Test: ESI ESP1010 PCI

7. September 2005

ESI ESP1010 PCI

Auch im Zeitalter von Firewire und USB 2.0 sind PCI Karten immer noch gefragt. Besonders Für Einsteiger dürfte die mit unter 300 Euro Verkaufspreis besonders günstige ESI ESP1010 interessant sein.

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Zu diesem Preis bekommt man nicht weniger als acht symmetrische analoge Ein- und Ausgänge, Zwei Mikrofonvorverstärker für die Eingänge 1+2, zwei Kopfhörerverstärker, zwei MIDI-Interface, und einen coaxialen SP/DIF I/O.

Phantomspeisung mit 48V steht nur mit einem optionalen (also nicht mitgeliefertem) Netzteil zur Verfügung, sonst sind es nur 12V.

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Für AC3-Freaks steht noch ein optischer Ausgang zur Verfügung, der dem koaxialen digitalen Ausgang parallel geschaltet ist.

Mit dem internen 36-Bit Digitalmischer können sämtliche Audiosignale ohne Verzögerung (Latenz) zusammengemischt und an den Ausgängen 1-2 und S/PDIF ausgegeben werden.

Als besonderes Schmankerl hat ESI keine Mühen gescheut, um die Karte so flexibel wie möglich zu machen: Die Eingänge 1 + 2 können bei Bedarf als Mikrofoneingänge mit Phantomspeisung (12 V) genutzt werden. Zwölf Volt reichen für sehr viele Mikrofone als Speisespannung vollkommen aus, und kaum ein Anwender wird ein so teures Mikrofon mit dieser recht günstigen Soundkarte betreiben, bei der mehr Spannung erforderlich wäre.

Die Ausgänge 7 +8 haben ebenfalls eine Doppelfunktion; entweder spielen sie die Ausgänge 7 + 8 aus, oder man kann an sie zwei Kopfhörer anschließen, wobei diese dann beide natürlich stereophon sind und dasselbe Signal führen.

Installation

Ein Download der neusten Treiberversion nur ca. 1,6 MB wird empfohlen. Schön ist, dass ESI noch Treiber für Windows 98 anbietet. Die ESP1010 bietet Treiberunterstützung für MME, ASIO, WDM und GSIF1. Einen Mac Treiber suchten wir leider vergeblich, er ist aber laut ESI in Vorbereitung.

Control Panel

All diese Features können vom Control Panel aus bedient werden. Dies ist die Steuerzentrale der ESP1010.

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Der Digitalmischer:

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Eine Besonderheit ist die Funktion namens DirectWire. Hiermit lassen sich Audiosignale zwischen den verschiednen Treibern der ESP1010 austauschen. Nützlich kann dies sein, um beispielsweise einen Audio-Kopierschutz zu umgehen oder einfach Audio zwischen verschiedenen Applikationen auszutauschen. Das Direct Wire-Panel ist auch grafisch gut umgesetzt:

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Technik

Die ESI ESP1010 beherbergt auf der PCI Karte zwei AKM5384, die jeweils vier Kanäle mit bis zu 96 kHz wandeln können. Die AKM Wandler sind absolut State-Of-The-Art und werden in zahlreichen Audiogeräten verbaut. Der AKM4358 wandelt gleich acht Kanäle von digital auf analog.

Die Vorverstärkung der Mikrofone wird mit normalen OPs des Typs 4580 vorgenommen und ein Abschwächer von Wulfson sorgt noch vor dem Wandler für den richtigen Pegel. Anhand dieser Bauelemente kann man schon erkennen, dass die beiden Mikrofonstufen keine ernstzunehmende Konkurrenz zu speziellen externen Mikrofon-Preamps sind. Bedenken sollte man, dass ohne extra zugekauftes Netzteil nur 12V Phantomspeisung anliegen.

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Klang

Klanglich lässt sich bei der ESI ESP1010 absolut nichts beanstanden, alle Ein- und Ausgänge arbeiten mit sehr gutem Rauschabstand und geringem Verzerrungsverhalten. Frequenzgänge sind heute sowieso kein Thema mehr. Einzig die Mikrofon-Vorverstärker sind nicht auf Studioniveau, genügen aber Homerecording-Anwendungen vollkommen

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Praxis

Während der Testzeit zeigte sich die ESI ESP1010 als stabiles und gut zu handelndes Audiointerface. Besonders das 19“ Interface ist besser als eine Kabelpeitsche unter dem Tisch. Vermisst habe ich jedoch einen Lautstärkeregler an der 19“-Breakoutbox, denn wenn man ohne Mischpult arbeitet, kann man die Lautstärke nur mühevoll im Control-Panel ändern.

Besonders schön ist auch der digitale Mischer, der wie ein richtiges kleines Mischpult funktioniert. Je nach Anwendungsfall kann man hier alles anschließen und mischen.

Recht umständlich ist hingegen, dass die digitalen und die zweiten MIDI I/Os an der PCI-Karte gelegen sind. Es wäre schöner, diese auch in der Breakout-Box zu haben.

Mitbewerber

Die direkten Konkurrenten sind die Terratec PHASE 88 Rack, die ebenfalls mit XLR und 48V, die preislich aber bei 450 Euro angesiedelt ist oder die PHASE88 mit unsymmetrischen I/Os (300Euro). Die Terratec Karten haben zwar den Vorteil der Kaskadierbarkeit, d.h. man kann das System auf bis zu 32 Kanäle erweitern, jedoch fehlen hier Features wie Kopfhörerausgänge und Direct-Wire. M-Audio bietet hier die DELTA1010 auch um 450 Euro an. Die Qualitäten der Karten unterscheiden sich in erster Linie im Sound, d.h. durch die eingesetzten Wandler und die analogen Bauelemente und den technischen Aufbau. Wer auf den Preis schauen muss, sollte zur ESI greifen, denn sie ist mittlerweile die günstigste Alternative. Sicherlich ist Ihnen auch die Nähe zur bereits getesteten MAYA 1010 von Audiotrak aufgefallen. Im Prinzip handelt es sich um das gleiche System, jedoch ist der ESI-Variante durch das sehr gut verarbeitete 19“-Gehäuse der Vorzug zu geben.

 

Fazit

Die gute Audioqualität bei einem solch geringen Preis lässt die ESI ESP1010 besonders für Homerecording interessant erscheinen. Was Ihr zum Profigerät fehlt sind studiotaugliche Mikrofon-Vorverstärker und Kaskadierbarkeit. Diese kann man aber natürlich bei Bedarf von anderen Herstellern nachkaufen. Gegenüber den Mitbewerbern kann die ESI vor allem mit dem günstigen Preis punkten. Nicht vergessen sollte man die mitgelieferte Ableton Live Lite Version und die Möglichkeit auf Live zum halben Preis updaten zu können, was einer Ersparnis von 250 Euro gegenüber dem vollen Kaufpreis entspricht. In der neusten Charge ist anstatt Live eine Mackie Tracktion 1.6 Version beigelegt.

PLUS

+++ symmetrische I/Os

+++ gute Klangeigenschaften

++ zwei Mikrofonvorstufen

++ zwei Kopfhörerausgänge

++ Digitalmischer

++ Preis/Leistung

MINUS

— Qualität der Mikro-Vorstufen

– keine Pegelsteller an der Breakout-Box

PREIS

UVP: 399 Euro

Straßenpreis: 280 Euro

 

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