Eddies Sound goes Britain - EL34 satt!
Der EvH 5150 Iconic EL34 Röhrenverstärker überzeugt mich beim ersten Check durch kraftvollen Sound und Vielseitigkeit bei geringem Gewicht und cooler Optik.
Kurz & knapp
- Soundqualität: Kraftvoller, flexibler Röhrensound mit britischer Note und beeindruckender Verzerrung.
- Ausstattung: Zwei Kanäle, Zusatzschaltungen, Reverb, Effektweg und Recording-Out – viel Technik fürs Geld.
- Schwachpunkt: Overdrive nicht per Fußschalter schaltbar, Recording-Out nur als Miniklinke verfügbar.
- Verarbeitung: Solides Gehäuse und gut transportabel, aber teils einfache Bedienelemente.
- Preis-Leistung: für unter 700 € ein starker Amp mit ordentlich Druck und hohem Spaßfaktor.
Inhaltsverzeichnis
EvH 5150 Iconic EL34 Facts & Features
So klein und leicht (ca. 17 kg) der EvH 5150 Iconic auch zunächst erscheint – ich bin erstaunt, was dieser Gitarrenverstärker so alles mitbringt. Bestückt mit einer EL34 Röhre für den britisch-rauen Sound und einem 10″-Speaker, kann dieser kleine Freund mit seinen 15 Watt Ausgangsleistung so ziemlich jeden Nachbarn in die Verzweiflung treiben. Und auch, wenn das Kind schläft, sollte man vorsichtig sein, wenn man Amps dieser Leistungsklasse im heimischen Studio ancheckt. Letzteres ist experimentell nachgewiesen und kann zu ehelichen Zerwürfnissen führen.
Die Specs in Kürze
- Echter Röhrensound aus 2 ECC83 und einer EL34 Röhre(n)
- 15 Watt, auf ¼ reduzierbar
- 2 Kanäle mit je einer zusätzlichen Soundoption, Kanalwechsel per Fußschalter möglich
- Recording Out (frequenzkorrigiert)
- Eingang für externes Audio
- Effektweg (nicht schaltbar)
- Eingebauter Reverb
- zusätzlicher Speaker-Ausgang
- Gewicht ca. 17 kg
- Maße ca. 47 × 50 × 26 cm
Zwei Kanäle bringt der Brüllwürfel mit, einen cleanen Kanal, der bei Bedarf mittels einer Overdrive-Schaltung zu erheblicher Zerrung getrieben werden kann, und einen Distortion-Kanal, der über eine zusätzliche „Burn-Schaltung“ verfügt, die dem Sound einen Extra-Kick verschafft. Den Vorstufensound generiert der EvH 5150 Iconic mit Hilfe von zwei ECC83-Röhren. Das sind schon bewährte Zutaten für einen amtlichen Sound, doch schauen wir uns die weiteren Specs an:
Neben den beiden Kanälen mit ihrer jeweiligen Zusatzschaltung verfügt der Amp über eine 3-Band-Klangregelung, die sich beide Kanäle teilen, bevor sie getrennten Lautstärkereglern zugeführt werden. Gemeinsam wiederum nutzen beide Kanäle den Reverb und einen Resonance- und Presence-Regler, die dem Gesamtsound im Low- und High-End-Bereich auf die Sprünge helfen und dort aufräumen.
Macht auch mit einer 6L6-Röhre eine gute Figur:
Die Leistung des Amps kann von 15 Watt auf etwa ¼ der Leistung reduziert werden. Wem das immer noch zu laut ist, der nutzt den Speaker Emulated Output im Miniklinkenformat, der ein frequenzkorrigiertes Signal für Recordingsessions ausgibt. Auch ein Kopfhörer kann hier direkt angeschlossen werden. Nutzt man diesen Output, wird der interne Speaker stummgeschaltet. Wer dagegen etwas mehr Volume im Sound möchte, kann ein externes Cabinet anschließen. Hier steht ein paralleler Speaker-Out mit 4, 8 oder 16 Ohm zur Verfügung.
Externes Audio kann über eine Audio-In-Buchse in den Signalweg gefüttert werden. Das hier eingespeiste Signal wird vom Amp unbearbeitet an den Recording-Out weitergegeben, somit erweist sich dieser Eingang als guter Partner beim Üben. Über den eingebauten Speaker klingt die Wiedergabe erwartungsgemäß recht topfig, denn hier ist schließlich kein Fullrange-Speaker am Start, sondern ein echter Custom-Made Celestion Speaker.
Die komplett geschlossene Rückwand gewährt keinen Einblick ins Innere des EvH 5150 Iconic. Also Akkuschrauber raus und nachgeforscht. Das Innenleben des EvH 5150 ist, wie zu erwarten, aufgeräumt gestaltet, eine Point-To-Point-Verdrahtung wird in dieser Preisklasse niemand erwarten.
Der 5150 Iconic Röhrenamp in der Praxis
Am Griff ist der EvH 5150 Iconic gut zu transportieren, die gerade mal 17 kg, die hier erreicht werden, sind gut an einem Arm zu tragen. Da sich die Regler alle auf der Oberseite des Verstärkerchassis befinden, ist die Bedienung mit umgehängter Gitarre zunächst mal ungewohnt, weil die Regler die Beschriftung teilweise verdecken, wenn man vor dem Amp sitzt. Allerdings ist dies ja nun beileibe keine neue Bauform und wer alte Vöxe liebt, kommt auch hier schnell zurecht.
Die Regler sind gut bedien- und ablesbar. Die Buttons für die Kanalumschaltung und die zusätzlichen Soundoptionen könnten etwas stabiler ausgeführt werden, die hier verbauten kleinen Plastikdrückerchen leisten zwar ordnungsgemäß ihren Dienst, wirken aber nicht sonderlich langlebig.
Lauter geht immer – der 5150 Iconic als Topteil:
Was mir leider sofort auffällt, ist die Tatsache, dass die beiden Funktionen Overdrive und Burn nicht per Fußschalter abrufbar sind. Der mitgelieferte Fußschalter schaltet lediglich zwischen Kanal 1 & 2 um, auch der Reverb kann nicht per Fuß hinzugeschaltet werden. Schade, denn hier verschenkt man Potenzial, wenigstens der Overdrive hätte es verdient, per Fuß abrufbar zu sein.
Die beiden unabhängigen Lautstärkeregler für jeden Kanal machen die Anpassung zwischen beiden Kanälen einfach, allerdings ist der Lautstärkesprung von Clean auf Overdrive innerhalb des ersten Kanals schon beträchtlich und in der Praxis nur schwer in den Griff zu bekommen. Hätte der Overdrive einen eigenen Lautstärkeregler, wäre der Amp quasi als Dreikanaler durchgegangen. So hat man entweder zwei Zerrkanäle oder einen cleanen und einen verzerrten Sound.
Der Reverb lässt sich stufenlos dazu regeln, der Regelweg ist hier praxisgerecht, nach der ersten Hälfte ist der Reverb aber quasi „offen“ und, da es sich um einen Spring Reverb handelt, mit dem typischen, deutlichen Scheppern gesegnet. Das ist kein Minuspunkt, das muss so. Dass die Audio-In-Buchse als Miniklinke vorliegt, ist nicht verwunderlich. Beim Recording-Out hätte ich mir allerdings eine normale Klinkenbuchse gewünscht, denn will man diesen Output nutzen, um zum Beispiel beim Gig direkt ins Pult zu spielen, muss ein unprofessionelles Adapterkabel her. Eine Kombibuchse aus XLR und Klinke wäre noch schöner, damit hätte man alle Eventualitäten abgedeckt.
Cooles Team – der EvH 5150 Iconic und eine Wolfgang:
So klingt der 5150 Iconic Röhrenverstärker
Jetzt geht’s aber ans Eingemachte. Wie klingt denn nun unser Van-Halen-Baby? Um den Sound zu demonstrieren, stelle ich ein SM57 vor den Speaker, etwa in die Mitte zwischen Kalotte und Rand. Das ist eine bewährte Position. Zunächst hört ihr den Kanal 1 mit allen Reglern in Mittelstellung. Zum Einsatz kommt eine Harley Benton Humbucker-Tele mit nachgerüsteten Seymour Duncan Pickups. Nacheinander kommen der gesplittete und dann der ungesplittete Halspickup zum Einsatz. Das klingt schon verdammt rund schön crisp. Wem das zu spitz ist, der kann sich vielleicht mit dem zweiten Sound anfreunden, hier habe ich den Bass etwas hinzugeregelt und die Höhen reduziert.
Aber wer will schon cleane Sounds, wenn er Brett im Eddie-Style bekommen kann? Ich schalte den Overdrive des EvH 5150 ein, regele die Lautstärke deutlich runter, denn der Sprung ist eklatant. Aber was mich erwartet, macht mich glücklich. Der Sound ist fett und taugt sogar für Leadlines, die mit Singlecoils schön aggressiv daherkommen.
Was kann denn nun Kanal 2 noch für uns tun? Nun, hier arbeitet Röhrenverzerrung. Und zwar vom Feinsten. Mittels des Presence- und des Resonance-Reglers sind hier Nuancierungen möglich, die entweder den Ton aggressiver oder weicher machen und den Bassbereich schön tight darstellen lassen. Die Nebengeräusche nehmen natürlich bei den extremen Gain-Einstellungen ordentlich zu, dürften aber mit einem Noisegate problemlos in den Griff zu bekommen sein. Ich habe bei der Aufnahme ganz bewusst keins eingesetzt, um den Sound nicht zu verfälschen.
Der Sound ist breit, fett und trotzdem durchsetzungsstark, der Burn-Schalter legt noch ’ne Schippe Kohlen in die Brennkammer und versaut auch die letzte Tochter aus gutem Hause und lässt sie mit dem langhaarigen Taugenichts durchbrennen. Alles richtig gemacht!
Jetzt kommen wir zum Recording-Out. Dieser wird direkt per Adapterkabel (Grrrr…) ans Audiointerface gestöpselt, ihr hört also den Sound des „Speaker Emulated Output“, über den es leider keinerlei weitere Informationen gibt.
Clean gibt’s da überhaupt nicht zu meckern, das Brummen, das ihr da hört, ist ein Masseproblem in meinem Studio, also alles in Ordnung. Der zweite Kanal dagegen klingt etwas gequetscht und im Vergleich zur Mikrofonaufnahme etwas kratzig, aber trotzdem allemal brauchbar. Ein guter Tontechniker holt auch hier einen sehr guten Sound raus!
Zu guter Letzt demonstriere ich euch noch den eingebauten Reverb. Ihr hört ein wenig Gedaddel mit langsam ansteigendem Reverb. Da ich über den Reverb selbst keine Informationen habe, gehe ich davon aus, dass dieser digital erzeugt wird, eine Hallfeder ist im Inneren des Amps jedenfalls nicht erkennbar. Dafür verhält sich der Regler allerdings verdammt realistisch und auch der Reverb selbst klingt schön schepperig. Was bei Autos ein Ausschlusskriterium ist, ist bei uns Gitarristen eben ein Qualitätsmerkmal. Der Effektweg ist übrigens gänzlich unproblematisch und verträgt sowohl Pedaleffekte als auch Studioequipment.
Es bleibt zu erwähnen, dass ich alle Aufnahmen direkt in Logic angefertigt habe und an Effekten lediglich ein Lo-Cut-Filter bei etwa 80 Hz eingesetzt wurde.






























