Black or White?
Die Electro-Voice Evolve 90 kommt bei mir nicht alleine an, sondern im Doppelpack mit einer Electro-Voice Evolve 70. Auf den ersten Blick sind die beiden fast identisch – schlanke Säule, stabiler Sub, clevere Steckmechanik. Der entscheidende Unterschied steckt im Subwoofer: 15”-Sub bei der EV Evolve 70, voluminöser 18”-Sub bei der EV Evolve 90. Genau dieses „große Besteck“ schaue ich mir jetzt zuerst an.
- Profi-Sound: Klarer, durchsetzungsstarker Klang mit tiefem Bass und hoher Reichweite – ideal für größere Venues bis 500 Personen.
- Robuste Bauweise: Stabiles Design mit 18″-Subwoofer, cleverer Steckmechanik und wertiger Verarbeitung.
- Flexibel & smart: 5-Kanal-Mixer, App-Steuerung und praxisnahe Presets sorgen für schnelle Einrichtung und vielseitige Nutzung.
- Schneller Aufbau: In unter fünf Minuten betriebsbereit – perfekt für mobile DJs, Bands oder Eventtechnik.
Inhaltsverzeichnis
Electro-Voice Evolve 90
Vorab
Die Electro-Voice Evolve 90 ist eine ausgewachsene Säulen-PA mit beeindruckend erwachsenem Sound. Sie spielt klar, breit und erstaunlich tief – und der Output passt absolut zu dem, was das Format verspricht: ein großes, lautes System für Profi-DJs, Bands und Verleiher, die bis ca. 400 bis 500 Leute beschallen wollen.
Die EV Strategie
Der amerikanische Audio-Experte verfolgt mit seinen Systemen eine clevere Strategie. Mittlerweile sind Electro-Voice Evolve 30 / 50 / 70 / 90 auf dem Markt.
Bei den einzelnen Typen erkennt man an den Features direkt, welche Beschallungsgröße und welche Zielgruppe angesprochen wird.
- Alle Evolve-Typen arbeiten in der Säule mit Breitbandlautsprechern und Schallformern. In den kleinen Systemen findet man 6× 2,8”-Speaker, in der 50er-Serie bereits 3,5” und in den neuen 70/90er-Systemen gleich 8× 4,7”-Speaker. Schon hier erkennt man, dass man aufgrund einer ca. dreifachen Membranfläche mit entsprechender Verstärkung die Pegellatte ein ganzes Stück nach oben legt.
- Auch die Bedienfeatures variieren: Stehen in der kleinen Serie musikertypische Hall-Effekte und Ähnliches im Vordergrund, so spielen diese in den neuen Systemen kaum eine Rolle. Man legt hier Wert auf ausreichend Eingänge und professionelle Anschluss- und Einstell-Features wie AES/EBU, Systemverzögerung als Delay-Line, Sub-Out für weitere Bässe – auch cardioid.
Technische Daten: Electro-Voice Evolve 90
- Bestückung: 8× 4,7″ Neodym-Breitbandtreiber (Säulenarray), 1 × 18″ Subwoofer mit 4″ Schwingspule
- Endstufe: 2000 W Class-D (1000 W LF / 1000 W HF)
- Maximaler Schalldruck: bis zu 134 dB SPL
- Frequenzbereich: 28 Hz – 20 kHz (-10 dB), 35 Hz – 18 kHz (-3 dB)
- Abstrahlwinkel: 120° horizontal × 25° vertikal (asymmetrisch, arrayförmig)
- FIR-Processing für linearen Frequenzgang und saubere Phasenlage
- Anschlüsse: 2x Mic/Line XLR/Klinke mit Phantomspannung, Stereo XLR/Cinch, AES/EBU Digital In/Thru, XLR Mix Out, XLR Sub Out, QuickSmart Link (RJ45), Bluetooth Stereo-Streaming (TWS)
- DSP & Steuerung: integrierter 5-Kanal-Digitalmixer, Presets (Music, Live, Speech, Club), 3-Band-EQ, Kompressor, Talkover, Delay, Steuerung über EV QuickSmart Mobile App für bis zu 6 Lautsprecher
- Gehäuse: Subwoofer in robustem Holzgehäuse, Säule in Composite mit Stahlgitter, Distanzstange mit mechanischer und elektrischer Verbindung
- Maße (HxBxT) aufgebaut: ca. 2346 × 510 × 680 mm
- Gewicht gesamt: ca. 44,5 kg (Subwoofer ca. 35,6 kg, Säule ca. 8,7 kg)
- Farbvarianten: Schwarz und Weiß
- Umfangreiches Zubehör erhältlich
Äußeres & Verarbeitung
Aufgebaut wirkt die Electro-Voice Evolve 90 fast wie eine aufgeblasene EV Evolve 50: ähnlicher Look, aber alles ist sichtbar größer und massiver. Die Säule bleibt schlank und elegant, das Design ist Corporate-Event- oder galatauglich.
Die Griffe am Sub sind ergonomisch sinnvoll platziert, die Polyurea-Beschichtung macht einen robusten Eindruck. Die Säule rastet sauber in die Distanzstange ein, die Stange wiederum bündig in den Sub. Kein Wackeln, kein Gefummel, kein zusätzlicher Strom- oder Lautsprecherstecker für die Säule – das läuft alles über die Mechanik.
Insgesamt optisch sehr aufgeräumt, haptisch wertig und deutlich in der Profi-Klasse.
Bedienelemente & Anschlussfeld
Die Rückseite des Subs ist das eigentliche Herz des Systems. Oberhalb der Kühlfläche der lüfterlosen Elektronik sitzt das Bedienpanel mit LC-Display, Encoder und Tastern, darunter die Ein- und Ausgänge.
Bedienpanel
- Helles LC-Display, auch in dunklen Bühnenumgebungen gut ablesbar
- Push/Turn-Encoder zur Navigation und Einstellung
- Menü-/Back-Taster für schnellen Zugriff
- Beleuchteter Anwahlschalter und Pegelregler pro Kanal plus Master-Level
Im Menü lassen sich u. a. einstellen:
- Kanal-Gains, EQ, Kompressor
- System-Preset (Music, Live, Speech, Club)
- Delay, Output-Routing (Sub/Mix)
- Bluetooth-Pairing und Link-Einstellungen
Die QuickSmart-App der Electro-Voice Evolve 90 spiegelt das Ganze sehr komfortabel auf dem Smartphone und ermöglicht so ortsungebundene Einstellungen. Das ist ein echter Bonus, weil man nicht permanent zwischen „Pultposition“ und Sub hin- und herrennt.
Hier findet ihr eine deutsche Bedienungsanleitung: EVOLVE70-90_UM_de
Aufbau & Handling
Das bekannte EV-Evolve-3-2-1-Prinzip greift auch hier: drei Teile, zwei Klicks, ein System. Sub an die Position rollen oder tragen, Distanzstange einstecken – verriegelt automatisch magnetisch, Säule oben drauf – klick, fertig.
Der 18”-Sub ist kaum ohne zusätzliche Unterstützung zu tragen – da machen sich die fast 36 kg bemerkbar. Nur ein sehr kräftiger Mensch trägt den Sub allein; alles andere allerdings geht locker mit einer Person. Säule und Stange landen in der mitgelieferten, gut gepolsterten Tasche.
Der komplette Aufbau dauert realistisch deutlich unter fünf Minuten – inklusive Strom, Signal und App-Connect. Für mobile Jobs, bei denen man schnell sein muss, ist das extrem angenehm.
Hör-Session mit der Electro-Voice Evolve 90
Nach dem ersten „Trockenaufbau“ ging an das Einhören. Die Herstellerdaten versprechen 28 Hz – 20 kHz und 120° × 25° Abstrahlung. Also haben wir einmal genauer hingehört, ob das in der Praxis stimmig wirkt.
Betrachten wir jedoch zunächst einmal die Wirkungsweise der einzelnen Presets im Frequenzdiagramm:
Ohne große Korrekturen zeigt sich ein recht linearer Verlauf mit leicht gefälligem „Smile“ in den Presets Music/Club – genau das, was man für typische DJ- und PA-Anwendungen erwartet. Die FIR-Filterung sorgt dafür, dass die Übergabe zwischen Säule und Sub sehr sauber wirkt. Das ist durch die großflächigen 4,8”-Lautsprecher in der Säule möglich, die eine tiefe Ankopplung an den Subwoofer erlauben.
Beim Einhören sind u. a. gelaufen:
- House/EDM mit starkem Tiefbassanteil
- Pop/Rock mit dichter Mittenbelegung
- Akustisches Material (Vocal, Piano, Gitarren)
- Sprachmaterial für Moderation/Corporate
Schon im Nahfeld fällt auf: Die Electro-Voice Evolve 90 klingt direkt gut, ohne dass man lange schrauben muss. Stimmen sitzen vorne, der Bass bleibt trocken, die Säule spielt detailliert, aber nicht spitz. Diese Attribute werden auch auf Distanz beibehalten.
Soundtuning
Als Master-EQ steht der bewährte 7-Band-EQ zur Verfügung. Dieser kann für die einfache Anwendung als grafischer EQ betrieben werden oder für präzise Eingriffe in den vollparametrischen Modus geschaltet werden.
Praxiseinsatz
Sound, Abstrahlverhalten und Reichweite
Interessant wurde es im echten Einsatz: eine Veranstaltungshalle mit ca. 25 m Tiefe, Tanzgruppen, die mit Konservenmusik arbeiten, dazu ein Mikrofon für Anweisungen, Durchsagen und kurze Moderationen.
Setup
- 1× Electro-Voice Evolve 90 als Hauptanlage, zentral vorne platziert
- Zuspielung: Konserve (Tanzmusik, Pop, EDM) über Line
- Mikro: Sennheiser-Handmikro EW 300 mit 965-Kapsel, Niere, direkt in den internen Mixer (Mic/Line-Eingang mit etwas Kompressor)
Abstrahlverhalten
Die 120° horizontale Öffnung macht sich sofort bemerkbar: Egal ob in der Hallenmitte oder weit seitlich – der Sound bleibt homogen, keine „toten Zonen“ an den Flanken. Vertikal sorgt die asymmetrische 25°-Coverage dafür, dass die vorderen Reihen nicht erschlagen werden, während hinten trotzdem genug ankommt.
Reichweite
Bis zur letzten Reihe der 25-m-Halle kommt noch ein klarer und definierter Mix an. Natürlich nimmt der Pegel nach hinten ab, allerdings hält sich der Pegelabfall in Grenzen.
Bemerkenswert: Die Säule erreicht aufgebaut fast 240 cm Höhe – schon das zeigt, dass man hier auf Reichweite setzt. Durch den „Knick“ im unteren Segment ist der Nahbereich ebenfalls gut ausgeleuchtet.
Klang mit Musik
Bei moderaten Pegeln wirkt die Anlage souverän und entspannt; die Tanzgruppen haben überall im Raum ein angenehmes Klangbild.
Wenn man Gas gibt, zeigt der 18”-Sub, warum er da drin steckt: Kickdrums kommen mit richtig Punch, Sub-Bässe in elektronischer Musik laufen tief und kontrolliert. Basslastige Tracks bleiben differenziert, mit definiertem, tiefem Low-End.
Sprachwiedergabe
Das Durchsage-Mikro setzt sich problemlos auf der Musik durch. Mit leichtem Low-Cut und etwas High-Boost wird die Sprachverständlichkeit sehr hoch, ohne dass man die Musik brutal runterziehen muss. Feedback war in dieser Situation kein Thema – die Säulencharakteristik hilft spürbar. Zudem macht sich in einem Fall wie diesem – also Musik mit Durchsagen – der Ducker gut. Dieser senkt die Musik während Sprachdurchsagen um einen einstellbaren Betrag ab.
Reserven und Tiefgang
Das vielleicht Beeindruckendste an der Electro-Voice Evolve 90 in diesem Setting sind die Reserven. Auch bei angehobenen Pegeln – so, wie man sie bei einer vollen Tanzhalle tatsächlich fahren würde – spielt das System noch locker und mit Reserven bis zum Limit. Die internen Limiter greifen sehr kontrolliert, ohne dass der Sound schlagartig zusammenbricht.
Der 18”-Sub geht dabei spürbar sehr tief in den Keller: Gerade bei EDM und modernen Pop-Produktionen fehlt nichts.
Interessant: Wie verhält sich der 15” im Vergleich zu seinem 18”-Pendant? Genau diesen Unterschied beleuchten wir dann sehr konkret in Teil 2, wenn beide Systeme gegeneinander laufen.
Kurz: In der 25-m-Halle mit Tanzgruppen hatte die Evolve 90 massive Headroom-Reserven und einen Tiefgang, den man einer Säule nicht automatisch zutraut.
Bedienung der EV Evolve 90 im Alltag
Im Betrieb zeigt sich, wie praxisnah EV das System aufgestellt hat:
- Integrierter Mixer: Für viele Jobs reicht der interne 5-Kanal-Mixer komplett aus – zwei Mics, ein Stereo-Player, vielleicht noch ein zusätzlicher Zuspieler, fertig.
- App-Steuerung: Lautstärken, EQ, Presets, Delay – alles schnell und einfach per Smartphone oder auch direkt am Bedienpanel anpassbar.
- Presets: Für „mal eben“ sind die Werkpresets erstaunlich brauchbar. Wer es genauer braucht, greift in den parametrischen EQ. Selbst erstellte Presets kann man im DSP-Speicher ablegen und bei Bedarf aufrufen.
Electro-Voice Evolve 90 als Säulen-Flaggschiff
Als erstes getestetes System in diesem Doppelpack macht die Evolve 90 sofort klar, wohin die Reise geht: Das ist die „große“ Evolve für Jobs, bei denen Reichweite, Tiefgang und Reserven gefragt sind – aber ohne auf das typische Evolve-Thema Portabilität und schnellen Aufbau zu verzichten.
Ausblick zum Test der EV Evolve 70
Dort geht es dann unter anderem genau um die Fragen, die sich nach diesem Test stellen:
- Braucht man wirklich den 18”-Sub der Electro-Voice Evolve 90 – oder reicht in vielen Fällen die 15”-Variante der EV Evolve 70? Wir vergleichen beide Systeme direkt, hören uns den Unterschied 15” vs. 18” an, schauen auf Transport, Handling, Preis und Features und ordnen ein, für welche Anwendungen welches System die sinnvollere Wahl ist.
- Wir schauen uns die Einstellmöglichkeiten und die App genauer an.
- Wir untersuchen die erweiterten Möglichkeiten wie z. B. Basserweiterung und Verkopplung zweier Systeme.
So viel kann ich aber schon sagen: Wenn man eine Säule sucht, die auch größere Hallen bespielt und im Bassbereich nicht in die Knie geht und gleichzeitig schnell aufgebaut ist, dann spielt die EV Evolve 90 ganz klar in der „haben-wollen“-Liga.
Die Alternativen
Natürlich ist die Electro-Voice Evolve 90 nicht alternativlos. Die folgenden Produkte sollten unbedingt ebenfalls im Vergleich gehört werden:
































Auch wenn ich preistechnisch bei diesem System raus bin, vielen Dank für diesen schön geschriebenen sowie praxisnahen Test-Artikel (wie auch z.b. der LD Systems ICOA Test vor kurzem).
@justcloseyoureyes Vielen Dank,
ja, es ist schon etwas Anderes, die Systeme aufzustellen und auditiv zu testen, als nur Prospekte zu studieren. Auch wenn sich Systeme ähnlich messen, so sind doch der Sound und auch die Wirkung auf der Hörfläche ofr erstaunlich unterschiedlich.
Früher haben wir oft “ Markenraten“ gemacht, das ist auch eine ganz gute Hör-Übung. Ein Paradies dafür ist die PA Abteilung beim Thomann in Treppendorf.
Diesen Trend zu weißen PA-Anlagen kann ich nur als kurzlebig einschätzen. Spätestens nach dem fünften Bühneneinsatz sehen die doch aus wie Sau, oder? 🤔 Klebrige Cola-Bier-Spritzer kann man abwischen, schon klar. Aber das Hin-und-Her-Geschiebe im Bandanhänger hinterlässt doch auch Spuren, die eben dann u.U. nicht so leicht wieder abzuputzen sind.
@UAP Guter Einwand. Allerdings lieben Hochzeits DJs, Einzelmusiker und kleine Besetzungen, die gepflegte Anlässe spielen, Auftritte mit weißem Equipment.
Natürlich muss man auf die Oberflächen aufpassen. Achtsames Handling ist mit Hüllen, Cases und Rollbrettern kein Problem. In Kombination mit sauberen Handschuhen und schonenden Reinigungsmitteln dürfte ein langzeitiger Werterhalt kein Problem sein.
Vor ähnlichen Problemen stehen ja auch Eventausstatter, die es mit zum Teil wesentlich empfindlicherem Equipment wie z.B. Stoffen zu tun haben.