Profi-Features zum Mitnehmen
Electro-Voice Evolve 70 ist ein weiterer Zugang zur erfolgreichen EV Evolve Serie, die jüngst durch die Modelle Evolve 70 und Evolve 90 erweitert wurde. Nach dem Test des Top-Modells haben wir uns nun die Electro-Voice Evolve 70 genauer angeschaut und überlegt, für wen dieses System geeignet sein könnte.
- Sound & Leistung: Kraftvoller Klang und hoher Output, ideal für Events mit 150–300 Personen.
- Handling: 15″-Subwoofer bietet guten Bass und bleibt dabei transportfreundlich für Einzelpersonen.
- Profi-Features: Umfangreiche Anschlussmöglichkeiten, Cardioid- und Delay-Funktionen sowie App-Steuerung.
- Flexibilität: Schnell aufgebaut, vielseitig einsetzbar und clever erweiterbar durch Systemkopplung.
- Fazit: Sehr gute Allround-Lösung mit professionellem Anspruch, nur die Evolve 90 bietet noch mehr Bassreserven.
Inhaltsverzeichnis
Electro-Voice Evolve 70
Die Electro Voice Evolve 70 ist im Prinzip die „gleiche“ Anlage wie die Evolve 90, nur dass sie anstelle eines 18“ Woofers mit einem kleineren 15“ Basslautsprecher arbeitet. Säule, Elektronik, DSP, Bedienkonzept und Anschlussfeld sind identisch, der Unterschied liegt im Subwoofer und damit in Tiefgang, Headroom und Handling.
In diesem Test geht es um die Frage: Reicht die Electro-Voice Evolve 70 mit ihrem 15“ Subwoofer in der Praxis als Standard-System oder vermisst man den großen 18“ Sub der EV Evolve 90 wirklich? Zusätzlich steigen wir in die erweiterten Möglichkeiten ein, die bei beiden Modellen identisch sind.
Den ausführlichen Bericht zur EV Evolve 90 mit Klangbeschreibung und Praxis-Setup findet man im separaten Test. Dort werden die Grundlagen zur Serie erklärt und der große Sub im Detail beleuchtet.
Zielgruppe
Gedacht ist der EV Evolve 70 Säulenlautsprecher für Anwender, die:
- eine erwachsene Säulen-PA mit viel Output benötigen,
- aber kein ausgewachsenes 18″-Bass-Monster schleppen wollen,
- typische Jobs zwischen ca. 200–350 Personen abdecken (DJ, Band, Firmenfeiern, Vereinsfeste, Kirche etc.)
Kurz gesagt: Die Electro-Voice Evolve 70 ist die Version für alle, die „richtig laut“ können wollen oder müssen, aber nicht jedes Wochenende EDM auf Open Air-Niveau machen. Dazu reicht die Kapazität des Subwoofers gut aus. Dass die angenehm tief getrennte Säule mit ihrer 8x 4,7“ Speaker Bestückung auf jeden Fall erst spät ihre Grenze erreicht, liegt auf der Hand. Immerhin haben wir hier mehr Fläche, als sie ein 12“ Lautsprecher zur Verfügung stellen würde.
Gemeinsamkeiten EV Evolve 70 / 90
Eine Plattform, zwei Bässe
EV verfolgt eine klare Strategie: Die Electro-Voice Evolve 70 und 90 teilen sich die gleiche Plattform.
Gemeinsam sind u. a.:
- Säulen-Array mit mehreren Breitband-Lautsprechern und Schallformern
- identische Endstufenplattform und DSP
- integrierter Digitalmixer mit mehreren Eingängen (2x Mic/Line / Stereo In / BT / AES/EBU)
- Presets (Music, Live, Speech, Club) und vollwertiger EQ
- QuickSmart App für bequeme Steuerung per Smartphone
- erweiterte Anschlüsse wie Mix Out, Sub/Bass Out, Digital-In, Link-Funktionen
Damit klingen beide Systeme grundsätzlich nach „Evolve“, also: transparent, breite Abstrahlung, gut ortbare Einzelquellen, kontrollierter Bass, Ankopplung an die Säule ohne Low-Mid-Loch.
In der Praxis heißt das: Wenn der Sound der EV Evolve 90 gefällt, fühlt man sich an der Electro-Voice Evolve 70 sofort zuhause – die tonale Signatur ist praktisch gleich, nur die letzte Stufe im Tiefbass und beim Maximalpegel fällt etwas kleiner aus.
Unterschiede 15″ vs. 18″ Subwoofer
Handling, Tiefgang, Praxis
Handling
Der 15“ Subwoofer ist zwar auch kein Fliegengewicht, kann aber durch eine kräftige Person realistisch allein bewegt werden.
Beim 18“ Sub der EV Evolve 90 wird es deutlich „zweimannpflichtig“. Den Boliden kann man sicherlich alleine ebenerdig per Rollbrett bewegen. Spätestens wenn Treppen im Weg sind, braucht man eine zweite Person zur Unterstützung.
Klang / Tiefgang
Da ich die Live-Performance der großen Evolve 90 bereits in einer großen Halle getestet habe, ging es hier hauptsächlich darum, die Performance-Unterschiede im Subwoofer zu analysieren und dabei wurde auch schnell klar, ab welcher Grenze man dann doch besser zum 18“ Treiber greift.
Die Grafiken sind den Electro-Voice Unterlagen entnommen, spiegeln aber ganz gut die unterschiedlichen Klangtendenzen wider. Dabei sind die persönlichen Frequenzgänge im System weitgehend durch den integrierten 7-Band parametrischen EQ frei einstellbar.
Die EV Evolve 70 spielt immer noch voll und satt, ohne dass im normalen Alltag das Gefühl entsteht, es würde etwas fehlen. Kick, Bassdrum, E-Bass, moderne Pop-Produktionen: Es ist alles da, kontrolliert und mit ausreichend Druck.
Der 18“-Sub der 90er holt dann noch die letzten paar Hertz Tiefgang aus dem Keller und hat spürbar mehr Reserven im Sub-Bereich, vor allem bei EDM, Trap, sehr tief gestimmten Kicks ist das wichtig. Auch wenn es im Bereich ab 50 Hz etwas mehr Headroom braucht, ist man alleine durch die größere Membranfläche im Vorteil.
Meine Einschätzung: Für die meisten Anwendungen ist der 15″-Sub der Electro-Voice Evolve 70 ausreichend. Der 18″-Sub der Evolve 90 ist das Spezialwerkzeug, wenn Ultralows unter 50 Hz wichtig sind oder regelmäßig große, vollgepackte Räume beschallt werden müssen. Wobei man dann, aufgrund der großen Pegelreserven in der Säule, sicherlich im Bass mit weiteren Subs nachlegt und meistens sowieso im zweikanaligen (Stereo-) Betrieb fährt.
Erweiterte Möglichkeiten bei EV Evolve 70 / 90
Spannend werden die Systeme genau da, wo viele kleine MI-Säulenanlagen aufhören: bei den Profi-Features auf der Rückseite. Erweiterte Möglichkeiten der großen Evolves sind: Delay, Signal Out, Bass Out als Basserweiterung oder Cardioid.
Delay – als Delay-Line oder für den Nachbarraum
Das integrierte Delay erlaubt es, die Evolve als Delay-Line einzusetzen oder eine zweite Anlage weiter hinten im Raum zeitlich korrekt anzubinden.
Anwendungsbeispiele
- In einer 30 m Halle steht vorne ein Evolve-Stereosystem, hinten kommt eine zweite Electro-Voice Evolve 70 als Delay dazu. Im Menü der hinteren Anlage gibt man die Entfernung zur Frontanlage in Metern ein, der DSP setzt das in Millisekunden um.
- Im Hauptraum bei einer Hochzeit läuft das Hauptsystem, der Nebenraum soll ebenfalls beschallt werden. Eine zweite Evolve hinein, Delay passend einstellen, Pegel anpassen und schon wirkt der Sound wie aus einem Guss und nicht wie Echo.
Einstellung: Im Menü „Delay“ oder „System“ lässt sich die Verzögerung entweder in Metern oder Millisekunden einstellen. Einmal sauber ausmessen oder abschreiten, Wert eintragen, Probehören, fertig.
Signal Out / Mix Out – mehr Lautsprecher, mehr Zonen
Über den Mix Out wird das komplette Summensignal an eine weitere Endstufe, ein anderes Lautsprechersystem oder zur allgemeinen Weiternutzung weitergeschickt, z. B.
- weitere Säulen als Sidefills,
- eine separate Zone (Foyer, Nebenraum),
- Recording / Streaming / FOH-Pult.
Wichtig: Der Mix Out folgt in der Regel dem internen Mixer: Das, was an der Evolve geregelt wird, liegt am Ausgang an.
Bass Out – Basserweiterung
Der Bass Out (Sub Out) ist für zusätzliche Subwoofer gedacht. Hier lassen sich ein oder mehrere zusätzliche Bässe anschließen, um mehr Low-End-Headroom zu bekommen, wenn z. B. eine größere Tanzfläche oder ein Open-Air zu beschallen ist.
Vorteil: Der Sub Out ist vom System passend gefiltert, man muss nicht selbst trennen und rechnen. In den Output-Settings lässt sich auswählen, ob der Sub Out als reiner Sub-Ausgang arbeitet oder in Kombination mit Cardioid Setups genutzt wird.
Cardioid – korrekte Funktionsweise & Praxisnutzen
Beim Cardioid-Betrieb geht es darum, nach vorne möglichst viel Bass zu bekommen und nach hinten so wenig wie möglich. Dafür arbeitet man mit mindestens zwei Subwoofern, die eine spezielle Auf- und Einstellung benötigen.
Ein typisches Cardioid-Setup sieht so aus:
- Ein Subwoofer steht ganz normal nach vorne spielend.
- Der zweite Subwoofer wird verkehrt herum (also nach hinten spielend) aufgestellt. Dieser „rückwärts“ stehende Sub wird im System phaseninvertiert (Polarität gedreht) und erhält zusätzlich eine zeitliche Verzögerung (Delay) plus EQ. Im DSP werden diese Parameter exakt abgestimmt, damit sich die Frequenzanteile nach vorne addieren und nach hinten möglichst auslöschen.
Ergebnis:
- Vor der Anlage entsteht ein deutlich konzentrierter Bassbereich mit mehr Druck.
- Hinter der Anlage gibt es spürbar weniger Tiefbass – gut für Bühne, DJ-Position oder Nachbarn.
Das ist kein Gimmick, sondern eine sehr praktische Option, wenn Bühne und Musiker nicht im Bass absaufen sollen oder bei Veranstaltungen mit sensibler Umgebung (Interferenzen durch benachbarte Wände, Störung der Nachbarschaft, Podium).
Bei den Electro-Voice Evolve 70/90 gibt es dafür ein Preset, in dem alle Einstellungen bereits passend abgelegt sind.
Zwei Evolve-Systeme koppeln per QuickSmart Link
Die meisten Events laufen ab einer gewissen Kanalanzahl mit externem Mischpult. Trotzdem sind die EV Evolve 70 (wie auch die 90) prinzipiell darauf ausgelegt, auch ohne externes Mischpult im Doppel zu laufen: als Stereosystem oder verlinktes Setup mit erweiterten Features und verdoppelter Eingangszahl. Hier kommt der QuickSmart Link ins Spiel.
Über diese Kabelverbindung (per RJ45-Kabel, ohne Ethernet Funktionen) werden sowohl Audiosignale als auch Steuerdaten zwischen zwei Systemen übertragen.
Dabei übernimmt ein System die „Master“ Funktion, das andere agiert als „Slave“.
Doppelte Kanalanzahl über QuickSmart Link
Spannend wird es, wenn man sich die Eingänge anschaut:
Jedes System bietet mehrere Eingänge (z. B. zwei Mic/Line-Kanäle plus einen Stereo-Input, plus AES/EBU). Werden zwei Evolve 70 über QuickSmart Link verbunden, kann man die Eingänge beider Systeme gemeinsam nutzen.
Konkret bedeutet das:
- Aus zwei Anlagen mit jeweils eigenem Mixer wird ein großes, vernetztes System, dabei ist ein System der steuernde Master, das andere Slave.
- Die Gesamtzahl der nutzbaren Kanäle verdoppelt sich – es stehen also mehr Mic/Line- und Stereo-Inputs zur Verfügung.
- Über die App oder das Master-System kann man diese Kanäle gemeinsam verwalten, Pegel anpassen und das Routing konfigurieren.
Ein Praxisbeispiel wäre : DJ + mehrere Funkstrecken + Zuspieler: Man verteilt die Quellen intelligent auf beide Systeme und steuert sie zentral.
Damit ist QuickSmart Link nicht nur „links und rechts verbinden“, sondern tatsächlich eine Möglichkeit, die Kanalzahl und Flexibilität des Systems zu verdoppeln.
Für Bands, die mit Halleffekten, mehreren Monitorwegen und ähnlichem arbeiten wollen, ist dieser Modus nicht geeignet, weil die beiden Evolves schlicht weder über entsprechende Busse noch über eine Multieffektsektion verfügen.
Wichtig: Bluetooth TWS, also die Stereoverkoppelung von zwei Systemen, funktioniert auch ohne QuickSmart.
Kurzvorstellung der App – QuickSmart Mobile
Die kostenlose QuickSmart-App (iOS oder Android) ist bei der EV Evolve 70 kein Gimmick, sondern erleichtert die tägliche Arbeit.
Über die App kann man u. a.:
- Lautstärken der Kanäle und des Masters regeln
- Presets wählen und eigene Setups speichern
- den EQ bearbeiten (parametrisch)
- Delay und Output-Routing einstellen
- mehrere Lautsprecher zu Gruppen zusammenfassen und gemeinsam steuern
Der eigentliche Vorteil: Man steht dort, wo das Publikum steht und kann ab dort den Sound anpassen.
Gerade bei kleineren Jobs ersetzt die Kombination aus Electro-Voice Evolve 70 plus App oft ein separates Pult, insbesondere bei DJ, Sprache, Singer/Songwriter oder Duo-Setups. Der App-Aufbau ist übersichtlich, einfach und logisch bedienbar.
Anwendungsempfehlung
Für wen eignet sich Electro-Voice Evolve 70, für wen Evolve 90?
Am Ende stellt sich die entscheidende Frage: Welche Version ist für welchen Einsatz sinncoller – 70 oder 90?
EV Evolve 70 – der Standard
Die 70er ist ideal, wenn:
- häufig alleine auf- und abgebaut werden muss und ein 18″-Schwergewicht nicht infrage kommt
- regelmäßig 150 bis 300 Gäste beschallt werden (DJ, Band, Hochzeit, Firmenfeier, Vereinsveranstaltung)
- ein voller, sauberer Sound gefragt ist, ohne permanent am Tiefbass-Limit zu fahren
- Wert auf Flexibilität gelegt wird: mal Solo-Box für Sprache, mal volles Party-System, mal Delay-Line
Kurz: Die Electro-Voice Evolve 70 ist die vernünftige Allround-Lösung, die in 80 % der Praxisfälle genau das liefert, was man braucht und zwar in einem Gewichtslimit, das man nicht nach drei Gigs verflucht.
EV Evolve 90 – der Goliath
Die 90er spielt ihre Stärken aus, wenn:
- regelmäßig große Hallen und Open-Airs bespielt werden
- viel basslastige Musik läuft (EDM, HipHop, Trap, aktuelle Club-Produktionen)
- bei größerem Auditorium im Bass Reserven verfügbar sein sollen
- Transport und Gewicht kein Ausschlusskriterium sind (Helfer, Verleiher, feste Installationen)
- Der 18″-Sub liefert hörbar mehr Tiefgang
Zubehör
Zur Evolve Reihe gibt es Zubehör wie einen kurzen Spacer, Hüllen für die Bässe oder auch Rollbretter, die sich an den Subwoofern arretieren lassen.

































„Allerdings finden sich im Portfolio anderer Hersteller Systemkombinationen, die in einer ähnlichen Liga spielen, dabei aber preislich deutlich günstiger zu Buche schlagen.“
Hallo Jörg,
das klingt so, als hättest du konkrete Beispiele im Kopf. An welche günstigeren Alternativen hast du gedacht?
@Ismet Wenn du weißt, wo du mehr Schmackes haben willst – insgesamt höherer Pegel oder nur mehr Bass -dann wirst du schnell fündig. Beispiele:
– Die neuen großen Maui von LD Systems ( erweiterbar im Bass, auch cardioid)
– HK Audio mit Zusatzbass
– Die großen JBL Systeme
Um was geht es dir genau? Vllt. kann ich dir konkrete Tipps geben.
@Jörg Kirsch StageAID Hi Jörg,
erstmal danke für den Test und deine Antwort.
Ich bin DJ und habe über die letzten zehn Jahre eine HK Elements genutzt (zwei Säulen, je nach Veranstaltung mit 10er oder 15er Subs).
Jetzt liebäugele ich mit einem Update. Über die Everse 12 bin ich in Kontakt gekommen mit der Quicksmart App von EV – von der ich angetan bin – und habe deshalb auch interessiert deinen Test zur Evolve 70/90 gelesen. Ich habe eigentlich keine Zweifel, dass sie gut klingen werden aber frage mich angesichts der Preise, ob es nicht günstiger geht.