Test: Earthquaker Devices Pyramids, Gitarren Flangerpedal

26. Juni 2018

Der Pyramids ist gelandet!

Earthquaker Devices Pyramids title

Er ist gelandet – der Earthquaker Devices Pyramids – Flanger-Flaggschiff und Phasenschieber. Die Geschichte des Flangers ist so eng mit der Geschichte der Rockmusik verflochten, wie die kaum eines anderen Effekts. Niemand Geringeres als Les Paul höchstpersönlich experimentierte in den 50ern mit Tonbandmaschinen und erzeugte den charakteristischen Flanger-Sound, indem er laufende Tonspulen mit dem Finger abbremste. Über die Jahrzehnte hinweg gab es unzählige Versuche, dem Flanger Größe und Gestalt zu geben. TC Electronic, Moog, Electro-Harmonix bauten richtungsweisende Flanger-Pedale und nachdem die Firma Chase Bliss Audio mit dem Spectre 2015 einen modernen Flanger-Klassiker schuf, war es für Earthquaker Devices endlich an der Zeit anzuziehen. Jetzt ist das Gerät da – der Earthquaker Devices Pyramids ist gelandet. Hält der Bodentreter, was die Promomaschinerie verspricht? Wir sind gespannt!

Facts und Features des EQD Pyramids

Das Vertrauen von EQD in den Pyramids ist beträchtlich –  das Unternehmen hat in eine der originellsten Marketingkampagnen investiert, die es in den letzten Jahren für ein Effektpedal gegeben hat. Enigmatische, kryptische Botschaften, über Jünger des Pyramids Kultes, die dem neuen Flanger-Gott huldigen, bis hin zu landenden Raumschiffen und gespenstischen Gebetskreisen. Auf allen Social-Media-Kanälen wurde die Präsenz angezogen, überall hat es gebrutzelt und geflangert, Größen wie Mac DeMarco, selbsterklärter Flanger-Connaisseur, hat einen charmanten Test für das Gerät abgeliefert und Synth-Demos wurden ebenso wie Gitarrentests en masse produziert. Die Neugier ist also groß – wie hält es sich mit der Qualität des Earthquaker Devices Pyramids, wenn man den ganzen Hype subtrahiert?

Earthquaker Devices Pyramids panel

Eins sollte sofort klar sein: Der Earthquaker Devices Pyramids ist nicht ein gewöhnliches Flanger-Pedal. Und recht schnell wird auch deutlich, wo der Hammer hängt: Dieses Pedal bringt eine Menge mit. Bis auf die Expression-Buchse sind die Stereoanschlüsse und der 9-Volt-Anschluss an der Stirnseite angebracht, was erfreulich ist. Dazu kommt: fünf Preset-Speicherplätze, die mit Werkseinstellungen geliefert werden, die allesamt ihre Daseinsberechtigung haben, aber jederzeit überschrieben werden können.

Das Herzstück des Pyramids dürften aber zweifelsohne seine Modes sein. Schnell wird deutlich, dass die Kreativität vor allem in dieses Feature geflossen ist. Je nachdem, in welchem Modus man sich befindet, erfüllt das Modify-Poti einen anderen Zweck. Für die acht Modes verhält sich das wie folgt:

  • Classic – hier arbeitet der Modify-Poti als Tone-Control, wobei man im Uhrzeigersinn ein Highpass-Filter aktiviert und gegen den Uhrzeigersinn ein Lowpass-Filter.
  • Through-Zero (TZ) – in diesem Modus kontrolliert der Modify-Knob den Through-Zero-Punkt im LFO-Zyklus. Das heißt: Der charakteristische, drastische Rückkopplungseffekt des Flangers kann hier in hohen oder tiefen Frequenzbereichen angesiedelt werden.
  • Barber Pole Up/Down – auch hier fungiert der Modify-Poti als Tone-Control für das High- bzw. Lowpassfilter.
  • Trigger Up/Down – hier ermöglicht der Modify-Knob das Re-Triggern des LFO-Zyklus. Gen Uhrzeigersinn ist die Sensitivität des Re-Triggers ausgeprägter und reagiert empfindlicher auf das eingegebene Picking. Tolles Feature: In beiden Modi fungiert der Tap-Footswitch als Trigger für den Effekt – perfekt für gezielte Flanger-Laser!
  • Step – ein integrierter LFO-Sequencer. So was gab es auch noch nicht auf einem Flanger-Pedal! Über den Modify-Knob werden hier die Steps entweder klar und deutlich akzentuiert oder in einen Glissando-Teppich verwandelt.
  • Random – eine weitere Variante des Step-Sequencers, nur werden die Steps hier randomisiert. Daraus ergibt sich eine chaotische Sequenz, die vor allem im Zerrbereich für erheiterndes und „spaciges“ Chaos sorgen kann. Auch hier erweicht bzw. verhärtet der Modify-Knob die Transition zwischen den Steps.

Hinzu kommt ein Rate-/Toggle-Switch, der das aktive Tap-Tempo entweder halbiert oder verdoppelt. Den restlichen Potis sind die Funktionen zugewiesen, die man von einem Flanger erwartet.

  • Manual – hier wird die Delay-Zeit des modulierten Signals geändert.
  • Rate – Sweepende Teppiche oder getaktete Flanger-Laser: Über die Rate lässt sich entsprechend einstellen, wie schnell der LFO ist.
  • Width – ob das Frequenzspektrum des LFOs flächendeckend sein oder die gespielten Noten akzentuieren soll, lässt sich hierüber einstellen.
  • Mix – hierüber lässt sich die Lautstärke des modulierten Signals einstellen.
  • Feedback – hier wird die Regeneration des modulierten Signals eingepegelt.

In Kombination mit den Modi, der Expression-Funktion und dem Flexi-Switching (Wechsel zwischen Momentary- und Latching-Mode) lässt sich nun erahnen, wie umfassend die Optionen sind, die einem der Earthquaker Devices Pyramids offenbart. Wenn man auch nicht mit dem Step-Mode in verrückte Sequencer-Gefilde abdriften will, sondern einfach eine Reminiszenz an die 80er-Jahre sucht, The Police und Genesis huldigen will, dann funktioniert dies mit den Barber Pole Up/Down oder Classic-Modi ganz vorzüglich. Wenn die Noten stehen sollen, die Rückkopplung den Raum zum Erzittern bringen soll, empfiehlt sich der Through-Zero-Modus und mit dem Step- und Random-Mode wird der Pyramids seiner Weltraumästhetik erst recht gerecht. Beide Modi sind besonders dafür geeignet, mit einem Analogsynthesizer kombiniert zu werden. Die Oszillatoren eines Korg Minilogue oder Moog Centaurs beispielsweise sprechen gut auf das Pedal an.

Earthquaker Devices Pyramids Gitarren Flangerpedal

Synth-Sequenzen lassen sich hervorragend mit dem Random- oder Step-Sequencer des Pyramids kombinieren und ermöglichen so den Bau tonaler Sci-Fi-Kathedralen. Man möchte die Prognose wagen, dass sich der Earthquaker Devices Pyramids schon bald auf ebenso vielen Synthie-Racks und -Tischen finden lassen wird, wie auf eben so vielen Pedalboards. Und an den experimentellen Gitarristen, der seine Gitarren-Loops um Synthie-Teppiche ergänzen will, hat EQD auch gedacht – die Stereobuchsen schreien förmlich danach, zwei Instrumente durch das Pedal in separate Effektketten einzuspeisen. Im Grunde genommen handelt es sich beim Pyramids also vor allem um eines: um ein vielfältiges, originelles Creative-Tool mit einer Unmenge an Optionen! Also wo ist der Haken?

Der Earthquaker Devices Pyramids in der Praxis!

 

Earthquaker Devices Pyramids front

Bei der Durchsicht der unzähligen Testvideos im Vorfeld drängte sich allmählich ein unguter Verdacht auf. So faszinierend die Optionen sind, so umfangreich die LFO-Controls und Features auch ausfallen – es schien, zumindest anhand der vielen kursierenden Videos, dass der Pyramids am alten EQD-Manko kränkelt … und sobald man das Pedal anschließt, bestätigt sich der Verdacht auch prompt.

Der Earthquaker Devices Pyramids frisst Ton und Resonanzen – und zwar nicht unerheblich. Der Sound dünnt spürbar aus, verliert an Dynamik. Da stimmt doch etwas nicht, denkt man sich. Man startet im Classic-Mode, befürchtet, dass das Modify-Poti den Sound durch ein rigoroses Highpass-Filter jagt und so dieses Ausdünnen bedingt. Doch auch nach dem Drehen der Potis und dem Wechseln zwischen den Modi bleibt der ernüchternde Eindruck erhalten: Der Pyramids verwandelt das Instrument in ein Raumschiff, das ausgehöhlt ist. Der Ton- und Resonanzverlust ist kein neues Problem für Earthquaker Devices. Viele Modulationseffekte, die das Unternehmen aus den USA produziert, besitzen dieses Manko, dünnen das Signal spürbar aus. Beim Pyramids ist dies umso ärgerlicher, weil die technische Vielfalt so umfangreicher ausfällt und man anhand der Optionsmöglichkeiten fast versucht ist zu sagen, dass es sich um einen der besten Flanger überhaupt handelt. Aber der Reihe nach …

Bei starkem Mix und ansonsten moderaten Einstellungen entwickelt sich der Through-Zero-Mode zu einem geschmackvollen 80er-Jahre-Flanger, der Erinnerungen an The Cure weckt. Vielseitig einsetzbar und vor allem, wie erwähnt, unheimlich differenziert einstellbar. Bei aller Sequencer-Manie muss an dieser Stelle zugegeben werden, dass man äußerst gerne zu diesem Mode zurückkehrt.

Im nächsten Loop wird im Trigger-Up-Mode die Einsatzmöglichkeit des Trigger-Fußschalters demonstriert. Klar wird hier, wie einfach sich der LFO-Zyklus retriggern lässt – ein tolles, einmaliges Feature, dessen Einsatzmöglichkeiten vielfältig ausfallen.

Kommen wir zu den Sequencer-Modi. Im herkömmlichen Step-Sequencer lassen sich einfache Akkordabfolgen beispielsweise mit wunderschönen Arpeggio-Teppichen unterlegen, die sich durch das Modify-Poti unterschiedlich stark akzentuieren lassen.

Aber Schönheit ist ja bekanntlich nicht alles. Durchgedrehte, zufällige Random-Bleeps und -Bloops als Sequenz an der Gitarre rauszuhauen, kann ungemein Spaß machen. Manchmal reicht es einfach,  eine Note stehen zu lassen und den Wahnsinn der Sequenz zu überlassen – wie im anschließenden Beispiel.

Fazit

Der Earthquaker Devices Pyramids ist das vielleicht vielfältigste Flanger-Pedal, das man für Bares kriegen kann. Mehrere Alleinstellungsmerkmale zeichnen ihn aus, sei es der Random- oder herkömmliche Step-Sequencer oder der einfache, aber geniale Schachzug, den Tap-Footswitch für zwei Modi in einen LFO-Trigger verwandeln zu können. Die Bedienung ist vielfältig, aber erschließt sich rasch und intuitiv, Ein- und Ausgänge für Stereo-Effektschleifen und die inzwischen fast obligatorische Buchse für Expression-Pedale sowie ganze acht grundverschiedene Flanger-Modi sorgen dafür, dass sich der relativ hohe Ladenpreis rechtfertigen lässt.

Einen bitteren Beigeschmack hinterlassen jedoch die deutlich spürbaren Einbußen im Originalsignal, die man wohl in Kauf nehmen muss, wenn man in den Genuss des Flanger-Flaggschiffs von EQD kommen will. So ist der Pyramids kreativ ein großer Wurf, der aber leider an der Basis spart und somit mit einem erheblichen Wermutstropfen unsere Redaktion wieder verlässt.

Plus

  • acht Flanger-Modi, die sich deutlich voneinander abgrenzen
  • umfassende Kontrollmöglichkeiten für sämtliche Modi
  • einzigartiger Triggermode
  • zwei Sequencer-Modi
  • True-Stereo-Betrieb
  • fünf Preset-Speichermöglichkeiten

Minus

  • erhebliche Einbußen in der Soundqualität

Preis

  • Ladenpreis: 362,- Euro
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