Der Overdrive, der so klingt, wie du es willst
Das Empress Effects Drive ist weit mehr als ein klassisches Overdrive-Pedal. Mit seiner außergewöhnlich flexiblen Gain-Struktur, integriertem Boost, intelligentem Noise-Gate und zahlreichen Möglichkeiten zur Klangformung richtet es sich an Gitarristen, die tief in ihren Sound eingreifen möchten, ohne dafür gleich ein halbes Pedalboard voller Zerrer mitzuschleppen. Ob sich das Boutique-Pedal seinen Preis von knapp 300,- Euro verdient, klärt dieser Test.
Worum geht es? Das Empress Effects Drive ist ein vielseitiges Overdrive-Pedal, das mit flexibler Gain-Struktur, integriertem Boost und intelligentem Noise-Gate tiefgreifende Eingriffe in den Sound ermöglicht.
- Klangvielfalt: Die regelbare Mittenfrequenz verändert den Grundcharakter der Verzerrung und eröffnet eine enorme Bandbreite an Sounds.
- Flexibilität: Clean-Blend, Pre-/Post-Boost und aktive Klangregelung machen das Pedal extrem vielseitig.
- Noise Gate: Das adaptive Noise Gate arbeitet unauffällig und effektiv.
- Design: Das analoge VU-Meter ist nicht nur ein Blickfang, sondern auch funktional.
- Preis-Leistung: Die knapp 300,- Euro sind angesichts der Möglichkeiten absolut gerechtfertigt.
Inhaltsverzeichnis
Empress Effects Drive – die ersten 5 Minuten
Das Empress Effects Drive ist kein ganz gewöhnliches Overdrive-Pedal. Anders als die meisten Zerrpedale lässt es einen dank seines Schaltungsdesigns nicht nur den Grad der Verzerrung, sondern das Verhalten der kompletten Gain-Struktur beeinflussen, was es zu einem äußerst interessanten Effekt für alle macht, die gerne tief in den eigenen Sound eingreifen möchten, ohne fünfzehn Zerrer auf dem Board zu vereinen. Mit einem Preis von knapp 300,- Euro muss man es aber durchaus ernst meinen.
Lieferumfang & erster Eindruck
Das Pedal kommt in einer ansprechenden Verpackung mit Design im 80er-Jahre-Stil. Im Karton selbst geht es aber eher gemächlich zu. Uns erwarten neben dem Pedal lediglich ein Handbuch und die Bestätigung der Qualitätskontrolle. Optisch ist das echte VU-Meter natürlich der absolute Star. Wenn die Nadel durch leichtes Bewegen des Pedals umherwippt, kommen einem direkt Gedanken an eine analoge Mixing-Konsole in den Sinn. Das ist schon cool! Der Rest des Pedals wirkt schlicht, aber trotzdem äußerst stilvoll. Alles macht einen qualitativ sehr hochwertigen Eindruck und dass die Tone-Control-Regler eine Rasterung für die Mittelstellung haben, gefällt sofort.
Line-Check
Für den Line-Check schnappe ich mir meine Haar S-Style-Gitarre und klemme das Empress Effects Drive vor meinen Morgan PR-12. Für ein Overdrive-Pedal bietet das Drive schon ziemlich viele Einstellmöglichkeiten, was einen allerdings nicht daran hindert, direkt amtliche Sounds herauszuholen. Und so macht das Antesten auch ohne vorherige Beschäftigung mit den Funktionen äußerst viel Spaß! Und klingen tut es auch ab Sekunde eins – und wie!
Die Specs
Das Empress Effects Drive steht für natürliche, röhrenähnliche Verzerrung und liefert im Gegensatz zu herkömmlichen Overdrive-Pedalen nicht einen bestimmten Charakter, sondern ermöglicht es, durch gezieltes Tone-Shaping die harmonische Struktur der Verzerrung selbst zu bestimmen.
Dafür bietet das analoge Pedal mehrere Eingriffsmöglichkeiten. Neben dem Gain-Regler bietet es einerseits mit dem Mix-Regler einen Clean-Blend, um den nicht verzerrten Sound beizumischen. Der fußschaltbare Boost mit bis zu 30 dB Anhebung kann außerdem wahlweise vor oder nach der Overdrive-Sektion betrieben werden, was flexibles Gain-Stacking ermöglicht.
Der Boost kann vor oder nach der Overdrive-Sektion sitzen. Außerdem sitzt beim Empress Effects Drive die Mittensektion vor der Overdrive-Stufe. Dadurch erzielt es eine viel höhere Klangvielfalt, da durch den zusätzlichen Mid-Freq-Regler bestimmt werden kann, welche Mittenfrequenzen in die Sättigung fahren. Somit ändert sich der Grundcharakter der Verzerrung. Bass und Treble hingegen sitzen hinter dem Mix-Regler und beeinflussen somit auch das cleane Amp-Signal.
Das adaptive Noise-Gate reagiert auf die Intensität des Eingangssignals und reduziert somit intelligent ungewollte Störgeräusche. Und dann wäre da eben noch das VU-Meter. Es zeigt an, wie stark die Overdrive-Sektion angefahren wird und kann in verschiedenen LED-Farben beleuchtet werden.
Ein ausführliches Review zum Empress Effects Drive findet ihr auch auf unserem neuen AMAZONA Gitarre & Bass Kanal auf YouTube. Schaut mal rein und lasst ein Abo da.
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Die Herstellerangaben auf einen Blick
- Röhrenähnlicher Overdrive mit erweiterter Klangregelung
- Mittenfrequenz regelbar für präzise harmonische Formung
- Mix-Regler zur Beibehaltung des natürlichen Breakups deines Amps
- Aktive Bass- und Höhen-Shelving-Filter
- Bis zu 30 dB Boost (fußschaltbar, vor oder nach dem Clipping)
- Integriertes analoges Clipping-VU-Meter mit wählbarer LED-Farbe
- Adaptives Noise-Gate
- Eingangsimpedanz: 1 MΩ
- Ausgangsimpedanz: 100 Ω
- Frequenzgang (-3dB): 20 Hz – 22 kHz
- THD+N (Buffer umgangen)(20 Hz – 20 kHz, 1 Vrms): <0,1 %
- Stromversorgung: 9 V. DC, 2,1 mm (Minuspol innen), 250 mA
- Maße (HxLxB): 6,4 cm x 12,2 cm x 6,6 cm
- Gewicht: ca. 450 g
Der Praxistest
Kommen wir nun zum Praxistest. Dass das Pedal gut klingen kann, haben wir eingangs bereits festgestellt. Ob es sein nicht zu unterschätzendes Geld wert ist, steht aber auf einem anderen Blatt. Haptisch besteht es den Test auf jeden Fall schon mal, da alle Regler und Switches einen wirklich guten Job verrichten. Auch optisch ist es, zumindest für mich als an Ästhetik interessierten Menschen, eine absolute Augenweide, der Nadel des farblich hinterlegten VU-Meters beim Wippen zuzuschauen. Dass man die Hintergrundfarbe personalisieren kann, ist eine gelungene Spielerei. Zur Auswahl stehen Hellblau, Pink, ein helleres Pink, Orange, Gelb und Grün.
Für den Test nutze ich eine Haar S-Type HSS sowie eine Tokai Love Rock aus den frühen 80ern. Zum Einsatz kommen mein Morgan PR-12 und bei manchen Klangbeispielen ein THC Sunset. Abgenommen wurde alles durch die Universal Audio OX Box mit einer virtuellen 4×12er-Box mit Greenbacks und anschließend durch ein RME Fireface 802 in Pro Tools aufgenommen.
Gain-Struktur und Mittensektion
Beim Drive ist die Mittensektion direkt mit dem Zerrverhalten und der allgemeinen harmonischen Struktur der Clipping-Stufe verbunden, da die Mitten vor der Gain-Stufe sitzen. Darum schauen wir uns zum einen an, welche Gain-Reserven das Drive bei neutralem EQ (alle Tone-Control-Regler auf Mittelstellung) liefert, und zum anderen, wie sich das Zerrverhalten verändert, wenn man mit dem Mid-Freq-Regler die in die Zerre fahrenden Mitten verändert.
Beim Gain-Check erhöhe ich den Gain stufenweise, der Mix-Regler steht dabei immer auf 100 %. Das Ergebnis ist, wie erwartet, eine an einen Röhrenverstärker erinnernde, eher vintage-inspirierte Zerre, die bis in den moderaten High-Gain-Bereich reicht.
Der Mix-Regler bietet die Möglichkeit, die Zerre parallel zum nicht verzerrten Signal beizumischen. Ich habe dieses Feature bei Drive-Pedalen noch nie so richtig brauchbar einsetzen können, allerdings ermöglicht es Sounds mit einem etwas spritzigeren Attack, was sicher für manche Situationen sinnvoll ist.
Bei den beiden Klangbeispielen für das Mittenverhalten kommen die Paula und der THC zum Einsatz. Zuerst werden die Mitten um ca. 12 dB geboostet und dann, beginnend bei 200 Hz, stufenweise bis auf 2,5 kHz erhöht. Danach folgt das gleiche Prozedere, allerdings mit 12 dB Cut. Hier wird deutlich, welche Bandbreite an Zerrsounds dem Drive entlockt werden kann und dass es durchaus auch moderne High-Gain-Sounds beherrscht.
Boost und Noise-Gate
Ähnlich flexibel geht es beim integrierten Boost weiter. Dieser ist neben seiner satten Anhebung von bis zu 30 dB auch entweder vor oder nach der Overdrive-Sektion platzierbar. Dank des farblich hinterlegten VU-Meters bleibt es übersichtlich: Wechselt die Farbe beim Druck auf den Footswitch in ein sattes Rot, handelt es sich um den Pre-Boost. Wird der Hintergrund der Nadel dunkelblau, ist das Empress Effects Drive auf Post-Boost eingestellt. Wechseln kann man die Modi ganz einfach beim Einschalten des Pedals.
Der Boost ist so mächtig, dass man hier schon fast von einem zweiten Kanal sprechen kann. Dank der unterschiedlichen Positionierung stehen einem alle Möglichkeiten des Gain-Stackings offen. Im Klangbeispiel für den Pre-Boost hört ihr am Schluss noch ein höheres Boost-Setting.
Fast schon der Star des Pedals ist für mich jedoch das adaptive Noise-Gate. Das macht einen so hervorragenden und unaufdringlichen Job, dass man es gar nicht abschalten möchte!



































Klingt echt gut in den Soundbeispielen und im Video.
Wäre für mich aber jetzt interessant, wie das auf 303-Sounds und Drums klingt. Auch wenn 300€ dann wohl mehr wären, als viele der Klangerzeuger kosten.
@ollo Echt, was kostet denn ein originaler, gut erhaltener 303 so? 😂
@moinho Dann isses ja einfach: nimm einfach die 28€-Metalzone-Kopie, die zerrt genauso (und hat tatsächlich neben den drei einstellbaren EQ-Bändern noch zwei statische EQs pre und post).
Und das ist nur halb als Scherz gemeint. Ganz wichtig: Lautstärke am 303-Klon und Distortion am Pedal weit runterdrehen.
@ollo Du musst Dich leider damit abfinden, dass manche Autoren nur eine Gitarre anschließen. Immer etwas schade.
Manchmal gibt es schon andere Testberichte auf Youtube oder Thomann hat es schon bei Stompenberg FX.
@deutscheindustrieprodukte.de Bei Youtube sind es bisher leider auch nur Gitarren-Videos.
Genau solche Pedale faszinieren mich. Nicht einfach nur mehr Gain, sondern die Möglichkeit, den Charakter der Zerre wirklich zu formen. Gerade die regelbare Mittenfrequenz und der Pre-/Post-Boost eröffnen enorm viele Möglichkeiten – perfekt für Gitarristen, die ihren eigenen Sound suchen, statt nur Presets abzurufen.
Totaler Overkill aber geil!