Ein Ambient-Stereo-Reverb zum Dahinschmelzen
Das EarthQuaker Devices Towers ist ein außergewöhnliches Stereo-Reverb-Pedal, das klassische Hallräume mit resonanten Filter-Sounds und experimentellen Ambient-Texturen kombiniert.
Was ist es? Das EarthQuaker Devices Towers ist ein Stereo-Ambient-Reverb mit resonantem Tiefpassfilter für experimentelle Klanglandschaften und Sounddesign.
- Sound: Riesige Stereo-Hallräume mit atmosphärischen, bewegten Ambient-Texturen.
- Filter: Resonantes Low-Pass-Filter mit Manual-, Envelope- und LFO-Modus.
- Features: True-Stereo, acht Presets, Expression-Anschluss und Stretch-Funktion.
- Einsatz: Ideal für Ambient, Sounddesign und experimentelle Klangwelten.
- Kritik: Keine MIDI-Funktion und keine Preset-Anwahl per Fußschalter.
Inhaltsverzeichnis
Die ersten 5 Minuten
EarthQuaker Devices ist bekannt dafür, ganz eigenwillige, aber wunderbare Pedale zu bauen. So soll es auch wieder beim Towers Stereo Reverberant Filter sein, einem Ambient-Reverb-Pedal mit Filter-Sektion, das für „überirdische Soundwelten“ konzipiert wurde. Es ist zudem das erste Pedal von EarthQuaker Devices, das in True Stereo ausgeführt ist. Mit einem Preis von knapp 400,- Euro spricht es in erster Linie Soundfetischisten und Gitarristen an, denen Reverb als Klang-Tool extrem wichtig ist. Ich bin sehr gespannt!
Lieferumfang & erster Eindruck
Der Lieferumfang ist schnell geklärt. Öffnet man den Karton mit dem charakteristischen Oktopus-Aufdruck, findet man das Pedal in einem Säckchen verpackt. Daneben gibt es noch einen Sticker und eine kurz gefasste Betriebsanleitung. Für mich immer wichtig bei Pedalen, bei denen man eventuell noch nicht so genau weiß, was da herauskommt. Aber gerade das ist im Ambient-Bereich ja Teil des Charmes.
Der erste Eindruck ist, wie man es von EQD gewohnt ist, hervorragend. Das Towers sieht extrem schick aus und ist trotz seiner nicht zu verachtenden Größe (165,1 × 133,4 × 82,6 mm) ziemlich leicht. Alles fühlt sich hochwertig an und auch bei den Reglern spürt man direkt die hohe Fertigungsqualität.
Line Check
Im Line Check lasse ich mich einfach mal überraschen, was aus dem Ding ohne Einarbeitung herauskommt. Da es laut EQD sein wahres Potenzial in Stereo entfaltet, wird es auch erst mal so getestet. Die genaue Signalkette erfahrt ihr weiter unten im Text. Nach den ersten fünf Minuten kann ich schon mal so viel sagen: Es klingt auf jeden Fall mächtig und extrem schön! Hört selbst.
EarthQuaker Devices Towers – Die Specs
Das EarthQuaker Devices Towers wird als Stereo Reverberant Filter vermarktet. Was das heißen soll? Im Prinzip ist das Pedal ein Stereo-Reverb, gepaart mit einem resonanten Low-Pass-Filter. Etwas genauer gesagt werkeln im EQD Towers massig Micro-Echos, die dynamische Impulse kreieren, die dann in einen riesigen Cathedral-Reverb geschickt werden. Der Length-Parameter bestimmt die Nachhallzeit ebenso wie die Dichte des bearbeiteten Signals.
Danach wird das Signal in einem resonanten Low-Pass-Filter mehrfach weiter verformt, um am Ende eine Klangwelt zu erzeugen, die weit über die Möglichkeiten traditioneller Hardware hinausgeht. Für die Modulation der Filterfrequenz des Tiefpasses stehen drei verschiedene Modi zur Verfügung:
- Manual Mode: Hier wird die Filterfrequenz durch Drehen des Frequency-Reglers manuell gesteuert. Sie verläuft im Stereobild im linken Kanal gegensätzlich zum rechten Kanal.
- Envelope Mode: Die Filterfrequenz wird mittels eines Envelopes (ADSR-Hüllkurve) gesteuert, der von der Anschlagsdynamik getriggert wird. Hier steuert der Frequency-Regler die Sensitivität des Envelopes.
- LFO Mode: In diesem Modus wird die Filterfrequenz von einem langsamen LFO gesteuert, während der Frequency-Regler die Rate regelt. Dieser Effekt wandert ebenfalls im Stereofeld und sorgt für langsame Panning-Effekte.
Mit dem Filter-Regler kann dann gesteuert werden, wie stark das Low-Pass-Filter das Reverb-Signal beeinflusst – sozusagen ein Mix-Parameter. Der eigentliche Mix-Regler auf der linken Gehäuseseite regelt den globalen Mix als Wet/Dry-Regler. Mit dem Preset-Wahlschalter hat man die Möglichkeit, acht verschiedene User-Presets zu speichern.
Das EarthQuaker Devices Towers besitzt zwei Footswitches. Neben dem Activate-Button auf der rechten Seite, der den Bypass-Zustand regelt, befindet sich links der Stretch-Footswitch. Diese Funktion kennt man schon von anderen EQD-Pedalen wie dem Astral Destiny. Stretch verlangsamt das komplette digitale System des Towers. Dadurch wird auch die Reverb-Länge verdoppelt sowie das Frequenzspektrum verändert. Hält man den Footswitch gedrückt, wird der Prozess gemorpht und es entstehen diverse Pitchbending-Effekte.
Anschlussseitig kommt das Towers als True-Stereo-Pedal mit Stereo-In- und -Out-Buchsen sowie einem Anschluss für ein optionales Expression-Pedal. Beim Bypass-Modus kann zwischen True-Bypass und Trails gewählt werden.
Die Specs auf einen Blick
- Stereo-Reverb mit resonantem Low-Pass-Filter
- Regler für Length, Frequency, Mix, Preset und Filter
- Drei Betriebsmodi für die Filtermodulation: Manual, Envelope und LFO
- Nutzbar in Stereo, Mono sowie im „Mono In/Stereo Out“-Modus
- Speicherplätze für bis zu acht eigene Presets
- Stretch-Funktion zur Verlängerung der Reverb-Zeit und Veränderung des Klangcharakters
- Separater Footswitch für Aktivierung und Bypass
- Anschluss für ein optionales Expression-Pedal
- Betrieb über externes 9-Volt-DC-Netzteil (nicht im Lieferumfang enthalten)
- Stromverbrauch: 85 mA
- Abmessungen: 165,1 × 133,4 × 82,6 mm
- Gewicht: 467 g
- Gefertigt in den USA
Der Praxistest
Vorneweg: In der Praxis schlägt sich das EarthQuaker Devices Towers sehr gut. Der Formfaktor ist zwar nicht gerade klein, aber das Towers ist auch nicht für Player gedacht, die auf ihrem kleinen Pedalboard eben noch schnell das dritte Reverb-Pedal unterbringen wollen. Dieses Ding will Beachtung bekommen!
Es ist nahezu unmöglich, dem Pedal einen unbrauchbaren Sound zu entlocken, sofern man keinen alltagstauglichen Plate-Reverb-Sound erwartet. Aber dafür sollte man sowieso zu einem anderen Pedal greifen. Die Regler liefern auf dem gesamten Regelweg interessante Ergebnisse und laden somit zum exzessiven Drehen und Ausprobieren ein.
Selbst wenn man das EarthQuaker Devices Towers ohne das resonante Low-Pass-Filter als reinen, mächtigen Hallraum verwendet, geht schon die Sonne auf. Kommt das Filter hinzu, kommt man aus dem Sabbern nicht mehr raus.
Die drei Modi Manual, Envelope und LFO liefern sehr interessante und nützliche Modulationsmöglichkeiten der Filterfrequenz, wobei im Envelope Mode sogar dezente Auto-Wah-Klänge aus dem Hallsignal zu holen sind. Dass sich die Veränderungen der Filterfrequenz im Manual- und LFO-Mode sogar im Stereobild hin- und herbewegen, eröffnet extrem breite Klangflächen.
Der Einsatz eines Expression-Pedals ist ebenfalls gerade für den Length-Parameter oder die Filterfrequenz sehr interessant und kinderleicht umzusetzen. Acht verschiedene Preset-Möglichkeiten ergeben absolut Sinn und erlauben das Speichern unterschiedlicher Einstellungen. Obwohl das Pedal explizit als Stereo-Reverb angepriesen wird, klingt es auch im Mono-Betrieb hervorragend und muss sich keinesfalls verstecken. Kein Wunder, EQD ist ja in Sachen Mono-Reverb-Pedalen sehr bewandert.
Der Stretch-Mode setzt dem Ganzen dann die Krone auf und lässt einen dank der Pitchbending-Effekte tief ins Sounddesign eintauchen. Übrigens verbraucht das Pedal nur ca. 85 mA – sehr schön!
Das Pedal hat jedoch auch den einen oder anderen Haken: Dass es keine MIDI-Funktionalität mitbringt und auch keine Möglichkeit bietet, die User-Presets per Fuß anzuwählen, finde ich persönlich schade. Das hätte deutlich mehr Flexibilität ermöglicht.
Klangbeispiele
Hören wir uns jetzt an, wie das EarthQuaker Devices Towers klingen kann. Um das Pedal in seiner vollen Stereo-Funktionalität sowie bei ansonsten gleichen Einstellungen auch in Mono betreiben zu können, habe ich es in den Stereo-fähigen Loop meines Fractal FM9 gehängt und dort hinter Amp und Cabinet platziert.
Neben meiner Haar 50s T-Style-Gitarre kommt im Fractal ein Morgan AC-20 mit passender 1×12-Box zum Einsatz. Verwendet wurde jeweils eine IR mit einem SM57 sowie einem Beyerdynamic M 160. Im Manual Mode drehe ich den Frequency-Regler von Hand, was die gegenläufigen Sweeps im Stereobild erzeugt.
Beim Expression-Pedal habe ich den Length-Parameter gesteuert, um so nahezu einen Endlos-Hall zu erzeugen. Beim Stretch-Mode kreiere ich die Pitchbend-Effekte durch die Hold-Funktion des Fußschalters. Viel Spaß beim Anhören.

































Hey Matze, vielen Dank für Dein gefühlvolles Gitarrenspiel und den schönen Hall. Ich habe Deine Klangbeispiele echt im Loop laufen lassen und Ambient genossen. Danke nochmals.
@Leuchter Hi Leuchter, vielen Dank!
Es war beim Testen auch schon schwer, nicht die ganze Zeit im Loop zu spielen, sondern den Test irgendwann zu Ende zu bringen. 😁
@Matze Franz Hi Matze,
besten Dank für den feinen Test. Meinst du dass das Teil auch lohnt wenn man es mit Synths und drum machines nutzen würde?
Vielen Dank im Voraus f.d. Antwort! 👏
Beste Grüße
Nikk
@Nikk Rhodes Danke!
Mit Sicherheit würde sich das lohnen! Ich bin überzeugt, dabei würden auch extrem geile Sounds entstehen.
sehr schönes ambient seidentuch.
breit und endloß ohne sicht an das ufer🙂
Poticaps von musicding erworben😉
preis ist stolz man ist lexicon nah an MX series.
danke für test:)
@Viertelnote Danke! Ja, der Preis ist stolz. Aber die Qualität dafür auch 1A
Ein paar Soundbeispiele mit ohne Gitarre wären nett…
@deutscheindustrieprodukte.de Ja, ein Piano oder Vocals als Beispiele wären schön gewesen. Ich predige ja immer, dass Amazona allen Autoren ein paar Beispielsounds vorgibt, die jeder nutzen kann bzw am besten dann auch solle. Dann könnte man auch verschiedene Geräte besser miteinander Vergleichen, wenn die Beispiele immer die selben sind. Bei Verzerrern ist es genauso, da würde ich gerne zb auch mal eine Drummachine hören und nicht immer nur Gitarren. Da einen Standardloop zu haben, den jeder nutzt wäre wirklich und sehr, sehr hilfreich.
@ollo Ja, interessanter Gedanke. Allerdings sind wir ja eine Redaktion für Gitarre und Bass, und das Pedal wird als Gitarreneffekt vermarktet. Da denke ich, liegt der Fokus einfach mehr auf der Gitarre.
Bei den immer gleichen Klangbeispielen ist das meiner Meinung nach so eine Sache. An sich eine gute Idee, aber es passt nicht immer DAS eine Klangbeispiel zu einer bestimmten Soundwelt. Flexiblität und Vielfalt, die dem was man testet gerecht wird, finde ich da angebrachter.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden…
Vielen Dank für den tollen Test! Mir gefallen die Klangbeispiele sehr – super eingespielt 🤘
Eine Frage, die ich mir hinsichtlich des doch recht hohen Preises stelle: Lassen sich solche Sounds nicht auch wunderbar mit einem Modeler wie dem Line6 Helix erzeugen oder gibt es ein Alleinstellungsmerkmal beim EarthQuaker Devices Towers, durch welches Multieffektgeräte nicht mithalten können?
@Dizzy Danke!
Ich wage zu behaupten, dass du mit einem Helix eventuell zu 80-90% ran kommen würdest, wenn du solche Sounds tatsächlich nachbauen willst. Allerdings wahrscheinlich mit viel Schrauberei und Routing-Tricks.
Dann wärst du aber immer noch 10-20% vom Original entfernt und hättest vermutlich sehr viel Zeit investieren müssen.