M/S Kompressor meets Multiband
Der Elysia xmax qube kombiniert Multiband-Mid/Side-Kompression mit analogem Soft-Clipping und richtet sich an Mixing- und Mastering-Ingenieure, die professionelle Summenbearbeitung suchen. Eine Hardware-Lösung für alle, die dem digitalen Workflow analoge Wärme hinzufügen möchten.
Kurz & knapp
- Analoge Klangveredelung: Der Elysia xmax qube bringt musikalische Wärme und Tiefe in den Mix – ideal für professionelle Mastering-Setups.
- Mid/Side-Multiband-Kompression: Präzise Steuerung von Stereobreite und Dynamik mit drei separaten Kompressoren.
- Tone-Regler & Soft-Clipper: Seidiger Höhen-Glanz und mehr Lautheit ohne Härte – perfekte Feinjustierung für die Stereosumme.
- Top-Verarbeitung: Hochwertige Hardware mit tadelloser Haptik, lasergravierten Beschriftungen und stabilem Gehäuse.
- Eingeschränkte Flexibilität: Keine extremen Effekte, keine Attack-Zeiten – der Fokus liegt klar auf transparenter Musikalität.
Inhaltsverzeichnis
- Kurz & knapp
- Elysia xmax qube
- Fazit vorweg: Premium-Tool mit klarem Einsatzgebiet
- Elysia xmax qube: Drei Formate, ein Konzept
- Das Herzstück: Mid/Side meets Multiband
- Praxis: Wo der Elysia xmax qube glänzt
- Der Tone-Regler: Geheimwaffe für seidigen Glanz
- Soft-Clipper: Lautheit ohne Aggressivität
- Workflow: Analog in digitalen Zeiten
- Vergleich mit Plug-in-Konkurrenz
- Limitierungen und Schwächen
- Technische Daten im Überblick
Fazit vorweg: Premium-Tool mit klarem Einsatzgebiet
Der in Deutschland gefertigte Elysia xmax qube ist kein Gerät für Sparfüchse, sondern ein hochspezialisiertes Werkzeug für anspruchsvolle Anwender. Als kraftvolles Tool bietet er nicht nur auf dem Masterbus, sondern auch auf Stereo-Bussen volle Kontrolle über die Dynamik mit einem intuitiv gestalteten Prozessor, der besonders durch seinen Tone-Regler im Hochfrequenzbereich überzeugt. Für Produzenten und Mixing-Engineers, die ihre Summen professionell veredeln wollen, ist er eine ernsthafte Bereicherung für das Tonstudio. Hobby-Musiker sollten hingegen überlegen, ob sie bei Plug-in-Lösungen bleiben, denn hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis schlicht nicht.
Die Stärken des Elysia xmax qube liegen klar in der präzisen Stereobearbeitung und der analogen Klangfärbung. Der interne Mid/Side-Ansatz mit frequenzselektiver Kompression eröffnet Möglichkeiten, die reine Plug-in-Emulationen nur schwer erreichen. Wer allerdings extreme Kompressionseffekte oder drastische Klangverformungen sucht, wird enttäuscht. Der xmax gehört zum Team „transparent und musikalisch“.
Elysia xmax qube: Drei Formate, ein Konzept
Elysia bietet den xmax in drei Ausführungen an: als 19-Zoll-Rackmount (1.740,- Euro), als 500er-Modul (1.150,- Euro) und als portable Qube-Version (1.350,- Euro). Alle drei Formate basieren auf der gleichen Class-A-Schaltung mit M/S-Multiband-Kompression und Soft-Clipper.
Die unterschiedlichen Bauformen richten sich an verschiedene Workflows. Das Rack-Gerät für feste Installationen, das 500er-Modul für modulare Setups und die Qube-Version für mobile Anwendungen.
Uns liegt die Qube-Version zum Test vor, die mit den Abmessungen von 104 x 205 mm x 137 mm (B x H x T) und einem Gewicht von nur 1,46 kg äußerst handlich ist. Das charakteristische Elysia Gehäuse steht auf zwei durchgehenden Gummibahnen, die eine sehr gute Haftung auch auf sehr glatten Oberflächen gewährleisten.
Betrieben wird der Elysia xmax qube mit einem externen mitgelieferten Netzteil, das mit den Werten 18 V/1A aufwartet. Aufgrund der Bauweise des Netzteils sollte ein entsprechender Abstand auf der Steckdosenleiste eingeplant werden. Allerdings befindet sich ein großzügiges 2 m langes Kabel am Netzgerät, so dass auch weiter entfernte Steckdosen erreichbar sind.
Typisch für Elysia präsentiert sich das Gerät in der charakteristischen silbernen Optik mit beleuchtetem Firmenschriftzug. Die Verarbeitung ist tadellos, die Potentiometer weisen einen angenehm definierten Widerstand auf und die Beschriftung erfolgte per Lasergravur. Alles sehr sauber mit der Liebe zum Detail umgesetzt.
Das Herzstück: Mid/Side meets Multiband
Der technische Ansatz des Elysia xmax qube ist durchdacht und praxisorientiert. Das Gerät arbeitet mit internem Mid/Side-Processing und liefert dabei kristallklare Audioqualität ohne Kompromisse bei der natürlichen Integrität des Mixes. Das eingehende Stereosignal wird zunächst in Mitten- und Seitensignale zerlegt, wobei das Mittensignal zusätzlich in Low- und Mid-Bänder aufgeteilt wird. Drei separate VCA-Kompressoren bearbeiten diese Signalbereiche unabhängig voneinander.
Die Crossover-Frequenz zwischen Low- und Mid-Band lässt sich präzise von 40 bis 470 Hz einstellen – eine Flexibilität, die bei der Anpassung an verschiedene Musikstile entscheidend ist. Jeder der drei Kompressionsbereiche verfügt über separate Threshold- und Gain-Regler, während ein gemeinsamer Release-Regler alle Kompressoren gleichzeitig steuert. Die Release-Zeit reicht von knackigen 10 Millisekunden bis zu entspannten 1,3 Sekunden.
Praxis: Wo der Elysia xmax qube glänzt
Auf dem Drumbus entfaltet der Elysia xmax qube seine Stärken besonders deutlich. Mit moderater Gain-Reduktion um die 3 dB und mittlerer Link-Einstellung entstehen druckvolle, aber niemals überkomprimierte Schlagzeug-Sounds. Der „Punch“-Button, der die Ratio auf etwa 3:1 anhebt, verleiht zusätzlichen Nachdruck, ohne die Transienten zu zerstören.
Bei Vocals zeigt sich die Flexibilität des Geräts: Durch Anpassung der Crossover-Frequenz an die jeweilige Stimmlage lassen sich sowohl einzelne Leads als auch Backing-Vocals optimal bearbeiten. Besonders bei Chören entsteht ein herrlich breiter, kompakter Sound, der sich weich und praxisgerecht in den Mix einfügt.
Sein volles Potenzial entfaltet der xmax jedoch auf dem Masterbus. Mit seiner Class-A-Stereo-Masterbus-Architektur für Mixing und Mastering liefert er außergewöhnliche Klarheit, Punch und Vielseitigkeit, während er gleichzeitig ein kontrolliertes Stereobild mit zentrierten tiefen Frequenzen schafft. Die drei Kompressionsbänder erlauben drastische Eingriffe in Stereobreite und tonale Balance, ohne dass der Mix seinen musikalischen Charakter verliert.
Der Tone-Regler: Geheimwaffe für seidigen Glanz
Besonders erwähnenswert ist der unscheinbare „Tone“-Regler, der sich oben rechts auf der Bedienoberfläche befindet. Dieses High-Shelf-Filter, das ab etwa 4 kHz einsetzt, verleiht dem Signal einen wunderbar seidigen Glanz. Mit bis zu 12 dB Anhebung oder Absenkung lässt sich fast jedem Signal mehr Luftigkeit verleihen.
Die feine Auflösung, die der Tone-Regler in den Hochfrequenzbereich bringt, ist besonders beeindruckend. Hier zeigt sich die klangliche Finesse, die Elysia mit ihrem Outgear-Ansatz von Plug-in-Emulationen unterscheidet.
Soft-Clipper: Lautheit ohne Aggressivität
Der integrierte Soft-Clipper, übernommen vom bewährten Elysia Alpha Comp, sorgt für zusätzlichen Headroom ohne harte Verzerrungen. In der Praxis bedeutet dies: lautere Mixe ohne aggressive Kompressionsartefakte. Selbst bei höchster Gain-Reduction bleiben die Signale musikalisch und transparent – ein entscheidender Vorteil gegenüber vielen digitalen Limitern.
Workflow: Analog in digitalen Zeiten
Der größte Unterschied zu Plug-in-Lösungen liegt im Workflow. Wer den Elysia xmax qube mehrfach in einem Projekt nutzen möchte, muss die Bearbeitung in Echtzeit „printen“ und für den Recall schriftliche Notizen führen. Das mag antiquiert erscheinen, zwingt aber zu bewussten Entscheidungen und kann auch durchaus inspirierend wirken.
Die direkte haptische Kontrolle über echte Potentiometer bietet ein Arbeitsgefühl, das selbst hochwertige Controller nur annähernd vermitteln können. Das Zusammenspiel zwischen Thresholds, Release-Zeit und VCA-Verlinkung erfordert Experimentierfreude, belohnt aber mit überraschenden und musikalischen Ergebnissen.
Vergleich mit Plug-in-Konkurrenz
Die oft gestellte Frage „Hardware oder Plug-in“ lässt sich beim Elysia xmax qube nicht pauschal beantworten. Klanglich ermöglichen beide Ansätze exzellente Ergebnisse, allerdings auf unterschiedliche Weise. Der Elysia xmax qube zieht mehrere Elysia-Tools in eine umfassende Box zusammen und bietet präzise Dynamik-Kontrolle mit aufregend reicher Sättigung.
Plug-in-Alternativen wie der Softube Bus Processor arbeiten mit anderen Ansätzen, Excitern und separaten Sättigungsstufen, was zu anderen klanglichen Färbungen führt. Der Elysia xmax qube bringt durch seine analoge Schaltung native Obertöne ins Spiel, die sich klanglich von digitalen Emulationen unterscheiden.
Limitierungen und Schwächen
Der Elysia xmax qube ist kein Allheilmittel. Wer massive Pumpeffekte oder drastische Klangverformungen sucht, wird enttäuscht. Elysia verzichtet bewusst auf extreme Einstellmöglichkeiten und konzentriert sich auf musikalische Resultate. Die Ratio ist nicht frei wählbar und liegt grundsätzlich unter 2:1, nur der „Punch“-Button hebt sie auf etwa 3:1 an.
Auch fehlen dedizierte Attack-Einstellungen, was die Flexibilität gegenüber vollwertigen Kompressoren einschränkt. Dafür arbeitet der Elysia xmax qube in seinem definierten Einsatzbereich zuverlässig und klingt stets musikalisch.
Technische Daten im Überblick
Der xmax bietet zwei symmetrische XLR/Klinke-Ein- und Ausgänge, drei separate Kompressoren für Low-, Mid- und Side-Bänder sowie zwölf Drehregler und drei Druckschalter für die Bedienung. Sechs LED-Meter informieren über Gain Reduction und Pegelverhältnisse, während der variable Crossover zwischen 40 und 470 Hz einstellbar ist.
Ein kleinen Makel konnte ich auf der Rückseite des Elysia xmax qube finden. Die TRS-Buchsen sitzen sehr nah über den XLR-Ausgängen, so dass die Verriegelung der XLR-Stecker nur mit ordentlich Fummelarbeit zu lösen ist. Hier hätten ein paar Millimeter mehr Abstand gut getan.





































Moin,
es ist mein vierter Elysia und wollte wissen, ob ich ganz ohne Plugin auskomme! Ja es wird laut, bleibt dynamisch, ohne zu clippen und färbt nicht, solange nicht der s-clip massiv eingesetzt wird.
Es ist wie ein EQ auf Stereoiden, da jeder Kompressor im Gain +/- geregelt werden kann. Nicht der Link zu vergessen, welcher voll oder anteilig die Kompressoren „gleich“ regelt. Nicht erwähnt der „lowmo“. Dieser eliminiert aus dem Side Signal die tiefen Frequenzen unter 150 Hz. Alles bleibt Mono-Kompatibel.
@Axel, der Punch hat folgende Ratio: (1:1.45 to 1:2.55)!
@Sixhand Wie bringst du das Teil in die Signalkette? Also vom Rechner in den Elysia und wieder zurück in den Rechner? Der klingt so fantastisch das ich mir echt am überlegen bin.
@Filterpad Schon ja 😄 Aber mir geht es um die Einstellungen in der DAW.
@Filterpad @Filterpad, über das Audiointerface In/Out und als External Effect in der DAW. Habe so alle meine „toys“ vernetzt. Ist quasi wie eine digitale patchbay. Kann somit bestimmen, wo und Reihenfolge. Beachten sollte man stets input gain um keine digitale Verzerrungen zu meiden.
@Sixhand Ok super und danke der Aufklärung.
schön, wenn gleich im ersten Absatz „analoge Wärme“ drinsteht, weiß ich, daß ich mir die Zeit sparen kann, weiterzulesen.
@moinho Weil es stimmt oder Esoterik ist?
@Filterpad Ich will keine „analoge Wärme“, was soll das sein? Ich will daß das Ding praktisch ist, fein klingt und Spaß macht. Wenn der Autor sich für Thermodynamik interessiert, sind die Chancen gut, daß ich nicht erfahre, was ich wissen will.
(nb: meiner Erfahrung nach macht elysia Sachen die mäßig praktisch sind aber fein klingen).
@moinho Könnte ich auch nicht erklären. Bass macht erwiesenermaßen Wärme, aber was analoge Wärme sein soll, kann ich nicht erklären. Man könnte vielleicht sagen: Macht durch analoge Komponenten eine Wärme, ähnlich wie man sie von vollanalogen Synthesizern her kennt. Und ja: Der Eingriff des Elysia ist minimal – soweit ich das durch die Klangbeispiele beurteilen kann. Aber ich habe schon den Eindruck, dass er den Song im Master irgendwie veredelt – was Plugins tatsächlich so nicht hinbekommen. Wie man das nennt, ist – wie du erwähntest – wurscht. Hauptsache, es funktioniert, macht Spaß und bringt brauchbare Ergebnisse. Nur das oben Beschriebene (Einfügen in die Signalkette) sollte ich noch wissen. Also: raus aus der DAW, rein in den Elysia – und wieder als verarbeitetes Signal rein in die DAW? Oder ist das identisch damit, wie man einen Synthi in die DAW aufnimmt?
@Filterpad manche Audio-Werkzeuge (z.B. Wavelab) haben sog. „externe Plugins“. Damit kann man an ner Stelle in der Masterchain, oder auf nem Track, oder nem Clip, einfach raus und wieder rein. Renders passieren dann in Echtzeit. Kann man machen.
@moinho Zur Thermodynamik: Ja, das Gerät generiert entsprechend dem zweiten Hauptsatz physische Wärme. Was nun klangliche Wärme ist, bleibt komplett subjektiv. Der Xmax fügt für meine Ohren nichts hinzu was nicht da ist. Er erlaubt mit seinen Reglern vielfältige dynamische Anpassungen von Glue bis Punch und eine Anpassung der Räumliche ohne Phasenprobleme. Wer etwas Air braucht, kann dies hinzufügen.
Ich selbst habe die Einarbeitung unterschätzt. Die Regler beeinflussen sich gegenseitig.
Die Ergebnisse sind für mich so gut, dass ich keine Kompressor PlugIns auf dem Stereo Track mehr verwende. Der nachgeschaltete Limiter hat durch den sehr guten SoftClipper nur noch wenig zu tun, sorgt aber für einen maximalen Pegel von -1,1 db
Wäre das nicht eine vernünftige alternative zum DOCtron IMC 5 ? Die beiden Masterveredler für unterwegs sind sich doch in ihrem Verwendungszweck, Größe und Gewicht, sehr ähnlich, oder? Nur der Preis ist deutlich atraktiver beim Elysia qube.