Embodme Sound: Analoge Synthese auf Tuchfühlung

Test: Embodme Erae Sound virtuell-analoger Software-Synthesizer (Bild enthält KI-generierte Inhalte)
Die französische Hard- und Software-Schmiede Embodme, die für ihren innovativen MPE-Controller Erae und seinen Nachfolger Erae 2 bekannt ist, hat zur diesjährigen Superbooth ihren ersten Software-Synthesizer Erae Sound vorgestellt.
Was ist es? Embodme Erae Sound, Software-Synthesizer, ein virtuell-analoger MPE-Synthesizer mit tiefer Integration des Erae-2-Controllers.
- MPE-Integration: Nahtlose Anbindung an den Erae-2-Controller mit individuellen Layouts und direkter Performance-Steuerung.
- Modulation: Umfangreiche Modulationsmöglichkeiten ohne klassische Modulationsmatrix und ohne Slot-Begrenzungen.
- Performance: Maßgeschneiderte Controller-Oberflächen pro Patch ermöglichen ausdrucksstarkes und kreatives Spielen.
- Workflow: Enge Verzahnung mit Erae Lab vereinfacht Sounddesign und Controller-Konfiguration.
- Fazit: Gelungenes Synthesizer-Debüt mit großem Potenzial, besonders für Besitzer eines Erae-2-Controllers.
Inhaltsverzeichnis
Embodme Erae Sound
Embodme Erae Sound integriert den Erae-MPE-Controller tief in die Klangerzeugung – sowohl haptisch durch die Nutzung der annähernd 16.000 Sensoren, die im Controller verbaut sind und als extrem schnell reagierende Gate-, Werte- und Modulationsquellen herangezogen werden können. Auch auf optischer Ebene ist die Integration gelungen, da jedem Patch ein eigenes Layout samt entsprechendem optischen Feedback über die LED-Matrix des Controllers zugewiesen werden kann.
Die Klangerzeugung ist dabei in die Software zur Steuerung des Controllers – Erae Lab – integriert. Erae Sound kann aber auch ohne angeschlossenen Erae-Controller mit jedem Standard-MIDI-Keyboard betrieben werden.
Installation und Aktivierung
Nach dem Kauf der Software wird diese mit dem Benutzerkonto des Käufers verknüpft. Beim Start des Plug-ins muss der Rechner online sein, da das Plug-in über einen sogenannten „Magic Link“ aktiviert wird. Diesen habe ich in meinem Fall parallel über mein Handy von meinem Embodme-Account abgerufen. Erfolgte dies auf einem Zweitgerät, war das Plug-in anschließend freigeschaltet.
Hat man diese Hürde überwunden und den Erae-Controller über USB mit dem Rechner verbunden, kann es losgehen. Eine erneute Aktivierung oder Ähnliches war im gesamten Testzeitraum nicht mehr notwendig. Das Plug-in ist stets unauffällig gestartet.
Klangerzeugung
Das Syntheseverfahren von Embodme Erae Sound kann man als klassisch virtuell-analog bezeichnen. Es bietet auf Oszillator-Ebene zwei identisch aufgebaute Layer. Jeder Layer – hier „Generator“ genannt – verfügt über zwei Oszillatoren, die stufenloses Wave-Morphing ermöglichen. Integriert sind ein analog modellierter Wavefolder zur Erzeugung harmonischer Obertöne sowie ein duales, morphbares Filter-System und eine Through-Zero-Frequenzmodulation (FM) für metallische, moderne FM-Sounds. Jeder der beiden Generatoren kann auf drei verschiedene Arten verschaltet werden.
Jeder Generator besitzt zudem zwei unabhängige Filter. Filter 1 und Filter 2 verfügen weitgehend über dieselben Bedienelemente, mit einer Ergänzung: Filter 2 bietet zusätzlich einen NOISE-Regler. Wie schon bei den Oszillatoren kann auch bei den Filtertypen stufenlos gemorpht werden und zwar von Bandpass über Tiefpass bis hin zu Hochpass. Die Filter können, wie die Oszillatoren, in mehreren seriellen und parallelen Verschaltungen betrieben werden.
So weit nichts Weltbewegendes bei der Klangerzeugung, außer der Tatsache, dass sowohl Oszillatorschwingungsformen als auch Filtertypen stufenlos gemorpht werden können. Das ergibt im Gesamtkonzept sehr viel Sinn, dazu aber gleich mehr.
Modulation belebt den Klang
Jeder reglerbasierte Parameter im Generatorbereich kann durch Hüllkurven, LFOs und MIDI-Quellen (Velocity, Pressure, Slide, Pitch Bend und mehr) moduliert werden. Die LFOs können dabei frei laufen, temposynchron nach Notenwerten arbeiten oder in den Audio-Rate-Bereich wechseln. Kleine farbige LED-Anzeigen unter jedem Regler zeigen an, ob eine Modulationsquelle zugewiesen ist.
Erae Sound besitzt keine Modulationsmatrix. Stattdessen verfügt jeder Parameter bei Bedarf über seine eigene Hüllkurve, einen eigenen LFO, MIDI-Quellen, Reaktionskurven und Cross-Modulationsverbindungen. Das ist ein Konzept, wie man es bei Hardware etwa im Norand Mono vorfindet. Verliert man bei all den Möglichkeiten einmal die Übersicht, kann eine entsprechende Übersicht eingeblendet werden.
Das Modulationskonzept bedeutet im Detail: Es gibt in Embodme Erae Sound keine Slot-Begrenzungen. Jeder Parameter kann gleichzeitig von jeder Quelle moduliert werden, und es sind weder Menüwechsel noch Page-Turns nötig. Wählt man einen Regler aus, erscheinen alle Modulationszuweisungen darunter. Modulationsquellen können zudem mehrfach vergeben werden. Zwei Parameter können durchaus denselben LFO nutzen, dabei aber mit völlig unterschiedlichen Modulationsstärken moduliert werden.
Neben den sieben dedizierten Modulationsquellen pro Parameter, die immer auf der Hauptseite von Erae Sound zu sehen sind, können jedem Parameter bis zu acht Layout-Quellen der Controller-Oberfläche zugewiesen werden, also zum Beispiel Buttons, Fader oder X/Y-Pads, mittels derer in der Performance live interagiert werden kann.
Natürlich ist die grenzenlose Freiheit, jedem Parameter seine eigene Modulationsquelle zur Verfügung zu stellen, großartig. Möchte man jedoch eine Modulationsquelle mehreren Parametern zuordnen, kann man dies mithilfe von vier Link-Gruppen vereinfachen. Eine Hüllkurve für beide Filter oder Oszillatoren? Das geht auch, ohne zwei Hüllkurven exakt identisch einstellen zu müssen. Link-Gruppen gibt es für LFOs, Hüllkurven und Kurven.
Als Abschluss zum Kapitel Modulation noch eine Ergänzung zu den Cross-Modulationsquellen: Bis zu 64 Cross-Modulationen pro Patch sind möglich. Das bedeutet, die Modulationstiefe einer laufenden Modulation kann durch einen weiteren Modulator beeinflusst werden. Erae Sound verhindert dabei aktiv Rückkopplungsschleifen. Es ist also nicht möglich, eine Kette zu erstellen, in der Quelle A die Tiefe von Quelle B moduliert, während Quelle B gleichzeitig die Tiefe von Quelle A moduliert.
Effektsektion
Bis zu vier Effekte lassen sich in der internen Effektkette des Embodme Erae Sound einsetzen. Im Gegensatz zu den Verschaltungen der Oszillatoren und Filter ist hier nur eine strikt serielle Verschaltung möglich.
Distortion, Chorus, Flanger, Phaser, Delay, Reverb, Shimmer, ein Kompressor und ein parametrischer EQ stehen zur Auswahl. Generell kann jeder der vier möglichen Effekte von Generator A und B mit variablen Anteilen angesteuert werden, zudem lässt sich der Ausgangspegel des jeweiligen Slots einstellen. Ergänzend kann festgelegt werden, welcher Pegel zusätzlich zum Ausgangssignal in den nächsten Slot weitergeleitet wird. Alle Effektparameter einschließlich der Pegel lassen sich im Übrigen modulieren oder einem Element der Controlleroberfläche zuordnen.
Interaktion mit dem Erae Controller
Die gesamte Klangerzeugung des Embodme Erae Sound ist von Grund auf für MIDI Polyphonic Expression (MPE) optimiert, sodass Gesten wie Druck (Z-Achse) und Slides (X/Y-Achse) pro Note sofort und ohne Verzögerung zugewiesen werden können. Man kann Erae Sound also auch mit anderen MPE-Controllern nach entsprechender Zuweisung betreiben. Maßgeschneidert funktioniert dies derzeit jedoch nur mit der Hardware aus eigenem Hause. Einen Praxis-Workshop zum Embodme Erae 2 Controller findest du hier:
Erae Sound wird parallel zu Erae Lab, dem Editorprogramm des Erae-Controllers, betrieben. Dabei werden alle Elemente dynamisch gespiegelt und gemappt. Erstellt man ein neues Element in Erae Lab, findet man es in Erae Sound sofort wieder. Die Layouts werden anschließend in der Hardware gespeichert.
Es stehen acht Bänke mit jeweils acht Layouts zur Verfügung, also genügend Slots für Patches in Embodme Erae Sound sowie zusätzliche Layouts für die Ansteuerung anderer Software-Synthesizer oder Hardware.
Wie fühlt sich das denn an?
Sehr gut! Die Möglichkeiten, die sich aus der Kombination eines modulationsfreudigen Software-Synthesizers und des Controllers mit den in Erae Lab maßgeschneiderten Layouts ergeben, werden in den über 80 Werks-Presets sehr gut zur Schau gestellt. Spielen, Triggern und Anpassen von Parametern, Drumpads oder die Simulation von Saiteninstrumenten – die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Die Grenzen sind weit gesteckt und die Möglichkeiten groß. Der Klang des Embodme Erae Sound Synthesizers ist grundsolide und überzeugend.
Das Außergewöhnliche am Embodme Erae Sound ist die Modulationstiefe und die Möglichkeit, über den sehr guten Controller (den Test findet ihr hier) direkt integriert aktiv in das Klanggeschehen eingreifen zu können. Zehn Finger können da schon viel bewirken. Nuanciertes Triggern funktioniert ohnehin, aber auch das Bewegen von Fadern, das Modulieren in der Z-Achse auf der fein auflösenden Oberfläche oder das Tappen von Fader-Werten gelingt nahtlos und performant.
Das eröffnet die Möglichkeit, sich eigene maßgeschneiderte Instrumente zu bauen oder den reichhaltigen Fundus an Presets an die eigene Performance anzupassen. Daumen hoch für Embodmes ersten Software-Synthesizer! Bleibt zu hoffen, dass künftig weitere Syntheseformen Einzug halten werden. Das Potenzial dieser Kombination ist beachtlich.
Noch eine Bemerkung zu den Klangbeispielen: Alle wurden direkt live mit dem Erae-2-Controller eingespielt. Es wurde nichts quantisiert oder nachbearbeitet. Daher ist vielleicht nicht alles perfekt. Genau das ist aber der Charme des Embodme-Erae-Controllers: handgespielte und handmodulierte Musik.
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Erae2 finde ich als Controller super. Nutze ich gerne in diversen Setups.
Das Erae-Sound jetzt schon im Editor integriert und kostenpflichtig ist, finde ich für mich nicht passend. Die Sounds sind eher mäh. Das ganze ist eher eine gute Demo für den MPE Controller. Selbst wenn es für Erae2 Nutzer gratis dabei wäre, würde ich einen schlanken Editor vorziehen.
@Klangzaun Das kann ich gut nachvollziehen. Ich habe keinen Erae Controller, aber ein Lightpad, das sehr ähnlich arbeitet und in kleinerem Maßstab vergleichbar ist. Auch dessen Hersteller, Roli, hat einen komplexen Software Synth im Angebot. Wenn ich die beiden Apps von der Firma Fxpansion (die wurden vor der Insolvenz dazugekauft) noch dazu rechne (Cypher und Strobe), sind das drei komplexe Apps. Die setze ich ab und zu ein, viel lieber ist mir aber, wenn irgendein Plugin einer Firma einfach die MPE Kontrolle erlaubt und mir so die Möglichkeit gibt, mal einen oder zwei Parameter von einem Klang direkt mit Fingerdruck zu steuern.
@Klangzaun Geht mir genauso. Embodme hat so viel richtig gemacht mit dem Controller. Jetzt den Synth mit dem Editor zu koppeln, ist ein Fehler.
„Erae Sound besitzt keine Modulationsmatrix. Stattdessen verfügt jeder Parameter bei Bedarf über seine eigene Hüllkurve, einen eigenen LFO, MIDI-Quellen, Reaktionskurven und Cross-Modulationsverbindungen. Das ist ein Konzept, wie man es bei Hardware etwa im Norand Mono vorfindet. Verliert man bei all den Möglichkeiten einmal die Übersicht, kann eine entsprechende Übersicht eingeblendet werden.“
Also ist die Übersicht im Grunde doch schon fast eine Modulationsmatrix.😉
@ollo Ja, aber eben nur fast, da man in dieser die Verknüpfungen nur angezeigt werden.