Routen, was das Zeug hält!
Der Elektron Tonwerk betritt ein neues Terrain, denn erstmals bringt das Unternehmen einen polyphonen Multisampler auf den Markt, der Sampling, Sequencing und komplexes Routing in einer neuen Form kombiniert. Der Tonverk versteht sich als Sampling-Workstation & Audio-Prozessor mit besonders abenteuerlicher FX-Routing-Power. Klingt spannend? Ist es auch!
- Stärken: Polyphonie, Multisampling, Auto Sampler, flexibles Routing und leistungsstarker 256-Step-Sequencer.
- Klang: Organisch, präzise und vielseitig durch neue Effekte und modulierte Signalwege.
- Workflow: Anspruchsvoll, eher für Studio und Sounddesign als für spontane Live-Performances.
- Kritik: Kein Time-Stretching/Slicing, nur ein Stereo-Eingang, globale Effekte pro Subtrack, MIDI-Latenz als Slave.
Inhaltsverzeichnis
Elektron hat sich mit Geräten wie Machinedrum, Octatrack, Analog Rytm oder Digitakt einen festen Platz in der Welt der elektronischen Musik und in den Herzen vieler User erarbeitet. Kaum eine andere Firma hat den Begriff „Sequencer mit Charakter“ so sehr geprägt wie die schwedische Firma. Immer wieder hat Elektron es geschafft, Maschinen zu entwickeln, die zunächst komplex wirken, aber durch ihre Tiefe, Durchdachtheit und Einzigartigkeit Kultstatus erlangen. Und nun folgt das nächste Kapitel.
Was ist der Elektron Tonwerk?
Der Elektron Tonverk ist der erste Vertreter einer neuen Plattform innerhalb des Elektron-Universums: ein polyphoner Multisampler mit explorativem Charakter in Routing-Möglichkeiten und Signal-Bearbeitung.
Acht Audio-Tracks bilden das Herzstück, die sich auf unterschiedliche Weise nutzen lassen: als klassische Sample-Player, Multisampler oder in Form der neuen Subtracks, die einen Track in bis zu acht monophone Spuren aufteilen können. Ergänzt wird dies durch vier Bus-Tracks, drei Send-Wege für Effekte sowie einen dedizierten Mix-Track. Damit stehen insgesamt 16 Spuren zur Verfügung, jede mit dem beliebten – aber jetzt auf 256 Steps erweiterten – Elektron-Sequencer.
Die Sampling-Sektion des Elektron Tonverk ist flexibel und hat eine praktische Neuerung am Start: Neben direkter Aufnahme über den integrierten Recorder können Klänge über den Auto Sampler automatisiert erstellt werden. Ein monophoner Patch eines externen Synthesizers wird so in kurzer Zeit sozusagen automatisch zu einem polyphonen Multisample-Instrument.
Ein zentrales Element des Elektron Tonverk sind die Routing-Möglichkeiten. Jeder Track lässt sich frei in Busse, Sends oder den Mix routen. Dadurch sind komplexe Effektketten und Signalflüsse möglich, die im Sequencer sogar per Parameter Locks automatisiert werden können. So lassen sich Sounds im laufenden Pattern für einzelne Steps in andere Effektketten umschalten – für frickelig-abstrakte Sounds und kreatives Sounddesign.
Die Effektsektion ist besonders umfangreich ausgestattet und Teil des Sounddesign-lastigen Ansatzes vom Tonverk. Neben den Klassikern wie Filtern, Reverb und Delay findet man zahlreiche neue Klangprozessoren, darunter Rumsklang Reverb, Daisy Delay, Dirtshaper, Degrader, Chrono Pitch, Frequency Warper, Infinite Flanger oder Phase 98. Alle Effekte können moduliert und natürlich vollumfänglich Parameter gelockt werden.
Auch die Modulationsecke wurde großzügig bestückt: Jeder Audio-Track verfügt über zwei Voice-LFOs, zwei FX-LFOs sowie eine Mod-Envelope. Subtracks bieten zusätzlich individuelle Modulation pro Unterspur. Auch Busse, Sends und der Mix sind mit eigenen LFOs ausgestattet, wodurch sich insgesamt ein Modulationspotenzial ergibt, das in dieser Form bislang in keinem anderen Elektron-Gerät zu finden ist.
Der Tonverk kann nicht nur klassisch über die analogen Ausgänge ins Studio-Setup integriert werden, sondern bietet auch Mehrkanalaudio via USB. Insgesamt lassen sich bis zu acht digitale Spuren gleichzeitig in die DAW übertragen. Auch der interne Mix lässt sich parallel ausgeben. Einschränkend ist aktuell, dass USB- und Line-In-Signale nicht separat geführt werden, sondern im selben Kanal landen. Für reines DAW-Recording ist die USB-Anbindung aber ein klarer Vorteil und macht den Tonverk in dieser Hinsicht flexibler als frühere Elektron-Sampler.
Der Sequencer wurde auf eine neue Dimension erweitert. Bis zu 256 Steps pro Spur sind jetzt möglich, alle Parameter lassen sich per Locks automatisieren. Neben klassischen Funktionen gibt es Arpeggiator, Chord Mode, Song Mode, Pattern Transitions und Perform Mode, was den Tonverk zu einer überaus vielseitigen Produktions- und Performance-Maschine macht.
Man sieht: Der Elektron Tonverk legt seinen Fokus auf Sounddesign, Effekt-Processing und Multisampling. Sehr viele Musiker und Musikerinnen kennen die eine oder andere Elektron-Maschine und versuchen so den Tonwerk in das Elektron-Ökosystem einzuordnen: Was macht der Tonverk neu, was ist sein Alleinstellungsmerkmal? Ist er ein erweiterter Digitakt oder sowas wie ein Octatrack 2.0? Das will ich in diesem Test klären. Daher beschreibe ich weniger die generellen, schon vielfach beschriebenen Elektron-Features, sondern beschränke mich auf Tonverks Eigenheiten, Neuerungen und seine Fähigkeiten.
Elektron Tonverk – Hardware und Äußeres
Auf den ersten Blick wird sofort klar: Elektron bleibt beim Tonverk dem hauseigenen Design der großen schwarzen Flagship-Maschinen wie Octatrack oder Analog Rytm treu. Der kompakte, massive Metallkorpus, die klar beschrifteten Direkt-Tasten für die wichtigsten Bedienseiten (SRC, AMP, FILTER, FX etc.) und griffige Endlos-Encoder – alles ist altbekannt und wurde nicht verändert, was absolut richtig ist. Auch das Display ist in Größe und Auflösung gleich geblieben, so dass man sich, sofern man mit Elektron bekannt ist, direkt zurechtfindet.
Die Anschlusssektion fällt insgesamt umfangreich aus: vier symmetrische Ausgänge (A/B/C/D), zwei Mono-Eingänge (A/B), Kopfhörer, MIDI In/Out/Thru, zwei USB-C-Buchsen sowie SD-Card. Der Kopfhörerausgang ist für Elektron typisch in die interne Routing-Matrix eingebunden und lässt sich gezielt anfahren. Nur einen Stereoeingang mögen manche als zu wenig empfinden, je nach Kontext und Einsatz.
Die Stromzufuhr des Netzteils geschieht über USB-C-Anschluss, der direkt an der Buchse mit einer integrierten Schraube am Kabel gesichert werden kann. Das ist insbesondere im Live-Betrieb sehr nützlich, denn es verhindert ein unbeabsichtigtes Herausziehen des Kabels.
Im Betrieb wirkt der Elektron Tonverk absolut hochwertig und auf Road-Tauglichkeit ausgelegt: Die Encoder laufen einwandfrei flüssig, die Frontplatte sitzt bombenfest und der Tastenraster ist logisch gruppiert. Das Bedienkonzept folgt dem bekannten Elektron-Prinzip: Direktzugriff geschehen über Page-Tasten plus [FUNC]-Ebenen für Setup-Schritte. Wer von Digitakt/Syntakt/Octatrack kommt, fühlt sich schnell zuhause. Ich persönlich bin ein Befürworter sowohl vom Design, als auch von der Haptik der Taster und Regler.
Neu beim Tonverk ist das Mini-Keyboard oberhalb der 16 Sequencer-Tasten. Dies empfand ich im Test als sehr praktisch, denn Melodien lassen sich so viel gezielter und flexibler einspielen. Zwar ist es nicht velocity-fähig, was häufig kritisiert wird, aber dank der geradlinigen Bedienung im Sequencer sind andere Velocity-Werte hinterher schnell gesetzt – und alles ist zunächst erstmal schön einheitlich. Die Art der Taster mit ihrem speziellen, computertastatur-artigen Klick (im positiven Sinne) ist eben nicht velocity-sensitive kompatibel.
Sampling und Instrumentenerstellung
Der vielleicht spannendste Aspekt des Elektron Tonverk liegt in seinem Ansatz, Sampling nicht nur als Abspielen von Sounds, sondern als echten Instrumentenbau zu verstehen. Drei verschiedene Machines pro Track bestimmen, wie mit dem Klangmaterial umgangen wird. Der Single Player ist für die polyphone Wiedergabe einzelner Samples gedacht und erlaubt Loops mit Crossfade. Der Multi Player bringt schließlich echte Multisample-Instrumente ins Spiel. Hier können mehrere Aufnahmen desselben Instruments über die Tastatur verteilt werden, was eine realistische Spielbarkeit ermöglicht.
Eine sehr feine Sache ist der Auto Sampler des Elektron Tonverk, denn er ermöglicht erst das einfache Erstellen von Multisamples von externen Klanggebern wie einem Synthesizer oder auch Sound aus einer App per USB. In einem automatisierten Prozess per MIDI-Kommunikation nimmt den Tonwerk in verschiedenen Tonhöhen und Dynamikstufen das Quellinstrument auf und erstellt daraus in wenigen Minuten ein Multisample-Instrument. Damit wird aus einem monophonen Patch schnell ein polyphon spielbares Preset, das sich sofort mit Filtern, Hüllkurven, Effekten und natürlich den typischen Elektron-Parameter-Locks verfeinern lässt. Eine wirklich sehr schöne Methode, um analoge Synthesizer in den Elektron-Sequencer zu importieren und dort mit einer gewissen neuen Körnigkeit auf vielfältigste Art und Weise zu sequenzieren, effektieren und weiterzubearbeiten.
In der Praxis zeigen sich hier viele Stärken, denn bis zu acht Stimmen pro Audio-Track ermöglichen polyphones Spiel, besonders in Verbindung mit einem externen Keyboard, das die fehlende Anschlagsdynamik der Fronttasten ausgleicht. Zwei Voice-LFOs, zwei FX-LFOs und eine Mod-Envelope pro Track (und sogar pro Subtrack) sorgen dafür, dass Multisamples lebendig moduliert werden können. Zusammen mit den vier Bussen und drei Sends, die jeweils mit zwei Insert-Effekten bestückt werden können, lassen sich sehr flexible Signalwege aufbauen. Da das Routing selbst Parameter-lockbar ist, können Klänge sogar für einzelne Steps in andere Effektpfade geschickt werden. Das ergibt ein kreatives Spielfeld, das sonst eher der DAW vorbehalten ist.
Der Elektron Tonverk hat kein Time-Stretching und kein Slicing. Für klassische Multisamples ist das denke ich verschmerzbar, für Loop- und Breakbeat-orientierte Arbeitsweisen vermutlich ein Hindernis. Ich persönlich vermisse diese Features beim Elektron Tonverk nicht, verstehe aber, dass viele diese Tools in ihrem Arbeitsfluss integriert haben und gerne in einem Multi-Sampler sehen würden. Auch hier hält die Limitierung den Workflow wiederum auch schlanker – und kreatives Potential zur Sample-Bearbeitung bietet der Tomverk schließlich genug.
Auch beim Thema Resampling wünscht sich mancher wohl einen noch direkteren Workflow, wie man ihn etwa vom Octatrack kennt. Hinzu kommt, dass der Tonverk nur über einen Stereoeingang verfügt und USB-Audio derzeit mit den analogen Eingängen zu einem gemeinsamen Signalpfad zusammengeführt wird. Aber der Elektron Tonverk ist eben kein Octatrack 2.0 und legt seine Prioritäten auf andere Bereiche. Handelt es sich um künstliche Limitierungen handelt, damit andere Elektron-Geräte nicht obsolet werden? Möglich … aber welcher Hersteller liefert schon das All-in-one-Gerät, das alles vereint?
Was mir im Arbeiten mit Multisample-Erstellung auffiel: Die Projekt-Pools können schnell voll sein, teilweise schon beim ersten Auto-Sampling-Versuch, wenn man in einem werksseitigen Projekt arbeitet. Hier hilft es nur, mit einem leeren Projekt zu starten oder ungenutzte Samples zu entfernen.
Auf umfangreiche Multi-Edit-Funktionen wie z. B. Round-Robin oder detailliertere Zonenverwaltung muss man derzeit verzichten. Der Tonverk versteht sich ebenso wenig als MPC-Ersatz, sondern als Multisample-Instrument mit Elektron-DNA. Wer ihn unter diesem Blickwinkel betrachtet, entdeckt ein sehr inspirierendes Werkzeug. Multisamples, modulierte Effekte, p-lockbares Routing und ein erweiterter Sequencer machen das Gerät vor allem für experimentelle elektronische Musik passend. Wer hingegen vor allem Loops choppen, stretchen und live remixen will, fährt mit einer MPC, DAW oder dem Octatrack besser.
Subtracks: Drumkits & Layering beim Elektron Tonverk
Die Subtracks des Elektron Tonverk sind ein cleveres Konzept, um Drumkits oder Layer-Sounds auf einer Spur zu organisieren. Statt für Kick, Snare, HiHat und Percussion jeweils eigene Tracks zu opfern, lassen sich diese innerhalb einer einzigen Spur stapeln. Das spart Ressourcen und sorgt für Ordnung.
Effekte greifen aber nur auf die ganze Spur, nicht auf einzelne Subsamples. Wer also der Snare ein Reverb, der Kick aber einen Kompressor geben möchte, stößt an die Grenzen. Für schnelle, kompakte Drumkits ist die Lösung durchaus praktisch, für genauere Drumsounds-Design nicht ganz vollumfänglich.
Elektron Tonverk: Sequencing & Workflow
Der Elektron-Sequencer gilt seit Jahren als Referenz und hat enorm coole, leicht anwendbare Features wie Parameter Locks, Conditional Trigs und Microtiming integriert. An dieser Stelle sollen aber nur die neuen Aspekte vorgestellt werden:
Der Sequencer wurde mit dem Elektron Tonverk auf bis zu 256 Steps pro Spur erweitert – so viel gab es bisher noch nicht in einem Elektron-Gerät. Damit sind deutlich längere Patterns möglich, die sich auch für komplexe Songstrukturen oder fließende Ambient-Sequenzen eignen. Gerade im Zusammenspiel mit Song-Mode lassen sich so komplette Arrangements innerhalb des Geräts realisieren.
Hinzu kommen die Lane-Modi, die es erlauben, Spuren mit unterschiedlichen Längen und Abspielgeschwindigkeiten laufen zu lassen – Polyrhythmen entstehen so fast von selbst. Der Performance-Mode wiederum erlaubt, mehrere Parametergruppen gleichzeitig zu steuern, was vor allem im Live-Kontext eine enorme Dynamik eröffnet.
In Kombination mit dem Multi Player ergeben sich beim Elektron Tonverk dadurch faszinierende Szenarien: Ein Multisample-Piano oder ein Drumkit kann über polyphone Sequenzen, Parameter Locks und moduliertes Routing derart veredelt werden, dass es lebendig und organisch wirkt und reicht dann weit über das hinaus, was man von einer klassischen Groovebox erwartet. In meinem Test zeigte sich, dass selbst einfache Patterns durch die Kombination aus langen Sequenzen und Modulation fast wie eingespielte Takes klingen konnten.
Effekte & Routing
Ein Kernstück des Elektron Tonverk ist seine umfangreiche Effektsektion, die deutlich über das hinausgeht, was man bisher von Elektron kannte. Neben den klassischen Tools wie Filter, Delay, Reverb oder Chorus hat Elektron eine ganze Reihe neuer Effekte integriert, die das Gerät klanglich auf ein neues Level heben.
Die Klangqualität ist wirklich schön und konnte mich überzeugen. Insbesondere auch bei extremeren Werteeinstellungen und krassem Rumdrehen der Regler klingen die Effekte frequenzmäßig immer noch kontrolliert, wenn auch z. T. völlig zerstört. Das Rumsklang Reverb liefert dichte, moderne Räume, während das Supervoid Reverb Flächen nahezu ins Unendliche trägt. Mit dem Daisy Delay gibt es ein präzise synchronisierbares Echo, das Saturator Delay fügt eine analoge Wärme hinzu. Kreativer wird es mit Infinite Flanger und Phase 98, die extreme Schwebungen und modulierte Phaser-Sounds ermöglichen. Für raue Klangfarben sorgen Dirtshaper (Distortion/Waveshaper) und Degrader (Bitcrusher). Eher experimentell sind der Frequency Warper, der Spektren verbiegt, sowie das metallisch klingende Comb ± Filter und die Filterbank für gezielte Frequenzarbeit.
Besonders spannend im Kontext der Effekte ist das freie Routing: Drums lassen sich etwa gesammelt auf einen Bus mit Kompressor und Filter schicken, während Pads parallel über den Reverb-Send laufen. So entstehen komplexe Mischungen direkt im Gerät, ohne externe Bearbeitung. Auch lassen sich verschiedene Tracks (einzeln oder mehrere) in verschiedene Busse und somit in verschiedene Effekt-Landschaften schicken.
Effekte & Routing – das ist das zweite Bein, auf dem der Elektron Tonverk steht. Wer mit Signalflüssen experimentieren und Sounds über Modulation, Busse und P-Locks immer wieder neu formen möchte, findet hier ein extrem kreatives Spielfeld. Elektron liefert schon auf dem mitgeliefertem Poster einige Ideen für spannende Routing-Schweinerein – diese darf man gerne kreativ weiterführen.
Elektron Tonverk in der Praxis
Im praktischen Einsatz zeigt sich zunehmend, was den Elektron Tonverk besonders macht, wo seine Stärken liegen. Einerseits eröffnet er ein kreatives Spielfeld, das weit über klassische Groovebox- oder Sampler-Konzepte hinausgeht und Routing-technisch mehr als jedes andere Elektron-Gerät an eine DAW heranrückt. Multisample-Instrumente wirken lebendig und lassen sich durch Parameter-Locks und Modulationen veredeln, sodass selbst einfache Sequenzen überraschend organisch klingen. Gerade in Kombination mit dem 256-Step-Sequencer entstehen lange Phrasen und Polyrhythmen, die ohne externe DAW möglich sind.
Gleichzeitig fordert der Workflow des Elektron Tonverk aber auch eine gewisse Disziplin. Projekte brauchen mitunter lange zum Laden und häufig muss man überlegen, welche Routen und Busse man im Detail eingerichtet hat. Hinzu kommt, dass Effekte bei Subtracks global wirken und nicht auf einzelne Samples. Das ist ein Limit, das beim Erstellen kompletter Drumkits oder vielschichtiger Layer an spürbar wird.
Ein Kritikpunkt betrifft derzeit die Nutzung des Tonverk als MIDI-Slave. Im Zusammenspiel mit anderen Geräten ergab sich bei mir eine konstante Latenz von etwa 20 ms auf, sowohl beim MIDI-Sync als auch beim Audioeingang und bei der Verarbeitung von MIDI-Noten. Eine Recherche zeigt, dass ich damit nicht alleine bin und viele Nutzer hiervon berichten. Für ein präzises Hardware-Setup ist das natürlich zu viel und wirkt im Workflow störend. Ein künftiges Firmware-Update sollte hier Besserung ergeben.
Im Alltag verortet sich der Tonverk als Werkzeug für Sounddesign, Studioarbeit und detailverliebtes Sequencing. Für schnelle, intuitive Live-Performances würde ich ihn nicht prädestiniert sehen. Unterm Strich bleibt ein manchmal zwiespältiges, aber faszinierendes Bild, denn der Tonverk ist kein einfaches Instrument, sondern schon eine komplexe Maschine, die Zeit und Hingabe erfordert. Wer sich darauf einlässt, erhält ein extrem flexibles Klanglabor, das in der Praxis gleichermaßen inspirieren wie überfordern kann. Aber natürlich kann man auch einfach ganz normal mit ihm Musik machen, schließlich muss man die ganzen Routing-Optionen ja nicht nutzen. Man kann aber! – und genau das macht ihn spannend.
Ich konnte in den zwei Wochen des Testens und Rumspielens mit dem Elektron Tonverk schon erkennen und erahnen, dass sein wahres Potential erst mit der sicheren und vertrauen Routine mit seinem Routing-Wegen freigelegt wird – dann kann man auch im laufenden Jam schnell kleine Dinge einbauen, die einem zu Beginn vielleicht noch als Hürde erscheinen und deswegen vermieden werden.
Wie klingt der Elektron Tonverk?
Der Tonverk zielt klanglich auf eine Mischung aus Präzision, Charakter und experimentellem Potenzial. Was sofort auffällt ist, dass seine Multisample-Engine im Vergleich zu vielen älteren Elektron-Geräten einen deutlich organischeren Klangeindruck bringt. In der Multi Player-Maschine erscheinen Velocity-Layer und unterschiedliche Samples für unterschiedliche Tonhöhen – das Ergebnis wirkt im besten Fall weniger gepitcht, sondern „wirklicher“. In Kombination mit den Modulationsmöglichkeiten (LFOs, Hüllkurven, Mod-Env) und dem flexiblen Routing lassen sich aus einfachen Patches lebendige Spielzeiten erzeugen.
Die umfangreichen und neuen Effekte tragen natürlich einen starken Anteil am generellen Klang des Elektron Tonverk – und sie klingen gut! Insbesondere die Reverbs sind schön dicht und räumlich sauber. Viele Effekte wie Frequency Warpoer, Chrono Pitch und Comb± bringen schöne Texturen und experimentelle Färbung hinein.
Insgesamt trägt der Tonverk unverkennbar die Elektron Klang-DNA, die ich als modern, kontrolliert und nicht übermäßig HiFi beschrieben würde. Aufgenommenes Material lässt sich super im Mix platzieren, der Elektron klingt irgendwie „kompakt“ – das fiel mir besonders beim Multisampeln meines fetten Prophet-5 auf, der auf dem Tonverk immer noch schön, aber definitiv anders klang.
Das ist wiederum auch das Kaufargument und Alleinstellungsmerkmal des Tonverk gegenüber den massiven Fähigkeiten einer DAW, denn Samples und Multisamples gewinnen einen eigenen Klangcharakter und man kommt zu klanglichen Ergebnissen, die man im DAW-Kontext nicht auf diese Weise erreichen würde.
Der Tonverk bietet einen Klangraum, der zwischen technischer Präzision und experimenteller Eskalation angesiedelt ist. Er klingt nicht automatisch analog warm, aber er klingt flexibel und das ist klanglich fast schon ein Statement. In seiner besten Anwendung schöpft man ihn nicht durch Presets, sondern durch Modulation, Effekte und routingbasierte Verbindungen. Sein stärkstes Merkmal ist nicht ein unverwechselbarer Klang, sondern eben eher die Freiheit, Klangverläufe, Routings und Effekte zu formen. Die Herausforderung liegt weniger in der Klangausstattung als in der Bedienung, Organisation und dem bewussten Einsatz von Ressourcen-Kontrolle. Erst dann zeigt sich das volle klangliche Potenzial.
















































interessant.
werden die Knöpfe wieder nach wenigen Jahren kleben?
@Numitron Ich vermute mal ja, mein Digitakt und Tone Mk.I haben schon Ersatztasten spendiert bekommen und einige davon fangen auch schon wieder an klebrig zu werden, nicht schön.
Beim alten A4 Mk.I den ich mal hatte fing es mit den Drehknöppen an und endete mit einem Display welches kaum noch sichtbar war, den hab ich auch verkauft und mittlerweile habe ich mein GAS glücklicherweise gut unter Kontrolle und kann warten.
@KBM74 mühsam
😥
@Numitron Nicht, wenn Du Dir regelmäßig die Hände wäscht und das Gerät nicht in feucht-warmer Umgebung mit einem Plastikdeckel abdeckst.
Wenn sie kleben, kannst Du sie in der Regel mit einer sanften Seifenlösung abwaschen. Isopropanol geht auch.
Wenn es bei Dir richtig schlimm wird, bekommst Du die Beschichtung auch mit ein bisschen Druck und mehr Isopropanol komplett clean. Nur nicht übertreiben, dann werden sie weiß.
Im Notfall kannst Du auch ein Ersatzset bestellen. Kosten halten sich in Grenzen, nur Porto und ggf Zoll nerven.
Bei mir klebt nichts und ich habe sie teilweise seit 2017. Täglicher Einsatz, norddeutsche Luft, Nichtraucher.
@deutscheindustrieprodukte.de OK.
beim Microbrute wurde es klebrig.
hab aber eben wie du sagst mit Isopropanol (über Nacht die potikappen einlegen) die Beschichtung runterbegekommen.
außerdem neue von arturia bekommen.
die keine softtouch Beschichtung haben.
beim Waldorf Pulse mit etwas Wasser und Seife mittlerweile unklebrig.
könnte aber wieder kommen.
@deutscheindustrieprodukte.de Süddeutsche Raucher sind am Arsch. Sorry, musste sein.
Ich hoffe, die Firmen lernen dazu. Die klebrig-Diskussion läuft jetzt schon seit Jahren. Bei allen Herstellern, die solche Potis verwenden. Nicht gut fürs Image. Also ich würde es ändern. Teurer wird‘s ja nicht
@Numitron So schade, wenn die Kleinteile sich schon nach 5 Jahren auflösen… Die Antwort fehlt vom Hersteller, was mich immer weiter in Richtung TR-1000 treibt.😭
@CDRowell oder andere potikappen. keine Lösung?
@Numitron 😂👍 sowas von gute Alternative!
@CDRowell hab eine rote, gelbe und grüne beim minilogue.
passenderweise beim delay. 😄
Danke für den Test! Überlegtes Fazit find ich.
Die Vel-Layer stellt man doch selber ein beim Multisamples machen?! Ansonsten, 8 Stimmen pro Track, da hast du doch selbst die Antwort schon gegeben.
@zirkuskind 128 velocity layer pro Keyzone laut Anleitung.
Ich gehe davon aus, daß Elektron wie immer Updates nachschiebt, die fehlende Features wie Slicing, Timestretching nachliefert.
Bisher gab es für die Geräte jedenfalls immer signifikante Neuerungen und eine sehr gute Produktpflege. Insofern wird auch dieses Gerät sicherlich seine Zielgruppe finden…für mich persönlich decken Machinedrum, Digitakt1, Digitone1 und Octatrack eigentlich alles ab.
Unfassbar gut.
Es gibt noch super nervige Latenz- und andere Probleme, die noch im Oktober gefixt werden sollen.
Neue Plattform, enorme Leistungssteigerung: Klar, dass das am Anfang hakt.
Warum der frühe Verkauf?
TR1000, neue MPC – Völlig verschieden, aber auch hochpreisig und hoch interessant. der erste auf dem Markt zu sein ist sinnvoll.
Plus wahrscheinlich noch Investitionen und damit verbundene Pläne. Geld muss in Bewegung bleiben.
Mich nervt, dass die ganzen TesterInnen nichts (deutlich genug) gesagt haben.
Immerhin hat mir auf Nachfrage mein Lieferant die Umtauschfrist massiv verlängert.
Zu den postitiven Aspekten:
1A Qualität, Workflow extrem gut durchdacht, intuitiv bedienbar, Klangqualität ist super, Möglichkeiten endlos. Warum Roland hier nicht nachzieht, verstehe ich nicht.
Abwechslungsreiches Rumble im Hintergrund nötig? Nimm einfach einen Subtrack.
Ein Zwischending aus Gitarre und Geige basteln? Weißes Rauschen als Basis reicht.
Neben den Routingmöglichkeiten und den vielen Effekten stecken in dem Gerät einfach mal 8 Digitakts; Stereo. .Du bekommst eine komplette Drumspur in einen Track.
Es wirkt eher wie eine organische Soundmaschine – Es kann auch 909. Du kannst auch oldschool komplette Loops loopen.
Oder Du jagst eine 909, 808 und alles andere durch eine klangliche Großküche, erstellst deine dynamischen Loops selber.
Wenn Tonverk eine gewisse Verbreitung findet, wird es Musik mehr ändern als die TR 909 und die neue MPC zusammen.
Checkt mal den passenden Thread im Elektron-Forum.
Das erste mal, dass ich in kurzen knappen Sätzen die Komplexität dieses Geräts vor Augen geführt bekomme: 8 Audio-Tracks mit separaten Modulationen, die bei Bedarf in jeweils 8 monophone Subtracks aufgeteilt werden können, ebenfalls noch mal mit separaten Modulationen, dann noch vier Bus-Tracks, drei Effekte-Tracks und einen Mix-Track … und jeder von denen auch noch automatisiert mit den Möglichkeiten des Elektron-Sequencers. An der Stelle lief mir dann wortwörtlich das Wasser im Munde zusammen (hat bei mir als Nerd wohl was mit Onkel Iwan [Pavlov] zu tun).
Altes! Schwedisches! Bis! Zum! Dachfirst! Vollgestopftes! Möbelhaus! – !!!
Und dann kam die Erwähnung des »Rumsklang Reverbs« und ich habe vor Freude in die Hände geklatscht (keine Ahnung, was das nun genau ist … aber ich finde schon den Namen geil).
Also, wenn ich Hardware/DAWless-Fetischist wäre, dann hätte es sich jetzt mit einer evtl. anzuschaffenden AKAI »MPC sonstwas«.
@Flowwater Hey, Flowwater! Ich baue ein Gerät, bei dem jeder Parameter durch jeden modulierbar ist. Alle Modulationsquellen sind ebenfalls modulierbar. Dich habe ich schon als Kunden! 😄
@Tai super Film! 😸
@Tai YAY! 👍
@Tai Der Titel hört sich schon mal gut an
@Tai Man darf mich auch nicht als Cineasten bezeichnen, obwohl sehr interessiert, fehlen mir oft einfach die mindestens 1 ½ Stunden. Klar kenne ich Jamie Lee, mag sie sehr, fiel auch durch gute Statements in den letzten Jahren wieder auf
@Tai Du hast es auf den Punkt gebracht