Test: Edirol R09 MP3/WAV

21. September 2006

Edirol R09

MP3 Deluxe
Nun man mag denken, dass 450 Euro für einen MP3-Player etwas zu viel des Guten sein könnten. Auch wenn dieser eine Aufnahmefunktion bietet, gibt es schon für unter 100 Euro Geräte mit Line-Input oder Mikrofon. Ihnen als Leser ist natürlich klar, dass es einen Unterschied zwischen Konsumer Diktiergerät und Studio/Broadcast gibt und somit ist der Edirol R09 ein heißer Kandidat für eben diesen Bereich.

Edirol R09

Edirol R09

ErrNullNeun
Nach dem Auspacken schaute ich nochmals ungläubig auf die Verpackung, aber da stand nicht etwa BRAUN drauf, sondern wirklich Edirol. In meiner Hand wirkt der R09 in Punkto Form, Gewicht und Material eher wie ein Rasierapparat. Das Hochwertig verarbeitete Kunststoff-Gehäuse wiegt inklusive Akkus genau 150 g, so dass man den R09 eigentlich direkt an die Tonangel hängen könnte.

Frontseitig leuchtet ein weiß/blaues LCD unter dem die „Laufwerks“-Tasten positioniert sind. Links und Rechts finden wir Power-Schalter, Level-Tasten für Ein- und Ausgang sowie den Kopfhörerausgang, der in Form einer profiresistenten 3,5 mm Klinken-Kombibuchse ausgeführt ist. Kombibuchse deshalb, da man hier auch alternativ ein Optisches Kabel anschließen kann. Die seitlichen Anschlüsse sind in rutschfestem Gummi integriert, was dem R09 halt in der Hand gibt.

Rückseitig finden wir vier Schiebeschalter für automatische Gain-Kontrolle, Trittschallfilter, Mikrofontypwahl und Mikrofonpegelwahl. Wie es sich für ein transportables Gerät gehört, gibt es auch eine Lock-Funktion, die als Schiebeschalter unbeabsichtigtes Bedienen effektiv verhindert.

Die Oberseite des R09 ist wohl am interessantesten, denn dort thronen Links und Rechts, geschützt durch echtes Lochblech, zwei Kleinmembran-Kondensator-Mikrofone für Stereo-Aufnahmen. Dazwischen wurden der unsymmetrische Line-Eingang in Form eine 3,5 mm Klinkenbuchse und der 3,5 mm Klinkeneingang für das externe Mikrofon positioniert. Das schöne ist nun, dass der R-09 sowohl externe dynamische Mikrofone in Stereo und Mono als auch externe Mono Kondensator Mikrofone akzeptiert, da er eine eingebaute Phantomspeisung besitzt. Über die Spannung schweigt sich die Anleitung aus, aber da der R09 mit nur zwei Mignon (AA) Akkus betrieben wird ( 2,4 Volt ) dürfte die Phantomspannung auch mit DC/DC-Konverter nicht über 9 Volt liegen.

Aufnahmezeiten

Aufnahmezeiten

Der SD-Card Slot akzeptiert Medien bis 2 GB, was für eine maximale Aufnahmezeit von 4000 (!) Minuten Stereo Audio ermöglicht. Dieser erschlagende Wert relativert sich, denn er bezieht sich auf MPe mit 64 kbps, was ungefähr etwas besser als Handy-Qualität ist. Bei 24 Bit und 48 kHz kommt er mit der mitgelieferten 64 MB Karte auf schlappe 3 Minuten, aber für diesen hochqualitativen Anwendungsbereich ist der R09 aufgrund der AD-Wandler sowieso nicht optimal ausgelegt.

Seitenansichten R09

Seitenansichten R09

Effekte
Als besonderes Bonbon hat Edirol der Featureliste einen Hall-Effekt spendiert, der gleich vier Algorithmen bietet, Hall 1+2, Room und Plate. So ein Effekt macht natürlich Hunger auf mehr, und so hätte ich auch nichts gegen einen Kompressor, ein Gate und einen Equalizer gehabt, denn mit der Rechenpower eines Reverbs hätte man so etwas sicherlich auch realisieren können.

USB 2.0
Ganz up to date verfügt der R09 schon über den USB 2.0 Standard, so dass der Datentransfer zum Laptop sehr schnell erfolgt. Da er den generischen Treiber für Wechsellaufwerke benutzt, klappt das Anstecken ohne Murren sofort. Leider kann der R09 nichts mit den 5 Volt des USB anfangen und benötigt somit immer Batterien oder das mitgelieferte Netzteil um zu funktionieren. Das erinnert mich stark an meine Digitalkamera …

Zubehör

Zubehör

Audioqualität
Die Audioqualität des Edirol R09 ist für ein Gerät dieser Klasse sehr gut, wenn nicht sogar erstklassig. Der Rauschpegel bewegt sich erwartungsgemäß bei Benutzung des Line-Eingangs bei ca. -90 dB, was für ein Gerät mit nur 2,4 Volt Betriebsspannung auch das höchste der Gefühle ist. Bedingt durch den MP3 Kompressions-Algorithmus können diese Werte bei MP3 etwas niedriger (besser) ausfallen, aber nicht signifikant. Von echter 24 Bit – Aufnahmequalität kann hier freilich keine Rede sein, aber reale 16 Bit – Dynamik inklusive einem Bit natürlichem Ditherrauschen kann nun auch wirklich keinen Broadcast-Profi verschrecken. Der pingelige Profi-Toningenieur wird zur Aufnahme eines Flügels oder Streicherquartetts dann lieber zu etwas besserem greifen. Alles in allem ist der Edirol R09 also für jegliche portable Session zu empfehlen. Möchte man die internen Mikrofone benutzen schränkt sich die Nutzbare Dynamik auf ca. 60 dB ein, gemessen mit einem Sprachsignal in einem nächtlichen Wohnraum mit geschlossenen Fenstern. Bei lauteren Schallereignissen nimmt man die Eingangsverstärkung zurück und erreicht dadurch einen höheren Signal-Rauschabstand.

Optionales Mikrofon

Optionales Mikrofon

Fazit
Als Broadcast Interview Nagra der Neuzeit oder besser ausgedrückt als professioneller transportabler 2-Spur Recorder ist der Edirol R09 ein wirklich emfehlenswertes Gerät. Hinsichtlich der 24 Bit gibt es zwar Einschränkungen in der Klangqualität (siehe Test), die aber in der Praxis in den Anwendungsbereichen eines R09 nicht ins Gewicht fallen. Toll ist die Reverb-Funktion, sowie natürlich die Echtzeit-Aufnahme in MP3 Qualität bis 320 kbps, was nahezu CD-Qualität entspricht.

PLUS
+++ leicht und kompakt
+++ gute Audioqualität
+++ eingebautes Stereo Mikrofon
+++ leichte Bedienbarkeit
++ gutes Gehäuse

MINUS
— Aufnahmen in Mono nicht möglich

PREIS

UVP: 459 Euro
Straßenpreis: 420 Euro

HERSTELLER
www.edirol.com

Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Es gibt hier 3 Klangbeispiele, wo man denken könnte, dass der Edirol allein mit dem internen Mikrophon eine sehr gute Klangqualität hat. Wie wurden diese Aufnahmen tatsächlich gemacht?

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    lt. Herstellerangaben gibt es eine Update Software die auch 4GB Speicherkarten unterstützt !!

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    In vielen Foren hört man, dass der R-09 stark rauscht! Haben die das mittlerweile im Griff oder wird das hier einfach nur unter den Tisch gekehrt?

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    Das erwähnte Rauschen bezieht sich fast immer auf: MicGain = High und Inputlevel hoch eingestellt, z.B. bei Outdoor-Aufnahmen (sehr leises). Bei Aufnahmen bspw. Akustikgitarre, Klavier, nahe Stimme ist oft MicGain = Low und Inputlevel niedriger gesetzt. Details im R09-Guide Book oder Handbuch (www.edirol.de). ps: eine Alternative: der Zoom H4 kann auch mit externen Kondensatormics (Phantom Power 48V), ist mir aber zu hässlich ;-)

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    Gibt es zu dem Edirol eine günstigere Alternative (wie sieht es mit sony md nh700 und einem Mikro ecm ms907 aus? Hat jemand damit Aufnahmeerfahrungen gemacht?

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    also,
    hab was gefunden zum thema Rauschabstand.
    für highgain max. sind 7mV am Eingang bei 40dB SNR angegeben. macht also 70µV Rauschspannung bzw. ~500nV/sqrt(Hz). Ein äußerst schlechter Wert – dynamische Mikrofone sind so nicht zu benutzen. Die 30 Stufen beim input-level=30db absenkung, also 1db pro Schritt. Highgain hat 30db niedrigere Verstärkung, also min. 70db SNR bei 0,2V am Eingang. Bei input-level 1 müsste diese dann 6 Veff sein – entspricht dem Maximaloutput bei Kondensatormikrofonen bei 48V, ob diese das schaffen kann ich noch nicht testen.
    die Phantomspannung die es selber liefern kann, ist die batterie-/Akkuspannung.

    Summary SNR bei 775mV:
    80db Mic, 90db ine.p

    s: wie hoch darf der max. linepegel werden?
    Aus nem diy-Mic-Pre (opamp) kommen 4V raus, begrenzt nicht.
    theoretisch müssten 23Veff möglich sein, also 60Vss…

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    nachtrag maximalpegel – gemessen mit 50hz:
    2V mic in, 3V line in

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    nachtrag korrektur:
    hatte die maximalpegel ohne übertrager direkt vom netzteil gemessen, was den akku quasi kurzschloss. also nochmal:
    line-in max. 3V in position 4,
    775 mV in pos. 20 ->
    also 77mV bei pos. 30.
    hab ebenso den snr bei line-in geprüft:
    70 db bei pos. 30 – entspricht den mic low gain – sinkt bis auf 80db ab.
    könnte theoretisch behaupten, der mic lowgain=line-in…
    also der rauschgenerator ist nicht der wandler, sondern der DC/VCA.
    -80db rauschen klingen eh besser bei 24bit als bei 16bit – hier machen 24bit durchaus sinn:
    24bit 'natürlich analog', 16bit eben harsch (mit audiophile 2496 gelauscht).

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    Ich kann das Edirol für Radiobeiträge nur empfehlen, allerdings sollte man mit externem Mikro produzieren (siehe Mono Problem). Was von großem Nachteil ist, ist der Batterieverbrauch. Meine 2 AA Batterien reichen höchstens 3 Stunden, bereits nach 15 Minuten Interview zeigt mir das Gerät an, dass es nur noch 3/4 voll ist.. WOW, was für ein Verschleiß. Hab mir jetzt aufladbare Akkus gekauft…

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    Mit 2 AA Akkus über drei Stunden Aufnahmezeit kann ich bestätigen und find ich wunderbar. Ist kein Problem, weil ich Wechselakkus immer dabei habe. Extrem sensibel allerdings ist die Batterieabdeckung, die einen hektischen Profialltag sicherlich nicht lange übersteht.

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    akkus…
    hab mal ein experiment gemacht:
    mit frischen vollen stength 2,9Ah nimmt er bei 128 kbps mp3 über 7h auf. der zugriff auf die SD-Karte braucht merklich strom – WAV ned getestet, weil Karte zu klein…
    hab einen erhöhten klirrfaktor oberhalb -6db des wandlers festgestellt…

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    Hi!

    Heute habe ich mir den o9er zugelegt, öffne die Schachtel, finde die Bedienungsanleitung aber ausschließlich auf Englisch. Gibt es dazu eine deutsche? Ist doch eigentlich gesetzl. vorgegeben, dass in Deutschland verkaufte Produkte – egal woher – auch die Anleitung auf Deutsch haben müssen…oder?

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      Haben Sie schon eine deutsche Bedienungsanleitung für den Edirol R09 gefunden? Wenn ja, bitt um Angabe der Bezugsquelle.

      Vielen Dank im voraus

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        Macello10

        Guten Tag,
        ich habe leider auch keinen Erfolg bei der Suche nach einer Bedienungsanleitung für EDIROL R-09HR.Falls sie doch inzwischen eine Bedienungsanleitung bekommen konnten, wäre ich an Ihrer Quelle sehr interessiert.
        Vielen Dank

  13. Avatar
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    Weiss jemand, ob man mit dem Edirol R-09R auch auf vorhandene Playbacks drauf singen kann??

  14. Avatar
    AMAZONA Archiv

    katja – nein, das kann er nich – nur 2 spuren.
    der Zoom H4 kann das aber :) 2 record, 2 play.

    crock – dt. anleitung – eig. ja, is aber noch ein nischenprodukt, lohnt sich nicht.

    birgit: batterien – in der anleitung steht, der zieht 360mA. Batterien ham eh einen höheren innenwiderstand als akku, können also nur weniger strom liefern und die spannung geht auch runter (bei akku bis ~10% füllstand weitgehend konstant).
    deswegen sollten ja Alkaline verwendet werden, billig-zink-kohle kannste beim leerwerden zuschauen :)

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    Also ich verwende den R09 mit einem AKG C-1000 Mikrofon. Hinten habe ich auf Mono geschaltet und ich bin sehr zufrieden.

    Das eingebaute Mikrofon verwende ich bei reportagen für "atmo"

    Also ich finde das produkt sehr gelungen..

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