Test: Empress Effects Superdelay

23. September 2008

Superdelay

Neben dem Reverb zählt der Effekt des Delays zu den beliebtesten Raumeffekten im Bereich der Musik, wobei mir persönlich live das Delay auf einer Gitarre immer wesentlich lieber ist als der Halleffekt. Während man mit einem Reverb-FX immer gegen den Raumklang des Veranstaltungsortes ankämpft und es schlimmstenfalls zu massiver „Vermatschung“ des Sounds führt, kann ein wohldosiertes Delay auch in desaströsen akustischen Verhältnissen eine vergleichsweise gute räumliche Erweiterung des eigenen Klangs gewährleisten.

Entsprechend groß ist die Auswahl an Delay-Effekten auf dem Markt, sowohl an Bodenpedalen, als auch im 19 Zoll Bereich, ganz zu schweigen von den Unmengen von Multieffektgeräten, von denen jedes einen Delay-Effekt in seinen Presets führt. Was also bringt jemanden wie den kanadischen Hersteller Empress Effects dazu, ein Bodenpedal auf den Markt zu bringen, welches sich einzig und allein mit „nur“ einem Effekt beschäftigt?

Nun, Echo ist nicht gleich Echo, wie man im Laufe des Testes noch erfahren wird, hat man doch die Möglichkeit, die schlichte Wiederholung eines Signals in den Parametern Klang, Lautstärke, Anzahl der Wiederholungen, Modulation und Frequenzfiltern mannigfaltig zu variieren und dies alles in nur einer kleinen Kiste unter zubringen. Hier merke ich schon wie die Ersten von euch interessiert aufhorchen.

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Konstruktion

Hinter dem Empress Effects Superdelay stehen die Entwicklernamen Jason Fee und Steve Bragg aus Kanada, dem Land, wo selbiges Gerät auch gefertigt wird. Das Gitarrensignal wird über einen 24-bit AD/DA Wandler konvertiert und intern auf 32-bit Basis verarbeitet.

Auf der Stirnseite des Gerätes befindet sich neben den Input- und Outputbuchsen und dem Anschluss für ein externes Expression-Pedal, auch der Anschluss für das externe Netzteil. Das Superdelay verarbeitet alle Spannungen zwischen 9 und 12 Volt, lediglich einen Stromfluss von 300mA sollte das Netzteil aufweisen. Eine Möglichkeit, das Gerät über Batterie zu betreiben, gibt es nicht!

Die gesamte Elektronik ist in einem massiven weißen Stahlgehäuse untergebracht, der innere Aufbau und die gesamte Verdrahtung ist sauber in Platinenbauweise angelegt.

Drei Fußschalter, fünf Drehknöpfe und vier multifunktionelle Miniswitches regeln die mannigfaltigen Möglichkeiten in Sachen Echo. Je nach Kombination der Miniswitches und Drehregler verfügt insbesondere der Mode Specific Miniswitch über eine enorme funktionelle Bandbreite.

Hier die primären Funktionen der einzelnen Regler und Schalter:

– Bypass Schalter: Erklärt sich von selbst! Es handelt sich um einen True Bypass Schalter, eine rote LED gibt über den Betriebszustand des Gerätes Auskunft.

– Presets Taster: Das Gerät verfügt über 8 frei belegbare Speicherplätze, welche über kleine LEDs unterhalb der Drehregler den gewählten Speicherplatz anzeigen. Über diesen Taster springt man zum jeweiligen Preset. Gespeichert werden die Sounds über einen kleinen schwarzen Druckschalter, welcher sich neben dem presets Taster befindet.

– Tap Taster: Über diesen Taster stellt man in Echtzeit die Delay-Geschwindigkeit ein, oder aber man gibt Rhythmusmuster vor, welche das Delay abspielen soll. Als zusätzliche optische Kontrolle dient eine gelbe LED.

– Mix Drehregler: das Lautstärkenverhältnis zwischen Original- und Effektsignal

– D time / ratio Drehregler: In den non-tap Modi stellt man hier die reguläre Verzögerungszeit des Effektsignals ein, im tap-Modus stellt man hier die relative Verzögerungszeit zum eingetappten Tempo ein. So ist zum Beispiel bei der Einstellung 2:1 die Verzögerungszeit des Effektsignals doppelt so schnell wie das eingetappte Tempo.

– Feedback Drehregler: Regelt die Anzahl der Wiederholungen des Echos. Wird der Regler auf Rechtsanschlag gedreht, wird das Effektsignal mit jeder Wiederholung lauter.

– Mode Drehregler: Hier stellt man den jeweiligen Modus des Gerätes (norm, tap, auto, rev, rhy, tape, misc, loop) ein.

– Volume Drehregler: Regelt die Endlautstärke des Gerätes.

– Exp Pedal Miniswitch: Regelt bei einem angeschlossenen Expression Pedal den Regelbereich. Anwählbar sind der Mix-Regler, respektive der Feedback-Regler.

– Filter Miniswitch: Hier kann eine Highpass oder Lowpass Filter, welcher auf das Effektsignal wirkt, aktiviert werden.

– Modulation Miniswitch: Dem Effektsignal kann mittels dieses Schalters ein langsame / schnelle Modulation hinzugefügt werden.

– Mode Specific Miniswitch: Dieser Schalter (a/b/c) führt in Kombination mit dem Mode Schalter (siehe oben) folgende Funktionen aus:

1.) Norm A: normaler Delay Sound, kurzes Echo – (5,5 ms – 95 ms)

2.) Norm B: Normaler Delay Sound, mittleres Echo – (45 ms – 800 ms)

3.) Norm C: Normaler Delay Sound, langes Echo – (700 ms – 2200 ms)

4.) Tap A: Tapped Tempo Delay – Echoverzögerung ist die gleiche wie das eingetappte Signal.

5.) Tap B: Triolischer Rhythmus – Echoverzögerung ist ein Drittel des eingetappte Signals.

6.) Tap C: Quitolischer Rhythmus – Echoverzögerung ist ein Fünftel des eingetappte Signals.

7.) Auto A: Echoverzögerung orientiert sich am Tempo des Eingangssignals – geringe Eingangsempfindlichkeit für leises Spiel.

8.) Auto B: Echoverzögerung orientiert sich am Tempo des Eingangssignals – mittlere Eingangsempfindlichkeit für moderates Spiel.

9.) Auto C: Echoverzögerung orientiert sich am Tempo des Eingangssignals – hohe Eingangsempfindlichkeit für lautes Spiel.

10.) Reverse A: Effektsignal wird reversed wiedergegeben – Einstellung über den Drehregler D Time/Ratio.

11.) Reverse B: Effektsignal wird reversed wiedergegeben – Einstellung über den Tap Taster.

12.) Reverse C: Effektsignal wird reversed wiedergegeben – Einstellung über den Drehregler den Tap Taster, Effektsignal wird mit doppelter Geschwindigkeit wiedergegeben.

13.) Rhythm A: Effektsignal wird in dem Rhythmus wiedergegeben, den man mit dem Fuß auf dem Tap Taster eingegeben hat, bis zu 4 Wiederholungen sind möglich – D Tme/Ratio Drehregler skaliert die Wiederholungen.

14.) Rhythm B: Effektsignal wird in dem Rhythmus wiedergegeben, den man mit dem Fuß auf dem Tap Taster eingegeben hat, bis zu 4 Wiederholungen sind möglich, D Tme/Ratio Drehregler dehnt oder komprimiert die Wiederholungen.

15.) Rhythm C: Effektsignal wird in dem Rhythmus wiedergegeben, den man mit dem Fuß auf dem Tap Taster eingegeben hat, bis zu 4 Wiederholungen sind möglich, die erste Wiederholung ist leiser, die folgenden werden lauter.

16.) Tape A: Emulation eines Bandechos – hohe Bandqualität

17.) Tape B: Emulation eines Bandechos – erste Bandabnutzungserscheinungen im Klang

18.) Tape C: Emulation eines Bandechos – Tape abgenutzt

19.) Misc A: Die Effektanteile werden lauter, wenn das Eingangssignal leiser wird,

20.) Misc B: Das Mischverhältnis verändert sich, wenn das Eingangssignal leiser wird,

21.) Misc C: Mit dem Betätigen des Tap Tasters wird das Effektsignal abgeschaltet.

22.) Looper A: Loopfunktion – bis zu 6,8 Sekunden Sampling Time

23.) Looper B: Loopfunktion – bis zu 13,6 Sekunden Sampling Time

24.) Looper C: Loopfunktion – Loop wird reversed wiedergegeben.

Wie man sieht, verfügt das Superdelay über jede vorstellbare Nutzung des Echosignals, mir zumindest ist keine weitere Funktion bekannt, welche man bezüglich eines Delays noch implantieren könnte.

Klangbeispiele
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