Test: Ecler Compact 5, DJ / Installations-Mixer

28. März 2019

Analoger Install-Mixer mit DJ-Ambitionen

Ecler Compact 5
Ecler Compact 5 – „Installation analogue Mixer“? Oder „analoger Installations-Mixer“? Ersteres ist die Beschreibung des Herstellers, letzteres das, was für unsere Ohren sicherlich besser klingt.

Der Ecler Compact 5 ist ohne Frage nicht der typische DJ-Mixer, eher schon ein sehr klassischer Rack-Mixer – oder Install-Mixer für die Installation an einer maßgefertigten Stelle, denn der Mixer steht gern schräg. Dazu später mehr.

Der Ecler Compact 5 vereint zwei Dinge, die der Name schon verrät. Er ist kompakt und hat fünf Kanäle. Das Ganze im klassischen 19 Zoll Format auf zwei Höheneinheiten.

Mit einer Tiefe von 20 cm ist der Mixer in der Tat nicht besonders tief. Wirft man einen Blick auf den stehenden Mixer, fällt zudem auf, dass er bei normalem Stand angewinkelt ist. Er kann also gerade im Rack verbaut werden, macht aber deutlich, dass er auch gern gewinkelt verbaut würde. Dafür ist auch die Rückseite angewinkelt, so dass diese nur dann rechtwinklig zum Boden ist, wenn der Mixer angewinkelt verbaut ist. Im klassischen Rack wäre die Buchsenleiste sonst ein wenig gen Himmel ausgerichtet. Am Ende geht also beides:Verbauen im Rack komplett vertikal oder ein wenig angewinkelt am DJ-Pult oder Arbeitsplatz. Alles ist möglich.

Ecler Compact 5 – ein erster Blick

Schon aufgrund seiner Eingänge ist der Ecler Compact 5 „vielseitig einsetzbar“, so wie der Hersteller schreibt.

Insgesamt bietet der Compact 5 6 Line-Eingänge, 3 Mic-Eingänge sowie 2 Phono/Line-Eingänge. Diese verteilen sich auf die fünf Kanäle, die auf der Front zu finden sind.

Ecler Compact 5

Ecler Compact 5 – ein Blick auf die Front

Die Aufteilung ist dabei wie folgt:

Kanal 1: Line A, Line B / Phono
Kanal 2: Line A, Line B / Phono

Kanal 3: Line, Mic, Aux
Kanal 4: Line, Mic
Kanal 5: Line, Mic

Kanal 1 und 2 bieten also je einen Line- oder einen Phono-Eingang oder jeweils zwei Line-Inputs. Dafür muss jeweils der zweite Input bestimmt werden, ob er Line-Level oder Phono-Level besitzen soll. Das passiert auf der Rückseite.

Schauen wir dort einmal kurz hin.

Die Rückseite präsentiert primär Cinch-Buchsen für die Inputs, zudem drei XLR-Inputs und zwei XLR-Outputs. Klar, die Cinch-Eingänge sind für die Eingänge der Kanalzüge, ebenso die drei XLR-Inputs für die Mikrofone für die Kanalzüge 3,4 und 5.

Ecler Compact 5

Und die Rückseite …

Raus geht es rückseitig auf drei Wegen. Out 1 per XLR, Out 2 per Cinch, zudem gibt es noch einen Record-Ausgang im Cinch-Format.

Das wäre es dann auch schon gewesen an der Rückseite.

An der Vorderseite gibt es die fünf Kanalzüge, Kanal 5 aufgrund eines Mikrofoneingangs ein wenig umfangreicher.
Jeder Kanalzug verfügt über einen kleinen Kippschalter für die Wahl des jeweiligen Eingangs, Gain-Regler, 3-Band EQ wie auch einen Line-Fader.
Der Gain-Regler sieht ein wenig so aus, wie als wäre die Poti-Kappe verloren gegangen. Kleiner, dünner Kunststoff-Stift mit einer Einbuchtung für einen Schraubenzieher. Dieser wird aber gar nicht benötigt, man kann den Gain-Regler problemlos mit den Fingern bedienen. Der Gain-Bereich reicht von -20 dB bis +20 dB und ist damit ausreichend für jeden Line-Zuspieler wie auch für die notwendige Anhebung des Signals bei einer Schallplatte als Quelle.

Drei Potis, drei Bänder. Die drei Bänder sitzen bei 100 Hz, 1,8 kHz und 10 kHz. Die Anhebung, bzw. Absenkung ist bei den drei Bändern unterschiedlich. Sie liegt bei +/-12 dB (Low), +/-15 dB (Mid) und +/-11 dB für die Höhen. Diese Unterscheidung ist, so zumindest mein Empfinden, hörbar bei Nutzung des EQs, gerade bei einer starken Absenkung. Leider kein Full-Kill, aber dem vollen DJ-Anspruch will und muss der Mixer vielleicht auch gar nicht genügen. Oder vielleicht doch, aber halt nicht dem, der Full-Kill möchte.

Ecler Compact 5

Die Kanalzüge des Ecler Compact 5

Ansonsten? Es gibt für den Kanal 5, bei dem sich Line und ein Mikrofon den Kanal teilen, eine zweite Einheit daneben, denn hier gibt es eine Talk-Over-Funktion wie auch den Anschluss (XLR) selbst. Hier können zudem 2 Parameter des Talk-Overs eingestellt werden, sowohl Time (0,3 – 3 Sekunden) und Effect (0 bis -30 dB). Dies geschieht anhand von zwei Reglern, stufenlos. Sofern gewünscht, gibt es übrigens zuschaltbare Phantomspeisung.

Weiter rechts folgt dann die „Master-Sektion“ mit Master-Metering (Stereo, 5 LEDs), welches post Fader ist, aber pre Master-Level-Regler. Hiervon gibt es zwei, denn es gibt auch zwei separate Ausgänge. Für das Einpegeln gilt, lieber etwas sanfter, denn wenn im Kanalzug die rote „Peak-LED“ aufleuchtet, dann ist man beim Master (da ja pre Master-Regler) schon deutlich im Plus. Also, Signal-LED im Kanalzug ist cool, Peak-LED besser nicht!

Natürlich gibt es hier auch noch den Kopfhörerausgang samt Level-Regler. 6,3 mm Klinke, kein Cue-Mix, kein Split-Cue.

Der Ecler Compact 5 in der Praxis

Nachdem die „Theorie“ ja nun schon so ausführlich war, gibt es für die Praxis gar nicht mehr so viel zu berichten.

Anschlussseitig dürften keine Überraschungen auftreten, ich nutze primär die ersten Kanäle für Phono, dahinter für Line, denn Phono gibt es nur auf Kanal 1 und 2.

Ein wenig ungewöhnlich ist das Einpegeln über die kleinen Potis, funktioniert aber einwandfrei und hat auch den großen Vorteil, dass an diesem Poti, sollte der Mixer irgendwo festinstalliert sein, vielleicht weniger unfachmännische Hände herumdrehen. Die Quellen-Auswahl läuft über die kleinen Kippschalter und funktioniert ebenso einwandfrei. Klanglich kann der Mixer ohne Frage überzeugen und auch mit dem EQ kann man gut arbeiten. Die unterschiedlichen Ranges spürt man, so fühle ich es zumindest, ich hätte mir bei den tiefen Frequenzen mehr Range nach unten gewünscht, also eine höhere mögliche Abschwächung.

Zum Thema Gain habe ich ja schon etwas gesagt: Wenn die Clip-LED im Kanalzug leuchtet, ist man schon bei +10 dB. Da der Mixer analog ist, hat es noch keine (für mich) hörbaren Verzerrungen erzeugt, allerdings hat der Mixer auch keinen Headroom. Gut ist das also definitiv nicht und man sollte schauen, dass man so einpegelt, dass man am Master-Metering nicht (oder nur sehr selten) über die 0 dB geht.

Ein Pluspunkt des Mixers sind natürlich die regelbaren unterschiedlichen Ausgänge. So können zwei Räume gleichzeitig beschallt werden, allerdings mit unterschiedlichem Pegel. Ich nutze den zweiten Ausgang aber zum Beispiel am Xone:92 oder Xone:96 sehr gern für das Recording, denn das Output-Level ist regelbar ab Mixer. Aber wie erwähnt hat der Ecler Compact 5 auch einen separaten Rec-Out.

Auch sehr schön finde ich den frontseitigen Aux-In. Gerade wenn das Gerät verbaut ist, umgeht man so das Problem, dass man am Mixer nicht „schnell einmal ein Handy anschließen kann“. Ein Klassiker. Kann ich mal kurz…das wird im Club nicht passieren, aber in der Bar? Das gute 3,5 mm Klinke auch Cinch-Kabel findet so hier frontseitig einen Anschluss. Landen tut das Signal dann auf Kanal 3, Aux-In.

Schön, wenn vielleicht auch ein wenig zu viel ist die einstellbare Zeit und Pegel der Talk-Over Funktion. Also, die Idee ist super, die Frage ist nur, wie viele Nutzer eines Install-Mixers am Ende damit umgehen können. Meine Sorge wäre eher, dass hier immer fröhlich an den Reglern gedreht wird von Leuten, die glauben, damit könnte man „laut“ machen. Aber, danke für die Option. Ist der Mixer in fachmännischen Händen, kann die Option auf eine solche Einstellung auf jeden Fall hilfreich sein für die „Ansprachen“.

Qualität und Haptik

Qualitativ und haptisch gibt es eigentlich keine Besonderheiten. Der Mixer ist massiv gebaut und macht einen guten Eindruck. Rein qualitativ gibt es keine Beanstandung. Haptisch muss ich sagen, hätte ich mir ein wenig mehr Wertigkeit bei den Poti-Kappen und Fader-Kappen gewünscht. Diese sind alle von der „leichten“ Sorte, was bei einem kleinen Rack-Mixer für fast 600,- Euro nicht sein muss. So fühlen sie sich leider auch an. Das ist ok, es ist kein reiner DJ- oder Battle-Mixer, ich wollte es nur erwähnen. Leider sitzen diese auch alle auf Kunststoff-Stiften.
Das ist aber auch das einzige, was ich zu dem Punkt Haptik anzumerken habe.

Ecler Compact 5

Fazit

Solider Mixer der Ecler Compact 5. Sehr gut gefällt mir das kompakte Format des Mixers trotz der 5 Kanäle. Mit zwei Phono-Eingängen, fünf Line-Eingängen und 3 Mikrofoneingängen deckt der Mixer sicher schon viele Möglichkeiten ab, frontseitig befindet sich zudem ein weitere Aux-In.

Sicher ist der Ecler Compact 5 kein klassischer DJ-Mixer, was man beim Fader, aber auch bei den fehlenden Funktionen wie Split-Cue oder Cue-/Mix Regler merkt, ebenso bei den Poti-Kappen. Er ist eher ein DJ-tauglicher Installations-Mixer, der beide Bereiche abdecken kann. Klar aber auch wird der Compact 5 als Install-Mixer vom Hersteller beschrieben für „non technical and expert users“. Diesem Anspruch wird der Mixer in jedem Fall gerecht und leistet hier gute Dienste.

Runde Geschichte für knapp unter 600,- Euro, die der Mixer aufgrund der von Ecler bekannten Qualität ohne Frage auch wert ist. Wer einen solchen Mixer verbaut, wird wollen, dass dieser ein Leistungstier ist und viele Jahre hält. Das kann man beim Ecler Compact 5 sicher erwarten.

Plus

  • schlankes Format
  • reichhaltige variable Eingänge
  • 2 Mic-In samt Phantomspeisung

Minus

  • Poti-/Fader-Kappen von der günstigen Order

Preis

  • Ladenpreis: 598,- Euro
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