Test: Faderfox PC44/UC44, MIDI-Controller

13. Juli 2017

Zwei silberne Füchse in top Qualität!

Es ist immer wieder eine besondere Ehre, Geräte testen zu können, die von kleinen Firmen hergestellt werden. Man merkt bei diesen Geräten, wie viel Denkarbeit, Schweiß und Herzblut in jedes einzelne Gerät geflossen ist. So auch bei den zwei MIDI-Controllern, dem Faderfox UC44 und dem Faderfox PC44.

Und so viel schon vorab: Ich muss sagen, dass ich schon fast ein bisschen stolz bin, dass solche feinen Geräte schon lange aus Hamburg kommen und sich auch gegen Massenprodukte behaupten können!

Faderfox stellt schon seit nunmehr 13 Jahren meist kleine MIDI-Controller her, die zwar natürlich absolut universell für alle MIDI-fähigen Geräte und Softwarelösungen benutzt werden können, aber doch oft mit Native Instruments Traktor oder Ableton Live im Hinterkopf entwickelt wurden. Über die Jahre werden immer wieder die gleichen hochwertigen Bauteile verwendet, welche sehr geradlinig und ohne großartige Designspielereien platziert werden. „Form follows function“ ist hier ganz klar die Devise. Einfache rote und grüne LEDs, runde Taster in Schwarz, Grün, Blau und Rot und immer die gleichen Potis und Encoder. Und schon das allein ist Design genug, denn wenn man einen Faderfox Controller gesehen hat, so wird man auch alle anderen aus einem großen Haufen an MIDI-Controllern ganz klar als Faderfox wiedererkennen.

Faderfox UC44/PC44 Flightcase

Faderfox UC44 und PC44 in Flightcase

Verpackung, Lieferumfang und Äußeres

Die Verpackung beider Controller kommt sehr schlicht als Karton mit ein wenig Schaumstoff im Inneren daher. Mehr brauchen beide Controller aber auch wirklich nicht, denn als allererstes fällt einem auf, dass sowohl der Faderfox UC44 als auch der Faderfox PC44 in einem schicken und handlichen Aluminiumkoffer inklusive Deckel verbaut sind. Das ist natürlich perfekt für den Transport, denn in diesem Koffer geht auch bei härterer Umgangsart ganz sicher nichts zu Bruch. Dazu kommt, dass man sich auch keine extra Taschen oder Flightcases für die beiden Controller zulegen muss, die wiederum meistens nicht ganz günstig sind. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, finde ich super!

Im Lieferumfang der beiden Faderfox-Controller befinden sich neben einer gut geschriebenen Bedienungsanleitung auch Blanko-Aufkleber, einer CD mit verschiedenen Infos und Miniklinke auf DIN5 Adapter, welche für die Verbindung mit Standard-MIDI-Kabeln benötigt werden. Man kann sich jetzt fragen, warum nicht gleich DIN5-Buchsen verbaut wurden, jedoch kommt man auf die Antwort ganz schnell, wenn man weiß, wie viel Platz diese Buchsen in Anspruch nehmen und man dann sieht, wie schön flach der Faderfox UC44 und der Faderfox PC44 geraten sind. Es war schlichtweg kein Platz dafür.

Faderfox UC44 Dicke

Dünner geht es kaum noch

Außerdem setzen immer mehr Hersteller auf die Miniklinken-Variante und man kann hoffen, dass dieser zum Industriestandard wird und sich die verschiedenen Hersteller endlich auf eine einheitliche Polung einigen. Denn bei Kabeln und deren Steckern ist kleiner und leichter immer besser, finde ich.

Faderfox PC44/UC44 Gummifüße

Dicke Gummifüße geben Halt

Auf der Unterseite beider Controller wurden dicke und weiche Gummifüße angebracht, die einen sehr sicheren Stand garantieren. Die USB-Buchse ist um 45 Grad abgewinkelt und befindet sich auf der Oberseite des UC44 und PC44. Der Stecker auf der Geräteseite des mitgelieferten USB-Kabels ist 90 Grad abgewinkelt. So kommt das USB-Kabel kaum mit dem Laptop oder anderen Gerätschaften ins Gehege und ein versehentliches Herausziehen ist so gut wie unmöglich. Auch der Aufbau des Setups wird so einfacher, als wenn man mit der Taschenlampe im Mund im Kabelgewirr auf der Bühne oder auf dem DJ-Pult wühlen muss.

Die abgewinkelte USB-Buchse, ergonomisch

Die Controller im Einsatz

So unterschiedlich die beiden Controller mit ihren verschiedenen Bedienelementen zu sein scheinen, sind sowohl der Faderfox PC44 als auch der Faderfox UC44 „einfach“ generische MIDI-Controller. Es können also beide Controller mit jedem MIDI-fähigen Programm benutzt werden. Diese Tatsache ist natürlich auch abseits vom DJ- und Musikgebrauch interessant, denn ich kann mir sehr gut vorstellen, dass auch Video-, Licht- und alle anderen Medienkünstler, an die ich hier noch nicht denke, gut viele Potis oder Fader in ihrem Setup gebrauchen können. Auf der mitgelieferten CD sucht man vergeblich nach vorgefertigten Mappings für Ableton Live oder Native Instruments Traktor, aber wer sich für solch einen Controller entscheidet, braucht eben solche sowieso nicht, denn man möchte den Controller seinen eigenen Vorlieben anpassen!

Was bekommt ihr also, wenn ihr euch entweder für den Faderfox PC44 oder den Faderfox UC44 entscheidet?

Faderfox PC44

Faderfox PC44

Der Faderfox PC44 bietet euch nicht mehr und nicht weniger als 68 Potis ohne Mittenrasterung, einen Push-Encoder mit Rasterung, 8 Tasten inklusive einer Shift-Taste mit dazugehörigen Status-LEDs und ein 4-Segment-Display, welches verschiedene Informationen anzeigt. Das sind mehr Potis als auf jedem anderen MIDI-Controller, der mir bekannt ist und den man von der Stange kaufen kann. Somit ist der PC44 der perfekte Controller um sehr viele unterschiedliche Parameter wie zum Beispiel Effekte eures Ableton Live Sets im direkten Zugriff zu haben, ohne sich durch Bänke oder gar Menüs wühlen zu müssen.

Damit man dabei die Orientierung im Wald der Potis nicht verliert, sind sie optisch durch Linien getrennt in 4 mal 4 Kästen angeordnet und zusätzlich in der 8 mal 8 Matrix von 1 bis 64 durchnummeriert. Und wem das noch nicht genug Übersicht ist, dem dämmert es nun, wozu man eigentlich die kleinen Blanko-Aufkleber in der Verpackung gefunden hat. Richtig! Einfach selber mit der gewünschten Funktion beschriften und zum passenden Poti kleben. Die Potis haben einen angenehmen Widerstand und sind nicht zu groß oder zu klein ausgefallen. Der Abstand zwischen den einzelnen Potis ist gut gewählt, so dass man auch im Eifer des Gefechtes nicht versehentlich die umliegenden Potis verstellt. Die vier großen Potis am unteren Rand des Faderfox PC44 bieten sich geradezu an, als Lautstärkeregler benutzt zu werden, denn sie haben einen noch etwas „saftigeren“ Widerstand als die kleinen Potis, der schon sehr an das schöne Feeling eines Rotary Mixers erinnert.

Angenehm große Potis

Der UC44 entspricht da schon eher einem klassischen Mischpult, denn er bietet euch 16 Fader mit gut 6 Zentimeter Regelweg, die wie die Potis beim PC44 optisch in 4 Gruppen unterteilt und nummeriert daherkommen. Zu jedem Fader gesellen sich jeweils zwei Taster mit dazugehörigen Status-LEDs. Am oberen Rand des Faderfox UC44 befinden sich 8 Push-Encoder mit Rasterung zu denen jeweils ein 2-Segment-Display und eine Status-LED gehört. Neben der roten Shift-Taste kann man mit den zwei Tasten daneben ebenfalls zusätzliche Funktionen für die Encoder und Fader aktivieren und durch Gruppen schalten. Der UC44 bietet auf dem achten Speicherplatz ein vorgefertigtes Mapping, um die grundlegenden Funktionen von Ableton Live, wie Lautstärke, Solo, Mute und so weiter steuern zu können.

Faderfox UC44

Faderfox UC44

Gemeinsamkeiten beider Controller

So viel zu den Unterschieden der beiden Faderfoxe – oder Faderfüchse? Nun zu den Gemeinsamkeiten, denn beide Geräte verfügen im Grunde genommen über die selben Funktionen unter der Haube. Sowohl der PC44 als auch der UC44 sind so genannt „class compliant“, benötigen also keine zusätzlichen Treiber, um zu funktionieren. Das heißt anschließen und loslegen. Auch die Stromversorgung wird über das USB-Kabel sichergestellt, es wird also kein zusätzliches Netzteil benötigt. Auch im Betrieb ohne einen Computer wird der benötigte Strom über das USB-Kabel in die Faderfoxe geliefert, lediglich ein Netzteil mit einem USB-Ausgang, wie man es von jedem Smartphone kennt, wird dazu zusätzlich gebraucht und ist nicht im Lieferumfang enthalten. Der standalone Betrieb ist aber auch über einen USB-Hub der mit einer externen Stromversorgung versehen ist möglich. Ist man in einer MIDI-fähigen Software unterwegs, so wirft man einfach das MIDI-Mapping an und kann sofort loslegen, die Bedienelemente des Faderfox UC44 oder des Faderfox PC44 den gewünschten Funktionen wie auch bei jedem anderen MIDI-Controller zuzuweisen.

Wie man ein MIDI-Mapping in der Software eurer Wahl zusammenstellt, solltet ihr an dieser Stelle natürlich schon drauf haben oder euch jetzt ganz dringend beibringen! Spannend wird es aber erst so richtig, wenn man sich die Bedienungsanleitung der beiden Faderfoxe zur Hand nimmt, denn neben einem einfachen Software-seitigen MIDI-Mapping kann man beim UC44 und dem PC44 jedes Bedienelement auch Hardware-seitig in einem Programmiermodus noch anpassen. Sehr nützlich ist, dass man in diesem Maximal- und Minimalwerte festlegen kann, um so zum Beispiel den Bereich eines Filters oder Equalizers zu begrenzen. Auch kann man die Beschleunigung der Push-Encoder oder auch die Auflösung von 7 Bit auf 14 Bit bei Potis umstellen.

Faderfox UC44 Funktionen

Alternativfunktionen des UC44

Für den Betrieb mit einem MIDI-fähigen Hardware-Gerät ist es natürlich essentiell, dass man die MIDI-Nachricht, also die Note, Program-Change und so weiter, die ein Bedienelement sendet, verstellen kann. Für die Fader des UC44 lässt sich ein „Abhol-Modus“ einstellen, um Wertesprünge beim Umschalten auf eine andere Bedienfunktion zu vermeiden. Encoder können Pitchbend, Fader Aftertouch und such Control-Change Daten senden. Und das sind nur ein paar der Einstellungen, die man vornehmen kann. Damit man mit einem Mapping aber nicht tagelang beschäftigt ist, ist es dazu möglich, Einstellungen von einzelnen Bedienelementen oder aber auch ganzen Bediengruppen zu kopieren und auf andere anzuwenden. Wie das alles genau funktioniert, ist in der Bedienungsanleitung recht gut und verständlich erklärt. Hat man sich sein gewünschtes Mapping zusammengebastelt, so kann man es sowohl im Faderfox UC44 als auch im Faderfox PC44 speichern, vor allem aber auch schnell zwischen verschiedenen gespeicherten Mappings wechseln.

Faderfox PC44 Encoder

Daten-Encoder

Das eröffnet vor allem in Setups mit vielen unterschiedlichen Geräten natürlich einige Möglichkeiten für den Live-Betrieb, ohne für jedes Gerät einen extra MIDI-Controller mitschleppen zu müssen. Um gespeicherte Setups zu verwalten und auch an einem anderen zu sichern, kann man diese per Sysex-Dump auf einen Computer übertragen, oder auch von dort wieder auf den Faderfox UC44 oder den Fderfox PC44 zurückzuspielen. Wer mit einem bunt gemischten Setup aus Software und Hardware unterwegs ist, den wird es zusätzlich freuen, dass sowohl der Faderfox UC44 als auch der Faderfox PC44 auch als MIDI-Interface genutzt werden können, um MIDI-Daten aus dem Computer an angeschlossene Hardware-Synthesizer oder Effektgeräte direkt weitersenden zu können.

Fazit

Der Faderfox UC44 und der Faderfox PC44 sind nach außen hin unaufgeregt designte MIDI-Controller, die es aber in Sachen Möglichkeiten und Funktionsumfang faustdick hinter den Ohren haben. Die Verarbeitungsqualität ist einfach super und die Tatsache, dass beide in ihrem eigenen Flightcase verbaut sind, trägt dazu nur noch bei.

Wer vielleicht sogar das nötige Kleingeld übrig hat, um sich beide großen Faderfoxe leisten zu können, der hat, was MIDI-Controller angeht, ausgesorgt, denn mehr Bedienelemente kann man eigentlich nicht mehr brauchen. Mit ihren umfangreichen Funktionen, die fast jeden anderen MIDI-Controller alt aussehen lassen, sollten der Faderfox UC44 und der Faderfox PC44 auch für alle zukünftigen Software- und Hardware-Lösungen gewappnet sein.

Plus

  • sehr gute Qualität und Haptik
  • großer Funktionsumfang
  • viele Möglichkeiten der Einstellung, auch tiefergehend in die Materie "MIDI"

Preis

  • Faderfox UC44: UVP: 599,00 Euro
  • Faderfox PC44: UVP: 549,00 Euro
Forum
  1. Profilbild
    litoni

    Schade das speziell der UC Faderport nicht kaskadierbar ist ( zumindest habe ich auf deren website nichts davon gelesen) Ausserdem sollten 100 mm Fader schon Standart sein, vorallem weil ja dieser Controller von der Verarbeitung einen guten Eindruck macht.

    • Profilbild
      Max Neumann  RED

      Du kannst einen zweiten UC44 oder auch jeden anderen MIDI-Controller über den MIDI-IN-Port „kaskadieren“. Oder eben über einen zweiten USB-Port an den Rechner anschließen.

      Ich denke die Wahl statt 100mm Fader 60mm Fader einzusetzen ist einfach der Kompromiss zwischen Benutzbarkeit und Portabilität. Welchen ich aber gut gelungen finde.

  2. Profilbild
    hijack  

    Danke für den Test. Der PC44 finde ich auf Grund der grossen Anzahl an Regler sehr interessant. Das bot bisher nur die leider nicht mehr produzierte Doepfer Drehbank.

    Kann man aber bei den beiden Controller auch NRPN Non-Registered Parameter Number Controller programmieren ?

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