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Test: ERNIE BALL MUSIC MAN L3 HSS Neptune Blue Limited Edition, E-Gitarre

16. November 2021

Die Axt der Studiolegende

Nach den Serien Luke und Luke II sowie den Luke BFR (Ball Family Reserve) Modellen stellte Ernie Ball Music Man mit der L3 die dritte Generation von Steve Lukather Signature Instrumenten vor. Neben der immer noch ähnlichen Form (der Korpus ist allerdings etwas größer geworden im Vergleich zur Luke II) bietet die Gitarre einige neue Features und Änderungen im Setup, die auf Lukes künstlerische Entwicklung und diverse Zusammenarbeiten mit Firmen wie beispielsweise DiMarzio (Steve hat mit DiMarzio eine neue Serie Signature Pickups entwickelt) zurückzuführen sind. Warum nicht Luke III, sondern L3? „Nicht jeder will meinen Namen auf seiner Gitarre stehen haben“, sagte die Studio-Legende und Toto-Gitarrist selbst in einem Produkt-Video. Die Verarbeitung ist, wie man es von Music Man gewohnt ist, spitzenklasse und lässt, in dem was sie tun soll, keine Wünsche offen. Man merkt die langjährige Erfahrung des Namensgebers dieses Signature-Modells. In der Pickup-Ausstattung ist das Instrument in zwei Konfigurationen erhältlich: Powerstrat-stylisch HSS (Humbucker an der Bridge und zwei Singlecoils) und damit verbunden mit 5-Weg-Schalter sowie als HH (zwei Humbucker) und einem 3-Wege-Schalter.

MUSIC MAN L3 NEPTUNE BLUE totale

ERNIE BALL MUSIC MAN L3 NEPTUNE BLUE

Vorab vielleicht noch eines: Für alle Leser unter uns, die Steve „Luke“ Lukather noch nicht kennen und denen Toto kein Begriff ist, lege ich wärmstens ans Herz, Lukes schier endloslange Diskographie (er arbeitet seit etwa 45 Jahren als einer der Top-Studiogitarristen in L.A. mit den namhaftesten Künstlern von Tina Turner und Michael Jackson bis hin zu Brian Culbertson oder Joni Mitchell) auf seiner Website, seine Soloalben, sowie natürlich seine Band Toto und ihren über 40-jährigen Bestehen auszuchecken. Nun aber zum Instrument

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MUSIC MAN L3, E-Gitarre – SPECS & FACTS

Music Man liefert das Instrument samt passgenauem roadtauglichen und dabei angenehm leichten Plastik-Hartschalen-Koffer. Die Gitarre ist ab Werk mit .009 – .042 Ernie Ball RPS Slinky Saiten bestückt und allein das Öffnen des Koffers und Betrachten dieses Instruments lässt jedem Gitarrero das Wasser im Munde zusammenlaufen. Die in verschiedenen dunkel- und mittelblau Tönen schimmernde Neptune Blue Lackierung des afrikanischen Mahagoni-Korpus, das dunkle Palisander-Griffbrett mit den kleinen, kreisrunden einfach gehaltenen Dot-Bund-Inlays und dem ausgesuchten geflammten Ahornhals mit traumhafter Maserung sind auf sympathisch einfache Art und Weise dezent charmant und Augenschmaus zugleich. Die (im Vergleich zu z. B. einer Strat) kleine 5 7/8“ Kopfplatte (14,9cm) und der schmale Hals (Breite 1 5/8“ = 41,3 mm) verleiht der Gitarre trotz der Mensur von 25 1/2“ (64,8 cm) einen eher kleinen Look.

Neu sind die extra für Luke gebauten (passiven!!!) DiMarzio Transition Pickups (benannt nach seiner vorletzten Solo-Studioplatte). Nach jahrelanger aktiver Bestückung mit EMGs (1x EMG85 & 2x SLV), wechselte er erst zu DiMarzio und nun in der aktuellen 2020er L3 Serie zu hauseigenen Music Man Custom Wound Pickups.

Ebenfalls erstmals an Bord einer Luke Signature Gitarre ist der 12 dB aktiv Booster, der sich per Push-Push-Funktion beim Volume-Poti aktiveren lässt. Sehr praktisch, um den Amp noch etwas für einen kleinen zusätzlichen Gainkick in Solopassagen zu kitzeln. Leider ist dieses Push-Push-Poti etwas fehleranfällig (lässt sich aber ggf. leicht ersetzen).

Die Schaller M6-IND Locking Mechaniken halten die Stimmung großartig und vereinfachen und beschleunigen das Aufziehen der Saiten extrem. Die für Music Man typische 4-2 Aufteilung der Saiten auf der Kopfplatte erleichtert Bendings auf  den hohen zwei Saiten und sieht zudem sehr schick und markant aus.

MUSIC MAN L3 NEPTUNE BLUE headstock rear

ERNIE BALL MUSIC MAN L3 NEPTUNE BLUE Headstock

 

 

 

 

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Das Custom Music Man Floating Tremolo aus verchromtem, gehärteten Stahl und Stahl-Sätteln arbeitet butterweich und ist auch bei starkem Gebrauch sehr stimmstabil. Selbst intensive Dive-Bombs sind kein Problem und die Abstriche in der Stimmstabilität halten sich sehr in Grenzen. (Man höre Luke und seine Art des Tremolo-Gebrauchs, staune und lerne!)

Das leichte V-Profil des fünffach verschraubten gerösteten Ahorn Halses schmiegt sich angenehm an die Hand und verhilft zusammen mit der flachen Saitenlage zu einer phantastischen Bespielbarkeit. Es ist ungewohnt für D-Style-Player, aber auf jeden Fall spielerfreundlich.

MUSIC MAN L3 NEPTUNE BLUE body

ERNIE BALL MUSIC MAN L3 NEPTUNE BLUE Body

 

 

 

 

MUSIC MAN L3, E-Gitarre – PICKUP VERDRAHTUNG & AKTIV BOOSTER

Die fünf Stellungen des Pickup-Wahlschalter bieten klassische Klangcharakteristika und altbekannte Verdrahtung ohne Spielereien. Wenig Neues, dafür aber funktional. Auf Position fünf ist der Hals-Singlecoil solo zu hören. In Position vier kommt in Parallelschaltung der Middle-Pickup hinzu. Schaltet man eine Position weiter auf drei, verabschiedet sich der Hals-Pickup wieder und überlässt das Feld nur der Mitte. Das gleiche Spiel wie auf Position zwei findet man auf der Nummer vier. Mitte und Bridge werden parallel verschaltet. Auf Position eins wartet der seriell verdrahtete Humbucker im solo Modus.

Die Verdrahtung der Pickups, Potis und des Booster sieht wie folgt aus:

Pickups -> Pickup-Switch -> Tone-Poti -> Volume-Poti mit eingebautem Gainboost -> Output

Die eingebaute Batterie (im dafür vorgesehenen, leicht zugänglichen Batteriefach auf der Rückseite der Gitarre) ist nur bei eingestecktem Klinkenkabel aktiv und deaktiviert sich automatisch, wenn kein Kabel angeschlossen ist, um die Laufzeit zu verlängern.

Sehr praktisch ist das mit sehr großer Range arbeitende Tone-Poti. Voll aufgerissen bietet die Gitarre tolle Presence-Reserven für scharfe Sounds. Lässt sich aber auf stufenlosem Wege hin zu dumpfen, schon fast jazzig anmutenden Klängen einstellen.

MUSIC MAN L3 NEPTUNE BLUE rear

ERNIE BALL MUSIC MAN L3 NEPTUNE BLUE Rear

MUSIC MAN L3, E-Gitarre – PRAXISTEST 1: Handling

Die Gitarre liegt gut in der Hand und Details, wie die abgerundete Kante an der rechten oberen Korpusseite, machen das Spiel sehr bequem. Nichts drückt im rechten Unterarm. Der Cutaway lässt genug Platz, um auch in den höchsten Lagen, der 22 bündigen Axt bequem spielen zu können. Die Potis sind in angenehmer Entfernung, um einerseits leicht zugänglich zu sein, aber andererseits dennoch nicht beim Spielen zu stören. Auch der Tremoloarm hat eine gute Länge, um griffbereit zu sein, wenn man ihn benötigt, ohne störend im Weg zu hängen. Das Gewicht der Gitarre ist angenehm zu tragen, ohne ein zu schwerer Klotz zu sein oder das Gefühl zu haben, es sei eine Ukulele. Auch nach ein paar Stunden mit umgehängter Gitarre fühlt sich das Instrument immer noch angenehm an und verursacht keine Rückenschmerzen. Das leichte V-Profil des Halses ist gewöhnungsbedürftig für gewohnte D-Style Player, aber sehr komfortabel. Die flache Saitenlage lässt keine Wünsche offen. Nichts schnarrt und die optimale Bespielbarkeit ist gegeben, ob Chords, Single-Note-Groove oder High-Gain-Shred.

MUSIC MAN L3, E-Gitarre – PRAXISTEST 2: Sounds

Der volle Sounds der Gitarre ist ausgewogen und dabei nicht zu basslastig, was sich gerade im Bandkontext sehr auszeichnet. Die klaren, perlenden Höhen und das ausgewogene Mittelspektrum lassen erstmal keinerlei Wünsche offen und so fügt sich das Instrument sehr gut im Bandkontext ein. Die Klarheit der Gitarre schafft eine Grundlage für den Spieler, um jede Nuance seines Spiels auszudrücken. Die L3 wird alles abbilden, was man von ihr verlangt!

Im cleanen Kanal macht sie ein gutes Bild mit verständlicher und definierter Darstellung des Gespielten. Akkorde stimmen intonatorisch gut in sich und glitzern. Der schmale Hals bietet viele Möglichkeiten für Voicing-Finger-Akrobatik und macht Griffe möglich, die sonst nur Menschen mit sehr großen Händen zur Verfügung stünden.

Die wahre Stärke der Gitarre offenbart sich im Rhythm- ….

… und Lead Kanal des Amps. Der ausgewogene Sound und die Präsenz dieser Axt sucht ihresgleichen. Der druckvolle, aber nicht aufdringliche Klang setzt sich durch und bleibt immer klar verständlich, ohne dabei klinisch zu wirken.

In den Klangbeispielen ist die L3 in jeder Pickup-Position einmal clean und einmal verzerrt zu hören. Die E-Gitarre geht in einen Kemper Stage mit Profilen eines Bogner XTC Amps (clean = green channel, crunch = blue channel +, lead = red channel) samt Bogner 4x12er Cabs (erstellt von Guido Bungenstock). Alle verwendeten Effekte (Kompressor bei clean, Studio-EQ, Chorus bei clean, Delay, Reverb) sind im Kemper programmiert. Der Sound wurde über ein Focusrite Interface in Stereo mit Steinberg Cubase 11 PRO aufgenommen.

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Fazit

Ernie Ball Music Man liefert mit der L3 Neptune Blue Limited Edition eine hochprofessionelle Gitarre, die in dem was sie tun soll eine wahre Meisterin ist. Die grandiose Verarbeitung, butterweiche Bespielbarkeit und der ausgewogene Sound machen sie zu einem Instrument der Spitzenklasse, sowohl Live als auch im Studio. Man merkt die jahrelange Erfahrung von Luke sowie der Weiterentwicklung dieser Serien in die dritte Generation durch die Entwickler bei Music Man. Muss man mal getestet haben.

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • sehr gute Bespielbarkeit
  • eingebauter 12 dB aktiv Booster
  • großartige Stimmstabilität des Floating-Tremolos

Minus

  • relativ klein (Gewöhnungssache)
  • Push-Push-Poti sehr fehleranfällig (aber leicht zu tauschen)

Preis

  • ca. 2700,- Euro
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