Test: Eventide Blackhole, Hall-Pedal

3. November 2020

Eventides Reverb-Klassiker als Pedal!

When software goes hardware – wird wohl einige professionelle Studios und Homestudios geben, die mit dem Eventide Blackhole Plugin arbeiten. Ich persönlich habe meine Bekanntschaft mit dem Plugin in der Produktion unseres zweiten Studioalbums gemacht und war entsprechend verzückt, als angekündigt wurde, dass diese moderne Hall-Evergreen endlich als Pedal rauskommt.

Test: Eventide Blackhole, Hall-Pedal

Ursprünglich fand der Blackhole Reverberator das erste Mal Verwendung im DSP4000 Rackmount, ehe es 2019 endlich auch als iOS Plugin rauskam. Entsprechend wird vielen das Panel bekannt vorkommen – Filter, Gravity und Feedback, die zentralen Blackhole Parameter, gibt es auch im Pedalformat. Der Blackhole Reverberator beherrscht es genauso gut, zurückhaltende Akzente zu setzen sowie Instrumente in dunklen Sphären zu ertränken. Eine formidable Atmosphäre-Waffe, die sich von anderen Hall-Algorithmen deutlich unterscheidet und nun für Gitarristen und Bassisten endlich in klassischem Format zur Verfügung steht.

Eventide Blackhole – Reverb Pedal für grenzenlose Weiten

Gleich vorweg – das Rad ist hier nicht neu erfunden worden. Das Blackhole ist und bleibt ein Hallpedal, das in Sachen Features fast schon klassisch daherkommt. Das Kaufargument für das Blackhole ist und bleibt vor allem eins: sein Charakter.

Doch erst mal zu den Basics – was sagt das Panel und die grundlegenden Funktionen? Das Eventide Blackhole kann zwischen Mono- und Stereo-Input schalten – vorausgesetzt, man verwendet die entsprechenden Kabel. Output 1 agiert hierbei als Mono-Output. Über USB kann das Eventide Blackhole mit der Software Eventide Device Manager (EDM) verbunden werden – nützlich für das Speichern und Hinterlegen von Presets sowie Firmware-Updates. Darüber hinaus kann zwischen Guitar- und Line-Level hin- und hergeschaltet werden. Das Eventide Blackhole besitzt darüber hinaus einen Expression-Anschluss. Morphing funktioniert über das klassische Heel-to-toe-Prinzip und betrifft jede denkbare Kombination von Reglern und Parametern – ob man also die hohen und niedrigen Frequenzen rein- oder rausdrehen möchte, ob man das Raumgefühl zusammenschrumpfen lassen will – alles möglich. Der Expression-Anschluss kann darüber hinaus über einen TRS-Converter auch als MIDI-Schnittstelle genutzt werden.

Test: Eventide Blackhole Reverb

Das Eventide Blackhole Hallpedal besitzt darüber hinaus mehrere Bypass-Optionen: gepuffert, Relais-Modus, Kill-Dry oder DSP + FX. Tatsächlich besteht bei mir noch Unklarheit darüber, was letztere Bypass-Option leistet, aber der Reihe nach. Das Blackhole kann auch zwischen Momentary und Latching schalten. Die beiden Fußschalter decken die Bypass-Funktion sowie den Freeze-Modus ab. Nicht nur das: Der Freeze-Knopf erlaubt es auch, zwischen den Presets hin und her zuschalten. Ist das LED-Lämpchen über dem Fußschalter aus, fungiert der Knopf als Preset-Schalter.

Eventide Blackhole – Hall-Plugin als Gitarrenpedal

Nun geht es an das Panel. Und ja, auch wenn jetzt wieder einige die Augen rollen werden – das Eventide Blackhole besitzt eine zweite Bedienebene. Schauen wir uns die einzelnen Regler und ihre Sekundärfunktionen mal genauer an:

  • Feedback: stellt das Feedback ein, bis hin zu unendlicher Hallfahne.
  • Q: stellt die Resonanz der Lo- und Hi-Cut-Filter ein. Greift nicht, wenn beide Filter-Regler auf Mitte gesetzt sind.
  • Gravity: Das Aushängeschild des Blackhole-Algorithmus – entweder normales oder invertiertes Decay. Nach rechts hin lässt sich normales Decay einstellen, nach links hin invertiert sich das Decay in Echtzeit.
  • Delay: Lässt einen das Predelay einstellen.
  • Mix: Lässt einen das Verhältnis von Dry- und Wet-Signal mischen. Keine Sekundärfunktion.
  • Size: Hier wird der Space erweitert – vom kleinen Raum bis hin zu galaktischen Ausmaßen ist hier alles drinnen und sehr natürlich im Klangverhalten.
  • Depth: Hier lässt sich die Intensität der Modulation einstellen.
  • Lo-Frequencies: Das Hervorheben oder Zurücknehmen der Tieffrequenzen erfolgt hierüber.
  • Rate: Der LFO der Modulation lässt sich hierüber problemlos einstellen.
  • Hi-Frequencies: Das Hervorheben oder Zurücknehmen der Hochfrequenzen erfolgt hierüber.
  • Output-Level: Unity Gain, Boost oder Dezibel-Cut können hierüber eingestellt werden.

Das Einschalten der zweiten Bedienebene erfolgt über den kleinen LED-Knopf rechts oben. Der linke untere LED-Knopf ist übrigens zuständig für das Schalten zwischen Momentary- und Latch-Modus, der rechte wechselt zwischen Preset- und Freeze-Modus. Ein paar Worte noch zum Freeze-Modus: Sofern dieser aktiviert ist und man drüber spielt, erfolgt der gespielte Sound nicht komplett trocken, sondern entsprechend der Mix-Einstellungen, mit denen man arbeitet.

Test: Eventide Blackhole, Hall-Pedal

Eine letzte, feine Besonderheit, die das Blackhole mit sich bringt, ist etwas, das man sich für jedes Pedal mit zweiter Bedienebene wünscht: die Catch-up-knob-Funktion. Wer die Regler für die zweite Parameterebene dreht und diese Ebene wieder verlässt, wird schon des Öfteren erlebt haben, dass der Sound sich dann abrupt verändert, wenn man in der ersten Bedienebene wieder dran ist. Das ist und bleibt beispielsweise die größte Schwäche der Meris-Pedale. Die Catch-up-Funktion beugt dem vor: Der Sound auf der ersten Ebene verändert sich erst, wenn man sich wieder dem ursprünglichen Wert des Reglers auf der ersten Ebene nähert. Halleluja!

Eventide Blackhole – Hall-Sound für Gitarre und Synthie

Es ist vielleicht ein bisschen müßig, das Pedal neben Gitarre mit Synthesizer zu testen, da es der Algorithmus auf diese Weise überhaupt erst seinen legendären Status erreichte. Nichtsdestotrotz haben wir es uns nicht nehmen lassen, den Malekko Manther durch das Eventide Blackhole Effektpedal zujagen. Kein Amp und kein Kemper – wir speisen das Blackhole direkt in Stereo in die DAW über das Audient Sono.

Eventide Blackhole für Gitarre und Bass

Wir versuchen es zunächst mit einem Reverse Decay und einem Maximum an Raumgröße und langem Decay. Wie viel „Space“ steckt im Blackhole? Eine ganze Menge. Womit ich ebenfalls nicht gerechnet hätte: dieses formidable Tracking. Die Anschlagsdynamik überträgt sich hervorragend auf den Hall, die Transienten der Modulation machen sich bei stärkerem Spiel adäquat bemerkbar. Auch ist das Raumverhalten mit dem umgedrehten Decay sehr stark.

Weiter geht’s mit dem Expression-Pedal – funktioniert schnell und problemlos beim Einstellen. Auch wenn ich nur den Mix-Parameter ansteuere, reagiert jedoch das Pre-Delay beim Kalibrieren des Pedals. Nicht ideal, dafür erschließen sich einem für das Spiel viele Möglichkeiten und Freiheiten. Darüber hinaus ist die Modulation erwähnenswert – stimmungsvolles Detune, das vor allem bei großem Space ganz massiv anmutet.

Wir holen beim nächsten Beispiel vor allem die tiefen Frequenzen hervor, drehen Mix und Größe ein bisschen heraus. Als nächstes stellen wir einen Gated-Reverb ein und erhöhen wieder das umgedrehte Decay, was ein sehr eigenes Klangbild ergibt. Zuletzt bringen wir die Sphären zum Tanzen. Full Wet, Full Space – und schwelende Klanggebilde. Da kann sich das Blackhole mit den Größen des Reverb-Games messen. Ein massiver, detaillierter Sound.

Auch was das Delay angeht, lassen sich auf der zweiten Bedienebene noch mal ein paar Sounds rausholen, die für ein Reverb-Pedal eigentlich untypisch sind. Auch wenn das Blackhole kein Tap-Tempo hat: es kann MIDI-Clock empfangen und somit einer Taktung folgen. Wir bringen im zweiten Beispiel die Repeats ein bisschen deutlicher hervor als im ersten Beispiel. Die Reaktivität des Halls ist eine Nummer für sich – bei gefühlvollem, schwelendem Spiel geht die Raumdynamik 100% mit – fantastisch. Wie sich Reverse Decay bei vollem Wet-Modus anhört, demonstrieren wir noch mal beim letzten Beispiel.

Zu guter Letzt versuchen wir eine etwas – nun ja – redundante Demonstration, die wir uns aber nicht nehmen lassen wollen. Das Blackhole Plugin deckt die Synthesizer-Sparte ausreichend ab, doch wir nehmen den Malekko Manther und jagen ihn mit zwei Sequenzen noch mal durch das Eventide Blackhole. Das Ergebnis? Nachdem wir in diesem Special wichtige digitale Reverb-Pedale auch anhand von Synthesizern miteinander verglichen, schmerzt es einen fast schon, dass das Blackhole zu dem Zeitpunkt noch nicht erhältlich war. Was kann man sagen? A match made in heaven. Im zweiten Beispiel gehen wir im Full-Wet-Modus rein, während wir im ersten Beispiel das Mischverhältnis bei ca. 70 % haben.

Fazit

Ziemlich saubere Leistung von Eventide – das unerwartet gute Tracking, die tolle Stereo-Dynamik und die enorme Klangtiefe sorgen dafür, dass man das Eventide Blackhole getrost als Anwärter für das Reverb-Pedal des Jahres nennen möchte. Klar ist: Wer Engine Vielfalt sucht, wird hier nicht fündig. Und ein paar Macken im Expression-Modus muss man verschmerzen. Nichtsdestotrotz: Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, sehr guter Sound und ein Umfang in Sachen Features sprechen eine deutliche Sprache: Das Konzept Plugin-to-Pedal ging hier vollends auf.

Plus

  • sehr guter Klang mit viel Raumtiefe
  • gutes Tracking
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 297,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Da werde ich auch nicht dran vorbeikommen, obwohl ich das ventris schon habe

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    swellkoerper  AHU

    Feines Teil, das. Aber warum kaufen, wenn es mit ein wenig Geduld ein gebrauchtes Space Pedal zum fast gleichen Kurs gibt, wo Blackhole nur ein Algorithmus von vielen ist?

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      Green Dino  AHU

      Für ein gebrauchtes Space muss man schon mindestens 100€ mehr hinlegen, eher mehr.

      Ich würde mir trotzem ein Space kaufen, hätte ich kein H9.

      Ein Bekannter von mir meinte das Blackhole würde sich besser „anfühlen“, die Potis laufen schön geschmeidig und es macht ingesamt einen „wertigeren“ Eindruck als das Space.

      Die Zweitbelegung ist auch sinnvoll gewählt und so kommt man mit dem Blackhole gut klar.

      Fand ich interessant, dass es ihm im Vergleich zum Space besser gefällt, hätte ich nicht gedacht.
      Es scheint durchaus auch unter Synth-Schraubern seine Freunde zu finden.

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        swellkoerper  AHU

        Gut, ich definiere „ein wenig Geduld“ wahrscheinlich etwas anders. Mein Space hat gebraucht damals 350 Franken gekostet, was nach damaligen Kurs etwa so viel wie das Blackhole jetzt ist. Mit der Zeit habe ich 3 Factor-Pedale (Pitch, Delay und Reverb) plus das Eventide-gelabelte Cioks Netzteil für etwa 1000€ zusammengesammelt, das hat sich aber über mehrere Jahre hingezogen. Irgendwann kommt immer die richtige Gelegenheit.

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          Green Dino  AHU

          Interessant. Ich hab tatsächlich noch kein so günstiges Space gesehen, aber vielleicht lohnt es sich ja das noch ein bisschen zu beobachten ;)

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      index  AHU

      Ich würde für 250 Euro ein gebrauchtes „Space“ auch nehmen wenn es in Top Zustand ist, aber finde das mal…
      Ich habe das Blackhole als Plugin, bräuchte es auch nicht unbedingt extern, aber der Hall ist einfach super und eine Version in Hardware gegossen könnte mich verleiten…..

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    sunsurf_mike  

    Hm. Klingt sehr gross und ist auch optisch ein sehr schönes Teil. Aber ehrlich gesagt sehe ich neben dem Super Pärchen Ventris + Oto bam wenig Mehrwert für mein setup. Vom Preis her finde ichs ganz schön teuer, wenn man bedenkt dass für das Teil ja wenig neues entwickelt werden musste. Aber vielleicht geht der grosse T ja 1 Monat nach Verkaufsstart auf 250 runter, dann wäre das Teil schon wieder attraktiver.

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    john stein

    hmm? … ein gutes preis-leistungsverhältnis? 300 euro für ein kleines sehr schickes pedal mit einem (aber eben nur einem!) einigermaßen exklusiven algorithmus? und das ganze dann trotzdem „made in china“? da dürfte auf jeden fall ein saftiger gewinn für eventide herausspringen …
    leistungsfähige chips die einen hochwertigen hall ermöglichen sind inzwischen nicht mehr teuer … also, ich würde sagen: die reizen den preis ganz schön aus. und könnten das auch günstiger anbieten. aber moment mal … dann hätte man als musiker ja nicht mehr dieses schöne gefühl, ein echtes super-pedal erstanden zu haben. 180 euro? zahlt man inzwischen ja schon fast für jedes boss-pedal … wie langweilig. „des hat mich jetzt nur schlappe 300 gekostet“ – so möchte man doch gerne locker rumlabern. danke eventide. deine preisgestaltung berücksichtigt tiefere sphären in uns musikern – und nicht nur tiefe sphären im klang. so muss es sein. in einer wahrhaft guten welt gibt es nur gewinner …

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    justme  

    Wie ist der Signalpfad ?
    Eingangssignal bleibt durchgehend analog und FX wird dem zugemischt (wie z.B. bei den Strymons) oder erfolgt eine komplette AD > Dry/FX > DA Wandlung ?

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      Green Dino  AHU

      Soweit ich weiß läuft bei allen Eventide Stompboxen das Signal komplett durch die AD Wandlung.

      Auf der Eventide Website findet man Folgendes:

      Do Eventide stompboxes have an analog dry path?

      After extensive testing with an analog dry path vs. converting the signal and doing the wet/dry mix after the converter, we chose the latter due to the fact that it ultimately sounds better. By changing the wet/dry mix after the conversion we avoid comb filtering resulting from phase cancellation which occurs when mixing together a dry analog signal with a signal which has gone through A/D and D/A. This comb filtering effect can seriously degrade your tone depending on the frequency. We use very high quality A/D converters which are very transparent and do not affect your tone (we have been making effects processors used by guitar players for over 30 years and have a proven track record in this area). However, if you so desire, you can use a switcher or a analog pan pedal and run a completely dry analog signal path outside the Stompbox and run the stompbox at 100% wet. In fact, we have added a „Kill Dry“ setting in the system menu if you are running your set up that way.

      Link: https://bit.ly/3p2MyMC

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          Green Dino  AHU

          Macht Sinn was Eventide dazu schreibt.
          Ich hatte es bisher eigentlich als Vorteil betrachtet, wenn das trockene Signal nicht durch die AD/DA Wandlung läuft – hatte dabei vorallem an perkussive Signale und die durch die Wandlung entstehende Latenz gedacht – eventuell daraus resultierende Kammfiltereffekte hatte ich nicht bedacht.

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