Powerhouse für kleines Geld!
Die Electro-Voice EVIVA 12P ist ein kompakter 12-Zoll-Aktivlautsprecher mit 1000 W Peak-Leistung, der sich primär an DJs, Musiker und kleinere Veranstaltungen richtet. Das Traditionsunternehmen verspricht hochwertigen Klang zum erschwinglichen Preis – ein Versprechen, das sich in der Praxis erstaunlich gut einlösen lässt.
- Leistung & Klang: 700 W RMS und ein überraschend druckvoller, transparenter Sound bis zur Limitergrenze ohne Einbußen.
- Gehäuse & Handling: Leichtbau mit 12 kg und guter Griffplatzierung, aber Schwächen beim Monitoreinsatz und Schutz der Regler.
- Bedienung: Extrem einfach gehaltenes Konzept ohne DSP-Menüs, mit klarer Struktur und praktischen Features wie Bluetooth.
- Zielgruppe: Ideal für semiprofessionelle Anwender, kleine Gigs und DJ-Sets, weniger für den harten Road-Alltag geeignet.
Inhaltsverzeichnis
- Electro-Voice EVIVA 12P
- Electro-Voice EVIVA 12P: Viel Lärm für wenig Geld
- Technische Grundlagen der Electro-Voice EVIVA 12P: Marketing trifft Realität
- Verarbeitung: Licht und Schatten im Verbundstoff-Gehäuse
- Handling: Tragegriffe und das ewige Problem des Solo-Aufbaus
- Wedge-Betrieb: Möglich, aber mit Einschränkungen
- Bedienung der Electro-Voice EVIVA 12P: Simplizität als Konzept
- Das Ärgernis: Ungeschützte Potentiometer
- Klang der Electro-Voice EVIVA 12P: Hier geht die Sonne auf
Electro-Voice EVIVA 12P: Viel Lärm für wenig Geld
Wer in der Preisklasse um 400,- Euro einen 12-Zoller mit derartiger Schallentfaltung sucht, wird an der Electro-Voice EVIVA 12P kaum vorbeikommen. Das System spielt sich mit einer Vehemenz durch den Raum, die man bei einem „Consumer-Produkt“ nicht erwarten würde. Die Zielgruppe ist klar definiert: der semiprofessionelle Anwender, der DJ im Nebenerwerb, die Coverband am Wochenende, der Gottesdienst in der Gemeindekirche. Wer hier einen roadtauglichen Arbeitslautsprecher mit professionellen Features erwartet, liegt falsch. Wer allerdings einen preiswerten Einstieg in die Welt der Elektroakustik sucht und dabei nicht auf ordentlichen Sound verzichten möchte, liegt goldrichtig.
Die Stärken liegen auf der Hand: Der Klang ist schlichtweg beeindruckend für die Preisklasse, die Endlautstärke respektabel, das Bassfundament für eine 12/1-Kombination erstaunlich tragfähig. Die Schwächen? Auch die sind offensichtlich und machen sich vor allem bei längerer Road-Nutzung bemerkbar. Dazu später mehr.
Technische Grundlagen der Electro-Voice EVIVA 12P: Marketing trifft Realität
Beginnen wir mit den Fakten: Electrovoice wirbt mit 1000 W, eine Zahl, die das Herz höherschlagen lässt, aber mit der gebotenen Skepsis betrachtet werden sollte. Aus marketingtechnischen Gründen ist diese Angabe nachvollziehbar, allerdings handelt es sich hierbei um die Peak-Leistung. Die praxisrelevantere RMS-Angabe liegt bei etwa 70 %, was in diesem Fall einer Dauerleistung von rund 700 W entspricht. Nebenbei bemerkt: Selbst 700 W sind für einen solchen Winzling mehr als beachtlich und in der Praxis in den meisten Fällen völlig ausreichend.
Der verbaute 12-Zoll-Tieftöner arbeitet mit Electro-Voices patentierter SST-Technologie (Signal Synchronized Transducer), die Hochtöner werden von einem speziell entwickelten Neodym-Kompressionstreiber mit Titanbeschichtung betrieben. Das Abstrahlverhalten von 90 × 60 Grad sorgt für eine gleichmäßige Raumabdeckung, der Frequenzbereich erstreckt sich von 50 Hz bis 20 kHz (-10 dB), was auf dem Papier ordentlich aussieht. Der maximale Schalldruckpegel wird mit 125 dB angegeben.
Verarbeitung: Licht und Schatten im Verbundstoff-Gehäuse
Das Gehäuse der Electro-Voice EVIVA 12P besteht aus einem Verbundwerkstoff, der sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Wie so oft im Leben überwiegen meines Erachtens die Vorteile, zumindest solange man die Box nicht täglich durch die Republik karrt. Der größte Pluspunkt ist das Gewicht: Mit nur 12 kg ist die Electro-Voice EVIVA 12P ein Leichtgewicht, das sich problemlos von einer Person handhaben lässt, ohne dass man sich gleich einen Bandscheibenvorfall einhandelt. Die Robustheit ist dabei durchaus gegeben, auch wenn der Verbundstoff beim Klopftest nicht gerade den Eindruck vermittelt, als könne man damit den Bandbus aufhalten.
Der subjektive Nachteil liegt in der Optik. Das Gehäuse wirkt – und ich sage das mit allem gebotenen Respekt für die Ingenieurskunst – ein wenig „plastikeresk“. Das pulverbeschichtete Frontgitter deckt nur etwa die Hälfte der Front ab und setzt zwar einen optischen Akzent, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Box für den gehobenen Club-Einsatz optisch vielleicht nicht ganz das Standing hat, das man sich wünschen würde. Die Zeit wird zeigen, wie sich die Konstruktion im harten Road-Alltag bewährt, wobei ich bezweifle, dass die EV EVIVA 12P für tägliche Tour-Einsätze konzipiert wurde.
Handling: Tragegriffe und das ewige Problem des Solo-Aufbaus
Der Tragekomfort der EV EVIVA 12P ist zweigeteilt, im wahrsten Sinne des Wortes. Der obere Tragegriff sitzt zwar an einer durchaus sinnvollen Stelle, führt aber dazu, dass die Box während des Tragens leicht nach vorne kippt und gegen den Oberschenkel drückt. Nicht dramatisch, aber spürbar. Der seitliche Griff hingegen ist hervorragend ausbalanciert und macht das Handling wesentlich angenehmer.
Und hier kommen wir zu einem Punkt, der mich seit Jahren bei unzähligen Budget-Systemen zur Weißglut treibt: Es gibt nur einen seitlichen Tragegriff. Genau einen. Das mag für den Transport völlig ausreichend sein, verwandelt aber das Aufsetzen der Box auf einen Hochständer in eine akrobatische Übung, die entweder zwei Personen oder eine einzelne Person mit überdurchschnittlicher Geduld und Muskelkraft erfordert. Wir reden hier nicht von Raketenwissenschaft, sondern von einem zweiten Griff auf der gegenüberliegenden Seite.
Wedge-Betrieb: Möglich, aber mit Einschränkungen
Für den Einsatz als Bodenmonitor hat Electro-Voice zwei etwa 2 mm umlaufende Streifen ins Gehäuse eingelassen, die den Rutschfaktor minimieren sollen. Das funktioniert auf rauen Oberflächen auch einigermaßen, auf glatten Böden bieten diese Streifen jedoch kaum echte Haftung. Die seitlichen Schrägen sorgen zwar für eine gewisse Stabilität im Floormonitor-Betrieb, allerdings ist der Kipppunkt schneller erreicht, als einem lieb ist.
Man sollte sich vor Augen führen: Die EV EVIVA 12P kann auch als Wedge verwendet werden, ist aber keinesfalls primär dafür konstruiert. Die klassische Rock’n’Roll-Pose mit dem Fuß auf dem Monitor und der engen Lederhose lässt sich mit dieser Box definitiv nicht umsetzen, es sei denn, man möchte den Rest des Abends damit verbringen, die umgekippte Box wieder aufzustellen.
Bedienung der Electro-Voice EVIVA 12P: Simplizität als Konzept
Die EV EVIVA 12P ist eindeutig für den Consumer-Bereich konzipiert, was bereits durch die minimalistische Ausstattung offensichtlich wird. Es gibt keine Klangregelung, keine verschachtelten Menüs, keine endlosen DSP-Optionen. Was es gibt, sind zwei Combo-Eingänge (XLR/Klinke) für Mikrofon- oder Line-Pegel, einen XLR-Mix-Ausgang zum Verketten weiterer Boxen sowie Bluetooth-Streaming. Die Bedienelemente beschränken sich auf zwei Gain-Regler pro Kanal und einen Schalter zum Umschalten zwischen „Music“- und „Live“-Modus. Bei der Electro-Voice EVIVA 12P gibt es zusätzlich einen Schalter für die Hochpassfilterung, der zwischen „No Sub“ und „With Sub EVIVA 18SP“ umschaltet.
Diese Simplizität mag auf den ersten Blick ernüchternd wirken, in der Praxis jedoch erweist sie sich als ausgesprochen vorteilhaft: Man schließt die Quelle an, dreht den Pegel hoch, wählt den passenden Modus und legt los. Keine komplizierten Einstellungen, kein Studium des Handbuchs, keine Verzweiflung über kryptische Menüstrukturen.
Das Ärgernis: Ungeschützte Potentiometer
Was jedoch in dieser Preisklasse immer wieder negativ auffällt und auch bei der Electro-Voice EVIVA 12P zu monieren ist, ist die nicht vorhandene Konterung der Drehregler am Gehäuse. Seien wir ehrlich: Wir reden hier von Bauteilen, die im Großeinkauf unter 1 Cent pro Stück kosten. Da erschließt es sich mir beim besten Willen nicht, warum auch hier die Potentiometer lediglich auf der Platine befestigt sind. Mikrorisse in den Lötstellen sind damit praktisch vorprogrammiert.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Regler zwar durch einen leichten Versatz nach hinten vor direkten Stößen von außen etwas geschützt sind, allerdings hat die nach hinten versetzte Fläche eine Länge von knapp 35 cm. Das bedeutet: Alles, was kleiner als 35 cm ist, kann mit vollem Impact auf die Regler drücken: im Transport-Case, beim Stapeln, beim unachtsamen Handling. Für mich persönlich unter Road-Aspekten ein Totalausfall. Meine dringende Empfehlung: mindestens eine wattierte Transporttasche anschaffen, besser noch eine solide Flightcase-Lösung.
Klang der Electro-Voice EVIVA 12P: Hier geht die Sonne auf
So berechtigt die Kritikpunkte auch sein mögen, sie verblassen im gleichen Atemzug, in dem die ersten Klänge aus den Lautsprechern dringen. Die klangliche Abstimmung zwischen Hoch- und Tieftonbereich ist sehr gut gelungen. Beide Treiber überzeugen durch differenzierten, transparenten Klang, der sich auch bei höheren Pegeln nicht in Auflösung begibt.
Es ist erfreulich zu hören, dass die Traditionsmarke mit der EV EVIVA 12P ein Produkt abliefert, das in der Tat ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Mir ist bislang kein vergleichbares Produkt in diesem Segment begegnet, das derart viel Klang für einen schmalen Geldbeutel liefert. Der Sound ist ungemein druckvoll, bietet dennoch eine überdurchschnittliche Transparenz und verliert erst mit dem Einsetzen des internen Limiters an Qualität. Dieser greift allerdings erst sehr spät an der Leistungsgrenze. Bis zu diesem Punkt schlagen die 700 W RMS mit großer Vehemenz zu Buche.





































Danke für den Test, das klingt doch gut. Nur schade, dass es keine 10er Variante gibt…
klingt Recht gut. leider will man aber wohl mindestens 2.
aber Peak Angaben wie im Quelle Katalog von Omi? naja 😂
Nichtsdestotrotz für gelegentliche kleine Feiern sicher eine gute Option.
und für das gesparte Geld ist etwas gaffaband übrig für die Wege Fixierung 😃