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Test: EQD Dispatch Master V3 & Acapulco Gold V2, Gitarrenpedale

1. Dezember 2020

Huge Tones - Acapulco Gold V2 und Dispatch Master V3

Während sich unsere Redaktion aktuell den Earthquaker Devices Katalog vornimmt, beschlossen wir auch, die Gelegenheit zu nutzen und eine Frage zu stellen, die wahrscheinlich zu selten gestellt wird: Welche Pedale einer Firma funktionieren in Kombination besonders gut? Die Prämisse ist folgende: Wie schaffe ich es, den Geldbeutel zu schonen und mit einem Doppel- oder Dreier-Pack an Pedalen eine kleine Welt zu erschaffen, die mich in Sachen Sound breit aufstellt? Earthquaker Devices haben in ihrer Vergangenheit zahlreiche Pedale herausgebracht (wer mal ein bisschen staunen möchte, sollte sich mal den inzwischen beachtlichen Katalog der Firma ansehen), die auch über einen breiten Teil hinweg durchaus preiswert sind. Wir wollen in Zukunft verstärkt darauf schauen, welche Pedal-Kombinationen Sinn ergeben können, wenn man bestimmte Sounds erzeugen möchte – und der EQD-Katalog ist da fast wie ein großer Baukasten, aus dem man sich bedienen kann. In diesem Fall lautet die Prämisse: „Huge Tone„.

Test Acapulco Gold Dispatch Master Earthquaker Devices

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Man verzeihe mir die Anglizismen, aber sie ermöglichen, dass man recht schnelle das richtige assoziiert: „Huge Tone“ meint viel Raum und Weite, für riffige Bandbreiten oder epische Leads. Es gibt wortwörtlich tausend Wege, diesen Sound zu erzeugen – von Amp- und Pedal-Seite her. Jede Lösung besitzt ihren eigenen Charakter und Vorzüge und wofür man sich letzten Endes entscheidet, ist von subjektiven Präferenzen abhängig. Wir wollen euch hier eine Kombination vorstellen, die unseres Erachtens besonders gut funktioniert: Der Dispatch Master und das Acapulco Gold von EQD sind gewissermaßen ein „Match Made in Heaven“. Gemeinsam erzeugen sie etwas, das größer ist als die Summe ihrer Teile.

Distortion & Delay – wie erzeuge ich „Huge Tones“?

Größer als die Summe ihrer Teile – vor diesem Hintergrund wollen wir bestimmte Pedal-Kombination und -Tricks verstärkt in Zukunft angehen. Weshalb wir uns ausgerechnet für das Acapulco Gold und den Dispatch Master entschieden haben, liegt daran, wie komplementär die Pedale sind. Wir haben jeweils die aktuellsten Versionen vorliegen: Das Acapulco Gold V2 und den Dispatch Master V3.

Der Dispatch Master ist so etwas wie der Vorläufer des Avalanche Run und arbeitet mit Delay-Effekt und Reverb. Es handelt sich um eine der kompaktesten Ambient-Maschinen überhaupt, die mit einem FV-1 Prozessor arbeitet sowie mit einem PT2399 Delay-Chip, der sehr nahe am analogen MN3005 ist, den man aus Tape-Delays wie beispielsweise dem Ghost Disaster kennt. Die PTs kommen in vielen Pedalen zum Einsatz und sind somit kein Alleinstellungsmerkmal des Dispatch Master. Ich bin kein Pedalbauer und kann leider nicht exakt den „Faktor X“ benennen, der den Dispatch Master ausmacht. Aber jeder, der das Pedal gespielt hat, weiß wovon ich rede: Der DM besitzt einen sehr eigenen, nahezu unverwechselbaren Charakter – warm, ätherisch und mit viel Eigendynamik bei begrenzter Panel-Kontrolle.

Test Acapulco Gold Dispatch Master Earthquaker Devices

Dies paaren wir mit dem wahrscheinlich minimalistischstem Fuzz/Distortion-Pedal der letzten Jahre: Das Acapulco Gold hat viele Fans, aber es gibt auch nicht wenige Stimmen, die der Kiste Unbrauchbarkeit vorwerfen. Völlig zu Unrecht, wie ich finde. Der Acapulco Gold ist der Sunn Amp Vintage Model T in einer Box. Jage ihn durch einen digitalen Verstärker oder einen Hybrid – klar, man bekommt kratzige und unschöne Sounds heraus. Doch gepaart mit den richtigen Röhren wie bei einem Orange Rockerverb oder einem Fender Reverb entfaltet der Acapulco Gold immense Power. Er verhält sich wie ein hochdynamischer Power-Amp und ist vor allem in Kombination mit guten Cab-Simulationen eine unterschätzte Macht. Klar ist: Bei aller Dynamik ist der Acapulco Gold eine aggressive Distortion. Ein weiches, analoges Delay mit Tape-Charakter trifft also auf Sunn Amp-Brutalität. Kann das funktionieren? Überraschend gut, wie wir sehen werden.

Acapulco Gold und Dispatch Master in Kombination

Ein paar Worten zu den Specs, um ein deutliches Bild zu vermitteln. Der Dispatch Master ist wie eingangs erwähnt ein Delay/Reverb-Pedal. Seine maximale Delay-Zeit beträgt 1,5 Sekunden. Zentrales Manko natürlich: kein Tap-Tempo, dafür aber eine kinderleichte Bedienung. Auch toll ist die Relais-Schaltung des Bypass. Durch kurzes Bedienen des Fußschalters wird das Pedal ein- und ausgeschaltet. Hält man es länger gedrückt, reagiert es als Momentary-Schalter und deaktiviert sich sofort, nachdem ihr loslasst. 6,3 mm Klinken für Ein- und Ausgang – kein Stereo – und auch ansonsten keine großen Features. Das Dispatch Master ist puristisches Ambient, wenn man so will. Die Regler sind Time und Repeats für Delay sowie Mix und Reverb für den Hall – auch hier also wirklich auf das Nötigste heruntergebrochen.

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Test Acapulco Gold Dispatch Master Earthquaker Devices

Der Acapulo Gold besitzt einen Regler – das war’s. Für viele macht das den Reiz dieses Pedals aus. Auch für mich. Will heißen: Bis auf den True-Bypass-Schalter, das LED-Lämpchen, zwei 6,3 mm Klinkenanschlüsse sowie dem Anschluss für das 9 Volt Netzteil gibt es hier nur einen einzigen namenlosen Regler. Was er bedient? Die Ausgangslautstärke. Der Sound und Charakter des Acapulco Gold ist also in Stein gemeißelt, da gibt es nichts daran zu rütteln oder zu „shapen“. Und ja – das ist durchaus etwas Gutes.

Der Sound der EQD Distortion und Delay Gitarrenpedale

Also – wie demonstriert man die Kombination zufriedenstellend? Wenn die Abnahme von 412er Cabinets per Mikro nicht gerade drinnen ist, man Modeling- und Profiling-Geschichten vermeiden möchte, schielt man gerne zu Isolations- oder Loadboxen. Kaum ein Homerecording-Tool nimmt Pedale jedoch meines Erachtens so gut auf wie der REVV G20 oder REVV D20. Die Kombination aus hochklassigen Cabinet-Simulationen und echten Röhren eignet sich für unsere Demonstration also hervorragend – wir nutzen den REVV G20.

Der Acapulco Gold agiert und reagiert dynamischer als viele andere Zerren mit mehreren Reglern und integriertem EQ. In der Regel ist die Verwendung abhängig von den Röhren, die man benutzt, doch im Falle des REVV G20 geht die Gleichung auf. Der leichte Nashvill-Vibe ist vom Charakter saturiert und warm und das Gerät lädt förmlich dazu ein, mit dem Volume-Poti zu agieren. Ehrlich gesagt ist der Acapulco Gold V2 eine der am besten klingenden Fuzz-Zerren für diesen Preis – crunchy, bissig, transparent.

Der Dispatch Master V3 hätte sich bei unserem Vergleichstest von analogen Delays prächtig geschlagen – trotz digitaler Arbeitsweise entfaltet das Gerät eine ungemein warme Note. Die Einstellmöglichkeiten sind beschränkt, der großflächige Reverb jedoch hervorragend auf das Delay abgestimmt. Auch die Reaktivität des Ganzen kenne ich eigentlich eher aus hochklassigen Analog-Delays – das Dispatch Master wird seinem kultigen Ruf gerecht.

Jetzt führen wir die Pedale zusammen und belassen es beim klassischen Signalweg Distortion -> Reverb. Es ist gar nicht leicht in Worte zu fassen, was hier passiert. Und für einige wird sich das wie eine klassische Distortion-Hall-Kombi anfühlen, doch die Dynamik und Reaktivität des Acapulco Gold springt auf die weiche Reaktivität des Dispatch Master perfekt an. Der Charakter der Repeats zerfasert den saturierten Charakter des Acapulco nicht und die eingeschränkten Möglichkeiten des Reverbs bewahren einen davor, mit allzu langen Hallfahnen oder asymmetrischem Mischverhältnis das Ganze in einer Reverb-Wolke untergehen zu lassen. Hohe Leads wie im zweiten Beispiel funktionieren in der Kombination ebenso prächtig wie tiefe Riffs. Wenn ein saturierter, warmer Grundcharakter der Distortion auf analoge Delays trifft, kann im besten Falle die Spieldynamik atmen. Der Dispatch Master ist dem wuchernden Acapulco Gold ein perfekter Kumpane, denn er lässt den Sound nie eskalieren, sondern bettet ihn warm ein und agiert dynamisch wie ein analoges Delay, ohne den Sound des Acapulco Gold zusätzlich zu beladen.

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Fazit

Das Acapulco Gold V2 und der Dispatch Master 3 sind ein bisschen ein Match Made in Heaven – ein saturierter, hochdynamischer Distortion/Fuzz trifft auf ein digitales Delay mit Analog-Charakter. Beide Pedale sind simpel, beide Pedal sind (verhältnismäßig) preiswert und gemeinsam generieren sie einen warmen Nashville-Vibe und viel Pathos. Wenn es um den „Huge Tone“ geht, ist diese simple, aber hocheffektive Pedalkombination eine Bank für sich: bezahlbar, authentisch und überraschend vielseitig.

Preis

  • Acapulco Gold V2: 155,- Euro
  • Dispatch Master V3: 225,- Euro
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