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Test: Erica Synths LXR-02 Sonic Potions, Drum-Synthesizer

Klein, schwarz und voller Power!

1. April 2022
erica synths lxr02 sonic potions test

Erica Synths LXR-02, Sonic Potions Drum-Synthesizer

Erica Synths aus Lettland, bekannt für ein umfangreiches Sortiment an Eurorack-Modulen, entwickelt vermehrt nun auch Desktop-Geräte. Das neueste Instrument mit der Bezeichnung LXR-02 ist ein digitaler Drumsynthesizer mit sechs Instrumenten und umfangreichen Performance-orientierten 64-Step-Sequencern. Der Drumcomputer wurde allerdings nicht gänzlich neu von Erica Synths entwickelt! Nein, die kleine deutsche Firma Sonic Potions aus Unterfranken und deren Inhaber Julian Schmidt hat schon länger die DIY-Variante LXR (1) im Programm, die als Ausgangspunkt für die „aufgemotzte“ neue Version diente. Hier ein Bild der DIY-Variante:

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Sonic Potion LXR

Das ist die Sonic Potions LXR (1) als DIY-Variante – der Vorgänger

Kleiner, schicker, hochwertiger und mit vielen Neuerungen präsentiert die Kooperation beider Firmen nun einen Drumsynthesizer, der nun den großen Herstellern Paroli und natürlich den Spaß am Tweaken von mehr als 30 Parametern pro Sound bieten soll. Immerhin heißt es auf der Website: „… from classic emulations to crunchy digital mayhem …“ Und das lässt aufhorchen! Ob das gelingt und wie das kleine Schwarze sich einzureihen hat in die Riege der elektronischen Schlagwerke und der Big Names, wird dieser Test zeigen.

Optik und Anschlüsse des Erica Synths LXR-02

Erica Synths LXR-02 Größenvergleich

Als Größenvergleich mit einer Behringer RD8. Ganz schön kompakt!

Schauen wir also genauer hin und fangen mit den Äußerlichkeiten an. 813 g bringt der LXR-02 auf die Küchenwaage. Das ist leicht, obwohl es sich um ein dickes Metall-Chassis handelt. Die Maße sind: 23 cm breit, 13,5 cm tief und 2,5 bis 4,5 mm hoch. Wenn ich meinem Lineal aus chinesischer Produktion trauen kann. Die Frontplatte ist vorbildlich bedruckt und auch die hinten liegenden Anschlüsse sind von oben betrachtet und auch von hinten übersichtlich gekennzeichnet. Die 16 Step-Taster des Sequencers sind aus transparentem Hartplastik, ebenso die kleinen Taster eine Reihe darüber. Sie reagieren mit festem Klicken. Die vier Endlosdrehregler unterhalb des Displays mit rot leuchtender Schrift sind glatt und lassen sich mit einem strammen Widerstand drehen. Der große DATA-Regler ist gerastert und macht mit lauten Klickgeräuschen auf sich aufmerksam. Als Enter-Taste dient der Druck auf diesen großen Regler. Die sieben 3,5 cm langen Fader sind gummiert, sitzen ebenfalls stramm im Gehäuse und wackeln nicht. Gummifüße halten das pultförmige Gehäuse fest auf dem Untergrund.

Erica Synths LXR-02_fader

Die Bedienelemente sind alle beisammen und schnell zu erreichen

Die Rückseite ist maximal mit Anschlüssen genutzt und damit absolut sinnvoll zugeballert. Es ist alles vorhanden, was man in der Umgebung benötigt. Das nenne ich mal komplett!

  • Kopfhöreranschluss in Miniklinke
  • Main Out L und R (6,35 mm Klinke)
  • Out 2 L und R (6,35 mm Klinke)
  • MIDI In und Out
  • USB-Anschluss
  • micro SD-Karten Slot (Karte mit 16 GB liegt bei)
  • Reset In (Miniklinke)
  • Clock Out (Miniklinke)
  • Clock In (Miniklinke)
  • Ein- und Ausschalter
  • 12 V Stromanschluss für externes Netzteil

Erica Synths LXR-02_anschlüsse1Erica Synths LXR-02_anschlüsse2

Innere Werte – Übersicht

Trotz des kleinen Formats kommt die LXR-02 doch ziemlich groß daher. Betrachten wir die Funktionen, die die Maschine mitbringt. Wir haben sieben Tracks mit 64 maximalen Steps, eine eingebaute global agierende Effektsektion, vier verschiedene Synthese-Verschaltungen mit Pulsbreitenmodulation, FM, über 30 einstellbare Parameter pro Instrument, einen Performance-Mode, Pattern-Automation, einen Euclidean Pattern Generator, Morphing, die Möglichkeit des tonalen Spielens, einen Transient-Generator, sechs frei zuweisbare LFOs, Bitcrusher (jaaa!), volle MIDI-Implementation und und und. 64 Projekte mit jeweils 64 möglichen Patterns und 64 Drumkits finden auf der SD-Karte Platz. Das wären dann 4096 Patterns und ebensolche Drumkits. Na viel Spaß beim Verwalten! Also speichertechnisch sollte das ausreichen. Wem nicht – einfach SD-Karte wechseln! Also, weiter geht’s. Wir schauen genauer hin. Fangen wir mit den Synthesearten an.

Erica Synths LXR-02_display

Das Display ist super lesbar und die 4 Regler sind zugeordnet

Synthese-Drumvoices-Aufbau

Die Erica Synths & Sonic Potions Digital Drumsynthesizer LXR-02 hat vier verschiedene Drumsynthese-Formen, die jeweils auf eine bestimmte Gattung an Sounds spezialisiert sind. Diese sind aber nicht frei auf die sechs Sounds zuordenbar, sondern sind fest mit den Kanälen verbunden. Auf Kanal 1 bis 3 ist die „Drum-Voice“, die allerdings nicht nur auf Kick-Drums, Toms und Cowbells angewendet werden kann. Auch Synthsounds jeglicher Art, auch mit FM, können damit gestaltet werden. Hier das Blockschaltbild:

Erica Synths LXR-02_Drumvoice1-3

Die Snare-Voice-Engine ist logischerweise für Snare- und Clap-Sounds. Eine verstimmbarebare Noise-Quelle kann dazugemischt werden und geht alleine durch ein Filter. FM ist hier nicht vorhanden.

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Erica Synths LXR-02_Drumvoice4

Die Cymbal/Clap-Engine arbeitet mit einer Drei-Operatoren-FM-Quelle. Der Hauptoszillator wird sozusagen von den beiden anderen moduliert. Das ist perfekt für metallische und geräuschhafte Klänge.

Erica Synths LXR-02_Drumvoice5

Die HiHat-Engine ist fast identisch mit der Cymbal/Clap-Erzeugung, bietet aber zwei verschiedene Decay-Zeiten. Die HiHat ist auf Track 6 und 7 zu finden, um dann auch Open/Closed-Varianten zu spielen.

Erica Synths LXR-02_Drumvoice6

Jeder der 6 Kanäle hat einen eigenen Mixkanal. Diesen erreicht man simpel durch das Pressen des MIX-Knopfes und des dazugehörigen Instrumenten-Buttons unterhalb des Faders. Dann bekommt man die Werte auf das Display. Dort kann man für jedes „Instrument“ die Lautstärke, das Panning, die Sample Rate, das Soft Clipping, den Audioausgang, die Track-Länge, den MIDI-Kanal und die MIDI-Note einstellen. Man kann also jedes Instrument mit einer Samplerate-Reduktion versehen!

Editierung der verschiedenen Soundblöcke

Schauen wir uns mal an, wie man an den Klängen schrauben kann. Zuerst wählt man den passenden Kanal und die automatisch darinliegende Engine durch Klick auf den Knopf unterhalb des Sliders. Schon ändert sich der Inhalt des Displays und die betreffenden Parameter werden angezeigt. Durch die verschiedenen „Stationen“ eines Sounds und dessen Menüs kommt man durch Auswählen von einem der acht Taster namens OSC, AEG, MOD, FM, CLICK, FILTER, LFO und MIX. Was die Abkürzungen zu bedeuten haben, sollte offensichtlich sein. Die Abkürzungen der Parameter setzen sich auch im Display fort. Die vier Endlosdrehregler sind den vier dargestellten Werten im Display zugeordnet, also ist die Übersicht gewahrt. Sollen es einmal mehr als vier Werte sein, dann erscheint ein Pfeil und mit dem großen Data-Encoder kommt man auf die zweite Seite. Eigentlich ganz simpel. Mich persönlich versetzt das etwas in die Zeit, als man EMU Rackexpander programmiert hat und eben nicht alles auf einmal Zugriff hatte. Dem alteingesessenen User werden die Abkürzungen im Display geläufig sein, dem Azubi hilft dann erst einmal die Anleitung weiter. Da muss man sowieso irgendwann durch. Im Übrigen ist die englischsprachige Anleitung vorbildlich aufgebaut und mit Skizzen und vielen Basisinformationen zur generellen Klanggestaltung versehen. Hier wird auf wirklich jeden Punkt perfekt eingegangen. Wirklich vorbildlich und absolut anwenderfreundlich. Ich muss es einfach noch mal erwähnen. Doch zurück zur Editierung. Als Basis jeden Klanges dienen folgende Oszillatoren: SINE, TRIANGLE, SAW, RECTANGLE, NOISE und PWM. Das Bearbeiten der Klänge geht ohne Glitches oder Sound-Artefakte von sich, immerhin handelt es sich um eine digitale Prozessorleistung und diese scheint ordentlich dimensioniert zu sein. Auch schnelle Parametersprünge durch rasches Drehen setzt die Engine ohne zu murren wie ein analoges Gerät ohne Verzögerung um. Auch extremste Einstellungen, z. B. beim Heranziehen von LFO, setzt das Gerät professionell um. Hervorragend!

Erica Synths Drum Synthesizer LXR-02

Erica Synths Drum Synthesizer LXR-02

Kundenbewertung:
(19)

Natürlich beeinflussen manche Parameter einen Wert in einem anderen Menü und dieser muss dann auch angepasst werden. Klar ist, dass man dann zwischen verschiedenen „Stationen“ umschalten muss, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Das geht jedoch ziemlich schnell, da ja alle „Stationen“ nebeneinander liegen und maximal nur zwei Display-Seiten zu sichten sind. Alles in allem ist das ziemlich schlau gelöst, da man sich schnell zurechtfindet. Man sollte trotzdem immer mal ein Auge auf den permanent leuchtenden Soundknopf werfen, ob es auch der richtige ist, den man gerade editiert! Doch auch für das entspannte Editieren eines Kanals gibt es Funktionen.
Hier bietet sich an, die Mute- oder Solo-Funktion zu nutzen, die man mit einer Tastenkombination mit der Shift-Taste gut ins Fleisch und Blut bringt.

Transienten Generator

Was ist denn das nun? Das wird sich der ein oder andere fragen. Ein Transienten-Generator formt den Beginn eines Klanges, indem er zu dem mit der Drumsynth-Engine sowieso schon erzeugten Sound noch am Anfang des Klanges (wenige Millisekunden) einen Klangschnipsel oder eine zusätzliche Pitch Hüllkurve darüber legt. Diese Klangschnipsel sind kurze Samples (ca. 50ms in 8 Bit Sound), die auch in ihrem Frequenzgang mit Hilfe einer Art EQ und in der Lautstärke verändert werden können. Damit kann man z. B. einen prägnanten Klicksound am Anfang einer Kickdrum hinzufügen, damit sie so richtig clicky ist. Ich kann mich nicht erinnern, bei welcher Drummachine das so verfügbar war (bitte um Hinweise in den Kommentaren). Eine geniale Idee und in der LXR-02 so simpel zu handhaben, indem man auf den Knopf CLICK drückt! Das gibt den Drumsounds den richtigen Feinschliff. So etwas hat man sich immer schon gewünscht. Vorbei die Zeiten von einer laschen Attack-Phase. Hier eine Auflistung der zur Verfügung stehenden Sample-Schnipsel:

Erica Synths LXR-02_Transient_samples

Die vorhandenen Filtervarianten

Zum Glück befinden wir uns in einer digitalen Umgebung, daher gibt es eine Vielzahl von Varianten. LOWPASS, BANDPASS, HIGHPASS und NOTCH sind allgemein bekannt. Es stehen aber noch PEAK und LP2 TYPE zur Verfügung. Letzteres ersetzt das State-Variable-Filter Rechenmodell mit einer einfacheren Typologie und dadurch steht mehr digitale Resonanz zur Verfügung. Laut Anleitung soll man das für „schreiende“ Sounds verwenden. Es kippt also eher und verhält sich nicht ganz so zahm. Grundsätzlich ist die Interpretation des Filters ein 2-poliges mit 12 dB. Bis auf das LP2 TYPE Filter verhalten sich die verschiedenen Varianten sehr analog und greifen nicht zu scharf das Frequenzspektrum an. Auch hier hört man keine komischen Artefakte oder unschöne Pegelspitzen, die einem die Lautsprecher oder die Ohren ruinieren. Nicht unbedingt zahm, aber auch nicht zu aufgesetzt im Klang. Schon zupackend und klangformend!

Sequencer-Funktionalität

Trotz der kompakten Größe und der relativ wenigen Bedienelemente beherbergt der LXR-02 einen mit einer Vielzahl an Möglichkeiten versehenen Sequencer im TR-Stil. Die Länge einer Drum-Spur kann bis zu 64 Steps sein, die mit den beiden BAR-Tasten durchgesteppt werden können. Je nachdem wo man sich befindet, wechseln die Taster ihre rote Farbe. Jeder aktivierte Step kann manuell in der Tonhöhe, in der Lautstärke, in der Zufallswahrscheinlichkeit, mit Flam oder mit einer Verzögerung in 1/8-Schritten vor- oder zurückgezogen werden. Mit anderen Worten kann zum Beispiel jeder ausgelöste Sound innerhalb eines 16 Step Beats mit einer anderen Tonhöhe versehen werden oder jeder Ton auch mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erklingen. Wie es sich für einen modernen Drumcomputer gehört, können pro Step auch zwei Parameter per Automation aufgezeichnet werden, die der Sequencer danach schön brav wiedergibt. Hier können also Filterverläufe oder auch jegliche andere Parameter ins Spiel eingebracht werden. Natürlich in Echtzeit! Das ist nachträglich editierbar, wie es sich gehört. Die Copy & Paste Funktionen bei der Pattern-Organisation sind natürlich ebenso vorhanden, was ja eigentlich klar sein sollte. Bei den Sequencer Basisfunktionen gibt es also nur Positives zu berichten, auch was die Schnelligkeit der Bearbeitungsschritte angeht. Wenn man seine Patterns im Kasten hat, schaltet man in den Live-Performance-Mode. Hierfür gibt es einen extra Button „PERF“.
Die Aneinanderreihung von Patterns kann übrigens auch in SONGS abgespeichert werden. Huch, das hätte ich fast vergessen.

Willkommen im Live Performance Mode

Einmal aktiviert, kann man die einzelnen Tracks stummschalten, jeden der sechs Klänge nach einer definierten Trigger-Roll abfeuern, die Samplerate für die ganze Kiste reduzieren, den Shuffle verändern oder die einzelnen Klänge zu einem anderen voreingestellten Sound morphen. Das klingt nach nicht viel, kann aber das Dargebotene drastisch verändern. Selbstverständlich kann man auch an einem Parameter schrauben und gleichzeitig die Volumefader bedienen. Das ist so richtig zackig livetauglich. Ach, hier ist noch ein Schmankerl, das man ganz verloren in der Anleitung findet, das aber total sinnvoll ist: Der RELOAD-Button. Live-Situation: Man twerkt die Sounds, das Kit, verändert das Pattern und steigert sich bis zum Break/Extase? Wie kommt man nur aus der Nummer wieder raus? SHIFT und RELOAD gedrückt und alles ertönt wieder so geordnet wie vorher. Die Reload-Funktion ist klasse und arbeitet natürlich auch bei laufendem Sequencer und taktgenau. Wow! Hinzu kommt noch …

Der Euclidean Pattern Generator!

Wer auch mal abseits des manuellen Setzens von Steps tätig werden will, bekommt mit dem Euclidean Pattern Generator ein hilfreiches Tool zur Seite, das auch nur im Performance-Modus zu aktivieren ist. Dieser Generator setzt je nach Einstellung immer mehr Steps nach einem sinnvollen Muster in den Instrumentenspuren und das on-the-fly. Das gilt für alle Tracks. Neben der Länge des Tracks kann auch die Menge der aktiven Steps bestimmt werden. Ebenso kann eine Rotation aller Noten jeweiligen Patterns bewegt werden. Mit all diesen Features lassen sich auch alleine durch Drehen eines Potis interessante Variationen erzeugen und somit gänzlich neue Muster finden. Es liegt nahe, dass ein Modularhersteller solche Features einfach so aus dem Ärmel schüttelt und in einen „Drumcomputer“ einbaut. Bravo!

In diesem Modus steht auch noch mal das Morphing zu einem gänzlich vordefinierten Drumset zur Verfügung.

Erica Synths LXR-02_sideview

Speichern und laden

Alles kann gespeichert werden, entweder einzeln in den Kits, in den Patterns oder eben als ganzes Projekt. Das geht auch bei weiterhin laufenden Sequencer. Die selbst kreierten Projekte und Kits können mit Namen gekennzeichnet werden. Die Übersicht bleibt so erhalten!

MIDI-Funktionalität

Der Erica Synths & Sonic Potion LXR-02 stellt eine umfangreiche MIDI-Konnektivität mit allen Schikanen zur Verfügung. Es hat nicht nur eine MIDI-Schnittstelle, sondern die USB Variante wird als separate zweite geführt. Ein umfangreiches MIDI-Routing steht zur Verfügung. So kann man über den USB-Port eingehende MIDI-Meldungen auch an den MIDI Out weiterleiten. Alles ist möglich! Ein Filtern von MIDI-Messages ist auch einstellbar. Selbstverständlich sind die Sync-Funktionalitäten umfangreich.
Alle Instrumente können von externen Keyboards oder Pads gespielt und auch aufgenommen werden. Auch das tonale Spielen, also das Einspielen von Melodien, ist so möglich! Das Übertragen von Sequencer-Daten per MIDI Out ist machbar. Das Fernsteuern per Control-Changes ist voll implementiert und auch in der Anleitung vollständig aufgelistet. Als ob das nicht schon genug wäre, ist auch der Zugriff auf weitere Parameter per NRPN möglich. Ebenfalls in der Anleitung fein säuberlich aufgeführt. Wahnsinn! Es bleiben also keine Wünsche offen. Da hat jemand im Vorfeld echt seinen Job gemacht.

Welche Effekte stehen zur Verfügung?

Die FX-Einheit ist ebenfalls digital und nur ein Effekt von derzeit insgesamt vier kann genutzt werden. DRIVE beinhaltet drei verschiedene Typen wie Tube Saturation, Wavefolder Distortion und eine schnell kippende Pedal Simulation. Diverse andere Parameter können den Klang nochmals beeinflussen. Sehr positiv: Beim Nutzen von Distortion auf mehreren Instrumenten beeinflussen sich die Klänge gegenseitig, was zu sehr coolen Effekten führen kann. Es lohnt sich also auch mal, das eine oder andere Instrument nach und nach dazuzuschalten.

Ein RINGMODULATOR multipliziert das Eingangssignal mit einem zweiten Oszillator, der wählbar ist. Dann steht noch ein KOMPRESSOR mit ausreichender Parametrisierung zur Auswahl und ein DELAY, jedoch nur also MONO DELAY und als STEREO PING PONG DELAY. Das Delay ist momentan noch nicht mit der eingestellten BPM synchronisierbar. Der Anteil des gewählten Effektes kann bei jedem der sechs Instrumente separat im Anteil eingestellt werden.

Tipp: Das Stereo-Delay funktioniert nur korrekt, wenn der Klang, dem es zugeordnet ist, direkt mittig eingestellt wird, also auf null.

Update-Möglichkeit

Da es in der Anleitung einige Hinweise zu zukünftigen Verbesserungen gibt, werden wohl noch viele neue Features oder Effekte hinzukommen. Seit der Ursprungs-Firmware 1.1 gab es schon zwei Updates. Die aktuelle Version ist nun 1.3. Hinzu kamen schon neben einer Vielzahl von Bugfixes zu MIDI und Sync-Sachen schon das Microtiming, Flams auf Steps und eine bessere Möglichkeit, den Oszillator besser zu bestimmen. Es ist also mit einer regen Update-Politik zu rechnen. Ich denke, dass auch der eine oder andere Effekt für die FX-Abteilung noch Einzug finden wird. Die Updates werden auf die SD-Karte geschoben und dann durch eine Tastenkombination auf das Gerät überspielt. Vorbildlich!

Ist das nur eine Drummachine?

Ja, natürlich, aber das wird der LXR-02 nicht gerecht. Da Melodien eingespielt werden können und die Synthese-Funktionen so umfangreich sind, geht die LXR-02 locker auch als Bass-, Pad-, Effekt- und Was-weiß-ich-nicht-Synth durch. Sechs mit der Clock synchronisierbare LFOs, für jedes Instrument eines, sollten für Sphären experimenteller Soundergüsse reichen. Mit den vorhandenen sechs Tracks können locker ganze Songs für einige Genres erzeugt werden. Ach, da fällt mir doch glatt der Begriff Groovebox ein. Bingo!

Die LXR-02 ist keine Sound-Preset-Schleuder! Das muss man wissen. Mal von den hervorragend anders klingenden Factory-Presets-Kits abgesehen, muss man sich seine Klänge schon selbst erarbeiten. Das bedeutet, dass man sich mit Synthese und den Auswirkungen der Parameter beschäftigen muss. Das kann schon frustrierend sein, denn wenn einem der Zugang zum internen Syntheseworkflow nicht ins Fleisch und Blut übergeht, der wird daran keine Freude haben. Das ist aber kein Manko. Diese Besonderheit hat auch die Modor DR-2, ebenso ein digitaler Drumsynth. Am besten lädt man ein bestehendes Drumkit, das dann als Ausgangsbasis für neue Klänge dient.

Erica Synths Sonic Potion LXR-02_front

Wie klingt die Audioengine?

Der Grundsound ist trocken, exakt, modern und voller Druck. Es gibt überhaupt keine Nebengeräusche oder digitale Artefakte. Auch das Werkeln in jeglichen Soundbereichen bringt Schlagwerk und Klänge zutage, die für ein Hardware-Gerät nicht besser sein könnten. Sehr überrascht war ich von der direkten Ansprache und dem zackigen Druck, der einen wirklich massiv begeistert. Dazu klingt das Ganze auch noch so, wie ich es für ein digitales Gerät gar nicht vermutet hätte. Die LXR-02 kann wirklich vieles. Sie erinnert mich an die Güte von Nord Drum 3 Klängen. Allein das Durchhören der Preset-Kits bringt unglaubliches zutage und zeigt die Wandelbarkeit dieses Soundwunders. Kopfschüttelnd steppte ich taktgenau mit dem gleichen Pattern von einem Kit zum nächsten und konnte es nicht fassen. Ob softe CR78 Klänge oder brachiale Hardcore-Wumme mit stehender Distortion, beide sind überhaupt kein Problem für das Gerät. Die HiHat-Voice setzt sich klanglich super crisp durch. In allen Instrumenten sowie in der FX-Abteilung wird Verzerrung und Anfettung des Klanges mit diversen Parametern angeboten. Somit ist die Maschine für härtere Gangarten unbedingt zu empfehlen. Sample-Reduktion gibt es ebenso global oder in jedem Sound. Die Soundengine leistet Unglaubliches. Wer seine 808- und 909-Klänge benötigt, wird sie durch Schrauben auch finden. Vielleicht nicht ganz 1:1, aber dafür druckvoller, moderner und auch in höherer uneingeschränkter Frequenzqualität wie das analoge Pendant. Aber das Nachbauen von analogen Lieblingssounds wäre nur 10 % von dem, was die LXR-02 hörbar leisten kann.
Der Main-Output ist mit +4 dbu ausgelegt und der Kopfhörerausgang hat soviel Reserve, dass er selbst den hungrigsten Kopfhörer in die Knie zwingt. Um es noch mal zu sagen: Die LXR-02 klingt fantastisch und vielseitig, so dass man es kaum glauben kann.

Kritik auf hohem Niveau

Trotzdem möchte ich den einen oder anderen Hinweis geben, was meiner Meinung nach hätte noch besser gemacht werden können. Den Klang betrifft es schon mal nicht. Soviel ist mittlerweile klar.

  • Die vier Endlosdrehregler sind sehr feinfühlig und so mancher Parameter reagiert auch schon beim Ändern von einem Parameterpunkt hörbar (z. B. Bitcrusher). Man muss also sehr feinfühlig vorgehen, um den Wert einzustellen. Hier wären gerasterte Endlosregler besser gewesen. Man würde dann mit jedem Rasterschritt die Werteänderung spüren.
  • Wir alle kennen den Wertebereich 0-127 bei digitalen Menüs. Das ist der MIDI-Funktionalität geschuldet. Das ist auch hier so. Sagt aber wie immer nicht viel aus. Hier wäre eine Art interne Werteübersetzung mit einem anderen Display-Inhalt ganz nett gewesen. Zum Beispiel wäre eine Angabe über Millisekunden beim Delay sinnvoller als ein Wertebereich von 0-127. Wenn wir gerade beim Delay sind: Das Synchronisieren des Delays zur Clock kann zumindest in der jetzigen Form noch nicht eingestellt werden. Dafür wird wohl ein Update sorgen.
  • Das Setzen von Accents in altbekannter Form gibt es nicht. Hier muss man mit Velocity-Werten pro Step arbeiten, wenn man dieses Ziel erreichen will.
  • Ich vermisse einen Reverb in der FX-Abteilung. Er muss nicht unbedingt gut sein, aber irgendeine Raumsimulation, egal was für eine, würde noch mehr Möglichkeiten bieten.
  • Sobald man ein bisschen Distortion oder Saturation zum Sound hinzufügt, überragt er in der Lautstärke schnell die anderen Klänge, also ist Nachregeln angesagt.
  • Ach, eine Random-Sound-Funktion würde dem LXR-02 gut stehen. Also, Knopfdruck und ein Zufallsklang entsteht.

Und hier noch was auf die Augen und Ohren – mein obligatorisches Video! Um nicht ein zweistündiges Programm zu bieten, hier nur einige Impressionen zu Sound und Bedienung.

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Fazit

Ein unscheinbarer Zwerg als Drumsynthesizer und so viel Klangpotential! Das hält man nicht für möglich, wenn die Erica Synths & Sonic Potions LXR-02 vor einem steht. Eine ganz große Maschine wurde hier entwickelt. Die Kooperation der beiden Firmen schuf ein wundervolles kraftvolles Gerät, bei dem mir der Kiefer mehrmals heruntergeklappt ist. Die Hardware, die Software und die Audioqualität nebst Bedienung sind vorbildlich und einfach, sofern man weiß, was zu tun ist. Es bleiben kaum Wünsche offen. Wer einen vielseitigen wandelbaren Drumcomputer/Groovesynth in Perfektion sucht, wird hier fündig. Diese Maschine wird einen über viele Jahre immer wieder neues Soundmaterial liefern. Ich gebe volle Punktzahl! Für mich einer der herausragenden erschwinglichen Drumsynthesizer mit Sequencer der letzten Jahre. Wer nach so etwas sucht: Lieber jetzt kaufen, denn günstiger wird es in Zukunft wohl nicht werden. Wer nicht sucht, einfach mal antesten oder im Netz informieren!

Plus

  • sehr gute Klangqualität
  • stabile Hardware
  • schier grenzenlose Klangvielfalt
  • Parameter-Automation
  • vorbildliche Bedienung, livetauglich
  • Euclidean Pattern Generator
  • kompaktes Format
  • sämtliche Anschlüsse vorhanden
  • volle MIDI-Parametrisierung
  • sehr übersichtliche und verständliche Anleitung

Minus

  • kein Reverb Effekt (Update?)
  • feinfühlige Endlosregler (Update?)

Preis

  • 578,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Marco Korda AHU 1

    Lange habe ich warten müssen, bis sich jemand erbarmt, dieses tolle Gerät in Augenschein zu nehmen. Danke P.head für diesen mitreißenden Beitrag, der so überschwänglich gelang, dass ich mich frage, wieso eigentlich kein Best Buy? Wo doch selbst der Preis absolut in Ordnung geht?

    Eine Frage hätte ich aber doch: es gibt ja keine Einzelausgänge, aber immerhin ein zweites Set. Wenn ich da etwas ausspiele, wird das von der Summe abgezogen?

    Ich wollte die Kiste schon vorher kaufen – jetzt erst recht. Danke nochmal für den Bericht. Der hat mir gut gefallen. Alle Daumen hoch.

    • Profilbild
      [P]-HEAD (S.Bernhardt) RED

      Von Dir, einem sehr fachkundigen Musiker, das so zu lesen freut mich. Ja, die LXR-02 ist knapp am BestBuy vorbeigerauscht. Ich erkläre warum. Die Parametisierung hätte etwas anders mit dem Prozessor gewichtet werden können. Beispiel: Nehmen wir das Decay. Im Bereich 1-6 des Decays werden schon ziemlich wichtige Zeiten abgedeckt. Es gibt aber noch 121 andere Werte, die dann relativ unbedeutend für einen Drumsound sind. Für Synth sounds evtl. wichtig. Wer also ganz kurze ClickSounds möchte findet diese zwar, aber ganz so im Detail im Decay nur grob wählbar. D.h. feinere Einstellungen sind nicht möglich. Das ist zwar wirklich Erbsenzählerei aber das ist ein Punkt.
      Und man springt halt wirklich manchmal in den Menus umher weil schon ein Parameter woanders unheimlichen Einfluss auf einen anderen Parameter nimmt, aber wie soll es sonst anders sein.
      Ich finde es ist noch etwas Luft nach oben, daher kein Bestbuy, auch wenn der Preis im Vergleich zu anderen Drumsynths attraktiv ist. Aber ein wirklich toller Soundlieferant. Ach übrigens, falls der Entwickler mitliest: Bitte eine Random Funktion um Sounds zu erstellen!
      Sagen wir mal so: Ein Reverb Effekt würde die Bewertung ebenfalls bewegen. Ich denke, das wird noch kommen.

      • Profilbild
        Marco Korda AHU 1

        Stimmt, die Erklärung ist stimmig. Ist mir auch in deinem Video salient geworden. Würde mich freuen, wenn du auf die Ausgänge noch eingehst.
        Zum Reverb: lieber einen schlechten als gar keinen? Nee, würde ich nicht sagen. Meistens sind die allenfalls ein Add-On. Mag für Live relevant sein, im Studio benutze ich lieber Hard- oder Software von besserer Güte. Allerdings ist Erica in dem Thema nicht so schlecht. Also, wenn es den oben drauf gibt, wird ihn keiner löschen wollen :-)

        • Profilbild
          [P]-HEAD (S.Bernhardt) RED

          Die Ausgänge machen was Sie sollen und sind zuweisbar. Das ist in sich logisch. Wer die Kick einzeln braucht nimmt eben einen Ausgang des zweiten Stereo Outs.
          Das ist nichts besonderes und erwartbar, daher wird das im Text nicht erwähnt. Einen guten Reverb zu fordern, der allen gerecht werden würde, halte ich für nicht machbar, und ist in erster Instanz nicht zwingend in dieser Gerätegattung notwendig. Der Prozessor leistet so schon tolles. Da wird man nicht noch mehr Ressourcen für einen hungrigen Reverb abzwacken können. Aber für irgendeine Raumsimulation könnte es noch reichen. Ist nur meine Meinung.

  2. Profilbild
    moinho AHU

    Zum Transient Generator: mir fällt keine Drummachine mit sowas ein, aber das klingt für mich ähnlich wie weiland Rolands LA-Synthese (D-50 ff). Die Roland-Drummachines von damals machten das aber (meines Wissens) nicht…

    Eine Frage hab‘ ich tatsächlich noch (falls das irgendwo in den Videos erwähnt war – ich bin nicht so der Videomensch):
    Dieser Text und das Handbuch legen nahe, daß die Tracks eines Patterns unterschiedliche Länge haben können. Wie ist das mit solchene Strukturen beim Patternwechsel gelöst (MPC-, Elektron- oder anderer Stil)?

  3. Profilbild
    lunatic AHU

    Sehr interessantes Gerät. Wäre natürlich noch ein paar Prozentpunkte nicer mit hybrider Klangerzeugung ähnlich alphabase. Rein digital und dann null Artefakte? Auch irgendwie schade.
    Klingt jedenfalls ansprechend, werde ich antesten.

  4. Profilbild
    TrainGuy

    Danke für den ausgiebigen Bericht. Es stellt sich mir noch eine Frage zum sequencer:

    „Die Länge einer Drum-Spur kann bis zu 64 Steps sein, die mit den beiden BAR-Tasten durchgesteppt werden können. Je nachdem wo man sich befindet, wechseln die Taster ihre rote Farbe.“

    Vorausgesetzt, man lässt ein pattern mit 32 steps abspielen: Ist es möglich, die eine Hälfte der Sequenz (also z.B. steps 17-32) zu editieren, und währenddessen das komplette pattern weiter durchlaufen zu lassen? Oder ist immer nur der Teil des Gesamtpatterns zu hören, der gerade editiert wird (wie z.B. bei der Roland TR8)?

  5. Profilbild
    swellkoerper AHU

    Die Nord Drums haben einen Transienten-Generator („Click“), wobei ich nicht genau weiss, ob das Samples sind. Das Handbuch schweigt sich diesbezüglich aus. Generell erinnert mich der Sound und die Bandbreite der LXR sehr an die ND, scheint eine tolle Maschine zu sein.

  6. Profilbild
    Emmbot AHU

    Krasse Sounds ich mag das Napalm Kit. Schön böse dann noch ne Bassline daneben hach das wär doch was.

  7. Profilbild
    Anthony Rother AHU

    Danke für den Test, ich lese ihn besser nicht damit ich das Teil dann nicht kaufen muss.
    Habe erst letztens den Modor DR-2 von P-Head seinem YouTube Video verkauft bekommen. :-)

    • Profilbild
      dhinnen

      Oh je, schade. Denn ich musste bei den Audiodemos (noch vor dem Test) direkt und konkret an Deine Produktionen denken, no joke. Ich weiss ja nicht wie’s mit dem Handling aussieht, aber vom Sound her würde das Teil passen ;)

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