Wenn zwei bewährte Pedale verschmelzen!
Wenn man – wie beim Electro Harmonix Soul POG – bewährte Pedale in einem Gehäuse kombiniert, ist das nicht nur einfaches Effekt-Recycling, sondern eine durchaus interessante Idee. Zum Beispiel für Gitarristen, die platzsparende Lösungen suchen, ohne beim Sound Kompromisse eingehen zu wollen.
- Kompakt & robust: Metallgehäuse, hochwertige Verarbeitung, inklusive Netzteil.
- Flexibel: Über SF–POG-Schalter umschaltbare Effektreihenfolge für unterschiedliche Klangcharaktere.
- Soundvielfalt: Von subtil veredeltem Overdrive bis zu fetten, oktavierten Riffs im Tom-Morello-Stil.
- Kleine Schwächen: Drive kann nasal wirken; Oktavierung bleibt leicht synthetisch.
Inhaltsverzeichnis
Eine erste Zusammenfassung vorab
Das Electro Harmonix Soul POG vereint die beiden hauseigenen Pedale Soul Food Overdrive und den polyphonen Nano POG Octaver in einem kompakten Gehäuse. Wer schon einmal versucht hat, zwei Einzelpedale optimal miteinander zu verkabeln und dabei noch Platz auf dem Pedalboard zu sparen, wird das Soul POG sofort zu schätzen wissen. Das New Yorker Unternehmen versteht es meisterhaft, bewährte Einzelpedale zu sinnvollen Kombinationen zu verschmelzen, ohne dabei die Qualität der Originalschaltungen zu verwässern. Bei einem Ladenpreis von 139,- Euro liegt das Pedal zudem deutlich unter dem kombinierten Preis der beiden Einzelpedale.
Für wen eignet sich das Electro Harmonix Soul POG? Primär für Gitarristen, die sowohl Overdrive- als auch Oktavierungseffekte regelmäßig einsetzen und dabei Wert auf Flexibilität legen. Besonders interessant wird es für Musiker, die sich gerne experimentellen Sounds hingeben und verschiedene Effektreihenfolgen ausprobieren möchten. Wer hingegen nur einen der beiden Effekte benötigt, ist aus Platzgründen mit den entsprechenden Einzelpedalen oft besser bedient.
Die ewige Frage: Warum kombinieren?
Der Soul POG gehört zu jener Kategorie von Mehrfach-Effektpedalen, bei denen der New Yorker Hersteller bewährte Einzelpedale zu meist sinnvollen Kombinationen zusammenfasst. Damit wertet er nicht nur sein ohnehin nahezu grenzenloses Angebot auf, sondern erspart Gitarristen den Aufwand, zwei oder mehr Einzelpedale aufs Board schrauben zu müssen. Und da zudem weitestgehend die Schaltungen der Originale verbaut werden, gibt es auch keinen Grund, in dieser Hinsicht Abstriche zu machen.
Welche beiden Pedale unser Testkandidat in sich vereint, liegt für jeden EHX-Kenner auf der Hand: den Soul Food Overdrive und die Nano-Ausgabe des POG. Die POG-Pedale, bei denen es sich um polyphone Oktavgeneratoren handelt, gehören zu den beliebtesten Modellen aus dem EHX-Programm. Aber auch Produzenten und Toningenieure greifen weltweit immer wieder gerne auf den charakteristischen Octaver-Sound zurück.
Konstruktion und Verarbeitung
Das 146 × 64 × 121 mm große und 528 g schwere Electro Harmonix Soul POG wird in einem Karton geliefert, in dem sich neben einem Aufkleber und einem Bedienungsfaltblatt auch ein Netzteil befindet. Jawohl, richtig gelesen: Electro Harmonix legt eine Standard 9-Volt-Brettwanze bei – ein klarer Pluspunkt. In Zeiten, in denen manche Hersteller sogar das Kabel zum teuren Zubehör erklären, ist das eine durchaus lobenswerte Geste.
Das Pedal selbst besteht wie gewohnt aus Metall, ist bis auf die rot-schwarze Bedienoberfläche weiß lackiert und macht den überaus robusten, roadtauglichen Eindruck, den man gemeinhin von den Pedalen des US-Herstellers kennt. Die Verarbeitung des in Kanada hergestellten Pedals ist durchweg hochwertig.
Bedienungskonzept
Sechs angenehm schwergängig laufende Potis mit Kunststoffknöpfen regeln alles, was an Sounds gewünscht wird. Die beiden Effekteinheiten präsentieren ihre jeweiligen Regelmöglichkeiten nicht nur fein säuberlich getrennt, sondern auch farblich klar unterscheidbar. Während die Octaver-Abteilung mit drei weißen Potikappen ausgestattet ist, besitzen die Regler der Drive-Sektion schwarze Knöpfe.
Beginnend auf der linken Seite lässt sich mit dem Dry-Regler das Mischungsverhältnis zwischen Effekt- und Direktsignal bestimmen. Sub Octave regelt die Lautstärke der Oktave unterhalb des Grundtons, entsprechend bestimmt Octave-up die Lautstärke des Signals darüber. Auch die Ausstattung der Overdrive-Sektion lässt keine Missverständnisse aufkommen: Hier warten Volume, Treble (als Klangregler-Verschnitt) und Drive darauf, den Zerrsound anzupassen, wobei Volume für die Gesamtlautstärke zuständig ist.
Die Extras: Mehr als die Summe seiner Teile?
Aber schon fast traditionell hat Electro Harmonix bei seinen kombinierten Geräten immer noch wenigstens ein sinnvolles Extra im Gepäck. In unserem Fall ist das der SF–POG-Schalter, der die Reihenfolge der beiden Effekte umkehrt – eine anscheinend kleine Funktion mit großer Wirkung. Läuft der Soul Food vor dem POG, erhält man zunächst die Verzerrung und oktaviert anschließend das bereits verzerrte Signal. Umgekehrt wird ein sauberes, oktaviertes Signal anschließend verzerrt – zwei grundverschiedene Klangcharaktere.
Letztlich sorgt ein Taster mit der Aufschrift MODE dafür, dass sich das Verhalten der oberen Oktave verändert und je nach Stellung auch die Latenz verringert. Der Mode-Schalter bietet entweder den vertrauten Nano-POG-Algorithmus oder einen mehr auf Akkordspiel ausgerichteten Signalansatz.
Ein Blick auf das Gehäuse zeigt – außer den Ein- und Ausgangsbuchsen rechts und links an den Gehäuseseiten – auch Send und Return, was auf einen Einschleifweg für weitere Effektpedale hinweist. Fehlen noch die Effect-Out- und Dry-Out-Buchsen. Diese bedeuten nichts mehr und nichts weniger, als dass beide Signale auch getrennt voneinander herausgeleitet und an unterschiedliche Amps oder eine Studiokonsole weitergegeben werden können – eine Option, die bei den meisten Gitarristen wohl eher ungenutzt bleiben wird.
Aktiviert werden Overdrive und Octaver getrennt mit zwei satt einrastenden Fußschaltern, wobei jeweils eine orangefarbene LED pro Einheit den aktivierten Zustand anzeigt. Das Soul POG Pedal verfügt über einen True-Bypass und lässt sich – außer mit dem beiliegenden Netzteil – auch mit einem 9-Volt-Block betreiben. Dazu müssen jedoch vier Schrauben an der Unterseite gelöst werden.
Der Electro Harmonix Soul POG in der Praxis
Der Soul Food ist natürlich ein Klon des legendären Klon Centaur – einer jener Overdrives, die das Gitarrensignal eher veredeln als brutal verzerren, auch wenn er im direkten Vergleich mit anderen Premium-Klonen minimal weniger feinfühlig klingen mag. Doch das ist Meckern auf höchstem Niveau.
Wo der wirkliche Spaß beginnt, ist die Kombination beider Effekte. Das Hinzufügen einer Sub-Oktave verlangt förmlich nach Dirt und obwohl der Soul Food bei höheren Drive-Einstellungen gerne etwas nasal werden kann, sorgen das Zurückdrehen des Treble-Reglers und das Vorschalten vor den POG für wunderbar fette und „raunchy“ Töne, die ideal für Single-Note-Riffing im Tom-Morello-Stil geeignet sind. Die Oktav-Sektion harmoniert übrigens auch hervorragend mit anderen Overdrives – besonders die Kombination aus einem Tube Screamer und der Sub-Oktave ergibt prächtige, dicke Alt-Rock-Riffs.
Das Tracking in beiden POG-Modi ist schnell und funktioniert wie beworben, während der synthetische Glanz der Upper-Oktav-Töne im Clean-Betrieb hilft, überzeugende Orgel-ähnliche Sounds zu erzeugen. Mit aktivierter Mode-LED ist es, als würde man die Drawbars an einer alten Hammond ziehen und die Brillanz im Hochtonbereich erweitern.
Kritische Betrachtung: Nicht alles Gold, was glänzt
Bei aller Begeisterung muss man fairerweise auch die Schwächen erwähnen. Der Soul Food kann bei höheren Drive-Settings tatsächlich etwas nasal werden – ein bekanntes Problem vieler Klon-Klone. Hier zeigt sich, dass man eben doch nicht ganz das Original bekommt, auch wenn die Unterschiede marginal sind.
Die Upper-Oktave alleine, ohne Sub-Oktave, wird niemanden davon überzeugen, dass hier eine 12-String gespielt wird. Subtil eingemischt bringt sie eine normale sechssaitige Gitarre aber durchaus in die richtige Richtung. Das synthetische Feeling der Oktavierung ist und bleibt eben synthetisch – wer absolut natürliche Sounds erwartet, wird enttäuscht.



































Ich kann mir vorstellen, dass ein weiterer Vorteil der Kombi in einem Pedal ist, dass der POG – egal in welcher Reihenfolge – immer mit dem cleanen Signal, das beim Input anliegt, getrackt wird und somit der Pitch-Shifter sauberer arbeiten kann. ZB. mein alter Boss HR-2 hat dafür zusätzlich einen Detector Input, für den man das Gitarren-Signal am Anfang der Effektkette splitten muss. Hier ist das schon im Gerät und per Send und Return lassen sich vor den POG-Effekt weitere externe Effekte einbinden, die dann sauber oktaviert werden. Der Soul Food macht ebenfalls Sinn, weil er selber verzerren oder als recht sauberer Booster andere Zerren im Effekt-Loop übersteuern kann.