, der jeden Verstärker in die Knie zwingt. Der zentrale Voice-Schalter ist das eigentliche Herzstück des Pedals und ermöglicht drei verschiedene Clipping-Optionen:
Modus 1 (Germanium-Dioden): Lockerer, offener Fuzz mit zusätzlichem Output. Dieser Modus kommt dem klassischen Super-Fuzz-Sound am nächsten. Bissig, schneidend, mitunter leicht nasal. Die Germanium-Dioden reagieren deutlich sensibler auf das Volumen-Poti der Gitarre, was mehr dynamische Kontrolle ermöglicht.
Modus 2 (Silizium-Dioden): härteres Clipping mit strafferen, komprimierteren Fuzz-Tönen. Die Verzerrungskurve ist nicht so glatt wie im Germanium-Modus, dafür aber kontrollierter und „verzeihender“ bei der Anschlagsdynamik.
Modus 3 (kein Dioden-Clipping): Hier wird es interessant. Ohne Clipping-Dioden im Signalweg entsteht ein nahezu cleaner Octave-Sound, der an Ringmodulation grenzt. Der Volume-Boost ist enorm, geradezu destruktiv.
Klangregelung: Mehr als ein simpler Schalter
Anstelle des simplen Zwei-Positionen-Tone-Schalters des originalen Super-Fuzz bietet der Fuzz Master General eine vollvariable Klangregelung. Das macht einen gewaltigen Unterschied. Man kann von einem aggressiven, höhenbetonten Cut bis hin zu einem scooped, basslastigen Vintage-Fuzz nahezu alles formen. Der Tone-Regler deckt den 1-kHz-Bereich ab und erlaubt es, die latente Feedback-Neigung des Pedals bei höhenbetonten Einstellungen zu zähmen.
Praxistest: Drei Modi, drei Persönlichkeiten
Germanium-Modus: Dies ist das Terrain, auf dem sich das Pedal am authentischsten anfühlt. Mit dem Hals-Pickup und zurückgedrehtem Tone-Poti an der Gitarre lassen sich die typischen, flötenartigen Octave-Sounds erzeugen, die man von klassischen Super-Fuzz-Sounds kennt. Einzelnoten klingen metallisch, fast Sitar-artig. Power-Chords hingegen bleiben straff und druckvoll, ein reizvoller Kontrast.
Die hohe Kompression bedeutet jedoch, dass man Fuzz und Level relativ weit aufdrehen muss, um sich in einer dichten Bandmischung durchzusetzen. In Power-Trios oder Duos hat man deutlich mehr Spielraum. Vorsicht bei hohen Tone-Einstellungen: Das Pedal kann schnell zum durchdringenden Feedback-Dämon werden. Der variable Tone-Regler hilft hier, die Schärfe zu entschärfen.
Silizium-Modus: Paradoxerweise fühlt sich dieser Modus trotz härterer Clipping-Charakteristik und stärkerer Kompression nachsichtiger an, zumindest was die Anschlagsdynamik betrifft. Komplexe Akkorde können schnell matschig klingen, aber I-V-Power-Chords und einfache Doppelgriffe profitieren von der massiven Octave-Präsenz. Die Bandbreite reicht von leicht schmuddeligem Crunch bis zu kompletten Wig-Out-Sounds.
No-Clipping-Modus: Hier wird das Pedal zur Abrissbirne. Der Fuzz ist weniger brummig, dafür aber absurd laut. Die Dämpfung über das Gitarren-Volume funktioniert hier nur bedingt – niedrige Einstellungen erzeugen bizarre, quasi ringmodulierte Töne in Einzelnoten. Der wahre Vorteil dieses Modus liegt darin, die süße Octave-Essenz eines Super-Fuzz über eine laute, dichte Bandmischung zu bringen. Wer in großen Besetzungen spielt, wird diesen Modus zu schätzen wissen.
Ein versteckter vierter Modus entsteht, wenn man den Fuzz-Regler im No-Clipping-Modus komplett zurückdreht: Man erhält einen sauberen Octave-Sound mit Ringmodulator-Obertönen. Brauchbarer als ein klassischer Ringmod-Effekt, aber definitiv speziell.
Spielpraxis: Single Notes sind König
Wie bei allen Octave-Fuzz-Pedalen gilt: Single-Notes sind der Sweetspot. Zweiklänge auf den tieferen Saiten erzeugen einen coolen, unharmonischen Ringmodulator-Sound, der nicht jedermanns Sache ist. Komplexe Akkorde? Vergiss es! Der Fuzz Master General verzeiht schlampiges Anschlagen in keinem der drei Modi. Wer allerdings diszipliniert spielt und sich auf Power-Chords, Einzelnoten und einfache Intervalle konzentriert, wird mit massiven, charakterstarken Sounds belohnt.
Die Reaktion auf die Gitarrenlautstärke ist besonders im Germanium-Modus beeindruckend. Niedrigere Lautstärke betont die quasi ringmodulierte Qualität des Octave-Fuzz, während ein voll aufgedrehtes Volume nahezu jeden Amp an seine Belastungsgrenze bringt.
Kritikpunkte: Kein Schalter für die Oktave
Der größte Kritikpunkt ist offensichtlich: Der Octave-Effekt lässt sich nicht abschalten. Das schränkt die Vielseitigkeit des Pedals deutlich ein. Wer einen klassischen Fuzz ohne Octave-Anteil sucht, ist hier falsch. Zudem fehlt dem Pedal etwas von der brummigen „Wolligkeit“ eines guten Vintage-Super-Fuzz.
Die stetige Kompression kann zudem in größeren Besetzungen zum Problem werden. Man muss die Regler weit aufdrehen, um gehört zu werden, was wiederum die Feedback-Gefahr erhöht. Es ist ein schmaler Grat zwischen massivem Sound und unkontrolliertem Chaos.
Alternativen
Wer eine authentischere Reproduktion eines Super-Fuzz-Klons sucht, sollte sich die samtüberzogene Foxy Tone Box von Warm Audio ansehen, eine exzentrische Interpretation der Foxx Tone Machine. Der Beetronics Vezzpa bietet dichten, sprudelnden Fuzz mit optionaler Oktave nach oben. Danelectros 3699 Fuzz ist ein weiteres Super-Fuzz-ähnliches Design mit per Fußschalter bedienbarem Oktavregler, ein Feature, das dem Fuzz Master General leider fehlt.
Technische Daten:
– Bauart: analog
– Besonderheit: Limited Edition, 1.600 Stück weltweit
– Mono/Stereo: Mono In, Mono Out
– Regler: Tone, Level, Fuzz
– Modi: 3 schaltbare Modi (Voice-Schalter)
– Schalter: On/Off (Bypass)
– Bypass-Modus: True Bypass
– Stromversorgung: 9 V DC, Center Negative
– Stromverbrauch: 10 mA
– Batteriebetrieb: nicht möglich
– Herstellung: Handgefertigt in Akron, Ohio, USA
































Eine kleine Ergänzung:
der Superfuzz und die Tonemachine (=Tone Box) sind 2 völlig verschiedenen Schaltungen.
Beim Superfuzz lässt sich die Oktave auch nicht abschalten; bei der Tonemachine ja.
Die Dioden im Fuzz Master General sind nicht für den Oktaveffekt zuständig sondern nur für die Clipping-Stufe.
Ein geschickter Bastler kann den Oktav-Effekt schaltbat machen – ein Schaltbild des Ace Tone FM2 ist im Netz verfügbar(dazu die Verbindung Q2 mit der Basis von Q4 schaltbar machen)
Danelectro 3699 entspricht der Foxx Tonemachine.
Tolle Soundbeispiele👍
>> Batteriebetrieb? Fehlanzeige. Der Stromverbrauch liegt bei moderaten 10 mA << Hier liegt in der Tat ein Stromverbrauch vor, den eine gute 9-V-Blockbatterie über doch einige Stunden leisten könnte - warum der Hersteller auf den Vorteil einer in das Gerät integrierten Batterie verzichtet hat, das bleibt hier eine Frage wert. Ich denke, dass Hersteller das Stromversorgungs-'Problem' aufgrund teilweise hoher und gelegentlich auch sehr hoher Stromverbräuche moderner Fußbodentreter einerseits - andererseits aber auch der Verfügbarkeit von Sammelstomversorgung über leistungsfähige Netzteile (und auch Powerbanks) und der Verteilung von Betriebsstrom über individuelle Zuleitungen mehr und mehr an den Nutzer solcher Geräte abgeben. Somit werden solche Geräte ohne die Batteriefächer und aufschraubbare Deckel geplant und gebaut - vielfach sogar ohne Entfernung der Rückwand, um Batterien zu tauschen.
@Nvelope Wenn ich Pedale herstellen würde, dann würde ich den ganzen Käse mit den Batterien ohne Ausschalter auch schlicht weglassen. ;)
Ob ein superfuzz jetzt über 200€ kosten muss wenn B es einem für 25€ hinterher wirft, nö ne?
Btw. Germanium Fuzzes reagieren gerne mal komisch auf Temperatur … davon steht hier gar nichts.
Wieviel Trump Steuer ist denn da drauf???