Spezialist für experimentelle Klänge
Der Erica Synths x 112db Xenodrive ist ein digitaler 3-in-1 Overdrive/Distortion/Waveshaper mit analogem Overdrive vor der AD-Wandlung. Es handelt sich hierbei um eine weitere Kooperation der beiden Firmen, bei der 112db hauptsächlich die Software-Seite übernommen hat, während Erica Synths alles rund um die Hardware abwickelte. Das Pedal im robusten Aluminiumgehäuse hat das gleiche Format wie z. B. das Night-Shift-Pedal von Erica und ist auch als Stereoeffekt ausgelegt.
- Konzept: Analoger Overdrive vor der AD-Wandlung trifft auf digitalen Overdrive und komplexen Waveshaper.
- Bedienung: Intuitive Oberfläche mit Direktzugriff auf alle Parameter, Presets und Morph-Funktion.
- Klang: Besonders stark bei monophonem oder einfachem Material, bei komplexen Signalen oft ähnliche Ergebnisse.
- Ausrichtung: Klar auf experimentelle, krachige und Noise-orientierte Sounds spezialisiert.
- Bewertung: Kreativ und kompromisslos, mit begrenzten Sweetspots – insgesamt ein solides „gut“.
Inhaltsverzeichnis
Erica Synths x 112db Xenodrive: Hardware und Anschlüsse
Im Lieferumfang des Erica Synths x 112db Xenodrive ist neben der schicken Pappschachtel in Monstergrün und Schwarz der Erica Synths x 112db Xenodrive selber, ein 12 V Netzteil und eine gedruckte Anleitung enthalten, wobei es sich hierbei nicht um ein Quickstart-Manual, sondern die komplette Anleitung handelt. Diese ist auch als PDF erhältlich, ist ausführlich geschrieben und gibt Auskunft über die Funktionsweise, die Anschlüsse und alle Optionseinstellungen.
Das Aluminiumgehäuse mit seinen ca. 800 g Gewicht liegt gut in der Hand und auch die Maße von 23 × 14,5 × 7 cm bieten genug Platz für die 15 Regler und die drei Taster. Über dem prominenten Regler für Shaper-Gain befindet sich ein schmales 64 x 128 Pixel OLED-Display in grüner Farbe zur Anzeige des Preset-Namens, Einstellung der Optionen und Darstellung der Waveshaping-Funktion.
Auf der Rückseite des Erica Synths x 112db Xenodrive befinden sich die Stereoein- und -ausgänge sowie ein Anschluss für einen Fußschalter. Daneben gibt es noch DIN-MIDI mit einem In- und einem Out/Thru-Port und einen USB-Anschluss. Das Gerät kann über einen Schiebeschalter aktiviert werden, obwohl ich hier lieber einen kleinen robusten Kippschalter gesehen hätte.
Der USB-Port ist für das Update der Firmware und die Archivierung der Patches zuständig, dient aber auch als MIDI-Port. Seltsamerweise wird Letzteres weder in der Anleitung noch auf der Website klar kommuniziert.
Der Erica Synths x 112db Xenodrive kann bis zu 42 User-Presets speichern, die die Werks-Presets überschreiben (können bei Bedarf aber wiederhergestellt werden). Eine besonders tolle Funktion ist Preset-Morph. Hiermit könnt ihr bestimmen, ob und wie lange beim Preset-Wechsel die Parameter sich graduell zum Ziel-Preset hin verändert werden – Minimum ist 100 ms, Maximum 10 Sekunden. Ziemlich gut.
MIDI und Footswitch-Optionen
Für die Integration des Erica Synths x 112db Xenodrive in ein bestehendes Setup ist es wichtig, das Steuerungsverhalten bestimmen zu können. Der digitale Verzerrer hat hier einige Optionen, die MIDI-Sektion bietet folgendes:
- Einstellung des MIDI-Kanals,
- eigene MIDI-CC-Zuweisung zu den 14 MIDI-steurbaren Parametern
- Ausgabe der MIDI-CC im MIDI-Out-Modus.
- Standardmäßig sind folgende MIDI-CC Zuweisungen eingestellt.
Wie man sieht, ist die Auflösung hier auf 7 Bit reduziert. Und natürlich versteht das Pedal auch MIDI-Program-Change-Befehle.
Der Footswitch-Eingang des Erica Synths x 112db Xenodrive ist für einen einfachen (Momentary) Fußtaster ausgelegt, dem verschiedene Funktionen zugewiesen werden können, je nachdem ob man einmal oder zweimal steppt oder den Fußtaster 2 Sekunden lang gedrückt hält. Für die ersten beiden stehen die Funktionen
- OFF,
- BYPASS,
- SCREAM,
- ein Preset vorwärts,
- ein Preset zurück,
- Random und
- Magic zur Verfügung.
Scream ist dabei auch über den Taster auf dem Pedal aktivierbar und versetzt den 2-Band-EQ am Ende der Signalkette in einen Hochresonanzmodus. Die Random-Funktion sucht zufällig eines der 42 Presets aus, während die Magic-Funktion stehenden Fußes ein komplett neues Preset zaubert.
Diejenigen, die gerne lange auf der Leitung stehen (also mindestens 2 Sekunden), können damit einen Effekt-Bypass oder die Aktivierung des Scream-Modus erreichen.
Mit all diesen Einstellungen ist es recht einfach, den Erica Synths x 112db Xenodrive an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.
Aufbau und Funktion des Erica Synths x 112db Xenodrive
Bevor das Signal überhaupt die digitale Domäne über den DA-Wandler betritt, durchläuft es einen analogen Preamp mit Overdrive-Funktion. Dieser Preamp bietet bis zu 24 dB Gain, wodurch ihr auch mit aktiven Bässen und Gitarren direkt in den Erica Synths x 112db Xenodrive gehen könnt. Nutzt ihr nur die linke Seite, wird dieses Signal automatisch auf die rechte Seite übernommen. Aber auch mit passiven Instrumenten solltet ihr noch etwas herausholen können.
Der Pegel des Eingangssignals wird dabei effektiv über die beiden halbrunden LED-Ketten dargestellt. Da der Erica Synths x 112db Xenodrive sehr empfindlich auf die Eingangslautstärke reagiert, ist das nicht nur ein Gimmick, sondern eine wichtige Funktion. Deswegen sitzt hier auch ein Kompressor, der das Signal vor Distortion und Shaper verdichtet.
Den Signalfluss versteht ihr besser, wenn ihr das Diagramm in der Anleitung betrachtet. Die AD-Wandlung findet hinter dem Input-Gain-Block statt.
Wie ihr seht, habt ihr es hier tatsächlich mit einem 3-in-1-Distortion zu tun, wobei der erste der erwähnte analoge Preamp mit Overdrive-Funktion ist. Danach geht es über den Kompressor in den digitalen Overdrive, der einem Germanium-Fuzz nachempfunden ist. Dann erst geht es in den Waveshaper.
Dessen Shaping-Funktion könnt ihr aus einer 16 x 16 Wavetable-Tabelle bestimmen, die ihr mit dem XWAVE und dem YWAVE-Parameter aussuchen könnt. Die Übergänge sind dabei fließend, wie ihr gut im Display sehen könnt, wenn ihr die beiden Parameter nutzt. Dieses zeigt dann immer die ausgewählte Shaping-Funktion. Apropos Display, selbst auf hellster Einstellung ist es bei Tageslicht etwas dunkel.
Um die Auswahl der Shaping-Funktion dynamisch zu machen, könnt ihr den XWAVE-Parameter dann auch über einen Hüllkurvenfolger modulieren. Das ist besonders bei rhythmischem Material ergiebig.
Über den Shaper-Gain erreicht ihr dann das totale tonale Chaos, da ihr hier den Foldover-Anteil des Shapers bestimmt, der bekanntlich ein Plethora an Obertönen hinzufügt, vielleicht auch manchmal ein wenig zu viel des Guten. Mit dem Rotate-Regler könnt ihr schließlich die Phasenlage der Shaping-Funktion einstellen, was allerdings nicht im Display visualisiert wird.
Zum Abschluss findet ihr dann den 2-Band-EQ des Erica Synths x 112db Xenodrive, der das Signal mit seinen -24 dB bis +24 dB für jedes Band nochmal kräftig beeinflussen kann. Zudem habt ihr die Möglichkeit, über den EQ-Shift-Regler die Crossover-Frequenz zu verändern.
Bei diesem EQ setzt auch der Scream-Effekt an, der eigentlich nichts weiter macht, als der Cutoff-Frequenz der EQs eine deutliche Resonanz hinzuzufügen. Auch dieser Parameter ist mit etwas Vorsicht zu genießen, da es je nach Material zu deutlichen Spitzen kommen kann.
Klang und Bedienung des Erica Synths x 112db Xenodrive
Die Bedienung ist vor allem eins – intuitiv. Jeder Parameter hat einen Regler direkt auf der Bedienoberfläche und alles reagiert sofort auf die Eingabe des Nutzers. Das Display ist dabei hauptsächlich für die Einstellungen der Optionen und der Preset-Auswahl zuständig.
Die Anzeige der Shaping-Funktion ist auch eine nette Dreingabe. Dabei lohnt sich ein Blick in die Anleitung, um alle Optionen auszuloten, wie z. B. die erwähnte Preset-Morph-Funktion.
Klanglich werden sich hier allerdings die Geister scheiden. Ich habe in den Klangbeispielen versucht, eine ausreichende Bandbreite an verschiedenen Quellen zur Verfügung zu stellen. Mein Fazit ist dabei, dass je einfacher die Grundstruktur der Quelle ist, desto interessanter wird das, was der Erica Synths x 112db Xenodrive damit anstellen kann.
In der Praxis bedeutet das, dass der Erica Synths x 112db Xenodrive bei komplexerem Material wie ganzen Loops oder polyphonen Synthesizer-Sounds viele der möglichen Einstellungen am Ende ein recht ähnlichen Ergebnis hervorbringen. Vor allem Shaper-Gain und der damit zusammenhängende Fold-Over bringen in höheren Einstellungen bei solchen Material, unabhängig von der eigentlich Shaping-Funktion, den gleichen digitalen Zerrteppich hervor. Den größten Effekt hat dann eigentlich der nachgeschaltete EQ. Ich denke, das zeigen die Klangbeispiele ganz gut.
Richtig gut finde ich aber die Ergebnisse und die Bandbreite der zu erzeugenden Klänge, sofern ihr monophone und/oder sinusoidale Signale am Eingang habt. In der Kombination mit der Morph-Funktion und der MIDI-Automation einer DAW tut sich ein weites experimentelles Klangfeld auf, das mir persönlich mehr zusagt als der oft übertrieben wirkende Verzerrer-Brei.












































Dem ist nichts weiter hinzuzufügen. Sicher funktional hervorragend, aber bei der Optik will man gar nicht länger drauf schauen :-D…
@Jayrob Von der Optik her finde ich gibt es viel schlimmeres – ist Geschmacksache wahrscheinlich.
@masterBlasterFX Ich finds Recht gut!😂
aber halt sehr „Gamer PC“ Monster Energy muss ich zugeben 😉
Ich finde die Klangbeispiele nicht sehr repräsentativ. Man kann sehr viel mehr mit dem Xenodrive machen wenn man nicht alles voll (oder auch nur halbvoll) aufdreht. Den Waveshaper setzte ich nur sehr dezent ein, dann klingt er in der richtigen Kombination von X und Y Wave klasse. Auch schalte ich den Effekt nur auf 50% Wet und mische das Originalsignal 50% dazu (geht über das Menü). Gain drehe ich – je nach Klang am Eingang – auch nur ein wenig auf. Man kann mit dem Xenodrive sehr schöne Verzerrungen machen, die den ursprünglichen Klang bereichern und druckvoller machen. Aber man kann natürlich auch alles komplett zerstören. Wie man will.
Bei normaler Beleuchtung ist das Grün zum Glück nicht so giftig wie auf den Fotos.