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Test: Eventide Rose, Delay-Pedal für Gitarre

15. September 2019

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ...

Eventide Rose

Eventide Rose Delay-Pedal

Zugegeben, für uns Saitenfraktion gibt es leider nur selten neue Produkte von Eventide. Wenn dann aber endlich mal etwas von der US-Firma erscheint, dann knallt es aber so richtig! Wie zum Beispiel bei den Pedalen Space, dem TimeFactor, dem ModFactor, dem PitchFactor oder dem längst zum Kultgerät gereiften H9 Effektprozessor, die allesamt und ohne Ausnahme ein ziemlich starkes Bild in unseren Reviews hinterließen. Aber auch einen ganz schönen Batzen Geld kosten, so ähnlich ist es auch mit dem neuen Eventide Rose, das mit einem Verkaufspreis von knapp 400,- Euro die Erwartungen natürlich entsprechend hoch ansetzt. Ob sich der Einsatz des Rose im persönlichen Setup lohnt und was uns dieses Delay an kreativen Momenten bieten kann, werden wir im folgenden Artikel versuchen herauszufinden.

Eventide Rose Delay-Pedal – Facts & Features

Hinsichtlich der Verarbeitung des 203 x 140 x 64 mm großen und mit über 1,1 kg ziemlich schweren Metallgehäuses kann es keine zwei Meinungen geben. Alles wirkt extrem solide und bühnentauglich, erfreulicherweise befinden sich fast alle Anschlussbuchsen an der Stirnseite des Gehäuses, sodass das Rose Effektpedal sauber in ein Pedalboard-Setup integriert werden kann, ohne dabei dem „Nebenmann“ den Platz zu rauben. Zu den Anschlüssen gehören eine Eingangsbuchse, eine Ausgangsbuchse, die Buchse für das 9 Volt Netzteil sowie eine TRS-Klinkenbuchse, die ein Expression-Pedal oder weitere Schalter aufnehmen kann, um eine Vielzahl von Funktionen des Pedals in Echtzeit zu steuern. Der einzige Anschluss, den wir an der Außenseite finden, ist ein Micro-USB-Port, der nicht nur Software-Updates ermöglicht, sondern auch als MIDI-Schnittstelle genutzt werden kann.

Wie jetzt, kein Stereo?

Erstaunlicherweise befindet sich kein weiterer Audioausgang am Gerät, das Eventide Rose besitzt leider nur eine Mono-Signalführung. Für einen Großteil von uns Gitarristen ist das sicherlich zu verschmerzen, allerdings bewirbt der Hersteller das Effektpedal ja auch zum Einsatz im Studio oder für die Tastenwelt, da wäre ein Stereo-Sound schon eine praktische Sache. Und mal Hand aus Herz: Für einen Ladenpreis von knapp 400,- Euro wäre das ja eigentlich auch nicht zu viel verlangt, oder? Zumal man mit einem kleinen Schalter (Guitar/Line) das Eingangssignal auf ein ganz offensichtlich „stereolastiges“ Einsatzgebiet anpassen kann.

Eventide Rose Front

Eventide Rose Effektpedal Stirnseite mit den Anschlüssen und dem Line/Guitar-Schalter

Eventide Rose – Bedienpanel

Die beiden Metallschalter auf der Oberseite sind elektrische Typen, somit hält sich die Geräuschentwicklung beim Betätigen in Grenzen. Darüber hinaus sind sie in ausreichendem Abstand zu den Reglern im oberen Teil des Panels platziert, hier dürfte auch bei einem beherzten Tritt mit dem Stiefel nichts zu Bruch gehen. Der linke Schalter aktiviert das Rose, der rechte übernimmt gleich mehrere Funktionen, wie zum Beispiel das Umschalten zwischen den zwei möglichen Sounds, die Eingabe der Verzögerungszeit der Echos oder auch das Durchschalten der Presets, von denen sich fünf im Speicher des Eventide Rose ablegen lassen. Zu den Presets gelangt man aber primär über eine fünfteilige LED-Anzeige und einen dazugehörigen kleinen Schalter, die sich im linken oberen Teil des Panels befinden. Das Rose ist vollgespickt mit Features und Möglichkeiten, von daher finden wir hier erneut eine Doppelfunktion, denn über die Preset-Anzeige gelangt man zu weiteren, tieferen Optionen in der Struktur des Pedals wie z. B. die Implementierung der MIDI-Steuerung, die Vorgaben für ein angeschlossenes Expression-Pedal oder etwa das Stummschalten des Eingangssignals.

Ein identisches, fünfteiliges LED-Segment sitzt auf der rechten Seite des Bedienpanels, hier finden wir die Möglichkeit, die Echos auf vielfältige Art zu manipulieren. Dazu stehen die drei Schwingungsformen Sinus, Rechteck und Random bereit, deren Intensität mit dem darüberliegenden Depth-Regler gesteuert wird. Die Auswahl der gewünschten Modulation bzw. Form erfolgt über einen Shape-Taster, ein Rate-Poti wiederum regelt die Modulationsgeschwindigkeit. Zwei kleine Taster fehlen noch in der Beschreibung, diese sitzen links und rechts neben dem Filter-Poti, leuchten nach ihrer Aktivierung in Orange und erweitern die Funktionalität um eine Reverse-Funktion sowie die Möglichkeit, das Effektsignal in seiner Phase umzudrehen (Phase-Off-Delay).

 

Eventide Rose Mod Section

Eventide Rose Mod-Section

Die übrigen Bedienelemente auf der Oberseite dürften den meisten von uns bekannt sein, es sind idealerweise auch die, auf die man am liebsten und am schnellsten Zugriff haben möchte. Dazu zählen ein Mix-Poti zum Einpegeln zwischen Original- und Effektsignal, ein Delay-Poti zum Justieren der Verzögerungszeit, die im Übrigen auch gerne bis zu 50 (!) Sekunden andauern darf, ein Feedback-Regler für die Anzahl der Wiederholungen und ein Filter, das auf analoger Basis arbeitet. Der Blickfang auf der Oberfläche des Eventide Rose ist jedoch zweifellos die zentral platzierte Rose, die in der Geschwindigkeit des Delays bzw. der Modulationsgeschwindigkeit pulsiert und, je nach momentan gewählter Betriebsart, entsprechend ihre Farbe wechselt.

Eventide Rose Delay-Pedal – ein Zwischenfazit

Ein derartig ausgestattetes System würde man dem Eventide Rose auf den ersten Blick gar nicht zutrauen. Und das ist vielleicht gar nicht so schlecht, denn für die unter uns, die mit der Stepperei durch Menüs ohnehin auf Kriegsfuß stehen, würde ein entsprechend aufwendig aufgebautes Layout mit vielen Schaltern, Display und Tasten eher abschrecken. Wenn man jedoch in die Tiefen des DSPs abtauchen möchte, dann kann man dies ausgiebig tun und das Eventide Rose Delay-Pedal zu seinem absoluten Sklaven machen. Nahezu jeder Parameter ist extern per Pedal, Schalter oder anderen Controllern steuerbar und eine vollwertige MIDI-Implementation bereiten das Gerät auch für andere Einsatzgebiete vor – auch wenn es durch die nur in Mono arbeitende Signalführung deutliche Einschränkungen gibt. Ob es trotzdem auch in Mono reicht, werden wir jetzt im Praxisteil hören!

Eventide Rose Rose LED

Eventide Rose – in der Praxis!

Ohne auch nur den leisesten Hauch von Nebengeräuschen erwacht das Eventide Rose nach Drücken des Active-Schalters zum Leben. Der Rauschabstand ist wirklich erstaunlich, selbst bei voll aufgeregeltem Mix-Poti ist rein gar nichts zu hören und ich kann mich kaum daran erinnern, mal ein Effektpedal getestet zu haben, das in diesem Punkt derart überzeugt. Aber klar, wir haben es ja hier schließlich mit einem Effektgerät von Eventide zu tun, da sollte man eigentlich nichts anderes erwarten. Das Angebot an Sounds ist schlicht erdrückend, das Rose ist kein einfaches Effektpedal, es ist eine Echomaschine, bei der kaum Wünsche offenbleiben sollten.

Basierend auf einem edlen Grundsound sorgen extrem räumlich klingende Slapback-Echos, wild modulierte Tape-Delay-Sounds, gefilterte Delays und jede Menge weiterer Modulationssounds für abendfüllende Sessions. Sehr praktisch ist die Speicherfunktion mit ihren fünf Plätzen für eigene Kreationen und die Möglichkeit, zwei Sounds synchron zu laden und mit dem Hot-Schalter auszuwählen. Man kann sogar die beiden A/B-Sounds stufenlos ineinander blenden, wenn man ein Expressionpedal anschließt.

Die Signalqualität ist erwartungsgemäß hoch, eben typisch Eventide. Und dennoch fragt man sich, wieso man der Kiste keine Stereosignalführung spendiert hat – das würde die ohnehin schon famose Soundqualität noch einmal deutlich toppen! Aber auch so schon bietet das Pedal so viel Potenzial, das man selbst auf lange Zeit gesehen kaum ausreizen kann und zumindest alles im Gitarrenbereich zur Verfügung stellt, was sich der gemeine Saitenkünstler nur wünschen könnte.

Eventide Rose – die Klangbeispiele

In den Klangbeispielen hören wir die 5 Werks-Presets des Eventide Rose, die ich zum Teil leicht modifiziert habe. Das Pedal wurde in den Effektweg meines Orange Micro Dark geschaltet, der wiederum mit einer 1x 12″ Celestion Vintage 30 Box verbunden war. Als Mikrofon kam ein AKG C3000 zum Einsatz.

Fazit

Zugegeben: Rund 400,- Euro sind eine ganze Stange Geld für ein Delay-Pedal, das sogar nur in mono betrieben werden kann. Was sich jedoch unter der unscheinbaren Haube des Eventide Rose verbirgt, ist eine mächtige Echomaschine, die mit ihrer Funktionalität und dem absolut nebengeräuschfreien Sound jedem produzierten Echo eine gewisse Magie einhaucht. Für Delay-Fans ist das Antesten Pflicht!

Plus

  • Signalqualität/Rauschabstand
  • enorme Flexibilität
  • Anschlussmöglichkeiten
  • fünf Presets dauerhaft speicherbar
  • zwei verschiedene Sounds auf Fußdruck

Minus

  • leider nur mono
  • sehr teuer

Preis

  • Ladenpreis: 399,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Gerade ein Delay lebt doch auch vom Stereo Effekt. Sehr schade, dass Eventide daran nicht gedacht hat – insbesondere bei einem 400 Euro Pedal.

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      In der Tat … obwohl man schon sagen muss, dass die Sounds auch in mono ausgesprochen gut klingen. Dennoch disqualifiziert sich das Teil ja dadurch automatisch für eine große Käuferschicht. Ist mir auch unverständlich.

      • Profilbild
        JT

        Ich hoffe das Posten von Zitat und Link widersprechen nicht der Forenordnung, aber das sollte einiges klarstellen.

        „One consequence of the bit bucket, non-DSP, approach is that any processing desired has to happen in the analog world. Mixing, filtering, feedback, soft sat are a snap if you have a DSP chip and write some code. Rose doesn’t. So, it’s a bit pricey to build with lots of analog components but it sure sounds sweet to me. It’s also an inherently mono effect and we know folks will throw darts but it is what it is. A stereo version would add cost. “

        https://www.eventideaudio.com/comment/34970#comment-34970

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