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Test: Electro Harmonix Mod Rex, Polyrhythmic Gitarren Pedal

26. März 2019

Der König unter den Modulationspedalen?

Mod Rex

Electro Harmonix Mod Rex

EHX kündigt an, die Szene horcht auf: Die New Yorker Pedalschmiede ist und bleibt relevant. Wir schreiben das Jahr 2019 und seit ihrer Gründung Ende der 60er Jahre hat EHX eine in der Geschichte der Pedal-Welt einzigartige Karriere hingelegt. Mehrere Faktoren spielen hier mit rein: EHX versteht es, sich an Traditionellem zu versuchen, ohne dabei wie ein müder Abklatsch zu wirken. Und EHX wagt es, Konzepte neu zu denken, Altbewährtes auf eine Weise zu synthetisieren, die Markt-Konkurrenten dumm aus der Wäsche gucken lässt. Nun gut, nicht alles ist ein Hit, aber EHX lernt aus seinen Fehlern. Und versteht es, auf jedem Gebiet zu glänzen: Sei es eine preisgünstige und über alle Zweifel erhabene Reverb-Maschine oder ein Loop-Flaggschiff: Electro Harmonix machen munter weiter und sorgen dafür, dass das Handwerk spannend bleibt – vor allem für sich selbst.

Ein besonderes Zeugnis dafür dürfte der nun bei uns eingeflatterte und mit Spannung erwartete Mod Rex sein. Königliche Modulation soll hier für einen super Preis geboten werden. Durch ein ausgeklügeltes Konzept steht einem eine irrsinnige Bandbreite an Modulationsmöglichkeiten zur Verfügung, Sektoren-Magie und cleveres Handling. Stichwort: Polyrhythmik durch LFOs. Ist das neu? Nicht unbedingt. Aber EHX hat offenbar die Köpfe zusammengesteckt und ein interessantes Konzept zustande gebracht. Clever – und so naheliegend im Prinzip, dass man sich fragt: Wieso ist da noch niemand vorher drauf gekommen? Wir schauen genauer hin!

Electro Harmonix Mod Rex – Facts & Features

Was also ist der Mod Rex? Eine Modulations-Wunderbox, ein Spielkind, eine Maschinerie für Geistesblitze. Dick aufgetragen? Nicht mal, aber das Potential für rhythmische Spielereien durch unterschiedlich getaktete LFOs trifft man in Pedalform eher selten an. Ehe wir uns aber den Details zuwenden, erst mal die Eckdaten des Mod Rex auf einem Blick:

Robustes Gehäuse, mit der für EHX so charakteristischen silbernen Umrandung und Maßen von 145 x 120 x 61 mm, fast 600 g und abnehmbare Gummifüßchen – so weit, so gut. Weitere Überraschungen bleiben ebenfalls aus: Keine Batterieversorgung, dafür aber ein im Lieferumfang enthaltenes 9,6 Volt Netzteil.

Electro Harmonix Mod Rex side 1

 

Auffällig bei erster Betrachtung: Die Anzahl der Anschlüsse an der Seite und die MIDI-Buchse auf der Stirnseite. Mit anderen Worten – im Jahre 2019 eine Modulationskiste auf den Markt zu werfen, die keine MIDI-Kompatibilität besitzt, dürfte inzwischen schlichtweg als grober Schnitzer durchgehen. Beim Mod Rex, der mit Drum-Maschinen oder Synthesizern besonders gut harmoniert, ist das umso erfreulicher und war trotzdem (irgendwie) zu erwarten. Das heißt ganz konkret: Ändern der Modulationsrate und Synchronisation von Tempo sind durch PC- und CC-Befehle ganz einfach möglich.

Doch damit hört das Ganze nicht auf. Immer daran denken: Wir bewegen uns hier in der 200-300 Euro Preisklasse. Ein Expression-Pedal für das Ändern der Modulationsgeschwindigkeit kann ebenfalls angeschlossen werden, ebenso ein externer Fußschalter an der FC-Buchse für das Navigieren durch die 100 Speicherplätze für Presets oder eine externe Pulse-Clock. Und als ob das nicht genug wäre, bringt der Electro Harmonix Mod Rex auch ganz brav Stereofähigkeit mit ins Spiel. Also was die Features für so einen modulierenden Allrounder angeht, wurde wirklich an alles gedacht.

Aber gehen wir ans Eingemachte: Das Bedienpanel!

Electro Harmonix Mod Rex – Bedienpanel

Ein buntes, dicht bestücktes Panel vor dunkelblauer Kulisse – was genau geht hier vor sich? Nun, es dürfte zunächst helfen, sich zu vergegenwärtigen, dass der Mod Rex vier Sektoren hat. Vier Sektoren, die auch von links nach rechts aufgeteilt sind – MOD, TREM, PAN, FILTER.

  • MOD: Wie der Name vermuten lässt, geht es hier an die typische Nomenklatur für Modulationen. Vier kleine Lichter, die jeweils entweder Vibrato, Flanger, Chorus oder Phaser darstellen, sowie kleine Potis: DEPTH, das sich der jeweiligen Effektklasse (LFO-Regelung für Phaser, Modulationsstärke bei Chorus und Flanger) anpasst sowie das Resonanz- bzw. Feedback-Poti. Ein bisschen eng, das alles, ein bisschen viel auf sehr kleinem Raum, aber das ist zu verschmerzen.
  • TREM: Diese Modulationsklasse bekommt ihre eigene Sparte bzw. ihren eigenen Sektor. Inwiefern das Sinn ergibt, werden wir später noch mal genauer nachvollziehen, de facto lässt sich aber hier bis auf den DEPTH des Tremolos, also Stärke bzw. Subtilität des Effekts, nichts anderes einstellen.
  • PAN: Eigentlich gedacht für den Stereobetrieb, wird hier das Stereo-Panorama, wenn man so will, eingependelt. Ganz konkret bedeutet das: Im Anschlag wandert das Signal vollständig zwischen links und rechts hin und her, während moderate Einstellungen das Stereobild „schmälern“. Im Monobetrieb verwandelt sich der Sektor in eine zweite Tremolo-Engine.
  • FILTER: Zu guter Letzt wartet der Mod Rex mit drei Filter-Modi auf, die mit drei kleinen, farbigen Knöpfen angesteuert werden können: Lowpass, Highpass sowie Bandpass. Wer also die Frequenzen ober- oder unterhalb einer bestimmten Grenze oder beidseitig kappen möchte, kann das hier tun. Über das kleine Resonance-Poti können die Klänge direkt am Grenzwert des Filters betont werden – wer also will, dass das Lowpass-Filter beim Phaser ordentlich Radau macht, muss das Resonance-Poti aufdrehen.

Was noch? Die globalen Potis. Während das für Volume selbsterklärend sein dürfte, besitzt das Tempo-Poti zwei Bedienebenen, einen traditionellen und einen Rate-Knob-Modus, wobei beim Letzteren das Tempo über alle aktivierten Modulationssparten hinweg schneller reagiert. Sehr einfach in der Bedienung ist auch der Preset-Regler direkt nebenan: Bank aussuchen, Poti gedrückt halten, zack – Speicherung abgeschlossen.

Was bislang noch keine Erwähnung gefunden hat, ist die zentrale Anzeige des Mod Rex, gewissermaßen das Herzstück des Ganzen. Natürlich werden hierüber die Presets angezeigt, aber das ist zweitrangig. Wichtig sind die Division-Anzeigen – und hier kommen auch endlich die großen Potis ins Spiel, die sich in jedem Sektor befinden.

Die Krux an dem Ganzen verrät sich nach einem Blick auf die Legende in der Anleitung: Von 0-10 lassen sich jeweils einzelne Noten-Subdivisions pro Sektor einstellen. Das sieht wie folgt aus:

0 = Deaktiviert
1 = Subdivision: ganze Note
2 = Subdivision: halbe Note
3 = Subdivision: punktierte Viertel
4 = Subdivision: Viertelnote
5 = Subdivision: Viertelnoten-Triplet
6 = Subdivision: gepunktete Achtelnote
7 = Subdivision: Achtelnote
8 = Subdivision Achtelnoten-Triplet
9 = Subdivision: Sechzehntelnote

Wenn man sich jetzt vor Augen hält, dass für jeden Sektor jede noch so beliebige Subdivision eingestellt werden kann, dürfte der Groschen gefallen sein: Hier ist so ziemlich alles möglich. Als Sahnehäubchen besitzt der Mod Rex auch einen Tap-Stampfer, mit dem sich das Tempo dem Spiel entsprechend anpassen lässt. Dadurch verkommt der Electro Harmonix Mod Rex eben nicht zu einer kleinen Spielstation für daheim, sondern wird zu einer handfesten, live-tauglichen Geheimwaffe. Und als ob das alles nicht genug wäre, bringen die Jungs von Electro Harmonix für den Mod Rex noch vier separate LFO-Kurvenformen ins Spiel, die für sämtliche Sektoren einheitlich greifen: ansteigender und abfallender Sägezahn, Dreieck und Rechteck. Damit sind so ziemlich alle Schwingungsformen abgedeckt und ermöglichen glatte Übergänge oder abgehackte, angriffslustige Sounds.

Ein ziemliches Brett also, das EHX hier auffährt. Frage ist natürlich: Bei einer solchen Quantität an Modulations-Irrsinn, was machen die Sounds da her? Ist die Qualität für den Preis akzeptabel, wie geräuschvoll oder -arm verhält sich das Ganze? Wir gehen im Praxisteil auf Tuchfühlung.

Electro Harmonix Mod Rex front

Electro Harmonix Mod Rex – in der Praxis

Bei so einem Tausendsassa kann die Vielfalt zunächst erschlagend wirken. Da hilft es nichts – man muss es einfach kommen lassen und sich auf den Electro Harmonix Mod Rex einlassen, darauf vertrauen, dass mit ein bisschen Knöpfchen drehen auch was Brauchbares rumkommt. Das dauert seine Zeit – nicht jede Einstellung zündet automatisch. Wichtig ist es aber zunächst, die eigentliche Klangqualität als solche zu ermitteln. Und die passt – der Mod Rex ist erfreulich rauscharm, die Charakteristik der einzelnen Sektoren ist alles andere als dünn und auch nicht zu künstlich. Wichtiger als ihr alleinstehender Charakter ist natürlich das Zusammenspiel.

Da leider auf ein Mono-Interface ausgewichen werden musste, können die Stereo-Kapazitäten des Electro Harmonix Mod Rex nicht zufriedenstellend demonstriert werden. Aber auch so lässt sich die allgemeine Klangcharakteristik feststellen.

Wie gesagt – das Rad wird hier nicht neu erfunden. Im Grunde genommen lassen sich hier die Sparten der Modulationskiste beliebig kombinieren – etwas, was der eine oder andere Gitarrist bereits probiert haben dürfte: Flanger und Tremolo, Phaser mit Lowpass. Spaßig wird es, wenn sich die polyrhythmischen LFOs unerwartet kreuzen. Während das Vibrato regelrechte Ausmaße beim Pitchshiften nehmen kann, beweist der Phaser eine erfreuliche Bandbreite vor allem in Kombination mit den Filtertypen und ganzen Noten. Die Kombinationsmöglichkeiten sind also enorm und es obliegt einem selbst, durch das Spielen mit den Subdivisions auf Tuchfühlung zu gehen.

Die Kompatibilität mit MIDI macht das gute Stück natürlich sehr attraktiv für Synthesizer oder Drum-Maschinen. Die folgenden Beispiele kratzen nur an der Oberfläche – allein das Zusammenspiel mit punktierten Noten kann eine Menge Interessantes zutage fördern.

Fazit

Viel Zeit braucht der Mod Rex nicht, ehe er seine Geheimnisse preisgibt – und dafür muss man auch kein allzu tiefes Loch in seinen Geldbeutel reißen. Fest steht: Hier kriegt man was für sein Geld. Das System mit den Sektoren und LFO-Rhythmiken ist sinnig, die Engines haben eine gute Klangqualität und die technischen Eckdaten sind auch lückenlos. Ist EHX hiermit ein großer Wurf gelungen? Fest steht: Der Mod Rex ist ein in sich geschlossenes Prinzip – unwahrscheinlich, dass er die einzelnen Effektklassen von den Pedalboards dieser Welt verbannen wird. Dafür ist das gute Stück dann doch ein bisschen zu sperrig.

Die Möglichkeiten, interessante Sounds zu modulieren, sind nahezu unbegrenzt, aber man kann es schnell übertreiben und hat es dann mit einem nichtssagenden Blubbern zu tun. Ein enormes Potential also, das sinnvoll genutzt werden will – und von einem grandiosen Preis-Leistungs-Verhältnis getragen wird.

Plus

  • originelles Konzept
  • große Vielzahl an Möglichkeiten
  • MIDI-Kompatibilität
  • Stereo

Preis

  • Ladenpreis: 249,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dubsetter  

    interesante kiste..

    frage mich nur ,
    ob man sich nicht etwas in der parameter /modulations flut verliert…
    (workflow??)

    der midi anschluss ist ein grosses plus.

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