Flexible 808-Style Drums fürs Eurorack
Die Erica Synths Hexinverter Mutant Drummodule sind eine Neuauflage der vor einigen Jahren veröffentlichten Hexinverter-Produkte. 2022 kündigte Stacy Gaudreau, Gründer von Hexinverter, an, seine Produktion einzustellen. Bei Erica Synths aus Lettland hatte man zu dieser Zeit gerade Produktionskapazitäten, man ist grundsätzlich sehr aktiv auf dem Markt, schätzt die Hexinverter Produkte sehr und wollte deren Produktion fortführen. Das gelang zunächst z. B. auch mit den Modulen Mutant Brain, Mindphaser und Mutant Machine. Zum „Mutant“-Konzept gehört es, auf bewährten Schaltkreisen aufzubauen und diesen neue Möglichkeiten hinzuzufügen, sie leicht zu verändern bzw. zu verbessern. Zur Idee gehört es auch, hochwertigere Bauteile zu verwenden.
Kurz & knapp
- Analoger Sound: Sehr nuancenreiche, analoge Klangerzeugung mit starkem Charakter.
- Modular-Vielfalt: Viele Klangparameter und externe Inputs erlauben kreatives Sounddesign.
- Retro-Modern: Inspiriert von TR-808/909, aber mit deutlich erweiterten Möglichkeiten.
- Verarbeitung: Im Großen und Ganzen gut verarbeitet und fast immer sehr gut bedienbar.
- Kreativwerkzeug: Kein Schnäppchen, aber ein analoges Drum-Paradies für Klangtüftler.
Inhaltsverzeichnis
Aufbau der Hexinverter Mutant Drummodule
Bei den von mir getesteten Erica Synths Hexinverter Mutant Drummodulen werden Drums analog erzeugt und man orientiert sich am Vorbild der berühmten Drum-Machines Roland TR-808 (bei Bassdrum, Clap, Snare und HiHat) und der 909 (beim auch optisch etwas anders ausfallenden Rimshot-Modul).
Was treibt mich und andere Musiker oft an? Einst formulierte es Peter Gabriel (als er seinen neuen Fairlight Sampler spielte) so: „I want to make this record sound different.“ Ich glaube, das bringt die Gedanken vieler musizierender Menschen auf den Punkt, besonders im Bereich modularer Synthesizer. Ein Album soll anders klingen als alles, was es schon vorher gab.Auch deswegen kaufen wir uns all diese Geräte. Mit den Mutant Drum-Modulen fühlt es sich an, einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen, auch wenn man, so wie ich, durchaus verliebt ist in die 808-Sounds. Denn man kann diese hier auf eine Weise verändern, wie es auch mit den teuersten „Modded 808″s nicht geht.
Aussehen der Hexinverter Mutant Module
Die Module sind in Schwarz erhältlich und mit weißen und grauen Potikappen ausgestattet. Die Vorgänger waren dagegen in Silber gehalten und mit schwarzen Reglern ausgestattet sowie mit einzelne roten Einfärbungen auf der Frontplatte versehen.
Die meisten Module sind 13 TE breit, die schmalere Rim Shot bringt es nur auf 10 TE.
Hexinverter Mutant Bassdrum
Die Hexinverter Mutant Bassdrum hat die 808-BD zum Vorbild. Sie wird um CV-Steuerung für Pitch, Decay und Distortion erweitert. Die zusätzliche Distortion-Sektion hat dazu einen eigenen Ausgang. Mittig kann aber auch zwischen BD und Distortion überblendet werden.
Im Praxistest gefällt mir beim Mutant Bassdrum Modul gut, dass sich die Tonhöhe einigermaßen tief herunterdrehen lässt, was man im gleich folgenden Klangbeispiel gut hören kann.
Etwas schwieriger fand ich hingegen das Handling des Decay-Reglers. Etwas weiter als auf 10:00 Uhr aufgedreht, wurde mir der Ausklang schnell zu lang. Voll aufgedreht ist Selbstoszillation beabsichtigt. Das bedeutet: Es beginnt hier zu dröhnen, auch ohne dass ein Trigger die Kick auslöst.
Bei genauerem Hinsehen findet man eine leicht versenkte kleine Trim-Schraube daneben, um für diesen Regler Finetuning vorzunehmen. Diese war nur mit etwas Mühe zugänglich (die Frontplatte lag hier an meinem Testgerät nicht ganz plan auf) und bewirkte dabei auch hörbare Veränderung, ab wann die Selbstoszillation beginnt.
In der Summe bleibt mein kleiner Einwand jedoch bestehen, dass der Übergang von der kurzen bis zur lang klingenden und dann auch direkt oszillierenden Bassdrum hier recht abrupt geschieht bzw. es wenig Spielraum dazwischen gibt. Allerdings verebbt ein ausklingender Ton wegen der Monophonie beim nächsten Triggern ja ohnehin, so dass dies oft kein Problem darstellt. Schwieriger wird es hingegen, wenn man eine Kick über einen längeren Verlauf langsam ausklingen lassen will.
Ein Tone-Regler bestimmt die Helligkeit beziehungsweise Farbe der Bassdrum, ähnlich wie im Original. Ist dieser aufgedreht, wird es aber auch deutlich lauter.
Eine interne Pitch-Modulation via Envelope hätte ich noch interessant gefunden, aber die kann man ja via CV-In realisieren.
Nachfolgend experimentiere ich ein wenig mit Pitch, Decay und Distortion, wobei ich im ersten Beispiel zwischendurch übersteuere und danach am Mixer den Pegel reduziere, um nur die Verzerrung des Moduls hörbar zu machen.
Bemerkenswert ist noch, dass die Verzerrungseinheit auch der Bearbeitung eines externen Signals dienen kann. Hierfür gibt es einen dedizierten Audioeingang und ein Poti für den Distortion-Input, den ich im folgenden Beispiel bedient habe, bei dem eine Hexinverter Mutant Snare in den Eingang geht.
Ein Accent-Input erlaubt eine Betonung des Sounds bei Nutzung der Accent-Funktion im Sequencer. Im Praxistest fiel das Ergebnis eher subtil aus.
Übrigens: Es erschien auch noch eine Mutant BD 9, die sich eher an der 909-Kick orientiert.
Hexinverter Mutant Snare
Dieses analoge Snare-Modul basiert als Pendant zur Mutant Bassdrum zwar grundsätzlich auf der 808-Snare, bietet aber noch diverse Sounddesign-Optionen.
Der entstehende Snare-Sound besteht meist vor allem aus zwei Komponenten: Shell und Snappy. Zwischen diesen überblendet man via Mix-Regler. Shell emuliert Snare-Trommelfelle mit Sinus-Oszillatoren wie bei der 808. Derer gibt es gleich zwei, die verschieden gestimmt sein können, indem die Tonhöhe eines der beiden via Shell-Pitch verstellt wird, während die Stimmung des anderen gleichbleibt. Zwischen beiden überblendet man via Tone. Snappy fügt dann White Noise hinzu, das durch einen Filter läuft, dessen Modi umschaltbar sind. Alternativ kann auch der Sound eines externen Inputs hinzugemischt werden. Drive verzerrt dann alles zusammen.
Um eine typische 808-Snare zu erreichen, muss man hier schon ein wenig frickeln. Die Mutant Snare hat eine interessante Bandbreite an Ergebnissen, aber natürlich klingt eine 808-Snare überzeugend. Nimmt man diese zum Vorbild, lernt man vielleicht auch dazu, wie man andere gute Snares hinbekommt.
Ich empfand das Experiment am ehesten als gelungen, wenn ich alle möglichen Komponenten zusammengemischt, die beiden Oszillatoren leicht gegeneinander verstimmt und alles etwas angezerrt habe. Dabei spielt die eingestellte Tonhöhe natürlich eine große Rolle. Laut Handbuch ist der zweite, fix gestimmte Oszillator von der Tonhöhe an einer hoch gestimmten 808 orientiert.
Das Filter kann nicht nur zwischen HP und BP umgeschaltet werden, sondern beherrscht auch noch drei verschiedene Resonanzmodi. In Mittelstellung ähnelt das Verhalten dem 808-Original, während zudem noch ein stark resonanter selbstoszillierender Modus (Stellung: up) und ein Modus mit etwas mehr Resonanz (Stellung: down) möglich sind.
Es gibt zusätzliche CV-Inputs mit Attenuvertern. Der erste kann Snappy-Decay modulieren, der zweite steuert Cutoff und ist entweder mit einem Shell-Osc oder der Snappy-Hüllkurve normalisiert verbunden (umsteckbar via rückseitigem Jumper), wenn nichts steckt. Auch hier kann wieder eine Accent-CV-Steuerung genutzt werden.
Hexinverter Mutant HiHats
Dieses Modul liefert zwei recht neutral wirkende HiHats, von denen eine offen, die andere geschlossen klingt. Es klingt hier auf Anhieb nach 808. Beide verfügen jeweils über eigene Drive-Regler, so dass sie sich klanglich unabhängig voneinander etwas umformen und verschieden gestalten lassen. Ein zumischbarer Noise-Anteil betrifft beide.
Die VCAs sind laut Handbuch auf moderne OTA-VCAs verbessert worden. Eine Tonhöhe lässt sich nicht verstellen, wohl aber Decay für eine der beiden HiHats. Ein Bandpassfilter lässt sich aktivieren/deaktivieren. Dieses hat durchaus hörbare Resonanz, was stattdessen eine andere Klangfarbe hineinbringen kann.
Mit einem Exclusive-Switch kann man dafür sorgen, dass nur eine der beiden HiHats spielt. Alternativ können beide hörbar sein oder es lässt sich via Fade ein Überblenden realisieren.
Über einen External-Input kann auch ein eingehendes Signal durch das Filter gejagt werden. Zusätzlich lässt sich ein via Accent CV-In eine Variation realisieren.
Hexinverter Mutant Clap
Dieses Modul wurde laut Handbuch für all diejenigen gebaut, denen der allseits bekannte Drum-Machine Clap zu langweilig geworden ist. Hier soll man mit Parametern am Sound schrauben, das Modul aber auch ersatzweise als CV-gesteuerten Noise-Oszillator nutzen können. Hierfür gibt es neben einem Noise-Out noch einen Filter-Output. Das Filter klingt auch hier wieder ein wenig resonierend, kann ein- und ausgeschaltet werden und ist via Cutoff-Regler steuerbar.
Außerdem lassen sich Drive, Noise, Sustain und Pitch einstellen – und auch noch Reverb-Decay. Denn zusätzlich ist eine Art „Reverb“ integriert, für das ein Schalter zwischen drei Modi umschaltet. Dieser Hall ist jedoch laut Hersteller kein DSP, sondern ein auf Grundlage des Sounds generierter Nachhall, der gewissermaßen im Stil des Vorbilds eine Art Clap-typische Anreicherung bzw. das Aushallen kontrolliert.
Die klanglichen Ergebnisse der Modi fallen recht unterschiedlich aus. Zugrunde gelegt wird entweder der interne Sound vor dem Filter oder der externe Sound nach dem Filter. Die Tonhöhe/Pitch kann zudem via CV gesteuert werden.
In der Praxis kommen für meinen Geschmack interessante und in Nuancen verschiedene Claps heraus. Wie schon angedeutet: Wenn anderswo 808s hip „gemoddet“ werden, kommt man hier vermutlich vielfältiger und komfortabler an Variationen heran. Kürzer oder länger machen kann man die Clap hier eher nicht, es sei denn durch den Hall. Ein Accent-Input ist ebenfalls dabei.
Hexinverter Mutant Rim Shot
Neben dem typischen Rim Shot Sound, der hier mit ein wenig Mühe herauszubekommen ist, beherrscht dieses Modul auch einige Varianten davon – und kann völlig anders klingen. Sagen wir mal, es kann in Richtung Tom gehen. Insbesondere im Rimshot Hi-Mode kommen die typischen Sounds heraus. Die Rim Shot ist von der Roland 909 Drummachine inspiriert und vielleicht deshalb nicht so ganz in das Bundle eingereiht, das ich hier zum Testen bekommen habe. Der Drive-Regler fällt hier etwas kleiner aus als bei den anderen Modulen, es ist auch etwas schmaler und günstiger.
Im Lo- oder Hi-Mode klingt tendenziell es eher vertraut, in einem Clave-Modus entstehen typischerweise die andersartigen Sounds. Der Clave-Mode nutzt nur einen Oszillator und es können perkussive Sounds in einem breiten Tonhöhenspektrum generiert werden.
Das Filter ist zwischen Highpass, Bandpass und Lowpass umschaltbar und hat neben dem Cutoff- auch einen Resonance-Regler. Daraus ergibt sich schon, dass starke klangliche Einfärbungen möglich sind. Mod-Decay kontrolliert die Amp-Hüllkurve. Der VCF-Attenuverter steuert die Modulationsintensität. Über den VCF-Input kann auch ein externes Signal eingespeist und dann über das gemeinsame Filter bearbeitet werden. Auf diese Weise lässt sich ein externer Sound durch die gemeinsame Bearbeitung im Modul klanglich „homogen“ hinzumischen.
Und hier noch ein Beat aus mehreren Modulen:
Hier ein Link zu einem begleitenden Video:
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Saucoole Moduuuule!
Erica hat nicht zu viel verändert an der originalen Hardware. Gut so…
Danke für den Artikel!
Danke für die vielen unterschiedlichen Klangbeispiele! Soooo viele Drum-Sounds, die (fast) alle außerhalb meiner Geschmackszone liegen, wow!
Aber bitte das Beispiel zur HiHat nochmal checken, das klingt verdächtig nach Clap ;)
ich fand die Sounds toll, um sie unter andere Loops als knackiges, trockenes Element drunterzumischen…
Die Module sind zwar an sich ok, haben aber nichts mit der TR-808 zu tun. Klanglich völlig anders.
@Round Robin sie können völlig anders klingen, aber sie können größtenteils auch so klingen wie die 808 Pendants, das ist auch „offiziell“ Teil des Konzepts. Wenn man überlegt, wie viel Hype um „gemoddete“ 808s gemacht wird, scheint mir das hier preislich und von den Soundoptionen her eine sehr attraktive Alternative zu sein…