Test: Electro Harmonix 1440, Stereo Looper

8. Dezember 2020

Looping in Stereo - der EHX 1440

Das Interesse an guten Loopern ist nach wie vor ungebremst. In der Hinsicht wurden wir von Boss zuletzt mit guten, bisweilen auch sehr guten Loopern versorgt: Der Boss RC-500 und der Boss RC-5 sind für Singer-Songwriter besonders gut geeignet. Das Feld ist groß – von Megaboards à la dem Headrush Looperboard bis hin zu Mini-Loopern wie dem Tensor geht so ziemlich alles. Einer der spannendsten Looper überhaupt – der Montreal Assembly Count to 5 – ist beispielsweise in Deutschland nicht erhältlich. Dabei hat er, wie viele andere Looper, auf eine ganz selbstverständliche Art und Weise ein großes Manko: Ein Großteil der Looper auf dem Markt arbeiten ausschließlich in Mono.

Man muss es EHX lassen: Sie wissen, wie es um den Markt steht und verstehen es, Lücken zu schließen. Der Electro Harmonix 1440 ist natürlich nicht der erste Stereo-Looper in dem Format – zuletzt haben Pigtronix mit dem Infinity Looper 2 eine ähnliche Nische bedient und das Gerät ist kleiner und handlicher als der EHX 1440 Stereo Looper. Doch dafür kann der hier mehr – von einer größeren Aufnahmezeit bis hin zu MIDI und mehr. Grund genug für uns, genau hinzusehen.

Electro Harmonix 1440 Looper für Gitarre und Synthie

MIDI bei Loopern ist schon eine tolle Sache. Wir haben in diesem Gitarren-MIDI-Special erschöpfend die Vorteile von MIDI für Gitarristen zusammengefasst. So kann beispielsweise, wenn im Bandkontext eine Masterclock an mehrere Instrumente und Pedale rausgibt, ein Looper, der eine Slave-Funktion annehmen kann, ein echtes Geschenk sein und dafür sorgen, dass eure Loops der Band nicht davonlaufen. Zugegeben – gar nicht so leicht, eine stabile MIDI-Clock-Lösung für den Bandkontext zu finden, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Test EHX 1440 Stereo Looper

Der EHX 1440 Stereo Looper besitzt ganze 1440 Sekunden Aufnahmezeit – das entspricht einer maximalen Stereo (!)-Aufnahmezeit von 24 Minuten. Er ist die Erweiterung des EHX 720, das ebenfalls mit Stereo auskam, aber weniger Aufnahmezeit, weniger FX und kein MIDI hatte. Ich kann mich erinnern, den 720 ein paar Mal gespielt zu haben – nach nur wenigen Overdubs begann das Kratzen und Übersteuern. Ich hoffe, dass das für den EHX 1440 kein böses Omen ist. Das Gerät besitzt insgesamt vier Regler und vier Buttons, zwei Fußschalter und ein paar LEDs, die den Status der Loops angeben. Die Regler übernehmen folgende Funktion:

  • Level: Erlaubt es, den Output-Level des Loops einzustellen, während das „Dry-Signal“ gebuffert wird.
  • Tempo: Einstellen der Geschwindigkeit des Playback des Loops – das kann inzwischen fast jeder Looper. Beim EHX 1440 reicht der Range von 60 bis 240 bpm, das Gerät kann also maximal den Loop doppelt oder halb so schnell wiedergeben, was traditionell auch bedeutet, dass sich die Tonhöhe des Loops mit dem Tempo verändert.
  • Overdub: Ein korrektiver Regler, der es erlaubt, die unteren Spuren des Overdubs in Sachen Lautstärke zu justieren. Kann durchaus hilfreich sein, um der Overdub-Übersteuerung entgegenzuwirken und vorhergehende Spuren mit jedem Loop-Zyklus leiser werden zu lassen. Auf Maximum bleibt die Lautstärke des Loops konstant.

Der Mode-Regler erlaubt das Zuweisen bestimmter Modi, die auf dem Display angezeigt werden. Hier kann man durch die aufgenommenen Loops schalten oder dem Stop-Schalter einen Effekt zuweisen – beispielsweise die Reverse-Funktion, die dafür sorgt, dass der Loop rückwärts abgespielt wird oder der Octave Button, der das Tempo des Loops halbiert und die Tonhöhe um eine Oktave herabsetzt. Über den Mode-Regler kann auch RV.OC dem Stop-Schalter zugewiesen werden: Octave und Reverse werden gleichzeitig getriggert. Auch fein: Die Trig-Funktion im Mode erlaubt es, Loop-Start beliebig oft neu zu triggern. Darüber hinaus besitzt der EHX 1440 die einfache, aber coole One-Shot-Funktion, die mit dem 1-Shot-Knopf aktiviert wird: Der Loop wird ein Mal abgespielt. Der EXT CLK Knopf erlaubt es darüber hinaus, wie eingangs erwähnt, eine externe Clock zu empfangen und mit der Fade-Funktion kann man einstellen, ob der Loop schlagartig stoppen soll oder langsam abklingt.

Test EHX 1440 Stereo Looper

EHX 1440 Stereo Looper – MIDI, FX und Overdubs

Der EHX 1440 Stereo Looper kann im Loop-Modus darüber hinaus 20 Bänke mit Loops besetzen. Doch das Spannendste dürfte seine Optionen hinsichtlich der MIDI- und Clock-Funktionen sein. Der EHX 1440 besitzt zwei Haupt- und zwei Submodi für die Clock:

  • Beat Clock, pro Takt vier Beats, keine Reaktion für MIDI-Start
  • komplette Synchronisation mit external Clock, 4 Beats pro Takt
  • Beat Clock, pro Takt drei Beats, keine Reaktion für MIDI-Start
  • komplette Synchronisation mit external Clock, 3 Beats pro Takt

Im External-Clock-Modus beginnt die Aufnahme einen Beat, nachdem der Loop-Fußschalter betätigt wird. Wichtig hierbei: Je nachdem, in welchem Modus man sich befindet, lässt sich der Playback-Mode nur über MIDI triggern – und zwar im Hauptmodus, wo die Synchronisation komplett über die MIDI-Clock läuft. In den Submodi sind die Trigger für Playback und Overdubbing davon nicht betroffen. Im Grund genommen eignen sich die Submodi für den klassischen Bandkontext also besser, während die Hauptmodi für die Nutzer von Synthesizern mit einem umfassenden Synthesizer-Setup mehr Sinn ergeben. Insgesamt aber eine EHX-typische Vielfalt an Optionen und durchdachten Tricks, die man hier für einen guten Preis präsentiert bekommt. Der EHX Loop Manager, der die Extraktion und Speicherung der Loops und Audiofiles per USB ermöglicht, setzt dem Ganzen definitiv die Krone auf.

Wir haben uns darüber hinaus an ein paar Stere-Loops versucht, um die Praktikabilität des EHX 1440 zu überprüfen. Wie bereits erwähnt: Die Demonstration von Looper im Praxisrahmen erweist sich bisweilen als schwierig, denn repräsentativ ist da wenig. Wie leistungsfähig der Chip des Pedals ist, wirkt sich darauf aus, wie sauber die Overdubs zum Vorschein kommen. Erfahrungsgemäß wird es bei vielen Loopern nach 3 Overdubs bereits kritisch. Das hängt vom Frequenzrahmen ab, den man mit seinen Overdubs hauptsächlich einnimmt, aber auch die Überschneidungen der Frequenzbereiche kann bisweilen zu einem hässlichen Kratzen führen.

So bastelst man mit dem EHX 1440 Stereo Looper

Um mit den Stereo-Kapazitäten zu spielen, nutzen wir das Polymoon Delay von Meris, das in Stereo meiner Meinung eins der besten Soundshaping-Tools für Gitarre überhaupt ist. Ansonsten speisen wir den EHX 1440 in Stereo in das Audiointerface direkt ein und sparen uns eine Nachbearbeitung in der DAW.

Ein Looper Pedal zu demonstrieren, ist immer so ein Ding – auf Audioebene lässt sich selten etwas einfangen, das wirklich klar und deutlich von einander abgerenzt ist und diesen Looper auszeichnet, wenn nicht gerade völlig verrückte FX-Optionen zur Verfügung stehen wie beim Headrush Looperboard. Ich wählte den Polymoon, um Stereo hervorzuheben sowie die FX-Optionen besser zum Ausdruck zu bringen. Das Handling ist so einfach, wie es bei den guten Loopern eben ist: Die Aufzeichnung beginnt durch die Betätigung des Loop-Fußschalters. Ich bin beim Loopen den Momentary-Modus gewohnt – schade, dass der EHX 1440 nicht die Möglichkeit bietet, zwischen Latching und Momentary zu schalten. Die Zuweisung der FX-Möglichkeiten an den Stop-Schalter ist für das Spiel absolutes Gold wert. Die Undo-Funktion verläuft so, dass man den Loop-Fußschalter zwei Sekunden gedrückt hält – zack, ist die letzte Spur weg, sofern die nicht gut gelaufen ist. Es ist durchaus praktisch, die Loops mithilfe des Editors anzulegen, obwohl der Speicherumfang mit 24 Minuten für den Preis beachtlich ist.

Wie robust ist der Arbeitschip des 1440? Beginnt die Übersteuerung zu schnell nach nur wenigen Overdubs oder bleiben die aufgenommenen Spuren klar und wahrnehmbar? In der Hinsicht überrascht mich der EHX 1440. Ich hätte angenommen, dass EHX eben an dieser Stelle sparen. Tatsächlich ist der Overdub-Regler hier wirklich praktisch – das Klangbild kann hierüber entschärft werden, wenn sich eine Übersteuerung anbahnt. Im ersten Klangbeispiel mache ich gegen Ende genau das. Bei den anderen Klangbeispielen kamen in erster Linie die FX-Optionen zum Einsatz.

 

Fazit

MIDI-Anschluss, 24 Minuten Aufnahmezeit, ein Editor zum Speichern und Hinterlegen der Loops und die Stereo-Kapazitäten – der EHX 1440 macht für den Preis so ziemlich alles richtig. Ein paar Schönheitsfehler hat das Gerät nichtsdestotrotz: wenig FX und kein Momentary-Mode – ein bisschen schade, aber verkraftbar. Gute Arbeit, EHX!

Plus

  • viel Aufnahmezeit
  • Editor
  • Stereo
  • MIDI

Minus

  • wenig FX
  • kein Momentary-Mode

Preis

  • 199,- Euro
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