Wird dieser Synth zum neuen Ambient-Geheimtipp?
Luft als Instrument nutzen? Was im ersten Moment eher merkwürdig klingt, soll mit dem neuen Synthesizer-Plug-in Excite Audio Evolve Air möglich werden. Statt auf aggressive Leads oder druckvolle Bässe konzentriert sich das Instrument auf schwebende Sounds, vielschichtige Flächen und feine Geräuschanteile. Vier frei kombinierbare Klangquellen, ein zentrales X/Y-Pad und eine umfangreiche Effektsektion bilden die Grundlage dafür. Wie sich Excite Audio Evolve Air in der Praxis schlägt und wo seine Stärken liegen, zeigt der folgende Testbericht.
Was ist es? Excite Audio Evolve Air ist ein atmosphärisch ausgelegtes Synthesizer-Plug-in mit vier Layern, X/Y-Pad und integrierter Effektsektion für schwebende Pads und Soundscapes.
- Klangfokus: Speziell auf luftige Pads, Texturen und experimentelle Klangflächen ausgelegt.
- Layer-Konzept: Vier frei kombinierbare Klang-Layer ermöglichen komplexe Sounds aus Samples oder Synth-Oszillatoren.
- X/Y-Steuerung: Das zentrale X/Y-Pad erlaubt schnelle Klangmischungen und dynamische Modulationen.
- Sounddesign: Makros, Modulationsmatrix und eigene Samples erweitern die Möglichkeiten deutlich.
- Praxis: Intuitiver Aufbau sorgt für schnelle Ergebnisse, bleibt aber flexibel für detaillierte Klanggestaltung.
Inhaltsverzeichnis
Excite Audio Evolve Air Synthesizer-Plug-in
Das Software-Instrument versteht sich als eine Art Sample-Synthesizer mit besonderem Fokus auf atmosphärische und luftige Klänge. Durch die vier frei kombinierbaren Klangquellen und eine umfangreiche Sektion für Effekte und Modulationen entsteht ein Aufbau, der nicht nur zu schnellen Ergebnissen führt. Er erlaubt auch detaillierte Eingriffe.
Oberfläche und Preset-Bereich
Der obere Bereich des Excite Audio Evolve Air zeigt alle grundlegenden Funktionen rund um Presets und globale Einstellungen. Sounds lassen sich hier über die Preset-Leiste durchsuchen, überschreiben, speichern und als Favorit markieren. Wie bei Excite Audio üblich, generiert eine Zufallsfunktion auf Wunsch neue Soundvarianten.
Im Einstellungsmenü lassen sich Parameter wie das Legato-Verhalten, die Glide-Zeit oder der optionale Eco-Modus einstellen. Auch die Position der Makros im Signalweg kann hier bestimmt werden.
Vier Klangquellen im Sample-Modus
Jeder der vier Layer kann im Sample- oder im Synth-Modus betrieben werden. Im Sample-Modus liefert die interne Bibliothek eine große Auswahl an Texturen, die sich individuell anpassen lassen. Pitch und Fine regeln die Stimmung, während der Tone-Regler die klangliche Balance beeinflusst. Zusätzlich stehen in jedem Layer Regler für Panorama, Velocity-Empfindlichkeit und Lautstärke zur Verfügung.
Synth-Modus und Oszillatoren
Im Synth-Modus wird der Klang von einem Oszillator erzeugt, dessen Schwingungsform sich zwischen Sinus, Dreieck, Sägezahn, Rechteck und Puls wählen lässt. Hier stehen Parameter für Tonhöhe, Feinstimmung, Panorama und Anschlagsdynamik bereit. Der Synth-Modus eignet sich besonders gut, um einem oder mehreren texturbetonten Samples eine tonale Komponente hinzuzufügen.
Eigene Samples integrieren
Neben der internen Library können auch eigene Audiodateien per Drag-and-drop direkt in das Plug-in geladen werden. Nach dem Laden lässt sich eine Grundtonhöhe festlegen, damit das Material korrekt über die Tastatur gespielt werden kann. Diese Funktion erweitert den Einsatzbereich deutlich, da sich so beispielsweise eigene Field-Recordings einbinden lassen.
Zentrale Steuerung per X/Y-Pad
Ein wesentliches Element des Excite Audio Evolve Air ist das X/Y-Pad in der Mitte der Oberfläche. Im Sounds-Modus mischt es die vier Layer A, B, C und D stufenlos miteinander. Im FX-Modus lassen sich Effektparameter auf die X- und Y-Achsen legen und ebenfalls stufenlos einstellen. So können mehrere Einstellungen gleichzeitig verändert werden. Außerdem können Modulatoren die Position des Punktes auf dem X/Y-Pad automatisieren. Dadurch können sich entwickelnde und bewegende Klangverläufe entstehen.
Makro-Regler
Vier Makro-Regler unterhalb des X/Y-Pads bieten direkten Zugriff auf häufig genutzte Klangveränderungen. Mist fügt dem Klang ein leicht verzerrtes weißes Rauschen hinzu.
Der Drift-Regler erzeugt einen Chorus in Kombination mit einer Pitch-Automation. Frost verleiht dem gespielten Sound ein Delay und Cloud sorgt für einen Shimmer-Hall.
Je nach Einstellung im globalen Menü greifen die Makros vor oder nach der Effektsektion in das Signal ein. Dadurch verändert sich ihr Klangcharakter entsprechend.
Filtersektion und Routing
Zur weiteren Klangformung stehen zwei parallel nutzbare Filter bereit, die sich in der erweiterten Ansicht befinden. Diese lässt sich über den Edit-Button im oberen Bereich des Excite Audio Evolve Air aufrufen. Zur Auswahl im Filterbereich stehen Hochpass, Tiefpass, Bandpass und Peak.
Neben Frequenz und Resonanz lässt sich hier auch eine zusätzliche Sättigung einstellen. Außerdem kann festgelegt werden, welche der vier Layer in welches Filter geführt werden. Dadurch lassen sich einzelne Klangbestandteile gezielt bearbeiten, während andere davon unbeeinflusst bleiben.
Effektsektion
Die dreistufige Effektsektion des Excite Audio Evolve Air ist modular aufgebaut und in ihrer Reihenfolge frei anpassbar. Enthalten sind unter anderem Effekte für Sättigung mit unterschiedlichen Charakteren, Delays, mehrere Halltypen und Dynamikwerkzeuge wie beispielsweise ein Kompressor.
Jeder Effekt verfügt über eigene Parameter und eine Mischfunktion (Mixer-Regler) zwischen dem originalen und dem bearbeiteten Signal. Das Ende der Signalkette bildet schließlich ein Limiter.
Hüllkurven und LFOs
Jede der vier Klangquellen besitzt eine eigene Hüllkurve mit erweiterten Parametern wie Delay und Hold. Sie lassen sich entweder per Regler oder in einer visuellen Ansicht anpassen. Diese Art der Einstellung findet sich auch im Reiter für beide LFOs.
Modulationsmatrix
Nahezu jeder Parameter im Excite Audio Evolve Air kann frei moduliert werden. Die Zuweisung erfolgt über die Modulationsmatrix. Dort lassen sich Parameter wie Ziel, Quelle und Intensität festlegen und einzeichnen.
Sounderstellung mit dem Excite Audio Evolve Air
Im folgenden Beispiel soll ausgehend vom Init-Preset des Excite Audio Evolve Air ein schwebendes und atmosphärisches Pad mit einer leichten Klaviertextur entstehen. Das Init-Preset enthält vier leere Sample-Layer, ein geladenes Hochpassfilter bei 1 kHz und eine leere Effektkette.
Vier Layer
Im ersten Schritt geht es an die Layer. Um schnell zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen, konzentriere ich mich auf die Samples des Plug-ins und wähle für Sound A „High and Low“. Dieses Preset verbindet bereits ein tiefes und breites Pad mit einem Attack-reichen Pluck-Sound.
Für den zweiten Layer wähle ich ein klavierähnliches Sample, das allerdings etwas tief klingt. Deshalb wird es im nächsten Schritt um zwei Oktaven nach oben gestimmt.
Für den Slot Sound C wird das luftige Pad „Air Tunnel Atmos“ geladen, das dem finalen Sound mehr Breite verleihen soll. Auch dieses Sample ist recht tief, weshalb es um eine Oktave nach oben gestimmt wird.
Das Fantasy-Sample wird in Sound D geladen und ist von sich aus sehr voll und breit. Für einen interessanteren und weniger Attack-reichen Klang im Endergebnis lasse ich das Sample per Knopfdruck auf die Pfeiltaste im Layer rückwärts abspielen.
Bei der Aktivierung aller vier Layer entsteht bereits ein breites Pad mit dem gewünschten klavierartigen Klang.
X/Y-Pad und Makros
Durch eine grobe Einstellung des X/Y-Pads hebe ich die Klänge der Layer A und B etwas stärker hervor. Sofort klingt der Gesamtsound definierter und klarer.
Um diesen Effekt zu verstärken, nutze ich im nächsten Schritt die Makro-Regler unter dem X/Y-Pad. Der Drift-Makro für etwas Chorus und Pitch-Automation wird auf etwa 40 % aufgedreht, der Frost-Makro für ein dezentes Delay ebenfalls. Der Cloud-Makro, der für einen Shimmer-Hall zuständig ist, wird auf etwa 30 % eingestellt.
Filter und Hüllkurven
Um den bisher gebauten Sound weiter zu formen, schaue ich im nächsten Schritt auf die Filtersektion. Hier nutze ich ausschließlich das erste Filter, das bereits als Low-Cut-Filter eingestellt ist. Es wird bei etwa 242 Hz angesetzt, beeinflusst aber nur die Layer A, C und D.
Um den Gesamtklang breiter und sphärischer zu machen, verlängere ich die Release-Zeit aller vier Layer. Layer A und Layer C erhalten außerdem eine etwas längere Attack-Zeit, wodurch der Attack-reiche Klang von Layer B etwas deutlicher in den Vordergrund tritt.
Effekte und Ergebnis
Im letzten Schritt nutze ich die internen Effekte, um den erstellten Klang abzurunden. In den ersten Slot lade ich zunächst einen dezenten Phaser, der etwas Bewegung in den Sound bringt.
Im letzten Schritt wähle ich einen Federhall mit einem Mixanteil von etwa 20 %. So entsteht der finale Klang.
Excite Audio Evolve Air: Sound-Beispiele
Alternativen zum Excite Audio Evolve Air
Wer nach ähnlichen Konzepten sucht oder beim Excite Audio Evolve Air einen anderen klanglichen Schwerpunkt bevorzugt, findet einige interessante Alternativen:
Arturia Pigments
Arturia Pigments kombiniert mehrere Syntheseformen innerhalb einer Oberfläche. Neben virtueller Analog-Synthese stehen hier Wavetable-, Sampling- und granulare Engines zur Verfügung. Im Vergleich zum Excite Audio Evolve Air ist Arturia Pigments breiter aufgestellt und deckt von klassischen Leads bis zu experimentellen Texturen nahezu alles ab.
Während Excite Audio Evolve Air eher auf atmosphärische Samples und die Arbeit mit verschiedenen Layern setzt, bietet Arturia Pigments deutlich mehr Eingriffsmöglichkeiten in die Klangformung. Dafür ist der Aufbau komplexer.
Hier geht es zum AMAZONA-Test.
Output Portal
Die Software verfolgt einen anderen Ansatz und konzentriert sich auf granulare Klangbearbeitung. Statt mehrere Layer miteinander zu mischen, wird eingehendes Audiomaterial in kleine Partikel zerlegt und neu zusammengesetzt. Dadurch entstehen bewegte und hörbar auch stark verfremdete Texturen.
Im Gegensatz zum Excite Audio Evolve Air liegt der Schwerpunkt hier weniger auf klassischer Synthese, sondern vielmehr auf der Transformation bestehender Klänge. Für atmosphärische Pads kann Output Portal eine spannende Ergänzung sein.
Hier geht es zum AMAZONA-Test.
Spectrasonics Omnisphere 3
Spectrasonics Omnisphere 3 ist eine umfassende Soundplattform mit riesiger Library und vielseitigen Syntheseoptionen. Verglichen mit dem Excite Audio Evolve Air bietet Spectrasonics Omnisphere 3 deutlich mehr Möglichkeiten in der Klanggestaltung. Die Oberfläche wirkt allerdings komplexer und ist weniger auf ein spezielles Klangthema fokussiert.








































Für den Preis eigentlich ein No-Brainer (selbst die Vollversion). Zudem läuft der Synthesizer noch unter Windows 7. Da sind für mich schon mal alle Ampeln auf grün.
Oder zumindest fast: Denn ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ich sehr viel von dem, was »Evolve Air« kann, auch erreichen könnte, wenn ich meine bereits zur Genüge vorhandenen Software-Synthesizer (oder auch Hardware) einfach stacke und deren Klänge dann in Effektketten in Reaper bearbeite (was ja auch »Ableton Live« und »Bitwig Studio« anbietet; Ableton hat das ja quasie sogar erfunden).
Da stellt sich mir die Frage, ob ich mehr erreiche, wenn ich mir »Evolve Air« kaufe und mich damit befasse (braucht ja auch Einarbeitung) … oder wenn ich einfach Vorhandenes benutze, mit dem ich mich sowieso schon auskenne. Aber ich kann verstehen, dass so eine »All-in-One«-Lösung schon spannend ist, wenn man vielleicht nicht bereits in den PlugIns ertrinkt.
@Flowwater Anfangs waren die Produkte von Excite Audio lediglich schicke Sample-Player. Viel hat sich seitdem nicht geändert, nur in die Diversifikation wurde investiert.
@Flowwater Dieselben Gedanken gehen mir bei neu vorgestellten Produkten immer öfter durch den Kopf. Wenn man also versucht, sich mit den bereits vorhandenen Mitteln dem Ergebnis des neuen Produkts zu nähern, könnte das dazu führen, dass man sich noch intensiver mit der eigenen Software auseinandersetzt.
hartman neuron like…vermise aber tiefe etwas.
Ambient als einsatz ja sehe ich auch so.so eher soundclouds oder warmer
sommerregen.
preis scheint auch okay zu sein.
PS:
war nukeControl direkt mit sounderzeugung?
oder software+Controller
🙂
@Viertelnote nukeControl? Meine Recherche kannte diesen Namen nicht.
@Filterpad ja wird anders genannt habe dich auf falscher fehrte geschickt.sorry😀
@Viertelnote das war software (neuron vs) plus controller (nuke).
https://www.amazona.de/interview-axel-hartmann/
den neuron gab‘s aber vorher auch als hardware-synthesizer
@dflt vielen dank!den meine ich auch
ja ich hab wieder was durcheinandergebracht.sorry.🙂
ich habe in händen den mal gehabt schon eine weile her.
war aber richtig massive und schwer:-)auch joystick orange okay aber sehr schön
leicht in der führung.wenn das standalone wäre. aber eben leider nur HW-controller+Software.joystick okay ich kann k1 verwenden aber das ist auch schnell
mit rasenmäher als gras geschnitten.interessanter ist da so ich meine WSA1 aber erschlägt er
dich mit functions derart man meint großes display aber so easy ist der nicht. hab ich nur als
masterkey synthese ist aber unverbraucht..okay ich steige wieder in off topic garten herum.
ich gehe zurück fand nur den niedrigen zaun schön😀
Hmm, nette Klangbeispiele, aber ist das nur mein Laptop, auf dem ich den Artikel lese, oder haben viele Klangbeispiele (vor allem 1-5) ein hochfrequentes „Zisseln“ dabei, von dem ich nicht weiß, ob es da hin gehört und das mich im Mix stören würde?
@Gereon: ist das im Original auch so? Soll das so sein?
@S_Hennig Hört sich für mich an wie ein Lofi Effekt Sample (alte Platte oder Ähnliches). Wahrscheinlich einer der Samples im Preset und somit abschaltbar. Habe einen von deren Sample/Synths, da wurde das so öhnlich in einigen Presets gebaut.
@Basicnoise Ganz genau so ist es. Das ist Teil des Sounds, kann aber auch ausgeschaltet werden.
@Gereon Gwosdek Danke für die Antwort. Dann ist ja alles gut. 🙂
Ich bin mir sicher, dass viele von uns zahlreiche Software Instrumente und Effekt PlugIns auf ihren Rechnern haben. Vergleichbare Ergebnisse werden erreicht, wenn man unterschiedliche Klangquellen bzw. Instruments zusammenstellt, diese auf einen Bus routet auf dem EQ, Shimmer Reverb, Delays usw. platziert werden – Voilà.
Durch die Setupmöglichkeiten der einzelnen Software Instrumente und FX auf dem jeweiligen Channel und anschliessend auf dem Bus lassen sich unendlich viele Klangwelten formen. Viel mehr, als als ein einzelnes Instrument-PlugIn zu leisten vermag.
Ich möchte das vorgestelle PlugIn nicht schlecht reden, ich kenne es nicht, doch gerade im Ambient gibt es keinen Königsweg (Instrument) den besonderen Sound zu kreieren. Der größte Geheimtipp ist für mich die eigene Kreativität.