Professionelle Präzision
Manchmal stellt man sich neue Monitore ins Studio, schließt sie an und weiß nach fünf Minuten, wo die Reise hingeht. So geschehen bei meiner kurzen Liaison mit den EVE Audio EXO 25. Kein großes Getöse, kein Wow-Effekt, sondern eher dieses angenehme Gefühl zu wissen, dass hier ehrliche Wiedergabe angesagt ist. Und genau das mag ich. Die Monitore stehen jetzt seit einigen Tagen bei mir im Studio. So ergaben sich ausreichend Möglichkeiten, die EXO 25 ausgiebig zu testen.
Was ist es? EVE Audio EXO 25, aktiver 2-Wege-Studiomonitor mit 5″-Woofer, AMT-Hochtöner und DSP-gestützter Raumanpassung.
- Klang: Sehr feine Hochtonauflösung, ehrliche Mitten und kontrollierter, straffer Bass.
- Technik: AMT-Hochtöner im GDC-Waveguide, Class-D-Endstufen und internes DSP-Management.
- Anpassung: Smart Filters, Delay und Gain-Einstellungen über rückseitiges Display steuerbar.
- Praxis: Hohe Detailtreue und gute Langzeittauglichkeit ohne Hörermüdung.
- Einsatzbereich: Ideal für Mixing im Nahfeld, optional mit Subwoofer für EDM und Filmton.
Inhaltsverzeichnis
EVE Audio EXO 25: Der erste Eindruck
Optisch fährt die EXO-Serie von EVE Audio ein klares Konzept. Kein Design-Overkill, kein Bling-Bling, sondern wir haben es hier mit professionellen Werkzeugen zu tun. Der hinter dem GDC-Waveguide verbaute AMT-Hochtöner fällt sofort ins Auge und signalisiert, dass wir hier etwas Besonderes am Start haben, denn AMT-Hochtöner sieht man nicht alle Tage. Der GDC-Waveguide ist ein speziell designter „Schallverteiler“, GDC steht dabei für „Guided Directivity Control“.
Dieser soll, zusammen mit dem AMT-Hochtöner, für eine präzise und räumliche Hochtonwiedergabe mit großem Sweetspot sorgen. Auf der Rückseite der EXO 25 findet man alles, was man braucht, ohne dass man erst das Handbuch studieren müsste. Anschlüsse, Einstellmöglichkeiten, eine saubere Beschriftung und sogar ein kleines Display, dem ich später noch ein paar Zeilen widmen werde und für das das Handbuch dann doch nützlich ist.
Der 5″-Tieftöner verfügt über eine Aluminiumbeschichtung. Das sieht nicht nur rattenscharf aus, sondern soll auch zu einer schnelleren Ansprache des Speakers führen, was ja zusammen mit dem schnellen AMT-Hochtöner durchaus sinnvoll ist. Aber was genau bedeutet „schneller Hochtöner“?
Was sind AMT-Hochtöner?
Zunächst müssen wir mal klären, was es denn mit diesen AMT-Hochtönern auf sich hat. Die sehen ja schon ziemlich spacig aus und das muss ja irgendwelche Vorteile haben, sonst würde EVE Audio ja herkömmliche Komponenten verbauen.
AMT steht für „Air Motion Transformer“ und das ist eine spezielle Bauart von Hochtonlautsprechern, die besonders schnell und präzise arbeitet. Entwickelt wurde das Prinzip in den 1970er-Jahren von einem Physiker namens Oskar Heil, von dem ein höchst interessantes Interview auf der Website des Deutschen Hifi-Museums veröffentlicht wurde.
Der große Unterschied zu klassischen Kalotten-Hochtönern liegt in der Art, wie Luft bewegt wird. Statt einer gewölbten Membran (der Kalotte), die vor- und zurückschwingt, besitzt ein AMT eine gefaltete Membran, etwa vergleichbar mit einem Blasebalg. Diese Falten werden durch ein Magnetfeld seitlich zusammengedrückt und wieder auseinandergezogen. Dabei wird die Luft nicht nach vorne geschoben, sondern seitlich zwischen den Falten herausgepresst. Das Ergebnis ist eine sehr hohe Luftgeschwindigkeit, eine extrem schnelle Impulswiedergabe sowie eine hohe Detailauflösung des übertragenen Klanges.
Man kann sich das so vorstellen: Während eine Kalotte Luft „anschiebt“, quetscht der AMT sie förmlich heraus. Das führt zu einer deutlich direkteren und schnelleren Reaktion.
Klangliche Eigenschaften von AMT-Hochtönern
Typische Merkmale eines guten AMT-Hochtöners sind eine sehr feine Auflösung von Hochtönen und Transienten, luftige, offene Höhen und ein gute räumliche Abbildung.
Gerade für Studiomonitore ist das interessant, weil Details wie Hallfahnen, S-Laute, Transienten und Obertöne klar und differenziert dargestellt und somit gut beurteilt werden können.
EVE Audio EXO 25: Technische Daten
Damit wir wissen, worüber wir sprechen, hier die wichtigsten Specs im Überblick:
- System: 2-Wege, aktiv
- Tieftöner: 5″-Woofer (beschichtete Membran)
- Hochtöner: AMT (Air Motion Transformer)
- Verstärkung: Class-D-Endstufen
- Gesamtleistung: ca. 280 W (bi-amped)
- Frequenzbereich: ca. 44 Hz – 24 kHz (-3 dB)
- Max. SPL: ca. 103 dB (pro Speaker)
- DSP: interne digitale Signalverarbeitung
- Eingänge: XLR (symmetrisch), Cinch (unsymmetrisch)
- Raumanpassung: Low- und High-Shelving-Filter, Desk-Filter
- Gehäuse: Bassreflex, rückseitige Öffnung
Einrichtung der EVE Audio EXO 25
Die Anpassung der Monitore an die eigene Studiosituation ist ein wichtiger Schritt, um die Qualität der Abhörsituation zu optimieren. Hier bieten die EXO 25 reichlich Möglichkeiten.
Das kleine Display auf der Rückseite erweist sich u. a. als kleiner Werkzeugkasten für Frequenzspielchen. Gesteuert wird der bunte Strauß an Möglichkeiten über ein Encoder-Poti (vom Hersteller liebevoll Smart Control Knob genannt), das durch Drehen oder Drücken zunächst das Display erwachen lässt. Nun kann nach Belieben durch die Möglichkeiten gescrollt und geentert werden.
Auf folgende Parameter bietet der Smart Control Knob Zugriff:
- Lautstärke (-60 dB bis +10 dB in 0,5 dB-Schritten)
- Smart Filters (Low, Desk, Mid, High)
- Input Selection (Analog symmetrisch per XLR, Analog unsymmetrisch per RCA, Digital S/PDIF und S/PDIF Mono
- ADC Sensitivity (Anpassung der Empfindlichkeit der analogen Eingänge, -10 dBV/+4 dBV)
- Delay (bis 18 ms, entspricht bis 619 cm Entfernung, einstellbar in 0,3 ms-Schritten, entspricht 2,15 m je Schritt)
- LED Logo Brightness
- System Settings
- Firmware Info
- Alerts
Für die Anpassung an die eigene Hörsituation bietet das Smart Filters-Menü ein paar wichtige Tools:
Zukünftig bietet der Ethernet-Anschluss noch ein interessantes Feature. Sobald die Software beim Hersteller verfügbar ist, wird es möglich sein, per EVE Control Software Anpassungen an den eigenen Raum vorzunehmen. Außerdem wird man den Anschluss zur Aktualisierung der Firmware nutzen können. Bislang ist der Firmware-Updater aber noch nicht online.
Das Logo auf der Frontseite der Studiomonitore leuchtet übrigens im Normalzustand weiß. Ist irgendwas im Argen, kann sich das schnell ändern:
EXO 25: Einsatz in der Praxis
Im Lieferumfang der EVE Audio EXO 25 befinden sich vier selbstklebende Gummifüße, die an Unterlegscheiben erinnern. Da die Unterseite der Monitore auch vier Gewinde zur Befestigung an professionellen Mounting-Systemen bietet, können diese Gummis auch direkt als Entkoppler dienen.
Das auf der Rückseite befindliche Display mit dem Smart Control Knob macht in meinem Studio keine Probleme, da ich genug Platz habe, um den Tisch herumzugehen. Stehen die Monitore näher an der Wand, wird auch das Smart-Filter-Menü immer wichtiger, die Erreichbarkeit allerdings deutlich gemindert. Hat man allerdings die Einstellungen einmal vorgenommen, muss man ja auch gar nicht mehr rein ins Menü.
Die AMT-Hochtöner der EXO 25 erfordern eine kurze Einschwingzeit. Wer sich diese Monitore zulegen möchte, sollte, bevor er das Rücksendeformular mit dem Satz „klingt klapperig in den Höhen“ versieht, zunächst mal etwas bespielen.
Wie klingen die EVE Audio EXO 25?
Die Höhen
Ich habe die EXO 25 zunächst mit ein paar Referenz-Tracks gefüttert, die ich in- und auswendig kenne. Was sofort auffällt: Die Höhen sind extrem fein aufgelöst, aber nie zu scharf. Der AMT-Hochtöner liefert ein luftiges Klangbild, ohne ins analytisch Kühle abzudriften.
Hi-Hats stehen klar im Raum, Transienten kommen schnell. Hallfahnen lassen sich sauber verfolgen. Gerade bei komplexeren Mischungen merkt man, wie gut sich Details separieren lassen.
Die Mitten
Für mich entscheiden Monitore in den Mitten, ob ich ihnen glauben kann. Und hier machen die EXO 25 vieles richtig. Gerade im Bereich zwischen 1 und 3 kHz passiert viel und die EXO 25 legen diesen Bereich schön ehrlich offen, ohne ihn künstlich aufzublasen. Ich hatte nie das Gefühl, dass mir etwas schöngefärbt vorgeführt wird, dabei klingt es aber auch nie kalt. Das ist eine schmaler Grat, den nicht jeder Hersteller so zuverlässig trifft.
Der Bass
Von einem 5″-Woofer darf man keine Wunder erwarten. Trotzdem gehen die EXO 25 erstaunlich tief. Natürlich ist „untenrum“ irgendwann physikalisch Schluss, aber der Bassbereich wirkt straff und definiert. Kickdrums haben Kontur, Bassläufe lassen sich sauber heraushören. Gerade bei elektronischer Musik wird ja sofort hörbar, wenn es im Low-End-Bereich zu eng wird. Ich habe ein paar Songs abgehört, die normalerweise bei mir so nicht erklingen, über die ich aber – dank einer befreundeten Techno-DJane – in Erfahrung bringen konnte, dass hier der Subbereich problematisch ist.
Trym mit Sparkling System und Nico Moreno mit The 7th durften ran. Und richtig: Auf meiner gewohnten Referenzabhöre, den Presonus Eris Pro 6, ist der Bass ein ziemlicher Mumpf, man bekommt bei genauem Hören das Gefühl, dass der Bass „zu spät“ kommt. Die EXO 25 haben das gnadenlos durchgezogen. Nicht unangenehm, dabei aber auch nicht glatt gebügelt, sondern im Vergleich zu den Presonus deutlich besser analysierbar.
Die EVE Audio EXO 25 sind natürlich keine Partylautsprecher. Wer übertriebenen Tiefbass sucht, wird hier nicht fündig, aber das ist auch nicht ihr Job. Ich habe beim Abhören gelegentlich testweise meinen Subwoofer ergänzt. Das funktioniert hervorragend, ist aber kein Muss für normale Mixing-Situationen. Für EDM oder Filmmusik wird es nötig sein, für Pop, Rock oder Singer-Songwriter reichen die EXO 25 im Nahfeld absolut aus. Sehr schön.
Der Lauf der Zeit
Nach ein paar Stunden des Hörens haben meine Ohren noch Kapazität für mehr. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Was mir nach dieser Zeit aber bewusst wird, ist, dass ich weniger gegenhören muss. Ich habe nicht ständig das Bedürfnis, auf Kopfhörer oder meine gewohnten Monitore zu wechseln. Zisselige Hi-Hats, zischende S-Laute, komprimierte Vocals, Anschlaggeräusche meiner Gitarren und auch die Stereo-Balance sind alle gut beurteilbar. Besonders gefallen hat mir, wie die Dynamik in Songs wiedergegeben wird.
Wirklich beeindruckt bin ich vom weiten Sweetspot der EXO 25. Hier scheint sich die Kombination aus den AMT-Hochtönern mit dem GDC-Waveguide wirklich auszuzahlen. Ich kann mich im kompletten Workspace vor meinem Mac bewegen und habe das Gefühl, dass die Monitore meinen Ohren folgen. Das ist schon ein entspanntes Arbeiten.
Leise Passagen bleiben klar, laute Passagen kippen nie ins Schrille. Hier durfte Anton Dvořák sein Können beweisen. Die Sinfonie aus der Neuen Welt passt sehr gut zu diesen innovativen Monitoren! Unglaublich, wie sehr sich der Raum öffnet, wenn ich von meinen Presonus auf die Exos umschalte. Die Ansätze der Blasinstrumente sind da und auch die Striche wirken plastischer. Im direkten Vergleich sind die Mitten bei den Exo 25 präsenter, was sie bei höheren Lautstärken angenehmer macht.













































Oft ist es ein Problem bei, ich nenne sie mal, „Einsteigern“, dass sie eher kleine Boxen mit kleinen Membranen kaufen und zusätzlich einen Subwoofer verwenden. Ob das per se schlecht ist, kann ich nicht beurteilen. Ich persönlich benutze keinen Subwoofer, und meine Lautsprecher haben eindeutig zu viel Bass. Der Vorteil ist natürlich, dass man recht gut hört, wenn es „matschig“ klingt. Wenn man Musik produzieren möchte, tendiere ich eher dazu, größere Membranen zu wählen. Die AMT-Hochtöner sind ja hier immer wieder Thema. Kann jemand einen direkten Vergleich zu klassischen Membran-Hochtönern ziehen? Trennen sie die Frequenzen tatsächlich schärfer, im Sinne davon, „wo“ der Klang erscheint (oben und unten)? Das fände ich persönlich eher kontraproduktiv. Gegen eine präzise Höhenwiedergabe spricht natürlich nichts. DSP wird seit diesem Jahr wieder eher „verflucht“. Ich finde es hingegen super. Die Genauigkeit spricht für sich, und darum sollte es schließlich gehen. Sicherlich: Wenn diese Genauigkeit rein analog erreicht wird, schlägt sich das vermutlich im Preis nieder. Aber meiner Meinung nach „quetscht“ DSP den produzierten Käse noch einmal richtig zusammen, sodass man das Endprodukt seines Schaffens sehr präzise, transparent und unverfälscht direkt hört. Daraus ergibt sich natürlich ein Vorteil beim mischen. Zum Genusshören würde ich vielleicht zu ohne DSP tendieren. Aber nur meine persönliche Meinung ohne dementsprechende Fachkenntnisse. Aber ich finde DSP bei Monitoren zum mischen und mastern super!