Eddie goes Jazz, die "Wolfgang-ES335?"

Mit der EVH SA-126 Special QM präsentiert EVH ein edles Semi-Hollow-Modell, das den Geist von Eddie Van Halens Innovationsfreude in ein neues Klangkapitel führt – zwischen traditioneller Hollowbody-Ästhetik und dem druckvollen Rock-Erbe, für das die Marke steht.
- Was ist es? Eine Semi-Hollow-E-Gitarre mit Sustain-Block – die EVH SA-126 Special QM ist ein Tribut an Eddie Van Halens Innovationsgeist, entworfen von Sohn Wolfgang.
- Bauweise: Kammer-Korpus aus Mahagoni mit Linden-Sustain-Block, Quilted-Maple-Decke und F-Loch, gefertigt in Mexiko.
- Hals & Griffbrett: Geschraubter Mahagoni-Hals im EVH-Modified-C-Profil, Compound-Radius (12″–16″), Ebenholzgriffbrett mit 22 Jumbo-Bünden.
- Pickups & Elektronik: Zwei EVH SA-126 Humbucker (Tim Shaw Design) mit 2 Volume-, 2 Tone-Reglern und 3-Wege-Toggle-Switch.
- Hardware: EVH-Harmonica-Steg, Stop-Tailpiece, verchromte Mechaniken, 5-lagiges Binding, Gewicht ca. 3,7 kg.
- Fazit: Eine eindrucksvolle Mischung aus Les-Paul-Wucht und Hollowbody-Charme – hervorragende Bespielbarkeit und Soundvielfalt mit EVH-DNA.
Inhaltsverzeichnis
Als ich die EVH SA-126 Special QM (Quilted maple) auspackte, staunte ich nicht schlecht, denn was im elfenbeinfarbenen, mit blauem Samt gefütterten Koffer zum Vorschein kam, hatte ich nicht erwartet. Eine halbakustische E-Gitarre mit F-Loch und Sustain-Block und einer Wölkchen-Ahorndecke. Mein erster spontaner Gedanke lautete: „Eddie, du alter Jazz-Schlawiener.“ Normalerweise ist Eddie, was die Gitarrenfraktion betrifft, für seine Solidbody-Modelle (Wolfgang, Frankenstein) bekannt, deswegen darf man gespannt sein, ob der Vorstoß in ein neues Territorium von seinen Fans angenommen bzw. geschätzt wird.
Das Design des in Mexiko gefertigten Instruments stammt von Eddies Sohn Wolfgang. Im Allgemeinen weiß man, dass die Produkte, für die Eddie steht und die er vertreibt, im Vorfeld einiger sehr kritischer Tests unterzogen werden. Er war sich stets bewusst, dass er seinen guten Namen dafür hergibt. Da Eddie im Oktober 2020 leider viel zu früh von uns ging, kann er seine Produkte nun nicht mehr selbst auf Qualität prüfen, aber es ist zu vermuten, dass sein Sohn Wolfgang in seinem Namen handelt.
EVH SA-126 Special QM – Facts & Features
Die EVH SA-126 Special ist eine neue, kühne Interpretation. Sie kombiniert eine Mahagoni-Kammerkonstruktion mit einem Sustain-Block aus Linde. Das Finish in auffälligem Transparent-Purple ist sicherlich ein Blickfang. Eine Vibrato-Einheit bzw. ein Floyd-Rose-System sucht man bei diesem Modell vergeblich.
Die Gitarre kommt in einem individuellen weißen Form-Koffer, der einen wertigen Eindruck macht.
Die SA126QM Special wurde mit Blick auf „Playability“ und Komfort gebaut und verfügt über einen grafitverstärkten, geschraubten Mahagoni-Hals mit einem „EVH-Modified-C“-Profil. Der Compound-Radius (12 bis 16 Zoll) sorgt für den mühelosen Übergang zwischen Akkord- und Solospiel.
Korpus
Die Korpusform der SA-126 erinnert ein wenig an die EvH-Wolfgang-Modelle, die optisch eine Symbiose aus einer Telecaster und Les Paul sind. Der Korpus aus Mahagoni wurde mit Kammern versehen. In die Korpusmitte wurde ein „Sustain-Block“ (Mittelblock) aus Linde geleimt. Sollte es einmal lauter werden, was bei Freunden von Eddies Musik durchaus denkbar ist, verhindert dieser das ungewollte Entstehen von Feedback. Der Korpus wird von einem 5-lagigen Binding umschlossen. Die Wölkchen-Ahorndecke macht optisch viel her, die transparente Hochglanzlackierung bringt die Maserung der Decke schön zum Vorschein.
Hals
Der geschraubte Hals wurde aus zwei Teilen Mahagoni mit einer-Verstärkung aus Grafit gefertigt. Dies sorgt für mehr Stabilität. Das Halsprofil entspricht Eddies Vorlieben und trägt die Bezeichnung „EvH-modified-C-Profil“. Der sogenannte Compound-Radius (12–16 Zoll) sorgt dafür, dass der höhere Bereich mit einem etwas sportlicheren Radius versehen wurde, um das Solospiel komfortabler zu gestalten. Akkorde greifen sich in den unteren Lagen (12″) dagegen etwas leichter.
Das Griffbrett aus Ebenholz wurde mit 22 Jumbo-Bünden bestückt. Diese sind fett, angenehm hoch und erleichtern das Bending. Die Verarbeitung lässt nichts zu wünschen übrig.
Eddie fühlte ja gerne das rohe, unbehandelte Holz (Originalzitat aus meinem alten Guitar Player Magazin aus den 80ern: „I like to feel the wood“), deswegen wurde die Halsrückseite nur ausgesprochen dünn mit einem matten Klarlack überzogen.
Die Mensur von 24,75 Zoll entspricht einer Gibson Les Paul, ES335 etc. Die Sattelbreite beträgt 44,5 mm und ist damit etwas breiter als bei den meisten Stromgitarren (Standard 42–43 mm).
Die Griffbretteinlagen (Dreifach-Block) sorgen für einen individuellen Look. An den Griffbrettkanten wurden weiße Dots implementiert. Ein Graph Tech TUSQ-Sattel sorgt für möglichst wenig Reibung der Saiten beim Bending.
Sollte die Halsspannung einmal justiert werden, kann dies bequem mit der „EVH-Speichenrad-Einstellung“ (Music Man Patent) am Halsfuß erfolgen.
Hardware & Elektrik
Die Gitarre wurde mit zwei direkt montierten EVH SA-126-Humbuckern bestückt. Ohne Kappen versteht sich, wie bei Eddie üblich. Die Tonabnehmer, die von Tim Shaw und dem EVH-Team mitentwickelt wurden, sind für außergewöhnliche Vielseitigkeit ausgelegt und bieten alles von clean bis zu aggressiver Verzerrung, wie wir später noch hören können.
Erstaunlich ist der „EVH-Harmonica-Steg“, der für mehr Sustain sorgen soll. Das hat man lange nicht gesehen. Die Hardware wie die EVH-Keystone-Mechaniken und das Stop-Tailpiece wurde verchromt.
Für mehr „Tragekomfort“ sind gleich zwei Gurtpins montiert. Ein Pin „am linken Horn“ und ein zweiter an der „Neckplate“. Gut, diese Option zu haben. Die Gurtpins sind bewusst überdimensioniert, damit sich auch bei einer wilden Bühnenperformance der Gurt nicht lösen kann.
Die verbaute Elektrik wie der Toggle-Switch und die vier Potis (jeder Tonabnehmer besitzt seinen eigenen Lautstärke- und Klangregler) kennt man von unzähligen Gibson-Instrumenten und deren Kopien. Die Poti-Knöpfe wirken ausgesprochen old fashioned, aber warum nicht.
Handling
Die Gitarre kommt ausgewogen auf den Knien zu liegen, eine Kopflastigkeit ist nicht auszumachen. Das Gewicht (3,7 kg laut Küchenwaage) bewegt sich für eine Semiakustik mit Sustain-Block im gewohnten Rahmen. Der Hals aus Mahagoni fühlt sich aufgrund seiner dünnen, satinierten Lackierung angenehm schmeichelnd an. Das Halsprofil, der Compound-Radius und die hohen Bünde sorgen für Spielfreude. Ab Werk kommt die Gitarre mit einem „Satz Neuner“ (.009–.046). Die Bespielbarkeit ist schlicht großartig.
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Sound
Wir hören zunächst den Steg-Pickup mit einer ordentlichen „Portion Zerre“, wobei es bei meinem Test-Amp „Gain-mäßig“ nicht für die Metal-Abteilung reicht, dennoch ist der Sound extrem fett. Die Pickups liefern einen ausgewogenen und druckvollen Sound:
Der Hals-Pickup klingt ebenfalls satt. Die SA-126 liefert einen Klang, der durchaus vergleichbar mit einer guten Les Paul ist:
Nun wird der Gain-Regler am Verstärker auf 12 h zurückgedreht:
Auf dem Hals-Pickup könnten bluesige Phrasen etwa so klingen:
Auch clean macht die Gitarre einen guten Eindruck. Der Halstonabnehmer lässt sich in jeder Stilrichtung hervorragend einsetzen:
Steg-Pickup bei gleicher Einstellung:
Signalweg: EVH SA-126 Special – Peavey Classic Minihead – MESA/Boogie 1 × 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Sennheiser e906 – MOTU M4 – Mac Studio mit Logic




































Die klingt ja wirklich schön vielfältig und druckvoll gleichermaßen. Hätte ich dieser Firma – rein ausrichtungsmäßig – so nicht zugetraut, alle Achtung! Darüber hinaus spricht sie mich sogar optisch an (und da bin ich mäkelig, haha!). Und sie liegt selbst für mich nicht im ganz unbezahlbaren Bereich … Hach, wenn ich nicht schon eine Halbresonanzgitarre (wie man die Hohlen mit inwendigem Mittelblock früher nannte) hätte!
Aber die Versuchung ist schon groß. Danke für den schönen Test!