Test: EarthQuaker Devices Organizer, Gitarrenpedal

13. August 2016

Orgelsounds für die Gitarre - der nächste Versuch

An die Effekte von Earthquaker Devices war eine ganze Weile nur schwer ranzukommen, was zum einen schlicht an den geringen Stückzahlen der in Akron/USA in Handarbeit gefertigten Pedale und zum anderen an einem zuverlässigen Vertriebskanal für Deutschland und Europa lag. Doch nun sind sie in die Hände der Warwick Music Distribution gelangt, die die Händler mit ausreichenden Stückzahlen versorgt und auch uns dementsprechend Testgeräte zur Verfügung stellen kann.

Da sagen wir doch natürlich nicht nein und betrachten heute zunächst den Earthquaker Devices Organizer mal genauer in einem Test. Vorab stellt sich allerdings die Frage: Braucht die Welt ein (weiteres) Orgelpedal für Gitarristen? Und wie kann sich der Organizer gegen die Konkurrenz, allen voran natürlich die Orgelpedale von Electro Harmonix, behaupten? Gehen wir den Fragen auf den Grund!

Front

— Der EarthQuaker Devices Organizer —

Facts & Features

Von der hohen Qualität der Pedale von EarthQuaker Devices konnten wir uns bereits Anfang des Jahres im Test des Dispatch Master überzeugen. Dort gab das Pedal, das eine Kombination aus Hall und Echo bietet, ein sehr gutes Bild ab. In die gleiche Kerbe schlägt auch der EarthQuaker Devices Organizer, zumindest was die Fertigungsqualität und die verwendeten Bauteile betrifft. Die 118 x 64 x 57 mm große, blassgrüne Metallkiste mit Kirchenorgelbemalung verfügt über sechs satt laufende Potis, die auch hier mit dem Gehäuse verschraubt wurden. Ein stabiler Metallschalter sorgt für die Aktivierung des Effekts, optische Bestätigung erfährt der Benutzer über eine strahlend weiße LED.

EarthQuaker Devices Organizer Gitarrenpedal

Die Anschlüsse sitzen auf der Stirnseite, was direkt schon mal einen Pluspunkt einfährt, können doch so entscheidende Zentimeter links und rechts des Gehäuses auf dem Pedalboard gespart werden. Neben einem Ein- und einem Ausgang sitzt dort auch der Anschluss für das Netzteil, was für einen Betrieb des EarthQuaker Devices Organizer auch zwingend erforderlich ist. Denn mit einer Batterie ist hier nichts zu holen. Deswegen gibt es auf der Unterseite auch gar nichts weiter zu entdecken, was uns aber nicht davon abgehalten hat, die Kiste dennoch mal aufzuschrauben, um zu schauen, wie sauber es im Innern zugeht. Und siehe da, alles bestens!

inside

— Earthquaker Devices Organizer mit abgenommener Bodenplatte —

Die Potis des EarthQuaker Devices Organizer und ihre Funktionen

Das eingehende Signal wird in zwei Oktaven geteilt – die eine über und die andere unter dem Original. Die Lautstärke der jeweiligen Oktave wird mit den Potis „Up“ und „Down“ geregelt, die zusammen mit einem weiteren Poti (Choir) die obere Reihe der sechs Regler bilden. Das Choir Poti fügt dem Klang einen Mix aus weiteren zwei Oktaven unterhalb und oberhalb des Originalsignals sowie dem unbearbeiteten Gitarrenton zu. Inklusive einer leichten Verzögerungszeit soll so der authentische Sound einer Kirchenorgel entstehen.

Potis

— Die Grundfunktionen sitzen im oberen Bereich —

Zwei der drei Potis im unteren Teil des Panels kommen uns bekannt vor. Da wäre zunächst das Direct Poti, mit dem das Verhältnis zwischen dem Originalsignal der Gitarre und dem Effektsignal des Earthquaker Devices Organizer eingepegelt wird. Auch der nächste Regler dürfte keine Überraschungen bieten, so sorgt „Tone“ zumindest für eine rudimentäre Beeinflussung des Orgelsounds in puncto Frequenzbearbeitung. Den Regler mit der Bezeichnung „Lag“ gibt es aber wahrscheinlich nur am Organizer, er regelt die Verzögerungszeit des Effektsignals zum Originalsignal. Auch das soll dem möglichst naturgetreuen Orgelsound auf die Sprünge helfen.

Bei der LED hat man mal wieder richtig Gas gegeben und einen Typ installiert, der in dunkler Umgebung beim Draufblicken einen Sichtkontakt zu den Potis quasi zum Blindflug werden lässt. Sinnvoll hingegen wurde der Metallschalter angebracht, er liegt weit außerhalb des Bereichs, in dem die Potis bei einem fehlgeleiteten Fußtritt Schaden nehmen könnten. Obwohl sie ja, wie bereits weiter vorne beschrieben, sehr robust ausgefallen sind und zudem so weit auseinander liegen, dass ein komplettes Umgreifen der Knöpfe mit zwei oder mehr Fingern möglich ist. Also kein „Fingerspitzengefummel“!

Jacks

— Anschlüsse platzsparend an der Stirnseite —

Zwischenzeugnis

Hinsichtlich der Verarbeitungsqualität gibt es auch beim Organizer keine Auffälligkeiten. Ganz im Gegenteil, auch hier kommt der leicht abgenutzte Begriff „Boutiquepedal“ voll zur Geltung. Das Metallgehäuse besitzt Nehmerqualitäten und verhält sich dank der Anschlüsse auf der Stirnseite recht platzsparend auf dem Board. Die sechs Potis mit ihren griffigen Knöpfen laufen dazu wie in Butter auf ihren Achsen und laden zum Schrauben ein. Und das werden wir nun im Praxisteil tun!

Sound & Praxis mit dem EQD Organizer

Wow, die kleine Kiste macht aber mal richtig Spaß, auch wenn die Sounds nicht unbedingt nach Orgel klingen. Zumindest nicht in allen Einstellungen, die sich mit den präzise laufenden Potis stufenlos überblenden lassen. Recht authentisch klingt der Organizer in der Mittelstellung der „Up“ und „Down“ Potis, bei gleichzeitig voller Herausnahme des Originalsignals und vorsichtiger Dosierung der Regler „Choir“ und „Lag“. Wir erinnern uns, beide Parameter fügen dem Signal bewusst eine Verzögerung hinzu, um einen möglichst realistischen Orgelklang zu erreichen. Was in der Praxis bedeutet, dass mit dieser Latenz ein rhythmisch sauberes Spiel eine verdammt große Herausforderung darstellt – um nicht zu sagen unmöglich macht. Denn schon die geringste Bewegung einer der beiden Regler mit dem Uhrzeigersinn verzögert den Gitarrensound beträchtlich, sodass man nicht drum herum kommt, sich gefälligst dem Stil und den Gepflogenheiten eines Organisten anzupassen. Also eher soft angehen, wenn schon ein möglichst realistischer Orgelsound erzeugt werden soll.

Im folgenden Klangbeispiel kann man die Verzögerungszeit gut heraushören. Hier wurden beide Oktavpotis in die 12-Uhr-Position gebracht, die Regler für „Lag“ und Choir“ befinden sich hingegen nur leicht angehoben bei ca. 8 Uhr.

Schalter

— Mit der Leuchtkraft dieser LED könnte man auch locker den Hausflur beleuchten —

In den Settings ohne die beiden „latenzfördernden Parameter“ ist die Verzögerungszeit hingegen akzeptabel und führt auch bei schnelleren Läufen nicht zu Problemen. Nur fehlt dann eben die Fülle im Sound, die „Choir“ und „Lag“ dem Organizer sonst einen deutlichen Schub verpassen.

Weitaus mehr als nur Orgelsounds

Jenseits des eigentlichen Orgelsounds überrascht der EQD Organizer aber viel, viel mehr. So sind erstaunlich gut klingende Fretlessbass Sounds oder auch Oktaver Klänge der Kiste mit ein wenig Schrauben zu entlocken. Der Grad ist hier sehr schmal und mit nur wenigen Bewegungen der sechs Regler entstehen so erstaunlich viele Klangfacetten. Auch die Latenz des Sounds lässt sich wunderbar als Stilmittel einsetzen und erreicht bei voll aufgedrehtem „Lag“ und „Choir“ Poti fast schon knallige Slapback Delay Qualitäten!

Der Toneregler hingegen agiert nicht sehr spektakulär. Muss es auch gar nicht, denn der Grundsound des Pedals stimmt einfach! Und das nicht nur dank der True-Bypass-Schaltung, was bei einem Boutiquepedal ja mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes zum guten Ton dazugehört. Das Gitarrensignal verliert in keiner Weise an Kraft und verlässt auch die Ausgangsbuchse klar und transparent ohne spürbare Verluste. Allenfalls ein leichtes Rauschen ist im Signal zu vernehmen, das sich besonders bei voll aufgeregelter oberer Oktave („Up“) bemerkbar macht.

Front

Für die Klangbeispiele wurde der EQD Organizer direkt aus seiner Ausgangsbuchse in den High-Z Eingang eines UAD Apollo Twin Interface eingeklinkt. An der Eingangsbuchse hing eine Music Man Silhouette, aufgenommen wurde mit etwas Hall in Logic Audio.

Fazit

Einen Organisten kann der Earthquaker Devices Organizer gewiss nicht ersetzen, aber er kann dem eigenen Gitarrenspiel eine Menge kreativer und inspirierender Sounds liefern! Sicherlich klingt es bei einem ausgewogenen Mischverhältnis zwischen den Potis „Up“ und „Down“ erstaunlich realistisch nach Orgel. Für Musiker aber, denen es wirklich auf eine möglichst naturgetreue Nachbildung ankommt, wäre meiner Meinung nach mit den Pedalen von Electro Harmonix ( B9 oder C9 z.B.) besser geholfen.

Die Stärken des Earthquaker Devices Organizer liegen viel mehr in den Zwischenpositionen der sechs Regler, wobei dann Sounds zwischen Fretlessbass, interessanten Pitch-Shifting-Effekten und breiten Flächen entstehen, bei denen die Latenz des Signals bei eingesetztem Choir- und Lag-Effekt durchaus auch als effektives Stilmittel eingesetzt werden kann.

In Sachen Hardware gibt es bei diesem Pedal nichts zu bemängeln, der Earthquaker Devices Organizer glänzt mit allen Merkmalen, die ein handgemachtes Gerät besitzen sollte. Dazu gehören die robusten Potis genauso wie der Metallschalter, lediglich bei der LED hätte man in puncto Leuchtkraft durchaus einen Gang zurückschalten können.

Plus

  • kreativer Sound
  • sehr gute Verarbeitung
  • Anschlüsse an der Stirnseite
  • gute Rauschwerte

Minus

  • Sounds nicht immer realistisch
  • spürbare Latenz bei einigen Einstellungen (siehe Text)

Preis

  • Ladenpreis: 189,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    A.Vogel  AHU

    Meiner Meinung nach klingt das Ding wirklich grauenhaft.
    Irgendwie wie wie Gitarre in Pitchshifter (eine Oktave hoch), per Direct Out in einen zweiten Pitchshifter (Oktave runter) und dann wieder zusammen gemischt.
    Ich hab hier noch einen Boss PS-2, und ich glaube mit zweien von der Sorte krieg ich zumindest die Sounds aus den Beispielen hin, und darüber hinaus noch einige mehr.
    Seltsam….

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Was meinste, wie enttäuscht ich war … ich mag die Kisten von EQD ja sehr, aber den Organizer als Orgelmodul anzupreisen, halte ich auch für fragwürdig. Das größte Problem ist echt die Latenz, realistische Sounds hin oder her – für Gitarre ist das auf Dauer nix … dennoch kann man mit dem Teil auch Spaß haben.

      Grüße :)

      Stephan

      • Profilbild
        ctrotzkowski  

        Hallo, Stephan,

        auch wenn Eure Artikel weiterhin gut geschrieben sind und ich sie gerne lese, schleicht sich bei mir doch ein wenig das Gefühl ein, daß es eine kleine Inflation bei den 3-Sterne-Bewertungen gibt….
        Dies ist mir auch bei Armin’s Test vom Mackie ProDX8 aufgefallen, und trifft auch auf diesen Organizer zu: Wenn ein Gerät in einer der Hauptpunkte (Funktionsversprechen, Soundqualität, Standard-Ausstattung, Hw-Qualität) nicht überzeugt, sollten es m.E. keine 3 Punkte sein.
        Wenn ein Orgelpedal Dich also im Punkt Orgelsound zur Aussage „Was meinste, wie enttäuscht ich war“ bringt – sind das dann wirklich noch drei Punkte?

        Ich persönlich empfinde 3 Punkte als „uneingeschränkt empfehlenswert“, aber die Einschränkungen hast Du ja im Text mit drin.

        Bzgl. der Soundbeispiele stimme ich A Vogel zu. Klingt nach einem mäßig guten Pitch-Shifter….

        Herzlichst, Carsten

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Also dieses Ding beweist es einfach, wenn ihr einen Organist braucht dann holt euch jemand der sich damit auskennt, gelbe Saiten…. Gitarre bleib bei deinen Leisten das Ding ist eher zum abgewöhnen.

  3. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Ich kenne Stromgitarristen, bei denen wäre das Ding in guten Händen — denn dann klängen sie *richtig* kompromißlos scheiße…

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