Test: Electro Harmonix Ram’s Head Big Muff Fuzz, Verzerrer-Pedal

22. Dezember 2019

It's Fuzz-Time again

Electro Harmonix Ram's Head Big Muff Fuzz

Electro Harmonix Ram’s Head Big Muff Fuzz

Fuzz-Pedale gibt es wie Sand am Meer, warum also wieder ein weiteres Modell auf den Markt bringen? Die Preise der originalen Ram’s Head Big Muffs (benannt nach dem Widderkopf-Logo in der unteren, rechten Ecke des Gehäuses) haben mittlerweile astronomische Höhen erreicht. Bei unserem heutigen Testobjekt handelt es sich um eine originalgetreue Reproduktion des begehrten 1973er V2 Violet Ram’s Head Big Muff Pi, der auf unzähligen klassischen Aufnahmen und berühmten Gitarrensoli zu hören ist. So kann auch der weniger gut betuchte Gitarrist in den Genuss dieses Sounds zu kommen, ohne gleich das Sparschwein opfern zu müssen. Rein äußerlich präsentiert sich dieser im gewohnten EHX-Design mit den typischen Knöpfen und Schriftzügen im schlichten Alugehäuse. Im Gegensatz zu einigen weiteren Varianten des mittlerweile zur Legende gewordenen Big Muff, konnten die Bauteile in einem kleinen Gehäuse Platz finden. Viele bekannte Gitarristen (Carlos Santana, Robert Fripp, John Lennon, Steve Howe …) kennt man als Big Muff-Nutzer der ersten Stunde.

Ram’s Head Big Muff Fuzz – Facts & Features

Die Abmessungen von 70 x 114 x 51 mm (B x T x H ) wie auch das Gewicht von 290 g gestalten sich typisch für eine Vielzahl an Bodentretern. Wie unzählige seiner Brüder, so ist auch dieser Big Muff mit drei Reglern ausgestattet. Volume justiert die Ausgangslautstärke, Tone den Höhenanteil (sowie laut mitgelieferter Beschreibung auch die Bässe) des Klangs. Sustain wird hier als andere Bezeichnung für Gain verwendet, wie das beim Big Muff schon lange der Fall ist. Im Gegensatz zu manch deutlich älterem Fuzz-Pedal wurde unser Testobjekt mit True-Bypass ausgestattet, was seine Zusammenarbeit mit z. B. einem Wah-Wah-Pedal günstig beeinflussen könnte, da viele Vintage-Fuzz-Pedale hier gerne einmal schwächeln.

Wiederauflage eines Klassikers, natürlich mit dem Widderkopf-Logo

Der Fußschalter aktiviert den Effekt, was uns durch das Erleuchten einer roten Leuchtdiode auch optisch signalisiert wird. Die Stromaufnahme gestaltet sich bei diesem Fuzz mit verschwindend geringen 2 mA geradezu spartanisch. Die Stromversorgung könnte hier durchaus mit einem 9 Volt Block gelöst werden, welcher sicherlich eine lange Zeit nicht gewechselt werden müsste. Natürlich ist auch eine Stromversorgung über die an der Stirnseite installierte Buchse via Netzteil möglich (Hohlsteckerbuchse 5,5 x 2,1 mm, Minuspol innen). Das Gehäuse aus Aluminium wurde blankpoliert und mit einer Schicht aus Klarlack versehen, somit ist garantiert, dass das kleine Pedal lange Zeit sein Äußeres konserviert. Die Eingangs- bzw. Ausgangsbuchse (6,3 mm) ist im sogenannten „Ampstyle“ gehalten, da auch viele Verstärker diese Buchsen verwenden.

An der Bodenplatte wurden vier schwarze Gummifüße angebracht, damit das Pedal beim Betätigen nicht verrutscht. Diese ließen sich natürlich leicht entfernen, wenn das Pedal mit Velcroband beklebt werden sollte und auf einem Pedalboard zum Einsatz käme.

Big Muff Fuzz – der Sound

Eines darf man festhalten, der Ram’s Head Big Muff produziert deutlich weniger Nebengeräusche als so manches vintage Muff-Pedal. Hören wir uns dieses nun einmal an:

Was soll man sagen, Fuzz bleibt Fuzz und bietet nicht die Klangkultur eines edlen Boutique-Röhrenverstärkers, der Spirit der 60er und 70er Jahre ist jedoch augenblicklich präsent. Um die relativ drastischen Soundveränderungen einzuordnen, beginnt das erste Klangbeispiel mit einem klaren Akkord, gefolgt vom aktivierten Effekt:

Typisch Big Muff, so wie man es erwarten darf. Nun mit etwas mehr Zerre, der Tone-Regler wurde fast ganz aufgerissen, dennoch ist der Klang nicht unangenehm spitz:

Das Sustain ist beeindruckend. Klanglich kommen Erinnerungen an Jimi Hendrix, David Gilmour oder auch Eric Johnson auf, aber auch zahlreiche weitere bekannte Gitarristen sind bekennende Benutzer eines Fuzz-Fedals und speziell dem Big Muff, von dem es bekanntermaßen mittlerweile unzählige Variationen gibt.

Nun mit etwas weniger „Zerre“ und Rhythmus-Riffs:

Jetzt reizen wir die Zerrmöglichkeiten des Pedals voll aus und drehen den Sustain-Regler bis zum Anschlag auf:

Aber auch für dreckigen Blues ist er überzeugend einsetzbar:

Der Electro Harmonix Ram’s Head Big Muff Fuzz tut genau das, was er soll, er erzeugt einen fetten Ton mit extrem viel Sustain, der auch durchaus für die Freunde der harten Gangart brauchbar wäre. Aber auch mal schnell als Effekt für einem „kranken Sound“ eingesetzt, macht dieses Fuzz-Pedal Spaß. Mit dessen Volume-Regler sollte man vorsichtig umgehen, da die ausgehende Lautstärke unter Umständen durchaus in den Bereich der Körperverletzung gehen kann, da bei der 9h-Stellung schon „Unity Gain“ (gleiche Lautstärke zwischen aktiviertem Effekt und Bypass) erreicht wird.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Stratocaster SSH – Electro Harmonix Ram’s Head Big Muff Fuzz – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Delay hinzugefügt).

Fazit

Der Electro Harmonix Ram’s Head Big Muff Fuzz macht einen guten Job und bewegt sich im Gegensatz zu den originalen und raren Vintage-Exemplaren im bezahlbaren Rahmen.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 101,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Cristian Elena  RED

    Toller klassischer Sound! Vor 2 Jahren (auch aufgrund des Vergleichstests damals) entschied ich mich für den DOD Carcosa, aber das hier ist eine Überlegung wert ;-)

  2. Profilbild
    Hein Bloed  

    Mir gefiel der Sound eigentlich ganz gut beim Abhören der Klangbeispiele, aber ich habe mich bei jedem Part gefragt, ob da nicht auch noch ein bischen Echo hinzugefügt würde – und richtig, in der Aufzählung der Aufnahmekette taucht es dann auch auf.
    Für mich geht das gar nicht, so kann ich den Sound nicht beurteilen. Es ist ein Unding, nicht wenigstens ein paar trockene Beispiele abzuliefern, genau wie die Unsitte, nicht den Kanal zu nennen, den man benutzt hat (Clean/Overdrive? Wo stand der Gain?)
    Schade.

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Hallo Hein Blöd,
      wenn Du den Test aufmerksam gelesen hättest, wäre Dir aufgefallen, dass vor dem ersten Klangbeispiel ein klarer Sound angespielt wird, um die drastische Wirkung des Pedals vergleichsweise einschätzen zu können. Das Equipement, welches ich benutzte, ist angegeben, es war der cleane Kanal meines Peavey Classic Amps, der für alle Beispiele eingesetzt wird. Wo der Gain-Regler stand, spielt keine Rolle, da Du den klaren Sound ja hören kannst. Ob Effekte eingesetzt werden oder nicht, ist Ansichtssache. Viele meiner Kollegen setzten Effekte ein, manche nicht. Im Video sind auch Effekte zu hören. Wünsche Dir frohe Weihnachten.

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