Test: ESI U108 PRE, Audiointerface

21. Januar 2019

Günstiger, solider Mehrkanäler

esi u108 pre

ESI U108 Pre

Zugegebenermaßen ist es nicht leicht, die Übersicht bei Audiointerfaces zu behalten. Zu groß ist der Markt und während sich die Ausstattungsmerkmale im Einstiegssegment noch sehr stark ähneln, wird es in der Mittelklasse glücklicherweise ein bisschen übersichtlicher. Je nachdem welche Präferenzen man setzt, kann das die Auswahl schon etwas einschränken. Das ESI U108 PRE ist ein mehrkanaliges Audiointerface mit 10 symmetrischen Eingängen und acht Ausgängen, das drückt die Produktnummer entsprechend aus. PRE steht dabei für die 10 integrierten Mikrofonvorverstärker, auf MIDI muss man allerdings verzichten. ESI bietet einige Interfaces mit unterschiedlicher Ausstattung an, so dass sich das vorliegende Exemplar primär für die reine Audioarbeit mit vielen Mikrofonen anbietet. Mit unter 400,- Euro ist das Gerät zudem recht preisgünstig.

Die Auswahl an verschiedenen ESI Audiointerfaces wird durch Nahfeldmonitore und weiteres Equipment ergänzt. Der daraus resultierende Vorteil ist, dass jeder – gemessen an den individuellen Ansprüchen – das passende Produkt für sich finden kann. So ließe sich beispielsweise das ESI U108 PRE mit dem MIDI-Interface M4U eX aus gleichem Hause kombinieren.

Hands on ESI U108 PRE

Im schicken Karton befindet sich das rot glänzende Audiointerface, das aufgrund der großen Anzahl an Eingängen recht wuchtig wirkt. Daneben gesellen sich ein USB-Kabel und ein 12V-Netzteil. Das wird benötigt, weil die 10 Kanäle mit 48V Phantomspeisung versorgt werden können, wie sich das für ein Studiogerät gehört. Dabei handelt es sich nicht um ein Steckernetzteil, sondern um ein externes Kästchen mit Euro-Anschlussschnur. Da freuen sich die Steckerleiste und der wandwarzengeplagte Musiker. Weiterhin liegt die mitgelieferte Software auf einer DVD bei, das ist ebenfalls vorbildlich, auch wenn ein typischer Mac-User mitunter nichts davon hat. Sofort loslegen heißt es bei ESI, weshalb nicht nur die Treiber beiliegen, sondern auch die Anwendungen Bitwig 8-Track, Stanton Deckadance LE 2 und Audified inTone 2 ESI Edition. Die drei unterschiedlichen Anwendungen ermöglichen zumindest den unkomplizierten Einstieg für Neulinge.

ESI U108 PRE Vorderseite

Das Gehäuse ist 45 cm breit, 14,5 cm tief und 4,5 cm hoch. Damit ist es fast 19″ breit, ein Rackmount-Kit ist aktuell aber nicht erhältlich. An den Seiten ist es leicht nach außen gewölbt, auf der Front hingegen nach innen. Das zweigeteilte Gehäuse besteht aus einer schwarzen Kunststoffbasis mit Elektronik, Anschlüssen und Bedienelementen, dieses wird oben und unten von der einteiligen, rot glänzenden Aluminiumplatte eingefasst und auf beiden Seiten verschraubt. Das Ganze wirkt sehr solide.

Die beiden ersten Eingänge sind als XLR/TRS-Kombibuchsen ausgeführt und befinden sich sinnigerweise auf der Frontseite. Bedient wird das ESI U108 PRE über einige Drucktasten und Drehregler, die relativ glatt sind und einen guten Widerstand haben. Der Abstand geht in Ordnung.

Links geht es los mit den beiden Eingängen 1 und 2 sowie den zugehörigen Tastern für Phantomspeisung und Hi-Z, der Anschluss von Instrumenten mit Tonabnehmer ist hierüber möglich. Die beiden Gain-Regler gesellen sich dazu, die Aus- und Übersteuerung je Kanal wird mit drei LEDs angezeigt. In der Mitte befinden sich die acht Drehregler für die rückseitigen Eingänge 3 bis 10, ebenfalls mit je drei LEDs ausgestattet. Die Phantomspeisung wird hier allerdings in zwei Vierergruppen geschaltet, das ist immerhin ein guter Kompromiss. Für die Ein- und Ausgangskanäle gibt es zwei separate Lautstärkeregler. Mit dem Taster darüber werden die Eingänge als Mono-Mix zusammengefasst, ansonsten werden zwei Kanäle als jeweils ein Stereopaar zusammengefasst. An der 6,35 mm Kopfhörerbuchse wird mit dem darüberliegenden Taster wahlweise der Mix aus Ein- und Ausgangskanälen abgehört, der an die Lautsprecher geschickt und mit den beiden Lautstärkereglern eingestellt wird. Alternativ werden die Hauptkanäle 1 und 2 des Audiointerfaces direkt auf den Kopfhörer geroutet, in beiden Fällen lässt sich die Kopfhörerlautstärke über den zugehörigen Regler einstellen. Ganz rechts befinden sich die Power-Taste und die zugehörige Status-LED. Auch ohne Phantomspeisung wird das ESI U108 PRE im Betrieb handwarm.

ESI U108 PRE Rückseite

Auf der Rückseite befinden sich die acht mit dem Gehäuse verschraubten XLR-Buchsen ohne Verriegelung, daneben die acht Einzelausgänge in Form von Buchsen für 6,35 mm Klinkenstecker. Zwei weitere Klinkenbuchsen verbinden sich mit den Monitorlautsprechern. Sie sitzen zwar fest im Gehäuse, lassen sich jedoch ganz leicht eindrücken und bereiten mir daher etwas Sorge. USB-A-, Netzteilbuchse und Kensington-Lock schließen die Rückwand ab. Praktisch ist, dass die Reihenfolge der Buchsen deckungsgleich mit der Reihenfolge der frontseitigen Lautstärkeregler ist. Man kann so auf Anhieb sehen, welches Gerät an welchem Eingang angeschlossen wurde.

Der Klang des ESI U108 PRE

Eingangsseitig wird ein Dynamikumfang von 107 dB(A) und ausgangsseitig von 112 dB(A) angegeben, in der Tat ist bei der Wiedergabe kein nennenswertes Rauschen selbst bei maximaler Lautstärke wahrzunehmen. Bei der Wiedergabe hochauflösender Musik leisten die Wandler gute Arbeit und liefern ein plastisches Abbildungsverhalten, das in jedem Fall neutral, räumlich und detailreich klingt. Zwar nicht außergewöhnlich überragend, aber authentisch und vor allem nicht zu harsch. Der Kopfhörerausgang ist für hochohmige Exemplare noch kräftig genug. Hochauflösende Musik zu hören macht zwar Spaß, gefühlt fehlen mir allerdings etwas die Emotionen.

Eingangsseitig überzeugen auch die Mikrofonvorverstärker, die im Falle meines dynamischen Sennheiser MD-46 nicht nennenswert rauschen. Auch hier ist die Abbildung authentisch und das Mikrofon reagiert vergleichsweise empfindlich. Trotzdem hätte die Verstärkungsleistung ruhig etwas höher sein können, besagtes Mikrofon habe ich an anderen Mic-Preamps schon lauter gehört.

Bei Geräten mit Instrumentenpegel ist die Klangqualität ebenfalls hörenswert. Ist nur das Netzteil angeschlossen, leuchtet die vordere Power-LED rot, die Eingänge werden jedoch weiterhin an die Hauptausgänge und den Kopfhörer durchgereicht. Das ist praktisch, denn so lässt sich das ESI U108 PRE auch als Audioverteiler einsetzen.

Das ESI U108 PRE in der Praxis

ESI U108 PRE Glanz

Die Abtastung erfolgt mit einer maximalen Wortbreite von 24 Bit und bis zu 96 kHz in beide Richtungen. ESI stellt Treiber für ASIO 2.0 und für den Mac zur Verfügung, so dass die Audioverarbeitung im Interface erfolgt, das sorgt für geringe Latenzen. Der USB 2.0-Standard reicht zur maximalen Datenrate aus. Da die Clock vom Interface übernommen wird, sollten keine Digitalartefakte auftreten.

Das Control Panel ist die Steuerzentrale des Interfaces, hier stehen je Kanal ausführlichere Pegelanzeigen zur Verfügung. Die Eingänge lassen sich als Stereogruppen zusammenschalten, Abtastrate und Latenz werden hier ebenfalls eingestellt. Der Pegel der Einzelausgänge kann zwischen +4 dBU auf -10 dBV (Consumer-Pegel) umgeschaltet werden. Die Latenz hängt von der jeweiligen Anwendung und Systemleistung ab, ESI gibt etwa 4 ms für Software Instrumente und 8 ms für Audioanwendungen an. Das im Übrigen ausführliche und leicht verständliche Handbuch gibt besonders dem Einsteiger Tipps und erklärt anschaulich die Funktionen. Diese Werte sind natürlich nicht verbindlich und können je nach Anwendung mit der Puffergröße angepasst werden.

Die Installation gestaltet sich unter Windows und am Mac sehr einfach. Die Treiber sollte man laut Handbuch direkt von der Website www.esi-audio.de laden, ein an sich wertvoller Hinweis, wobei Anwender der Einfachheit halber sicher zur beiliegenden DVD greifen werden. Die Ein- und Ausgänge werden im Betriebssystem als Stereopaare angeboten, die entsprechend auch einzeln eingesetzt werden. Die Sortierung orientiert sich an der oben beschriebenen Aufteilung beim Vorhören, so dass diese Anordnung auch einen Sinn ergibt. Im Ergebnis ist das ESI U108 PRE ein solides und gut klingendes Audiointerface für gehobene Ansprüche und vor allem für Recording-Anwendungen.

Fazit

Das ESI U108 PRE ist ein schickes Audiointerface, vorzugsweise für den Betrieb mit bis zu 10 Mikrofonen. Wahlweise lassen sich auch Instrumente mit Tonabnehmer und Line-Geräte verbinden. Mit acht Einzelausgängen und Stereo-Mix sind die Einsatzmöglichkeiten vielfältig, das beiliegende Software-Paket erlaubt das sofortige Loslegen.

Die Verarbeitung und das glänzend rote Gehäuse sind schick und modern, die Handhabung und Verarbeitung gibt ebenfalls keinen Anlass zur Kritik. Einzig die Drehregler könnten etwas griffiger sein, besonders für die Lautstärkeregler wären etwas größere Kappen sinnvoll. Dafür kann es aber mit einer guten Ausstattung zu einem fairen Preis und sehr geringem Eigenrauschen punkten.

Plus

  • schickes Design
  • einfache Inbetriebnahme
  • Netzteil mit Euro-Kabel
  • guter, rauscharmer Klang
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Software-Paket im Lieferumfang

Minus

  • etwas kleine Drehregler
  • Buchsen könnten etwas wertiger sein

Preis

  • Ladenpreis: 399,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    tonvibration  

    Vielen Dank für den Test. Kurz und bündig und alles nötige drin.
    Interessant finde ich die Roundtripzeit (ADDA-wandlung) von 8ms. Ein durchaus guter Wert für ein Audiointerface dieser Preisklasse, oder? Bin da im Moment etwas verunsichert und offen für Anmerkungen, was denn typische Roundtripzeiten bei aktuellen Interfaces sind – hat da jemand Erfahrung?
    PS: Oh, habe gerade selbst gesehen, dass das Audient iD44 „Roundtrip mit 44,1 kHz bei 0,677 ms bis 0,323 ms in der höchsten Auflösung von 96 kHz“ macht. Wow. Das ist dann doch noch mal ne andere Klasse. Tja, da kann meine Focusrite 18i20 nicht mithalten…
    Cool wäre, wenn Amazona da mal ne Aufstellung/Vergleich macht.

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      Green Dino  

      Die Rountrip Latenz hängt doch auch von der Leistung des System ab. Das kann man doch nicht verallgemeinern?!?

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        tonvibration  

        Klar, da hast Du Recht. Das hängt nicht nur von der Rechnerleistung, sondern auch vom Buffer und der Auflösung ab. Trotzdem gibt es durchaus Vergleiche, bei dem der Rechner angegeben wird und Buffer und Auflösung durchvariiert werden (hab ich gestern noch im Internet gefunden). Da ich mir da aber auch nicht sicher bin wie die Komponenten genau zusammenhängen und was zu beachten ist, fänd ich einen Artikel in Amazona darüber sehr spannend.

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    Stephan M.  RED

    Das wird schwierig, weil ermittelte Angaben dann nur auf das getestete System und Software hindeuten würden. Ich denke, dass Latenzen heutzutage bei mittelmäßigen Rechnern und geringer Auslastung kein Problem darstellen, wenn es kein Flaschenhals ist. Schon ein weiterer Gerätetreiber oder eine andere Softwareversion könnte Abweichungen bedeuten. Klar sind solche technischen Angaben immer schön und Diagramme wirken sehr professionell, allerdings behaupte ich, dass die meisten Leser zum Einen die Messdaten ohne Vergleichsermittlung nicht nachvollziehen können. Zum Anderen ist doch die Kernfrage, wann gemessene Daten tatsächlich in der Realität bedeutsam werden. ASIO ist schon mal gut, wer mit mehr als 48 KHz abtasten will und alle acht Ein- und Ausgänge gleichzeitig nutzt, wird in der Praxis mit höheren Latenzen zurecht kommen müssen. Daher sollte man solchen Diskussionen primär die Frage voran stellen, was man eigentlich machen will und braucht. Monitoring zum Beispiel, geht bei allen Interfaces heute latenzfrei. Ein Playback lässt sich im Versatz nachkorrigieren. Daher ist es doch viel wichtiger, dass das Playback zeitexakt läuft, ich lasse mich aber auch gerne korrigieren.

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      tonvibration  

      Hallo Stephan, Danke für die Antwort. Und ja, verstehe ich.
      Der Hintergrund meiner Frage war der, dass ich bei meinem Arbeiten sehr auf Latenzen angewiesen bin: Ich habe einige Hardwaresynths, die parallel über meine Scarlett 18i20 in den Rechner gehen, wo ich sie auf ihren einzelnen Kanälen mit Effektketten bearbeite. Da die Effekte essentieller Bestandteil des Klangs sind, wird das Resultat meiner Bearbeitung also erst nach der Roundtripzeit hörbar (Direktmonitoring bringt mir hier nichts). Jetzt habe ich – bei 6 Eingängen offen, einem Buffer von 128 und bei 44,1kHz eine gemessene Eingangslatenz von 4,25 ms und beim Ausgang ebenso. Das ist ok für mich, aber …ich brauche mehr Eingänge (de facto hat man nämlich nur 8 obwohl 18i20). Deswegen überlege ich, mir das Tascam Model 24 zuzulegen. Würde nur gerne wissen, ob das – auf meinem Rechner – dann längere Latenzen hat. Aber scheinbar muss man das einfach ausprobieren. Ich verstehe, dass Vergleiche aufgrund der vielen möglichen Einflussvariablen schwer zu interpretieren sind… Danke nochmal.

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        Stephan M.  RED

        Ich danke Dir für das Fallbeispiel, das ist natürlich dann schon relevant. Möglicherweise könnten mehrere Interfaces das Problem optimieren, sofern diese alle an einem direkten USB-Eingang hängen und der Rechner schnell genug ist. Zum Model 24 gibt es glaube ich schon einen Test. Vielleicht könnte es auch helfen, manche Geräte an einen Audioeingang z über einen externen Mischer zuzuspielen, das macht aber natürlich auch unflexibel. Ich denke, dass Interfaces mit mehr Eingängen bei Vollauslastung die Latenz erhöhen, als wenn man mehrere nutzen würde. Alternativ wird man dann tief in die Tasche greifen müssen.

  3. Profilbild
    Green Dino  

    Ich habe übrigens vor zwei Tagen die kleinere Variante, das U86 XT bestellt. Wurde mal Zeit für ein neues Audio Interface.

    Eine Möglichkeit, wenn man parallel viele Synths aufnehmen möchte ist, wie von Stephan M. schon erwähnt über einen Mixer in sein Audio Interface zu gehen.
    Wenn man einen Mixer wie die Mackies mit „ALT Outs“ nimmt kann man relativ flexibel aufnehmen;
    Dee Master Out ist mit den Eingängen 1/2 des Interfaces verkabelt und Alt Out mit 3/4.

    Jetzt werden alle Kanäle die gemutet sind über Alt Out ausgegeben und alle nicht gemuteten Kanäle über den Master Out.
    So kann man z.B. zwei mal Stereo getrennt aufnehmen, oder mit hart links/rechts gepannten Kanälen auch z.B. 4 Mono Synths oder eine Drum Machine/Drum Sampler mit Stereo Out und zwei Mono Synths.

    Ist ne simple, günstige, aber effektive Lösung.

    Außerdem kann man so die Latenz niedrig halten, weil nur 4 Eingänge am Interface aktiviert und genutzt werden.

    Wer mehr braucht; Gibt ja auch Mixer mit mehr Bussen.

    • Profilbild
      tonvibration  

      Danke für den Tipp mit „ALT Out“ bei den Mackies – da könnt ich dann den Synth den ich gerade aufnehme auf Alt routen und durch den speziellen Effektkanal schicken und würde mir das lästige umstecken sparen. Leider hat mein Mackie 12FX (das ich manchmal auf Jams nutze) keine Alt-outs :/ (ist sonst aber klasse). Im Moment schaffe ich mir Abhilfe, indem ich einen kleinen passiven Mischer zwischen die Synths schalte, die ich eh selten zusammen aufnehme. Als Perfektionist hätte ich halt gerne jeden Synth einzeln, aber da muss ich mal Realist sein und die Kröte schlucken, dass das nur bei steigender Latenz gehen würde (oder Geräten außerhalb meiner Kaufkraft) und mich mit dem Kompromiss arrangieren. Passt schon. Danke für die Ideen.

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