Test: Eowave Magma, analoger Bass-Synthesizer

20. Februar 2013

Die nächste Bass-Eruption?

Eowave hatte bereits vergangenes Jahr mit Domino einen Synthesizer vorgestellt, der hauptsächlich für Bässe gedacht ist. Der aktuelle Magma schlägt sich mit seinem Untertitel für den gleichen Einsatz vor: Analogue Bassline Synthesizer.

Synth + Sequencer = BasslineAnsonsten haben Magma und Domino nicht viel gemeinsam. Magma ist in allen Belangen besser oder zumindest vielfältiger ausgerüstet und bringt auch einen eigenen Sequencer gleich mit. Klar, dass da gleich die Assoziation TB-303 anschwingt, aber Magma hat mit dem begehrten Kultobjekt klangtechnisch oder funktionell kaum etwas gemein.

Magma ist zunächst einmal ein typischer Analogsynthesizer mit nicht eben übermäßige, aber auch nicht schäbiger Ausstattung: VCO, Tiefpassfilter, VCA, zwei LFOs und immerhin drei Hüllkurven. Nebst ein paar Eigenheiten dieser Elemente ist der interne Sequencer das Merkmal, das Magma auszeichnet und ihn von der zahlreichen Konkurrenz abhebt.

Ein ernsthafter Synthesizer – kein Spielzeug

Äußerlich mutet der fast quadratische Synthesizer nicht so richtig hochwertig an. Zwei simple, gefaltete Bleche bilden das Gehäuse, das auf der Oberseite mit einer beschrifteten Folie beklebt ist. Die Regler sind übersichtlich und mit genügendem Abstand zueinander angeordnet. Doch beim Drehen fällt sofort unangenehm auf, dass sie ein merkliches Spiel haben, also sich erst ein bisschen frei bewegen, bis die Achse und damit der Parameter wirklich bewegt werden. Tatsächlich verändert sich der Sound erst, wenn das Poti wirklich greift. Unschön.

Der Sequencer und die Systemeinstellungen werden über Taster bedient, die jeweils eine integrierte, ziemlich stark leuchtende rote LED besitzen. Die Funktionen sind klar beschriftet, und bei Tastern wie für LFO und Oktavelage beleuchten die LEDs kleine, mit einem Symbol, einer Zahl oder einem Buchstaben versehene Kreise.
Die Rückseite bietet Audioausgang, Audioeingang nebst Trimmer für den Pegel, MIDI-Ausgang, USB für MIDI und Updates sowie die Buchse für das Steckernetzteil. Obwohl Eowave viel Erfahrung mit MIDI/CV-Wandlung hat, wurde bei Magma auf CV/Gate-Schnittstellen verzichtet. Speziell im Zusammenhang mit dem Sequencer hätten viele Besitzer von Analogequipment das sicherlich gern gesehen.

Als der Magma noch Koma hieß (Eowaves Prototyp)

Die Klangerzeugung des Magma

Synthesizer mit nur einem Oszillator werden oft etwas zwiespältig betrachtet, da sich Sounds mit gezielten Detunings nicht erzeugen lassen. Andererseits haben viele Synth-Klassiker nur einen Oszillator und werden trotzdem immer noch gern eingesetzt, wie zum Beispiel die Roland SH-Serie. Und Magmas Oszillator erinnert tatsächlich etwas an das SH-Konzept. Saw und Square (mit modulierbarer Pulsbreite) lassen sich mischen, dazu kann mit Rauschen und Suboszillator der Klang angereichert werden.

Magma geht aber noch etwas weiter. Die Lautstärken der Signalquellen können per LFO moduliert werden und es ist eine Synchronisation des Oszillators zum Suboszillator möglich. Eigentlich wird ein Suboszillator vom Hauptoszillator nur per Frequenzteilung abgeleitet und folgt somit immer seiner Tonhöhe. Aber im Magma scheint das anderes gelöst worden zu sein. Auch wenn der mit der eigenen AD-Hüllkurve modulierte Sync-VCO nicht so herzhaft zupackt, wie man es sonst als Sync-Sound kennt, ist das doch ein interessantes Feature.

Ab ins Filter

Das Filter ist natürlich immer ein wichtiges klangformendes Element. Umso mehr bei einem Bass-Synthesizer. Der 24 dB Tiefpass des Magma hat eine ausgeprägte Resonanz. Ab ungefähr der 1-Uhr-Position des Reglers pfeift das Filter so laut, dass es mir schon fast zu viel ist. Der färbende Bereich vor der Eigenschwingung, den ich persönlich interessanter finde, hingegen findet nur auch wenigen Millimetern statt. Es ist ein Filter für Freunde des Heftigen. Wer kreischende Reso-Orgien liebt, wird hiermit sicherlich viel Spaß haben. Aber „Bassline“ hin oder her, das Filter klingt wenig nach der TB-303, Acid-Puristen werden wohl nach wie vor ihr Silberkästchen bevorzugen.

Die angegliederte Filterhüllkurve kann recht zackig agieren, wobei die Auflösung des Decay im unteren Bereich etwas feinfühliger sein könnte. Parallel dazu können auch LFO und Key-Track sowie der Sequencer die Cutoff-Frequenz steuern.

Besonderheiten des Eowave Magma

Der finale VCA wird ebenfalls von einer eigenen ADSR-Hüllkurve gesteuert, so dass es hier zu keinem Kompetenzgerangel wie bei anderen kleinen Monosynths mit nur einer Hüllkurve kommt. Die drei Hüllkurven für VCO, VCF und VCA werden allerdings mit den selben Reglern bedient, sodass man umschalten muss. Die Reglerposition stimmt also selten mit den tatsächlichen Werten überein, und so ändert sich der Wert gegebenenfalls sprunghaft beim ersten Dreh.

Wie schon beim Domino sind auch bei Magma die LFOs, deren Geschwindigkeit von ungefähr 10 Sekunden pro Durchlauf bis 290 Hz reicht, mit 8 Schwingungsformen bestückt. Neben den Standards Saw, Ramp, Triangle usw. sind Treppe auf- und abwärts sowie Random und Noise vorhanden, was man eher selten antrifft. Es gibt drei Modi: normal (Freilauf), Reset und One Shot. Das ist prinzipiell zwar gut, aber die Anwahl der Modi ist ziemlich nervig, denn 8 x 3 = 24. So oft muss man der Waveform-Taster drücken, bis man alle durch hat. Ein Extrataster für die Modi wäre eindeutig komfortabler.

Die LFOs können zwar zu einer eingehenden MIDI-Clock synchronisiert werden, aber nicht zum eigenen Sequencer. Da mutet etwas seltsam an, allerdings ist Magma ja keine All-in-One-Lösung, sondern wird im Normalfall im Verbund mit Drummaschine, Groovebox oder Laptop-DAW betrieben werden, sodass sich dieses Problem dann nicht ergibt.

Ich trigger dich

Der Sequencer steuert entsprechend der Klangerzeugung natürlich nur eine monofone Notenspur. Da es keinen MIDI-Ausgang gibt, ist Magma für die direkte Ansteuerung anderer Synthesizer nicht gedacht. Nur über den Umweg USB>DAW>MIDI-Spur ließe sich das realisieren. Aber im Grunde ist der Magma-Sequencer nur für sich selbst da.

Die Noten werden, so wie man es kennt, auf einen 16tel-Step gesetzt und können dann beliebig innerhalb der eintaktigen Sequenz verlängert werden. Die jeweilige Tonhöhe wird mit einem Regler eingestellt, deren Anzeige über die Taster-LEDs erfolgt, was alles andere als übersichtlich ist. Das soll wohl an die Noteneingabe der TB-303 erinnern, ist aber wegen der kleinen, schlecht lesbaren Notennamen (überdies nur für die acht Ganztöne) an den Tasten unpraktikabel. Ein kleines Display wäre hier, wie auch an anderen Stellen, die deutlich bessere Lösung gewesen.

Parallel zur Notenspur gibt es die Modulationsspuren M1, M2 und M3, mit denen Klangparameter automatisiert werden können. Pro M-Track kann ein Parameter bis zu 16 mal variiert werden. Im Gegensatz zu einer schrittweisen Programmierung, wie z.B. in der Jomox X-Base, wird der Wert nicht für diesen einen Step verändert, sondern behält diesen Wert bei, bis ein folgender Step mit einem neuen Wert erreicht wird. Das hat hier den Vorteil, dass man etwa eine Transponierung in eine Sequenz einbauen kann, die das eintaktige Pattern scheinbar verlängert. Denn alle vier Spuren lassen sich individuell im Teilerfaktor zur internen Clock einstellen. Eine Modulationsspur, die nur im viertel Tempo der Notenspur läuft, kann also die Tonhöhe über vier Takte transponieren. Und das ist nur ein einfaches Beispiel.

Möchte man jedoch nur einzelne Steps mit eigenen Einstellungen versehen, muss man auf dem direkt nachfolgenden Step den alten Wert wiederherstellen. Von den Modulationsspuren sind die Taster-Funktionen und die LFO-Frequenz ausgenommen.

Die Laufrichtung des Sequencers ist variabel. Zwischen vorwärts, rückwärts, pendeln und zufällig kann gewechselt werden. Außerdem gibt es Swing und Shuffle. Während Swing ein ganzheitlicher Faktor für das Pattern ist, kann bei Shuffle jeder einzelne Step individuell vorgezogen oder verzögert werden. Das dürfte speziell bei House- und Minimal-Producern Anklang finden.

Sequenzen lassen sich als Pattern oder Preset speichern. Während Pattern nur die reine Sequenz beinhalten, werden in den Presets alle Soundeinstellungen und die M-Tracks mit gespeichert. Sinn dieser Unterteilung ist die Möglichkeit, bis zu 8 Pattern verketten und somit längere Motive erzeugen zu können, wobei der Sound  dann gleich bleibt. Diese Verkettung ist die einzige Möglichkeit für komplexere Sequenzen, einen Song-Mode gibt es nämlich nicht.

Der Eowave Magma on YouTube

Fazit

Auch wenn Magma ein „Bassline Synthesizer“ ist, muss man sich schnell von der 303-Assoziation lösen, denn funktionell und klangtechnisch liegen Welten dazwischen. Als Clone taugt Magma nicht, da ist man mit einer Xoxbox oder Acidlab Bassline besser bedient. Magma ist ein eigenständiger Synthesizer, der auch einen Sequencer hat. Der Oszillator mit den mischbaren Schwingungsformen macht einen guten Sound, das Filter, besser gesagt die Resonanz, kann recht aggressiv sein, der Sequencer rattert nicht nur durch, sondern swingt auch mal gern.

Mit der Bedienung bin ich während der relativ kurzen Testphase nicht gänzlich warm geworden. Anwahl über Shift+Tastenkombination, verschiedene Vorgehensweisen bei der Auswahl von Submenüs und dann ohne Displayanzeige, hier ist einiges an Gedächtnisleistung erforderlich, das muss man erst einmal verinnerlichen. Arbeitet man ständig mit Magma, ist das sicherlich kein Problem, aber intuitiv geht hier es nicht immer zu. Unter dem Strich ein Synthesizer mit Eigenheiten, die man lieben kann oder auch nicht.

PS: auf der Musikmesse 2012 zeigten Eowave auch einen Prototypen des Sequencers als Stand-alone-Gerät. Sollte dieser über MIDI-Ausgang und CV/Gate-Schnittstellen verfügen, wäre er sicherlich ein sehr interessantes Gerät für all die neuen Monofonen. Bis jetzt gibt es noch keine Info, ob dieser Sequencer tatsächlich gebaut werden wird.

Plus

  • VCO mit mischbaren Schwingungsformen
  • speicherbar
  • pro Sequenz Notenspur + drei M-Tracks

Minus

  • Potiachsen haben merkliches Spiel
  • LFO-Sync nur zur MIDI-Clock, nicht intern
  • Bedienung nicht immer intuitiv

Preis

  • Straßenpreis: 629,- Euro
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