Test: EVH Wolfgang Special Striped, E-Gitarre

12. März 2019

Der Wolfgang im Gestreiften

EVH Wolfgang Special Striped

Die EVH Wolfgang Special Striped

Es gibt wohl kaum ein markanteres Design einer E-Gitarre in der Geschichte des Rock ’n‘ Roll als die gestreiften Klampfen von Eddie van Halen. Eigentlich gehört das sogenannte „Striped-Finish“ fest zur Signature-Strat von Eddie, so kennen wir es zumindest alle von etlichen Fotos, Alben und Konzerten des Kaliforniers mit niederländischen Wurzeln. Doch eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Eddies eigenes Baby Wolfgang den berühmten Streifenanzug überzieht. So ist es geschehen und genau so steht die EVH Wolfgang Special Striped nun neben mir, um sich von uns begutachten zu lassen.

EVH Wolfgang Special Striped – Facts & Features

Wer schon grundsätzlich ein Problem mit der Form des Korpus der Wolfgang hat, dem dürften bei der wilden Lackierung vermutlich noch ein paar mehr Haare zu Berge stehen. Fans von van Halen werden es aber genau so ganz bestimmt lieben und denen sei gesagt, dass die Lackierung in bester Qualität auf den Body aus Linde aufgetragen wurde. Schleifspuren im Lack oder gar Lacknasen sind rund herum nicht festzustellen und schon hier merkt man nach wenigen Blicken bereits, wie gut die Qualität doch ist, die Fender selbst bei seinen mexikanischen Instrumenten bieten kann. Ach so, wer es noch nicht wusste: Die Marke EVH gehört zur Fender Musical Instrument Corporation (FMIC), unter deren Regie diese Gitarren gebaut werden. So eben auch unsere Wolfgang, die ihren Namen übrigens dem Sohn von Eddie van Halen verdankt. Nur so als weitere Info für alle die, die sich bis hier hin immer noch fragen, wieso um Himmels willen man einer E-Gitarre einen solchen Namen verpasst!

Doch zurück zur Gitarre, deren Korpusdesign nicht nur Geschmackssache ist, sondern auch praktische Vorteile mit sich bringt. Das bezieht sich vor allem auf das Cutaway, das einen völlig mühelosen Zugang bis hinauf zum letzten Bund ermöglicht. Weiterhin wurde der Dreiwegeschalter für die Elektronik im oberen, verlängerten „Horn“ platziert, sodass man hier blitzschnell und ohne großes Gefummel zum Ziel kommt. Zugegeben, viel zu schalten gibt es nicht unbedingt, die beiden direkt in die Decke eingesetzten EVH Wolfgang Humbucker bieten nur die volle Dröhnung. Das bedeutet: Beide Spulen und nicht mehr und nicht weniger, denn eine Singlecoil-Option ist leider nicht vorgesehen.

EVH Wolfgang Special Striped Pickups

Zwei Wolfgang-Humbucker sorgen für den Sound

Viel weicher als in Butter – Bourns Low Friction Poti!

Worauf in den Spezifikationen zu dieser E-Gitarre explizit hingewiesen wird, ist das Bourns Low Friction Poti, das die Lautstärkeregelung übernimmt. Meine Damen und Herren, ist das großartig! Das Poti läuft so wunderbar weich und nahezu ohne Widerstand auf seiner Achse, dass es eine wahre Freude ist, hier mit Volume-Swells zu arbeiten oder den angeschlossenen Amp dynamisch zu steuern. Hinzu kommt, dass das Signal nur wenig an Dynamik verliert oder im Frequenzbild zu arg einbricht, wenn man das Volume an der Gitarre zurückfährt. Das darf ich an dieser Stelle vor dem eigentlichen Soundcheck schon mal verraten. Hier scheint wohl ein Treble-Bleed in die Schaltung integriert zu sein, uns kann das nur gefallen! Im Gegensatz dazu wirkt das Tone-Poti so, als würde es in zähem Honig laufen. Aber wer benutzt schon ein Tone-Poti?

EVH Wolfgang Special Striped – der Hals

Weiter geht es mit unserer Inspektion zum Hals, aus einem Stück Ahorn besteht, in den Korpus eingeschraubt wurde und ein Griffbrett aus Ebenholz trägt. Der Trend zum Compound-Radius-Griffbrett hat auch diese E-Gitarre erfasst, so ändert sich der Radius von 12″ im ersten Bund gleichmäßig verteilt den Hals hinunter zu einem mit 16″ am Halsfuß. Zu dem ohnehin schon recht flachen Halsprofil kommt eine hauchdünne Satinlackschicht auf der Halsrückseite, die der Greifhand ein absolut natürliches Spielgefühl vermittelt. Die Bundierung ist sehr gut gelungen, nichts steht über oder piekst an den Fingern bei Slides und auch an eine ausreichende Politur der Oberfläche jedes einzelnen Drahtes wurde gedacht. Nicht ganz so sauber wurde jedoch der Klemmsattel eingesetzt, der bei unserem Testinstrument einen knappen Millimeter zu weit rechts saß. Das hat in der Praxis überhaupt keine Bedeutung und führt uns direkt rüber zur Hardware der EVH Wolfgang Special Striped.

Die Hardware

EVH Wolfgang Special Striped Floyd Rose

Floyd Rose System mit D-Tuner

Von Anfang an bei der Wolfgang dabei und von Eddie nicht wegzudenken: Das Floyd Rose Vibratosystem, hier zusätzlich noch ausgestattet mit dem „D-Tuner“, ein weiteres typisches Markenzeichen einer Gitarre von van Halen. Das System inklusive dem Gimmick „D-Tuner“ verrichtet absolut zufriedenstellend seinen Dienst, nach wie vor wundert es allerdings, wieso unter dem Vibratoblock keine Fräsung vorhanden ist. So kann das System leider nur für Downtunings eingesetzt werden, was ja in der Praxis nur halb so viel Spaß macht.

Genau so wenig Spaß macht der Umgang mit dem Vibratohebel, denn der wird mal wieder, wie so oft bei Floyd Rose Systemen, mit einer Hutmutter gesichert. Das stellt den Benutzer mal wieder vor die Wahl, entweder den Hebel so fest einzuschrauben, dass er nach Benutzung der rechten Hand im Weg bleibt oder aber die Hutmutter nur so locker anzuziehen, sodass ein deutliches Spiel im Gewinde des Hebels spürbar und im schlimmsten Fall bei Tonaufnahmen mit der Gitarre sogar hörbar ist. Aber wir wollen ja nicht so kleinlich sein und man kann ja schon froh sein, dass man das System exzessiv benutzen kann, ohne danach direkt zum Stimmgerät greifen zu müssen. Das kennt man von den Low-Budget-Systemen von Floyd Rose auch ganz anders.

EVH Wolfgang Special Striped headstock

Auch die Kopfplatte dürfte nicht unbedingt jeden Geschmack treffen

EVH Wolfgang Special Striped – in der Praxis!

Wer jetzt immer noch mit dem Design des Korpus hadert, der sollte sich die EVH Wolfgang Special Striped einfach mal umhängen – oder auf den Schoß legen, das reicht schon. Die Gitarre ist schlicht perfekt ausbalanciert, auch wenn sie sicherlich nicht zu den leichtesten ihrer Art gehört. Der akustische Grundsound ist wunderbar kraftvoll, reich an Höhen und Mitten und mit einem sehr guten Sustain bestückt, zudem ist unser Testinstrument ab Werk in Sachen Saitenlage und Oktavreinheit bestens eingestellt. Das ergibt zusammen mit dem flachen Halsprofil und der griffigen Rückseite des Halses eine sehr gute Bespielbarkeit, die durch keinerlei Artefakte, wie etwa Schnarren oder Deadspots, ausgebremst wird. Etwas gewöhnungsbedürftig, zumindest für mich, ist die Positionierung der Feintuner auf der Floyd Rose Bridge. Deren exponierte Lage könnte für den einen oder anderen Spieler Probleme beim Ablegen der rechten Hand bereiten, denn es geht dort schon sehr beengt zu.

Die beiden Wolfgang Humbucker passen von ihrem Charakter sehr gut zur Grundkonstruktion der Gitarre. Ist ja auch kein Wunder, sie wurden ja schließlich genau dafür gemacht und sind ja auch nur in der Wolfgang zu bekommen. Der kraftvolle und strahlende Grundsound der Konstruktion erhält durch sie eine „kalifornische“ Färbung: seidenweich, cremig und trotzdem mit einer gehörigen Portion Durchsetzungskraft ausgestattet. Allerdings sollte man es mit der Zerrung nicht zu sehr übertreiben, da sonst der Weg in den Matsch bevorsteht. Das gilt zumindest dann, wenn man gerne mehrstimmige Akkorde mit Overdrive einsetzt, in dem Fall geht dann doch eine Menge an Substanz verloren. Vermissen hingegen tue ich persönlich ja die Option, die beiden Wolfgangs im Singlecoil-Modus betreiben zu können. Was spräche denn gegen ein Push-Pull-Poti?

EVH Wolfgang Special Striped – Klangbeispiele

Nun aber zu den Klangbeispielen, für die ich die EVH Wolfgang Special Striped an mein Referenz-Setup Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion Vintage 30 Box eingeklinkt habe. Aufgenommen wurden die Tracks mit einem AKG C3000 Mikrofon in Logic Audio.

Beginnen wir mit einem unverzerrten Beispiel und ein paar Pickings, eingespielt mit beiden Pickups (Dreiwegeschalter in mittlerer Position), ein brauchbarer Cleansound, aber wie war das mit den Singlecoils? Ach, lassen wir das …

Im nächsten Beispiel ein Crunchsound mit beiden Pickups und abgesenktem Volume-Poti. Habe ich schon erwähnt, wie cool ich dieses Bourns Low Friction Poti finde? Sehr schön, dass die Dynamik und das Frequenzbild kaum unter der Zurücknahme der Lautstärke leiden.

In Beispiel 3 ein klassisches 80s-Metalriff, eingespielt mit dem Wolfgang am Steg.

Abschließend zwei Leadsounds mit hohem Gain. Das Erste eingespielt mit dem Front-Humbucker, das Zweite mit dem Kollegen am Steg.

Fazit

Auch im rot-weiß-gestreiften Dress ist und bleibt die EVH Wolfgang das, was sie ist: eine pure Rock ’n‘ Roll Gitarre, an der es auch im 1o. Jahr seit ihrer Markteinführung kaum etwas auszusetzen gibt. Die Verarbeitung unter der Feder von Fender besitzt ein hohes Niveau und wer auf Singlecoil-Sounds verzichten kann, der dürfte in der EVH Wolfgang Special Striped annähernd die perfekte Rockgitarre in dieser Preisklasse gefunden haben.

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • cremiger Sound
  • komfortabel bespielbar

Minus

  • keine SC-Option der Pickups

Preis

  • Ladenpreis: 999,- Euro
Klangbeispiele
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